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		<title>Ausschreibung: Anthologie &#8222;Erzähljournalismus der Gegenwart&#8220;</title>
		<link>https://hermes-baby.de/ausschreibung-anthologie-erzaehljournalimus-der-gegenwart/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Jul 2025 09:21:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Events]]></category>
		<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>AUSSCHREIBUNG: ANTHOLOGIE „Erzähljournalismus der Gegenwart“ CALL FOR REPORTAGEN (2020 – 2025) HERMES BABY gibt gemeinsam mit den Verlagen MÄRZ und KORBINIAN im Herbst eine Anthologie der aufregendsten Reportagen in den Jahren 2020 – 2025 heraus. Dafür suchen wir richtig gute Texte! Welche Reportage hat dich in den letzten Jahren besonders beeindruckt, berührt, zum Lachen gebracht? Das können eigene Reportagen sein, von Freunden oder Fremden, schick sie uns in einer formlosen Email, als pdf, Link oder Screenshot bis 8.3. an info@hermes-baby.de Aus allen Einsendungen wählen wir eine möglichst große Bandbreite aus. Doch es wird keine Gewinner geben, keine Pokale, keine Siegerfotos – das hier ist nicht der hundertste Journalistenpreis. Kultur ist kein Wettbewerb. Wir wollen die Form feiern, die Vielfältigkeit des Erzähljournalismus. Sollte der Text nicht von dir stammen, werden wir natürlich mit den Autoren und Autorinnen in Kontakt treten, falls wir uns für eine Veröffentlichung entscheiden.   Und warum das alles? Einst galt die Reportage als Königsdisziplin des Journalismus, dann wurde sie dank SPIEGEL-Skandal geschmäht und schließlich in ein redaktionelles Korsett aus formalen Vorgaben und inhaltlichen Einschränkungen gezwängt. Doch wir finden: Die Reportage könnte nach wie vor der Brückenschlag zwischen Journalismus und Literatur sein – so wie in anderen Sprachen üblich. Eine Form, in der Wirklichkeit und Fakten durch literarische Mittel destilliert werden – bis daraus echte Leseerfahrung entsteht. Wozu braucht es sonst noch lange Erzähltexte, wenn es Podcasts, Doku-Serien und YouTube gibt? Nur eine Reportage, die die Möglichkeiten des geschriebenen Wortes ausschöpft, hat bei der Medienkonkurrenz der Gegenwart eine Daseinsberechtigung. Zum Glück erscheinen nach wie vor Texte von Reportern und Reporterinnen, die sich zu engen Vorgaben widersetzen. Reportagen, die eigen klingen, individuell, genauso wie die wahren Geschichten, die sie erzählen. Die eine Form wagen, die der beschriebenen Wirklichkeit gerecht wird – statt in den immergleichen, abgeklärten Reportersound zu verfallen. Hin und wieder tauchen sie dann doch noch in den Printmedien auf. Und genau solche Texte suchen wir! Zur Veröffentlichung der gemeinsam entstandenen Anthologie organisieren wir stattdessen eine kleine Feier, zu der alle herzlich eingeladen sein werden. Konkreter heißt das, wir suchen ab jetzt alles außer: Reportagen, die nach szenischem Einstieg im dritten Absatz ein Portal stehen haben. Reportagen, die echte Menschen auf zwei bis drei Äußerlichkeiten reduzieren, statt in Lebenswirklichkeiten einzutauchen.Reportagen, die in starren Dramaturgien verharren. Reportagen, die klingen, als hätte man ChatGPT gebeten, eine Reportage zu schreiben. Reportagen, die sich in immergleichen Erzählmustern verfangen. Helft dabei, eine möglichst große Sammlung an grandiosen Reportagen der letzten Jahre zusammenzustellen. Wir freuen uns über jede Einsendung. DeineHermes Babies &#60;3</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/ausschreibung-anthologie-erzaehljournalimus-der-gegenwart/">Ausschreibung: Anthologie &#8222;Erzähljournalismus der Gegenwart&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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									<p style="font-weight: 400;">CALL FOR REPORTAGEN (2020 – 2025)</p><p style="font-weight: 400;">HERMES BABY gibt gemeinsam mit den Verlagen MÄRZ und KORBINIAN im Herbst eine Anthologie der aufregendsten Reportagen in den Jahren 2020 – 2025 heraus. Dafür suchen wir richtig gute Texte!</p><p style="font-weight: 400;">Welche Reportage hat dich in den letzten Jahren besonders beeindruckt, berührt, zum Lachen gebracht? Das können eigene Reportagen sein, von Freunden oder Fremden, schick sie uns in einer formlosen Email, als pdf, Link oder Screenshot bis 8.3. an <a href="mailto:info@hermes-baby.de">info@hermes-baby.de</a></p><p style="font-weight: 400;">Aus allen Einsendungen wählen wir eine möglichst große Bandbreite aus. Doch es wird keine Gewinner geben, keine Pokale, keine Siegerfotos – das hier ist nicht der hundertste Journalistenpreis. Kultur ist kein Wettbewerb. Wir wollen die Form feiern, die Vielfältigkeit des Erzähljournalismus. Sollte der Text nicht von dir stammen, werden wir natürlich mit den Autoren und Autorinnen in Kontakt treten, falls wir uns für eine Veröffentlichung entscheiden.</p><p> </p><p style="font-weight: 400;"><strong>Und warum das alles?</strong></p><p style="font-weight: 400;">Einst galt die Reportage als Königsdisziplin des Journalismus, dann wurde sie dank SPIEGEL-Skandal geschmäht und schließlich in ein redaktionelles Korsett aus formalen Vorgaben und inhaltlichen Einschränkungen gezwängt. Doch wir finden: Die Reportage könnte nach wie vor der Brückenschlag zwischen Journalismus und Literatur sein – so wie in anderen Sprachen üblich.</p><p style="font-weight: 400;">Eine Form, in der Wirklichkeit und Fakten durch literarische Mittel destilliert werden – bis daraus echte Leseerfahrung entsteht. Wozu braucht es sonst noch lange Erzähltexte, wenn es Podcasts, Doku-Serien und YouTube gibt? Nur eine Reportage, die die Möglichkeiten des geschriebenen Wortes ausschöpft, hat bei der Medienkonkurrenz der Gegenwart eine Daseinsberechtigung.</p><p style="font-weight: 400;">Zum Glück erscheinen nach wie vor Texte von Reportern und Reporterinnen, die sich zu engen Vorgaben widersetzen. Reportagen, die eigen klingen, individuell, genauso wie die wahren Geschichten, die sie erzählen. Die eine Form wagen, die der beschriebenen Wirklichkeit gerecht wird – statt in den immergleichen, abgeklärten Reportersound zu verfallen. Hin und wieder tauchen sie dann doch noch in den Printmedien auf.</p><p style="font-weight: 400;"><strong>Und genau solche Texte suchen wir!</strong></p><p style="font-weight: 400;">Zur Veröffentlichung der gemeinsam entstandenen Anthologie organisieren wir stattdessen eine kleine Feier, zu der alle herzlich eingeladen sein werden.</p><p><strong>Konkreter heißt das, wir suchen ab jetzt alles außer:</strong></p><ul><li>Reportagen, die nach szenischem Einstieg im dritten Absatz ein Portal stehen haben.</li><li>Reportagen, die echte Menschen auf zwei bis drei Äußerlichkeiten reduzieren, statt in Lebenswirklichkeiten einzutauchen.<br />Reportagen, die in starren Dramaturgien verharren.</li><li>Reportagen, die klingen, als hätte man ChatGPT gebeten, eine Reportage zu schreiben.</li><li>Reportagen, die sich in immergleichen Erzählmustern verfangen.</li></ul><p style="font-weight: 400;">Helft dabei, eine möglichst große Sammlung an grandiosen Reportagen der letzten Jahre zusammenzustellen. Wir freuen uns über jede Einsendung.</p><p style="font-weight: 400;">Deine<br />Hermes Babies &lt;3</p>								</div>
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		<title>Ausschreibung: Journalismus-Mentoring 2025/26</title>
		<link>https://hermes-baby.de/journalismus-mentoring-2025/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stark]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 May 2025 13:53:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Events]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hermes Baby möchte dich durch ein Mentoring-Jahr in deinen Visionen und Projekten unterstützen. Wenn du die Welt erforschen willst, indem du wahre Geschichten recherchierst und erzählst, laden wir dich ein: Werde ein Jahr lang Teil unserer Gemeinschaft. Wir helfen dir, deine Stimme als Autorin oder Autor zu finden. Und wir ermöglichen dir einen sicheren und kreativen Raum, in dem du dich als Erzähljournalistin oder Erzähljournalist entwickelst. Ausbildungen im Journalismus vermitteln häufig die immergleichen Schreibregeln. Diese sind für den Einstieg in den Beruf hilfreich, nutzen sich aber allzu schnell ab. Und sie haben ein Problem: Weil diese Regeln zu oft wie Gesetze verkündet werden, überlagern sie die Persönlichkeit des Schreibenden. Am Ende von Journalismusschule oder Volontariat lesen sich zu viele Texte nach Bausatz, sie folgen den immergleichen Mustern. Das macht sie eintönig und erwartbar. Jede gute Geschichte birgt das Versprechen, uns selbst im Anderen wiederzufinden. Um dieses Versprechen zu erfüllen, recherchieren Erzähljournalistinnen und Erzähljournalisten in zwei Richtungen: nach außen hin, die Fakten. Und nach innen, in sich selbst hinein, was die Fakten bedeuten. Nur so entstehen wahre Geschichten, die Informationen vermitteln und außerdem Sinn entfalten. Wir sind überzeugt, dass ein Erzähltext nur dann gelingt, wenn Autorinnen und Autoren aus ihrer Persönlichkeit heraus schreiben. Ausdrücklich ermuntern möchten wir Quereinsteigerinnen und Fachfremde, Überlebenskünstlerinnen und Sinnsucher – Leute, die sich begeistern für Menschen und für das Leben, das sie führen. Eine gute Geschichte lässt uns erfahren, wie Menschen mit den Missständen des Lebens, mit Ungerechtigkeit und Leid umgehen – aber auch mit Glück und Liebe. Die Gute Geschichte fragt nach dem Wie und Warum zwischen dem Wer und Was. Guter Erzähljournalismus bleibt dem Menschen zugewandt. Wir bieten dir: Du erhältst ein Stipendium an der Reporter Akademie in Berlin: In mehreren Kursen lernst du, wie du das Kunsthandwerk des Erzählens in unterschiedlichen journalistischen Ressorts und Formaten erfolgreich anwendest. Du bist willkommen bei den wöchentlichen Textkritiken und Kreativrunden. Sowohl bei den internen Treffen, als auch bei denen mit Gästen aus Theater, Musik, Literatur, Journalismus und anderen Bereichen des erzählerischen Wirkens. &#160;Über das Jahr hinweg werden dich verschiedene Mitglieder unserer Gemeinschaft als Mentor oder Mentorin begleiten. So ermöglichen sie dir einen Perspektivwechsel auf gelungenen Erzähljournalismus. &#160;Bis zu sechs erzähljournalistische Geschichten, die du während des Jahres erarbeitest, werden intensiv von mindestens einem Mitglied der Gemeinschaft begleitet und betreut. Wir unterstützen dich bei der Ausarbeitung und dem anschließenden Verkauf von Geschichten mit überregionaler Relevanz an renommierte Medienhäuser. Bei einer Bewerbung erwarten wir: Zeit für freiberufliches Arbeiten. Dabei ist es uns egal, ob du gerade eine Berufsausbildung abgeschlossen hast, dein letzter Abschluss das Abitur war, du im Xten Semester eines beliebigen Studiums steckst, aus einem komplett anderen Beruf in den Journalismus starten möchtest, schon den Sprung auf eine Journalistenschule gemacht hast oder mitten im Berufsleben steckst.(Einzige Ausnahme: Eine feste berufliche Anstellung mit mehr als 50 Prozent zeitlicher Auslastung gilt für uns als Ausschlusskriterium.) Bitte schicke uns entweder einen tabellarischen Lebenslauf oder einen Text, in dem du uns deine Motivation schilderst, warum du am Mentoring-Programm teilnehmen möchtest und warum wahres Erzählen dir wichtig ist&#160;(max. 8.000 Zeichen; inkl. Leerzeichen). Zusätzlich sende uns bitte eine Textprobe. Veröffentlicht oder unveröffentlicht, beides ist möglich. Bitte füge diese Dokumente deiner Bewerbung in Form einer PDF-Datei an. Falls Du noch keine Arbeitserfahrung hast oder keine Arbeitsprobe hast, mit der du dich wohl fühlst: Kein Problem! Ein Lebenslauf ist seinem Wesen nach eine Geschichte über eine Etappe unseres Lebens. Statt eines tabellarischen Lebenslaufs, erzähl uns etwas über dich. Und mache deutlich, warum wahre Erzählungen dir wichtig sind. Schicke uns diesen Text gern als PDF. (max. 8.000 Zeichen; inkl. Leerzeichen) _______________________________________________________________________________________ Bitte schicke deine Bewerbung mit dem Betreff “Bewerbung Mentoring Vorname Nachname” an mentoring@hermes-baby.de. Bewerbungsschluss ist der 19.10.2025, 24 Uhr. Feedback zur Bewerbung erhältst du zirka zwei Wochen nach Bewerbungsschluss. Das Mentoring beginnt noch in diesem Jahr nach individueller Absprache und begleitet dich voraussichtlich ein Jahr lang. Um die Qualität des Programms, die Intensität der Betreuung und die finanzielle Sicherheit der mit dem Programm verbundenen Fortbildungsstipendien zu gewährleisten, vergeben wir leider nicht mehr als zwei Plätze. Wir freuen uns sehr darauf, von dir zu lesen und wünschen viel Erfolg! Deine Hermes Babys</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/journalismus-mentoring-2025/">Ausschreibung: Journalismus-Mentoring 2025/26</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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									<p>Hermes Baby möchte dich durch ein Mentoring-Jahr in deinen Visionen und Projekten unterstützen.</p>
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<p>Wenn du die Welt erforschen willst, indem du wahre Geschichten recherchierst und erzählst, laden wir dich ein: Werde ein Jahr lang Teil unserer Gemeinschaft. Wir helfen dir, deine Stimme als Autorin oder Autor zu finden. Und wir ermöglichen dir einen sicheren und kreativen Raum, in dem du dich als Erzähljournalistin oder Erzähljournalist entwickelst.</p>
<p><!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --></p>
<p>Ausbildungen im Journalismus vermitteln häufig die immergleichen Schreibregeln. Diese sind für den Einstieg in den Beruf hilfreich, nutzen sich aber allzu schnell ab. Und sie haben ein Problem: Weil diese Regeln zu oft wie Gesetze verkündet werden, überlagern sie die Persönlichkeit des Schreibenden. Am Ende von Journalismusschule oder Volontariat lesen sich zu viele Texte nach Bausatz, sie folgen den immergleichen Mustern. Das macht sie eintönig und erwartbar.</p>
<p><!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --></p>
<p><em><span style="color: #e7b547;">Jede gute Geschichte birgt das Versprechen, uns selbst im Anderen wiederzufinden.</span></em></p>
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<p>Um dieses Versprechen zu erfüllen, recherchieren Erzähljournalistinnen und Erzähljournalisten in zwei Richtungen: nach außen hin, die Fakten. Und nach innen, in sich selbst hinein, was die Fakten bedeuten. Nur so entstehen wahre Geschichten, die Informationen vermitteln und außerdem Sinn entfalten.</p>
<p><!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --></p>
<p>Wir sind überzeugt, dass ein Erzähltext nur dann gelingt, wenn Autorinnen und Autoren aus ihrer Persönlichkeit heraus schreiben. Ausdrücklich ermuntern möchten wir Quereinsteigerinnen und Fachfremde, Überlebenskünstlerinnen und Sinnsucher – Leute, die sich begeistern für Menschen und für das Leben, das sie führen.</p>
<p><!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --></p>
<p><em><span style="color: #e7b547;">Eine gute Geschichte lässt uns erfahren, wie Menschen mit den Missständen des Lebens, mit Ungerechtigkeit und Leid umgehen – aber auch mit Glück und Liebe. Die Gute Geschichte fragt nach dem Wie und Warum zwischen dem Wer und Was.</span></em></p>
<p><!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --></p>
<p><em><span style="color: #e7b547;">Guter Erzähljournalismus bleibt dem Menschen zugewandt.</span></em></p>
<p><!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --></p>
<p><strong><span style="color: #000000;">Wir bieten dir:</span></strong></p>
<p><span style="font-size: 1rem;">Du erhältst ein Stipendium an der Reporter Akademie in Berlin: In mehreren Kursen lernst du, wie du das Kunsthandwerk des Erzählens in unterschiedlichen journalistischen Ressorts und Formaten erfolgreich anwendest.</span></p>
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<p>Du bist willkommen bei den wöchentlichen Textkritiken und Kreativrunden. Sowohl bei den internen Treffen, als auch bei denen mit Gästen aus Theater, Musik, Literatur, Journalismus und anderen Bereichen des erzählerischen Wirkens.</p>
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<p>&nbsp;Über das Jahr hinweg werden dich verschiedene Mitglieder unserer Gemeinschaft als Mentor oder Mentorin begleiten. So ermöglichen sie dir einen Perspektivwechsel auf gelungenen Erzähljournalismus.</p>
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<p>&nbsp;Bis zu sechs erzähljournalistische Geschichten, die du während des Jahres erarbeitest, werden intensiv von mindestens einem Mitglied der Gemeinschaft begleitet und betreut.</p>
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<p>Wir unterstützen dich bei der Ausarbeitung und dem anschließenden Verkauf von Geschichten mit überregionaler Relevanz an renommierte Medienhäuser.</p>
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<p><strong><span style="color: #000000;">Bei einer Bewerbung erwarten wir:</span></strong></p>
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<p>Zeit für freiberufliches Arbeiten. Dabei ist es uns egal, ob du gerade eine Berufsausbildung abgeschlossen hast, dein letzter Abschluss das Abitur war, du im Xten Semester eines beliebigen Studiums steckst, aus einem komplett anderen Beruf in den Journalismus starten möchtest, schon den Sprung auf eine Journalistenschule gemacht hast oder mitten im Berufsleben steckst.<br>(Einzige Ausnahme: Eine feste berufliche Anstellung mit mehr als 50 Prozent zeitlicher Auslastung gilt für uns als Ausschlusskriterium.)</p>
<p><!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --></p>
<p>Bitte schicke uns entweder einen tabellarischen Lebenslauf oder einen Text, in dem du uns deine Motivation schilderst, warum du am Mentoring-Programm teilnehmen möchtest und warum wahres Erzählen dir wichtig ist&nbsp;<span style="font-size: 1rem;">(max. 8.000 Zeichen; inkl. Leerzeichen)</span><span style="font-size: 1rem;">. Zusätzlich sende uns bitte eine Textprobe. Veröffentlicht oder unveröffentlicht, beides ist möglich. Bitte füge diese Dokumente deiner Bewerbung in Form einer PDF-Datei an.</span></p>
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<p><em>Falls Du noch <span style="text-decoration: underline;"><strong>keine Arbeitserfahrung</strong></span> hast oder <span style="text-decoration: underline;"><strong>keine Arbeitsprobe</strong></span> hast, mit der du dich wohl fühlst</em>: <strong>Kein Problem!</strong> Ein Lebenslauf ist seinem Wesen nach eine Geschichte über eine Etappe unseres Lebens. Statt eines tabellarischen Lebenslaufs, erzähl uns etwas über dich. Und mache deutlich, warum wahre Erzählungen <em><span style="text-decoration: underline;"><strong>dir</strong></span></em> wichtig sind. Schicke uns diesen Text gern als PDF. (max. 8.000 Zeichen; inkl. Leerzeichen)</p>
<p><!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --></p>
<p>_______________________________________________________________________________________</p>
<p><!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --></p>
<p>Bitte schicke deine Bewerbung mit dem Betreff “Bewerbung Mentoring Vorname Nachname” an mentoring@hermes-baby.de. Bewerbungsschluss ist der 19.10.2025, 24 Uhr.</p>
<p>Feedback zur Bewerbung erhältst du zirka zwei Wochen nach Bewerbungsschluss. Das Mentoring beginnt noch in diesem Jahr nach individueller Absprache und begleitet dich voraussichtlich ein Jahr lang.</p>
<p><!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --></p>
<p>Um die Qualität des Programms, die Intensität der Betreuung und die finanzielle Sicherheit der mit dem Programm verbundenen Fortbildungsstipendien zu gewährleisten, vergeben wir leider nicht mehr als zwei Plätze.</p>
<p><!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --></p>
<p>Wir freuen uns sehr darauf, von dir zu lesen und wünschen viel Erfolg!</p>
<p>Deine <em><strong>Hermes Babys</strong></em></p>
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		<title>Eine verlorene Ewigkeit</title>
		<link>https://hermes-baby.de/eine-verlorene-ewigkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jul 2024 07:55:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit 15 Jahren suchen Mandys Eltern nach ihrer verschwundenen Tochter. Doch als sie der Wahrheit endlich näherkommen, fallen Schüsse vor ihrer Haustür. Der Kampf um Gewissheit eskaliert Erschienen in ZEIT Verbrechen, Juli 2024 / Fotos: Mario Wezel Sie hat die Satinvorhänge vor die Fenster gezogen. Die Außenwelt soll ihr fernbleiben, sie ist ihr längst zur Bedrohung geworden. Sabine sitzt am Esstisch, hat die vom Rheuma schmerzende Hand in den Schoß gelegt. Die andere führt die Zigarette an ihre Lippen für den nächsten gedankenlosen Zug. Von Dutzenden Fotos an den Wänden blicken die Vorfahren auf sie herab. Einst war Sabine eine stolze Sinteza, zog mit ihren Eltern im Wohnwagen von Ort zu Ort. Schriller Jahrmarkttrubel und die klebrigen Massen der Menschen. Doch seit 15 Jahren ist sie nur mehr die Mutter eines abhandengekommenen Kindes. Nichts zermartert einen so sehr wie die Ungewissheit. Es war das Jahr 1988, Sabine 23 Jahre alt, als sie den zwei Jahre jüngeren Richard heiratete. Ein stiller, freundlicher Mann, der beim Sprechen manchmal verlegen lächelt. Im Jahr darauf, am ersten Weihnachtstag, brachte sie ihre Tochter Mandy zur Welt. Sechs Jahre später ihren Sohn. Sabine und Richard wurden sesshaft, zogen aus dem Wohnwagen schließlich in ein Haus in Niedersachsen. Mandy trat in der Mini Playback Show auf. Sie sang Destiny von Jennifer Rush; sie hatte Sommersprossen im Gesicht und trug lange, lockige schwarze Haare. Im Fernsehstudio sagte ein kleiner Elvis Presley zu ihr, sie sei die schönste Frau der Welt. Als Mandy älter wurde, bemerkte sie, dass sie bei den Jungs gut ankam. Sie schrieb mit manchen von ihnen E-Mails, sinti- prinzessin@hotmail.com, traf sie heimlich. Nachdem Mandy ihren Realschulabschluss bestanden hatte, begann sie eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau im Mercedes- Autohaus. Dann lernte sie diesen Jungen kennen. Sein Name kommt Sabine heute nicht mehr über die Lippen. [&#8230;] Der ganze Text in ZEIT Verbrechen, Ausgabe 27</p>
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]]></description>
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<p>Seit 15 Jahren suchen Mandys Eltern nach ihrer verschwundenen Tochter. Doch als sie der Wahrheit endlich näherkommen, fallen Schüsse vor ihrer Haustür. Der Kampf um Gewissheit eskaliert</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/zeit-verbrechen/2023/22/armut-entkommen-lebensgeschichte-missbrauch-drogen-psychiatrie">ZEIT Verbrechen</a>, Juli 2024 /  Fotos: Mario Wezel</p>



<p>Sie hat die Satinvorhänge vor die Fenster gezogen. Die Außenwelt soll ihr fernbleiben, sie ist ihr längst zur Bedrohung geworden.</p>



<p>Sabine sitzt am Esstisch, hat die vom Rheuma schmerzende Hand in den Schoß gelegt. Die andere führt die Zigarette an ihre Lippen für den nächsten gedankenlosen Zug. Von Dutzenden Fotos an den Wänden blicken die Vorfahren auf sie herab.</p>



<p>Einst war Sabine eine stolze Sinteza, zog mit ihren Eltern im Wohnwagen von Ort zu Ort. Schriller Jahrmarkttrubel und die klebrigen Massen der Menschen. Doch seit 15 Jahren ist sie nur mehr die Mutter eines abhandengekommenen Kindes.</p>



<p>Nichts zermartert einen so sehr wie die Ungewissheit.</p>



<p>Es war das Jahr 1988, Sabine 23 Jahre alt, als sie den zwei Jahre jüngeren Richard heiratete. Ein stiller, freundlicher Mann, der beim Sprechen manchmal verlegen lächelt. Im Jahr darauf, am ersten Weihnachtstag, brachte sie ihre Tochter Mandy zur Welt. Sechs Jahre später ihren Sohn. Sabine und Richard wurden sesshaft, zogen aus dem Wohnwagen schließlich in ein Haus in Niedersachsen. Mandy trat in der Mini Playback Show auf. Sie sang <em>Destiny</em> von Jennifer Rush; sie hatte Sommersprossen im Gesicht und trug lange, lockige schwarze Haare. Im Fernsehstudio sagte ein kleiner Elvis Presley zu ihr, sie sei die schönste Frau der Welt.</p>



<p>Als Mandy älter wurde, bemerkte sie, dass sie bei den Jungs gut ankam. Sie schrieb mit manchen von ihnen E-Mails, sinti- prinzessin@hotmail.com, traf sie heimlich. Nachdem Mandy ihren Realschulabschluss bestanden hatte, begann sie eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau im Mercedes- Autohaus. Dann lernte sie diesen Jungen kennen.</p>



<p>Sein Name kommt Sabine heute nicht mehr über die Lippen.</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text in ZEIT Verbrechen, Ausgabe 27</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/eine-verlorene-ewigkeit/">Eine verlorene Ewigkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<title>Was aus ihrem Hass wurde</title>
		<link>https://hermes-baby.de/benedikt-herber-fuehrte-eine-freundschaft-zu-einem-chatbot-lassen-sich-beziehungen-durch-eine-ki-ersetzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benedikt Herber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Oct 2023 07:28:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Benedikt Herber]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Erschienen im ZEIT Dossier, 12.10.2023/ Foto: Dietmar Gust Deutschland, Anfang der Neunziger: Neonazis gehören vielerorts zum Straßenbild. Sie jagen Migranten, zünden Flüchtlingsheime an, verprügeln linke Jugendliche. Ein Prozess in Koblenz führt zu den Skins von damals – und zu der Frage: Haben sie sich gewandelt? Sie begegnete ihm im Sommer 2007, auf einem Grillfest bei jemandem, mit dem sich ihr damaliger Freund herumtrieb. Sie saß auf einer Bierbank, als der schlanke Mann mit Kappe und Hornbrille neben ihr Platz nahm. Zunächst hätten sie kein Wort miteinander gesprochen, sagt sie heute. Doch dann habe er diesen Satz fallen gelassen: “Erinnerst du dich an den Brandanschlag in Saarlouis-Fraulautern? Das war ich, und sie haben mich nie erwischt.” Der Mann habe gelächelt. Sie habe danach nicht groß darüber nachgedacht. Bis zum November 2019. Da habe sie sich plötzlich wieder an die Begegnung erinnert. Auf Facebook sei sie zufällig auf einen Medienbericht gestoßen, in dem es um einen Anschlag auf ein Flüchtlingsheim im Stadtteil Fraulautern ging. So habe sie erfahren, dass dabei im September 1991 ein Mensch getötet worden war,&#160;der Ghanaer Samuel Kofi Yeboah. Ihr sei klar gewesen: Ich muss zur&#160;Polizei.&#160; Während die Zeugin all das vor dem Oberlandesgericht&#160;Koblenz&#160;erzählt, verzieht der Mann auf der Anklagebank keine Miene. Seine Haare sind ergraut, er trägt schwarzes Hemd, schwarze Jeans, schwarze Lackschuhe, wie an den meisten anderen Prozesstagen auch. Peter Werner S. ist heute 52 Jahre alt. Früher war er ein Skinhead. Mittlerweile, beteuert er, führe er ein bürgerliches Leben, mit Frau, Tochter, einem Job als stellvertretender Teamleiter in einer Autowaschstraße und, wie er sagt, “vielen ausländischen Freunden”. Dieser Mann ist angeklagt wegen Mordes. Aufgrund der Erinnerung der Frau, die er vor eineinhalb Jahrzehnten auf einem Grillfest kennenlernte; für eine Tat, die drei Jahrzehnte zurückliegt. Im Prozess gegen Peter Werner S. ist sie wieder da: die Zeit nach dem&#160;Mauerfall&#160;und der Wiedervereinigung, in der kahl rasierte, mit Baseballschlägern bewaffnete junge Männer vielerorts die Straßen beherrschten. Eine Zeit, in der es wie niemals zuvor und niemals danach in der Bundesrepublik zu Gewalt gegen Asylbewerber, Deutsche ausländischer Herkunft, Obdachlose und linke Jugendliche kam. Die meisten Menschen dürften dazu Bilder aus Ostdeutschland vor Augen haben. Der rechtsradikale Mob vor Plattenbauten im sächsischen&#160;Hoyerswerda, in denen Flüchtlinge und Vertragsarbeiter aus Mosambik und Vietnam untergebracht sind. Das brennende Wohnheim in Rostock-Lichtenhagen, die darin eingeschlossenen Vietnamesen in Todesangst. Skins und Hooligans, die mitten am Tag Afrikaner durch Magdeburg jagen. Diese Szenen haben sich ins kollektive Gedächtnis der Bundesrepublik eingebrannt. Was weniger bekannt ist: Auch in beschaulichen westdeutschen Orten wie dem saarländischen&#160;Saarlouis&#160;mit seinen 38.000 Einwohnern trieben sich damals junge Menschen in ihrem rechtsextremen Hass gegenseitig zu brutaler Gewalt an. Heute sind die Skins aus den allermeisten Städten verschwunden. Die sogenannten&#160;Baseballschläger-Jahre&#160;scheinen längst vergangen zu sein, wie eine versunkene Epoche. Aber sind sie das wirklich?&#160; 28. November 2022, der zweite Prozesstag: Peter Werner S. liest einen Text vor, in dem es um sein Leben geht. Zu seinem Vater habe er keinen Kontakt gehabt, sein Stiefvater habe ihn verprügelt. 1988, mit 17, habe er eine Bäckerlehre begonnen. Mit dem Gesellen habe er den Transporter der Bäckerei gestohlen, sie seien durch Europa getourt. Danach Mietbetrügereien in Frankfurt und München. Festnahme in einem Hotel in Saarlouis.&#160; In der Jugendstrafanstalt lernte Peter Werner S. einen anderen jungen Mann kennen, klein und schmächtig, mit dem er sich den ersten Vornamen teilt: Peter St. wird von Zeugen als charismatisch beschrieben, ein guter Redner.&#160; Im Frühjahr 1991 war Peter Werner S. wieder frei. Vor Gericht trägt er vor, er habe Peter St. zufällig auf der Brücke über die Saar wiedergetroffen. “Komm doch mit, lass uns noch was trinken gehen”, habe Peter St. zu ihm gesagt. So geriet Peter Werner S. in die Skinhead-Szene von Saarlouis. Peter St. war ihr Anführer. […] Gesamter Text bei ZEIT Online</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/benedikt-herber-fuehrte-eine-freundschaft-zu-einem-chatbot-lassen-sich-beziehungen-durch-eine-ki-ersetzen/">Was aus ihrem Hass wurde</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Erschienen im <a href="https://www.zeit.de/2023/43/neonazis-wende-mord-skins-rechtsextremismus-rassismus">ZEIT Dossier</a>, 12.10.202</em>3/ Foto: <em><em>Dietmar Gust</em></em></p>



<p><strong>Deutschland, Anfang der Neunziger: Neonazis gehören vielerorts zum Straßenbild. Sie jagen Migranten, zünden Flüchtlingsheime an, verprügeln linke Jugendliche. Ein Prozess in Koblenz führt zu den Skins von damals – und zu der Frage: Haben sie sich gewandelt?</strong></p>



<p>Sie begegnete ihm im Sommer 2007, auf einem Grillfest bei jemandem, mit dem sich ihr damaliger Freund herumtrieb. Sie saß auf einer Bierbank, als der schlanke Mann mit Kappe und Hornbrille neben ihr Platz nahm. Zunächst hätten sie kein Wort miteinander gesprochen, sagt sie heute. Doch dann habe er diesen Satz fallen gelassen: “Erinnerst du dich an den Brandanschlag in Saarlouis-Fraulautern? Das war ich, und sie haben mich nie erwischt.” Der Mann habe gelächelt. Sie habe danach nicht groß darüber nachgedacht. Bis zum November 2019.</p>



<p>Da habe sie sich plötzlich wieder an die Begegnung erinnert. Auf Facebook sei sie zufällig auf einen Medienbericht gestoßen, in dem es um einen Anschlag auf ein Flüchtlingsheim im Stadtteil Fraulautern ging. So habe sie erfahren, dass dabei im September 1991 ein Mensch getötet worden war,&nbsp;der Ghanaer Samuel Kofi Yeboah. Ihr sei klar gewesen: Ich muss zur&nbsp;Polizei.&nbsp;</p>



<p>Während die Zeugin all das vor dem Oberlandesgericht&nbsp;Koblenz&nbsp;erzählt, verzieht der Mann auf der Anklagebank keine Miene. Seine Haare sind ergraut, er trägt schwarzes Hemd, schwarze Jeans, schwarze Lackschuhe, wie an den meisten anderen Prozesstagen auch. Peter Werner S. ist heute 52 Jahre alt. Früher war er ein Skinhead. Mittlerweile, beteuert er, führe er ein bürgerliches Leben, mit Frau, Tochter, einem Job als stellvertretender Teamleiter in einer Autowaschstraße und, wie er sagt, “vielen ausländischen Freunden”.</p>



<p>Dieser Mann ist angeklagt wegen Mordes. Aufgrund der Erinnerung der Frau, die er vor eineinhalb Jahrzehnten auf einem Grillfest kennenlernte; für eine Tat, die drei Jahrzehnte zurückliegt. Im Prozess gegen Peter Werner S. ist sie wieder da: die Zeit nach dem&nbsp;Mauerfall&nbsp;und der Wiedervereinigung, in der kahl rasierte, mit Baseballschlägern bewaffnete junge Männer vielerorts die Straßen beherrschten. Eine Zeit, in der es wie niemals zuvor und niemals danach in der Bundesrepublik zu Gewalt gegen Asylbewerber, Deutsche ausländischer Herkunft, Obdachlose und linke Jugendliche kam.</p>



<p>Die meisten Menschen dürften dazu Bilder aus Ostdeutschland vor Augen haben. Der rechtsradikale Mob vor Plattenbauten im sächsischen&nbsp;Hoyerswerda, in denen Flüchtlinge und Vertragsarbeiter aus Mosambik und Vietnam untergebracht sind. Das brennende Wohnheim in Rostock-Lichtenhagen, die darin eingeschlossenen Vietnamesen in Todesangst. Skins und Hooligans, die mitten am Tag Afrikaner durch Magdeburg jagen.</p>



<p>Diese Szenen haben sich ins kollektive Gedächtnis der Bundesrepublik eingebrannt. Was weniger bekannt ist: Auch in beschaulichen westdeutschen Orten wie dem saarländischen&nbsp;Saarlouis&nbsp;mit seinen 38.000 Einwohnern trieben sich damals junge Menschen in ihrem rechtsextremen Hass gegenseitig zu brutaler Gewalt an.</p>



<p>Heute sind die Skins aus den allermeisten Städten verschwunden. Die sogenannten&nbsp;Baseballschläger-Jahre&nbsp;scheinen längst vergangen zu sein, wie eine versunkene Epoche. Aber sind sie das wirklich?&nbsp;</p>



<p>28. November 2022, der zweite Prozesstag: Peter Werner S. liest einen Text vor, in dem es um sein Leben geht. Zu seinem Vater habe er keinen Kontakt gehabt, sein Stiefvater habe ihn verprügelt. 1988, mit 17, habe er eine Bäckerlehre begonnen. Mit dem Gesellen habe er den Transporter der Bäckerei gestohlen, sie seien durch Europa getourt. Danach Mietbetrügereien in Frankfurt und München. Festnahme in einem Hotel in Saarlouis.&nbsp;</p>



<p>In der Jugendstrafanstalt lernte Peter Werner S. einen anderen jungen Mann kennen, klein und schmächtig, mit dem er sich den ersten Vornamen teilt: Peter St. wird von Zeugen als charismatisch beschrieben, ein guter Redner.&nbsp;</p>



<p>Im Frühjahr 1991 war Peter Werner S. wieder frei. Vor Gericht trägt er vor, er habe Peter St. zufällig auf der Brücke über die Saar wiedergetroffen. “Komm doch mit, lass uns noch was trinken gehen”, habe Peter St. zu ihm gesagt.</p>



<p>So geriet Peter Werner S. in die Skinhead-Szene von Saarlouis. Peter St. war ihr Anführer.</p>



<p>[…]</p>



<p>Gesamter Text bei <a href="https://www.zeit.de/2023/43/neonazis-wende-mord-skins-rechtsextremismus-rassismus">ZEIT Online</a></p>
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		<item>
		<title>Gift &#038; Gegengift</title>
		<link>https://hermes-baby.de/gift-gegengift/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Clara Hellner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Sep 2023 15:44:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Hellner]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Kenya werden jedes Jahr Tausende Menschen von Schlangen gebissen. Kamele sollen sie retten. Erschienen in REPORTAGEN, September 2023 Zwischen gleissendem Sonnenlicht und Finsternis liegen im kenyanischen Rift Valley nur Augenblicke. Die Konturen ihrer Hütte verschwammen schon, als Cheploke Ripokamar hinausging, um ihre Ziegen zu melken. Dass sich im Gehege ein weiteres Tier befand, eingerollt auf der sandigen Erde, bemerkte sie erst, als ihr nackter Fuss auf den Körper der Puffotter trat. Die Schlange riss ihren Kiefer auf und rammte die Fangzähne tief in Cheplokes Fuss. Die junge Frau schrie, versuchte, den Kopf der Schlange abzuschütteln. Die Kette aus weissen Holzperlen um ihren Hals klackert, wenn sie heute, neun Monate später, ihre Bewegungen von damals wiederholt. Ezra Ewoi hatte sich eine Pause verdient. Seit Stunden hob er auf einer Baustelle ein Wasserloch aus. Der junge Mann setzte sich auf einen Stein. Hitze schoss ihm in den Kopf, und als er nach hinten kippte, streckte er reflexhaft seine Hand aus, um sich aufzufangen. Er fühlt noch immer die feste, trockene Haut der Schlange am Handballen, verzieht das Gesicht, wenn er sich an das scharfe Stechen beim Biss erinnert. Seine dunkel untermalten Augen zeugen vom nur knapp gewonnenen Überlebenskampf. Lange vor den beiden hatte es Chepositem Pkopus’ Baby ge­troffen. Es schrie, liess sich einfach nicht beruhigen. Chepositem, damals noch ein Teenager, machte das Keuchen des Kindes Angst. Sie weckte die ältere Ehefrau ihres Mannes, und die beiden entschieden, ­mitten in der Nacht zum nächsten Krankenhaus aufzubrechen. Als sie an der Hauptstrasse ankamen, die zum Krankenhaus führt, war das Baby tot. Zurück in der Hütte, sank sie zu Boden. Da sah sie die aufgestellte Speikobra, die Bänder längs ihres Nackens ausgefahren. Die Giftschlange schnellte vor und biss Chepositem in die Schulter. [&#8230;] Der ganze Text hier oder in REPORTAGEN #72</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/gift-gegengift/">Gift &#038; Gegengift</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
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<p class="intro">In Kenya werden jedes Jahr Tausende Menschen von Schlangen gebissen. Kamele sollen sie retten.</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://reportagen.com/reportage/gift-gegengift/">REPORTAGEN</a>, September 2023 </p>



<p>Zwischen gleissendem Sonnenlicht und Finsternis liegen im kenyanischen Rift Valley nur Augenblicke. Die Konturen ihrer Hütte verschwammen schon, als Cheploke Ripokamar hinausging, um ihre Ziegen zu melken. Dass sich im Gehege ein weiteres Tier befand, eingerollt auf der sandigen Erde, bemerkte sie erst, als ihr nackter Fuss auf den Körper der Puffotter trat. Die Schlange riss ihren Kiefer auf und rammte die Fangzähne tief in Cheplokes Fuss. Die junge Frau schrie, versuchte, den Kopf der Schlange abzuschütteln. Die Kette aus weissen Holzperlen um ihren Hals klackert, wenn sie heute, neun Monate später, ihre Bewegungen von damals wiederholt.</p>



<p>Ezra Ewoi hatte sich eine Pause verdient. Seit Stunden hob er auf einer Baustelle ein Wasserloch aus. Der junge Mann setzte sich auf einen Stein. Hitze schoss ihm in den Kopf, und als er nach hinten kippte, streckte er reflexhaft seine Hand aus, um sich aufzufangen. Er fühlt noch immer die feste, trockene Haut der Schlange am Handballen, verzieht das Gesicht, wenn er sich an das scharfe Stechen beim Biss erinnert. Seine dunkel untermalten Augen zeugen vom nur knapp gewonnenen Überlebenskampf.</p>



<p>Lange vor den beiden hatte es Chepositem Pkopus’ Baby ge­troffen. Es schrie, liess sich einfach nicht beruhigen. Chepositem, damals noch ein Teenager, machte das Keuchen des Kindes Angst. Sie weckte die ältere Ehefrau ihres Mannes, und die beiden entschieden, ­mitten in der Nacht zum nächsten Krankenhaus aufzubrechen. Als sie an der Hauptstrasse ankamen, die zum Krankenhaus führt, war das Baby tot. Zurück in der Hütte, sank sie zu Boden. Da sah sie die aufgestellte Speikobra, die Bänder längs ihres Nackens ausgefahren. Die Giftschlange schnellte vor und biss Chepositem in die Schulter.</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text <a href="https://reportagen.com/reportage/gift-gegengift/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a> oder in REPORTAGEN #72</p>
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		<item>
		<title>Das Blut an den Bronzen von Benin</title>
		<link>https://hermes-baby.de/die-brueckenbauer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benedikt Herber]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Aug 2023 10:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Benedikt Herber]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Erschienen in Das Magazin, 18.08.2023/ Foto: Manny Jefferson Europäische Museen haben mit der Rückgabe von Kunstwerken begonnen, die zur Kolonialzeit aus dem heutigen Nigeria geraubt wurden. Doch nun behauptet ein Lokalfürst, die kostbaren Objekte seien sein Privateigentum.&#160;Eine Recherche von Zürich bis Lagos Der Prinz von Benin war geladen, um Raubkunst zu identifizieren, und so reiste er diesen Januar mit Bus und Bahn durch die Schweiz, nach Basel, Zürich und St.Gallen. Nie zuvor hatte der Kunsthistoriker das Land besucht, ein Visum ist unter normalen Umständen fast unerreichbar. Die Schweiz machte Eindruck auf den Prinzen: Es gefiel ihm, durch den Schnee zu stap- fen, vom Zugfenster aus die Berge zu sehen und dass es zu jeder Mahlzeit einen Korb mit Brot gab. In Zürich in der Badenerstrasse entdeckte er ein Restaurant, benannt nach seiner Urahnin, Königsmutter Idia, westafrikanische Küche. Er ass Erdnusssuppe mit Fisch, und nachdem er die Inhaber darüber aufgeklärt hatte, dass er ein Prinz von Benin ist, ein Nachfahre der Idia also, da erzählte er bei nigerianischem Bier bis spätnachts aus seinem Leben. Der Höhepunkt für den Prinzen aber war der Besuch im Zürcher Museum Rietberg. Als er erstmals die Kunst seiner Vorfahren in den Händen hielt. Es war jene Kunst, welche die Kolonialisten vor 126 Jahren aus dem Palast seines Urgrossvaters geraubt hatten, dem Oba Ovonramwen, König von Benin: aus Messing gegossene Köpfe seiner Ahnen, Skulpturen wilder Tiere oder Relieftafeln, auf denen historische Ereignisse abgebildet sind. In diesem Moment, sagt der Prinz, habe er sich alt gefühlt. Sehr alt. Dann schweigt er. Der Prinz heisst Patrick Oronsaye, er ist Mitte sechzig und sitzt mir gegenüber am Rande von Benin City, Nigeria, im Büro des Waisenhauses, das seine Mutter einst gegründet hat. Auf dem Laptop klickt er durch die Fotos seiner Schweizreise, Betriebssystem Windows 7. Den wackligen Schreibtisch hat Western Union gespendet, am Fensterrahmen blättert der Putz, aus dem Innenhof dringt Kinderlärm. Der Prinz erzählt, einer seiner Jungs aus dem Waisenhaus habe ein- mal gesagt, mit den Benin-Bronzen, die Deutschland und womöglich auch die Schweiz nun zurückgeben werden, kehre die Geschichte zurück. Das stimme. Es sei, als wären es seine Vorfahren selbst, die nach Hause kommen. Nach Hause – für den Prinzen heisst das: in die Hände seines Neffen, des Oba Ewuare II. Der aus seiner Sicht einzig rechtmässige Besitzer. […] Gesamter Text</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/die-brueckenbauer/">Das Blut an den Bronzen von Benin</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Erschienen in</em> <a href="https://www.reporterpreis.de/upload/benediktherber-wem-64f9be952a383.pdf">Das Magazin</a><em>, 18.08.202</em>3/ Foto: <em><em>Manny Jefferson</em></em></p>



<p><strong>Europäische Museen haben mit der Rückgabe von Kunstwerken begonnen, die zur Kolonialzeit aus dem heutigen Nigeria geraubt wurden. Doch nun behauptet ein Lokalfürst, die kostbaren Objekte seien sein Privateigentum.&nbsp;Eine Recherche von Zürich bis Lagos</strong></p>



<p>Der Prinz von Benin war geladen, um Raubkunst zu identifizieren, und so reiste er diesen Januar mit Bus und Bahn durch die Schweiz, nach Basel, Zürich und St.Gallen. Nie zuvor hatte der Kunsthistoriker das Land besucht, ein Visum ist unter normalen Umständen fast unerreichbar. Die Schweiz machte Eindruck auf den Prinzen: Es gefiel ihm, durch den Schnee zu stap- fen, vom Zugfenster aus die Berge zu sehen und dass es zu jeder Mahlzeit einen Korb mit Brot gab. In Zürich in der Badenerstrasse entdeckte er ein Restaurant, benannt nach seiner Urahnin, Königsmutter Idia, westafrikanische Küche. Er ass Erdnusssuppe mit Fisch, und nachdem er die Inhaber darüber aufgeklärt hatte, dass er ein Prinz von Benin ist, ein Nachfahre der Idia also, da erzählte er bei nigerianischem Bier bis spätnachts aus seinem Leben.</p>



<p>Der Höhepunkt für den Prinzen aber war der Besuch im Zürcher Museum Rietberg. Als er erstmals die Kunst seiner Vorfahren in den Händen hielt. Es war jene Kunst, welche die Kolonialisten vor 126 Jahren aus dem Palast seines Urgrossvaters geraubt hatten, dem Oba Ovonramwen, König von Benin: aus Messing gegossene Köpfe seiner Ahnen, Skulpturen wilder Tiere oder Relieftafeln, auf denen historische Ereignisse abgebildet sind. In diesem Moment, sagt der Prinz, habe er sich alt gefühlt. Sehr alt. Dann schweigt er.</p>



<p>Der Prinz heisst Patrick Oronsaye, er ist Mitte sechzig und sitzt mir gegenüber am Rande von Benin City, Nigeria, im Büro des Waisenhauses, das seine Mutter einst gegründet hat. Auf dem Laptop klickt er durch die Fotos seiner Schweizreise, Betriebssystem Windows 7. Den wackligen Schreibtisch hat Western Union gespendet, am Fensterrahmen blättert der Putz, aus dem Innenhof dringt Kinderlärm.</p>



<p>Der Prinz erzählt, einer seiner Jungs aus dem Waisenhaus habe ein- mal gesagt, mit den Benin-Bronzen, die Deutschland und womöglich auch die Schweiz nun zurückgeben werden, kehre die Geschichte zurück. Das stimme. Es sei, als wären es seine Vorfahren selbst, die nach Hause kommen.</p>



<p>Nach Hause – für den Prinzen heisst das: in die Hände seines Neffen, des Oba Ewuare II. Der aus seiner Sicht einzig rechtmässige Besitzer.</p>



<p>[…]</p>



<p>Gesamter <a href="https://www.reporterpreis.de/upload/benediktherber-wem-64f9be952a383.pdf">Text</a></p>
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		<item>
		<title>Hoffnung in Berlin</title>
		<link>https://hermes-baby.de/hoffnung-in-berlin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Aug 2023 16:31:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Rupflin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Christian möchte einfach nur der Armut entkommen. Chronik eines Lebens zwischen Missbrauch, Drogen, illegalen Kryptomillionen – und dem Kampf um den eigenen Sohn Erschienen in ZEIT Verbrechen, Oktober 2023 / Fotos: Nikita Teryoshin Christians Problem, immer schon: Er ist auf der Suche und weiß nicht, wonach.  Der 27. November 2003 – morgen wird Christian 14.&#160; Er sitzt im silbernen Renault Twingo vom schwulen Hans. Das perverse Schwein wollte ihn nach Hause fahren, dabei liegt das Café Chaplin, das ihm gehört, nur ein paar Straßen entfernt, schräg gegenüber der Feuerwehr. Vorbei an der Polizei. Vorbei am Friedhof, links vorbei an den vielen kleinen Spitzgiebelhäuschen, bis dann, ziemlich unvermittelt, drei wuchtige Wohnblocks auftauchen. Ganz gierige Glupschaugen hat der schwule Hans. Sie könnten ihm aus den Höhlen flutschen, wenn er sich nur vorbeugt. Christian und die anderen Jungs sitzen oft im Café Chaplin, immer in derselben Nische, abseits der übrigen Gäste. Der schwule Hans, so nennen ihn alle hier, spendiert ihnen dann Pizza und Fanta. Ständig läuft&#160;Heal the Worldvon Michael Jackson. Er wohnt in einer Kellerwohnung unterm Café, zusammen mit Mausi, der Katze, und einer stadtbekannten&#160;Playboy-Sammlung. Originale aus Amerika.&#160; Zur Feier von Christians großem Tag morgen hatte der schwule Hans gefragt, welchen Cocktail er trinken wolle. Der süß-cremige Geschmack der Piña Colada überraschte Christian, als käme das Glas in seiner Hand geradewegs von einer entlegenen Tropeninsel. Ein paar Schlucke später spürte er eine wohlige Wärme. [&#8230;] Der ganze Text hier oder in ZEIT Verbrechen, Ausgabe 22</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/hoffnung-in-berlin/">Hoffnung in Berlin</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Christian möchte einfach nur der Armut entkommen. Chronik eines Lebens zwischen Missbrauch, Drogen, illegalen Kryptomillionen – und dem Kampf um den eigenen Sohn</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/zeit-verbrechen/2023/22/armut-entkommen-lebensgeschichte-missbrauch-drogen-psychiatrie">ZEIT Verbrechen</a>, Oktober 2023 /  Fotos: Nikita Teryoshin</p>



<p>Christians Problem, immer schon: Er ist auf der Suche und weiß nicht, wonach. </p>



<p>Der 27. November 2003 – morgen wird Christian 14.&nbsp;</p>



<p>Er sitzt im silbernen Renault Twingo vom schwulen Hans. Das perverse Schwein wollte ihn nach Hause fahren, dabei liegt das Café Chaplin, das ihm gehört, nur ein paar Straßen entfernt, schräg gegenüber der Feuerwehr. Vorbei an der Polizei. Vorbei am Friedhof, links vorbei an den vielen kleinen Spitzgiebelhäuschen, bis dann, ziemlich unvermittelt, drei wuchtige Wohnblocks auftauchen.</p>



<p>Ganz gierige Glupschaugen hat der schwule Hans. Sie könnten ihm aus den Höhlen flutschen, wenn er sich nur vorbeugt.</p>



<p>Christian und die anderen Jungs sitzen oft im Café Chaplin, immer in derselben Nische, abseits der übrigen Gäste. Der schwule Hans, so nennen ihn alle hier, spendiert ihnen dann Pizza und Fanta. Ständig läuft&nbsp;<em>Heal the World</em>von Michael Jackson. Er wohnt in einer Kellerwohnung unterm Café, zusammen mit Mausi, der Katze, und einer stadtbekannten&nbsp;<em>Playboy-</em>Sammlung. Originale aus Amerika.&nbsp;</p>



<p>Zur Feier von Christians großem Tag morgen hatte der schwule Hans gefragt, welchen Cocktail er trinken wolle. Der süß-cremige Geschmack der Piña Colada überraschte Christian, als käme das Glas in seiner Hand geradewegs von einer entlegenen Tropeninsel. Ein paar Schlucke später spürte er eine wohlige Wärme.</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text <a href="https://www.zeit.de/zeit-verbrechen/2023/22/armut-entkommen-lebensgeschichte-missbrauch-drogen-psychiatrie">hier</a> oder in ZEIT Verbrechen, Ausgabe 22</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/hoffnung-in-berlin/">Hoffnung in Berlin</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<title>Vier Jahrzehnte an der Nadel</title>
		<link>https://hermes-baby.de/vier-jahrzehnte-an-der-nadel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Clara Hellner]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 May 2023 16:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Hellner]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit etwa 40 Jahren sterben Opiatsüchtige in der Regel. Viola Blecher ist 73 Jahre alt – und seit mehr als 40 Jahren heroinabhängig. Wie hat sie es geschafft zu überleben? Erschienen auf ZEIT Online, Mai 2023 / Fotos: Maria Sturm Viola Blecher muss suchen, bis sie eine geeignete Vene für die Nadel findet. Wenn sie sich die aufgezogene Spritze am Vergabefenster abgeholt, ihren Jutebeutel neben einen der Glastische hat fallen lassen, die Haut desinfiziert und Stauschlauch am Arm angelegt hat, fährt sie sich über die faltige Haut. Sie hat zwar jahrzehntelange Übung darin, doch ihre Venen sind inzwischen vernarbt. Wenn sie schließlich eine getroffen hat, ein wenig Blut in die Spritze gezogen und den Schuss gesetzt hat, erschlafft ihr Körper für einen Moment, ihr Kopf kippt ein Stück Richtung Brust. Dann ist sie wieder da, ein wenig fröhlicher als zuvor. Sie nimmt den Stauschlauch ab, zieht die Nadel aus der Haut, schmeißt sie in einen gelben Abwurfbecher. Mit Tuch und Putzmittel desinfiziert sie ausführlich den Glastisch vor sich. &#8222;Mein Körper fühlt sich gut an. Immer noch krumm und schief, aber erträglich&#8220;, sagt sie lächelnd.&#160; Mit 16 Jahren hat Blecher das erste Mal Heroin gespritzt, heute ist sie 73. Sie läuft gebückt, hat die weißen Haare stets ordentlich zurückgekämmt. Die von Jahren auf der Straße zerstörten Füße stecken in schwarzen Crocs. Blecher nennt ihr Gegenüber &#8222;Schatz&#8220;, verschenkt gerne vierblättrige Kleeblätter und Blümchen vom Straßenrand und hat immer eine Biografie von Robert Musil oder Stefan Zweig im Jutebeutel.&#160; Seit der Eröffnung des Praxiskombinats in Berlin-Lichtenberg vor drei Jahren kommt sie jeden Vormittag für ihre erste Spritze. Die Mittagspause verbringt sie oft mit Einkäufen oder trinkt mit anderen Patienten Kaffee, dann holt sie sich eine zweite Dosis. Und manchmal kommt sie am frühen Abend noch mal. In dem vierstöckigen Gebäude, versteckt zwischen den Wohnhäusern im sozialistischen Stil der Frankfurter Allee, können sich suchtkranke Menschen Diamorphin spritzen. Die klare Flüssigkeit unterscheidet sich vom Straßenheroin nur in seiner Herstellung durch Pharmafirmen und seiner Reinheit. Anders als auf der Straße enthält es kein Mehl, Gips, Koffein, Paracetamol oder ASS. [&#8230;] Der ganze Text hier auf ZEIT Online</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/vier-jahrzehnte-an-der-nadel/">Vier Jahrzehnte an der Nadel</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Mit etwa 40 Jahren sterben Opiatsüchtige in der Regel. Viola Blecher ist 73 Jahre alt – und seit mehr als 40 Jahren heroinabhängig. Wie hat sie es geschafft zu überleben?</p>



<p class="quelle">Erschienen auf <a href="https://www.zeit.de/gesellschaft/2023-05/drogen-tote-drogenpolitik-deutschland-sucht">ZEIT Online</a>, Mai 2023 / Fotos: Maria Sturm</p>



<p>Viola Blecher muss suchen, bis sie eine geeignete Vene für die Nadel findet. Wenn sie sich die aufgezogene Spritze am Vergabefenster abgeholt, ihren Jutebeutel neben einen der Glastische hat fallen lassen, die Haut desinfiziert und Stauschlauch am Arm angelegt hat, fährt sie sich über die faltige Haut. Sie hat zwar jahrzehntelange Übung darin, doch ihre Venen sind inzwischen vernarbt. Wenn sie schließlich eine getroffen hat, ein wenig Blut in die Spritze gezogen und den Schuss gesetzt hat, erschlafft ihr Körper für einen Moment, ihr Kopf kippt ein Stück Richtung Brust. Dann ist sie wieder da, ein wenig fröhlicher als zuvor. Sie nimmt den Stauschlauch ab, zieht die Nadel aus der Haut, schmeißt sie in einen gelben Abwurfbecher. Mit Tuch und Putzmittel desinfiziert sie ausführlich den Glastisch vor sich. &#8222;Mein Körper fühlt sich gut an. Immer noch krumm und schief, aber erträglich&#8220;, sagt sie lächelnd.&nbsp;</p>



<p>Mit 16 Jahren hat Blecher das erste Mal Heroin gespritzt, heute ist sie 73. Sie läuft gebückt, hat die weißen Haare stets ordentlich zurückgekämmt. Die von Jahren auf der Straße zerstörten Füße stecken in schwarzen Crocs. Blecher nennt ihr Gegenüber &#8222;Schatz&#8220;, verschenkt gerne vierblättrige Kleeblätter und Blümchen vom Straßenrand und hat immer eine Biografie von Robert Musil oder Stefan Zweig im Jutebeutel.&nbsp;</p>



<p>Seit der Eröffnung des Praxiskombinats in Berlin-Lichtenberg vor drei Jahren kommt sie jeden Vormittag für ihre erste Spritze. Die Mittagspause verbringt sie oft mit Einkäufen oder trinkt mit anderen Patienten Kaffee, dann holt sie sich eine zweite Dosis. Und manchmal kommt sie am frühen Abend noch mal. In dem vierstöckigen Gebäude, versteckt zwischen den Wohnhäusern im sozialistischen Stil der Frankfurter Allee, können sich suchtkranke Menschen Diamorphin spritzen. Die klare Flüssigkeit unterscheidet sich vom Straßenheroin nur in seiner Herstellung durch Pharmafirmen und seiner Reinheit. Anders als auf der Straße enthält es kein Mehl, Gips, Koffein, Paracetamol oder ASS.</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text <a href="https://www.zeit.de/gesellschaft/2023-05/drogen-tote-drogenpolitik-deutschland-sucht" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a> auf ZEIT Online</p>
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		<title>Wie das Kondom für die Frau scheiterte – und wiederkehren könnte </title>
		<link>https://hermes-baby.de/wie-das-kondom-fuer-die-frau-scheiterte-und-wiederkehren-koennte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Clara Hellner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Mar 2023 15:58:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Hellner]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Femidom sollte Teenagerinnen vor HIV schützen – und, wie die Pille, die sexuelle Selbstbestimmung der Frau vorantreiben. Warum hat es sich nie durchgesetzt? Erschienen in ZEIT am Wochenende, März 2023 Die Frau, die sich mit der Geschichte des Femidoms vielleicht am besten auskennt, ist inzwischen Rentnerin. Anny Peters, die hellblonden Haare von grauen Strähnen durchzogen, runzelt immer wieder die Stirn, wenn sie in ihrem weichen, niederländisch gefärbten Englisch über das Verhütungsmittel spricht, für das sie ihr halbes Berufsleben gekämpft hat. Noch immer kann sie dann laut und energisch werden.&#160; In den Neunzigerjahren war Anny Peters eine der feministischen Entwicklungshelferinnen, die sich mit Ärztinnen, HIV-positiven Frauen und Angehörigen einmal im Monat in Simbabwes Hauptstadt Harare trafen. Indische, US-amerikanische, simbabwische Akzente flogen durcheinander, wenn sie darüber sprachen, dass immer mehr Frauen, besonders junge, sich mit HIV infizierten – und nach Auswegen suchten.&#160; Einer davon: &#8222;Ein eigenes Kondom für Frauen, das ihnen ermöglicht, sich selbst zu schützen, nicht nur vor Schwangerschaften, sondern auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten&#8220;, sagt Anny Peters. Das Femidom ist eine 17 bis 18 Zentimeter lange Plastikhülle mit zwei Ringen. Der eine sorgt dafür, dass der Schlauch in der Vagina hält, der andere sorgt für Halt in der Vulva.&#160; [&#8230;] Der ganze Text hier oder in ZEIT am Wochenende</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/wie-das-kondom-fuer-die-frau-scheiterte-und-wiederkehren-koennte/">Wie das Kondom für die Frau scheiterte – und wiederkehren könnte </a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Das Femidom sollte Teenagerinnen vor HIV schützen – und, wie die Pille, die sexuelle Selbstbestimmung der Frau vorantreiben. Warum hat es sich nie durchgesetzt?</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/gesundheit/2023-03/femidom-frauen-verhuetung-safer-sex">ZEIT am Wochenende</a>, März 2023 </p>



<p>Die Frau, die sich mit der Geschichte des Femidoms vielleicht am besten auskennt, ist inzwischen Rentnerin. Anny Peters, die hellblonden Haare von grauen Strähnen durchzogen, runzelt immer wieder die Stirn, wenn sie in ihrem weichen, niederländisch gefärbten Englisch über das Verhütungsmittel spricht, für das sie ihr halbes Berufsleben gekämpft hat. Noch immer kann sie dann laut und energisch werden.&nbsp;</p>



<p>In den Neunzigerjahren war Anny Peters eine der feministischen Entwicklungshelferinnen, die sich mit Ärztinnen, HIV-positiven Frauen und Angehörigen einmal im Monat in Simbabwes Hauptstadt Harare trafen. Indische, US-amerikanische, simbabwische Akzente flogen durcheinander, wenn sie darüber sprachen, dass immer mehr Frauen, besonders junge, sich mit HIV infizierten – und nach Auswegen suchten.&nbsp;</p>



<p>Einer davon: &#8222;Ein eigenes Kondom für Frauen, das ihnen ermöglicht, sich selbst zu schützen, nicht nur vor Schwangerschaften, sondern auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten&#8220;, sagt Anny Peters. Das Femidom ist eine 17 bis 18 Zentimeter lange Plastikhülle mit zwei Ringen. Der eine sorgt dafür, dass der Schlauch in der Vagina hält, der andere sorgt für Halt in der Vulva.&nbsp;</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text <a href="https://www.zeit.de/gesundheit/2023-03/femidom-frauen-verhuetung-safer-sex" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a> oder in ZEIT am Wochenende</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/wie-das-kondom-fuer-die-frau-scheiterte-und-wiederkehren-koennte/">Wie das Kondom für die Frau scheiterte – und wiederkehren könnte </a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<item>
		<title>Ausschreibung: Hermes Baby-Mentoring 2023/24</title>
		<link>https://hermes-baby.de/ausschreibung-hermes-baby-mentoring-2023-24/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stark]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Feb 2023 07:47:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Events]]></category>
		<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[erzähljournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[journalismusstipendium]]></category>
		<category><![CDATA[Reportage]]></category>
		<category><![CDATA[reporter]]></category>
		<category><![CDATA[stipendium]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir finden es wichtig, junge Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen. Und wir sind davon überzeugt, dass ein gelungener Erzähljournalismus gesellschaftliche Zusammenhänge besonders begreifbar macht, und so eine humanistisch geprägte Demokratie stärkt. Deshalb bieten wir angehenden Erzähljournalistinnen und Erzähljournalisten die Möglichkeit, ein Jahr lang auf die Ressourcen und Möglichkeiten von Hermes Baby zurückzugreifen. Wir laden dich ein, Teil des kreativen Wirbels zu werden, der unsere Gemeinschaft ausmacht. In Form eines Mentoring-Jahres möchten wir dich in deinen Visionen und Projekten unterstützen. Und dir Zugang zu einem Raum ermöglichen, in dem du dich weiterentwickelst und lernst, noch besser zu schreiben. Wir sind überzeugt: Jede gute Geschichte birgt das Versprechen, uns selbst im Anderen wiederzufinden. Sie lässt uns erfahren, wie Menschen mit den Missständen des Lebens, mit Ungerechtigkeit und Leid umgehen – aber auch mit Glück und Liebe. Die Gute Geschichte fragt nach dem Wie und dem Warum zwischen dem Wer und Was. Guter Erzähljournalismus bleibt dem Menschen zugewandt. Wenn du dich dieser Überzeugung anschließen kannst und lernen möchtest, die Welt durch das Recherchieren und Erzählen wahrer Geschichten noch gründlicher zu erforschen, dann bietet dir das Hermes Baby-Mentoring eine einzigartige Möglichkeit. Wir als Gemeinschaft helfen dir, deine Persönlichkeit als Autorin oder Autor weiterzuentwickeln und dich als Erzähljournalistin oder Erzähljournalist erfolgreich zu entfalten. Um dieses Versprechen zu erfüllen, bieten wir dir: ● Du erhältst ein Stipendium für mehrere Fortbildungen an der Reporter Akademie in Berlin: In Kursen wie „Meisterklasse Erzähljournalismus“ oder „Erzählender Investigativjournalismus“ lernst du von Meisterinnen und Meistern ihres Fachs. ● Du bist willkommen bei den wöchentlichen Text-Kritiken und Kreativ-Runden. Sowohl bei den internen Treffen, als auch bei denen mit externen Gästen aus Theater, Musik, Literatur, Journalismus und anderen Bereichen des erzählerischen Wirkens. ● Über das Jahr hinweg werden dich verschiedene Mitglieder unserer Gemeinschaft als Mentor oder Mentorin begleiten. So ermöglichen sie dir einen Perspektivwechsel auf gelungenen Erzähljournalismus. ● Bis zu vier erzähljournalistische Geschichten, die du während des Jahres erarbeitest, werden intensiv von mindestens einem Mitglied der Gemeinschaft begleitet und betreut. ● Wir unterstützen dich bei der Ausarbeitung und dem anschließenden Verkauf von Geschichten mit überregionaler Relevanz an renommierte Medienhäuser. Für eine Bewerbung erwarten wir von dir: ● Zeit für freiberufliches Arbeiten. Dabei ist es uns egal, ob du gerade eine Berufsausbildung abgeschlossen hast, dein letzter Abschluss das Abitur war, du im Xten Semester eines beliebigen Studiums steckst, aus einem komplett anderen Beruf in den Journalismus starten möchtest, schon den Sprung auf eine Journalistenschule gemacht hast oder mitten im Berufsleben steckst.(Einzige Ausnahme: Eine feste berufliche Anstellung mit mehr als 50 Prozent zeitlicher Auslastung gilt für uns als Ausschlusskriterium.) ● Bitte schicke uns mindestens eine, maximal drei erzähljournalistische Arbeitsproben. Veröffentlicht oder unveröffentlicht, beides ist möglich. Bitte füge diese(s) Dokument(e) deiner Bewerbung in Form einer PDF-Datei an. ● Ein Lebenslauf ist seinem Wesen nach eine Geschichte über eine Etappe unseres Lebens. Also: Erzähl uns doch etwas über dich! Geh in einem Fließtext (max. 8.000 Zeichen; inkl. Leerzeichen) gerne auf deine Motivation ein: Warum möchtest du ein Jahr lang Teil von Hermes Baby sein? Und überhaupt: Was findest du am Erzählen und an Erzählungen? Schicke uns auch diesen Text als PDF. Bitte schicke deine Bewerbung mit dem Betreff “Bewerbung Mentoring Vorname Nachname” an stipendium@hermes-baby.de. Bewerbungsschluss ist der 15.03.2023, Mitternacht/ 0:00 Uhr (GMT+1). Das Mentoring beginnt ab dem 03.04.2023 und begleitet dich voraussichtlich bis zum 25.03.2024. Um die Qualität des Programms, die Intensität der Betreuung und die finanzielle Sicherheit der Stipendien zu gewährleisten, vergeben wir leider nicht mehr als zwei Plätze. Wir freuen uns sehr darauf, von dir zu lesen und wünschen viel Erfolg! Deine Hermes Babys</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/ausschreibung-hermes-baby-mentoring-2023-24/">Ausschreibung: Hermes Baby-Mentoring 2023/24</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Wir finden es wichtig, junge Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen. Und wir sind davon überzeugt, dass ein gelungener Erzähljournalismus gesellschaftliche Zusammenhänge besonders begreifbar macht, und so eine humanistisch geprägte Demokratie stärkt.</p>



<p>Deshalb bieten wir angehenden Erzähljournalistinnen und Erzähljournalisten die Möglichkeit, ein Jahr lang auf die Ressourcen und Möglichkeiten von Hermes Baby zurückzugreifen. Wir laden dich ein, Teil des kreativen Wirbels zu werden, der unsere Gemeinschaft ausmacht.</p>



<p>In Form eines Mentoring-Jahres möchten wir dich in deinen Visionen und Projekten unterstützen. Und dir Zugang zu einem Raum ermöglichen, in dem du dich weiterentwickelst und lernst, noch besser zu schreiben.</p>



<p>Wir sind überzeugt:</p>



<p><em><span class="stk-highlight" style="color: #e7b547;">Jede gute Geschichte birgt das Versprechen, uns selbst im Anderen wiederzufinden. Sie lässt uns erfahren, wie Menschen mit den Missständen des Lebens, mit Ungerechtigkeit und Leid umgehen – aber auch mit Glück und Liebe. Die Gute Geschichte fragt nach dem Wie und dem Warum zwischen dem Wer und Was.</span></em></p>



<p><em><span class="stk-highlight" style="color: #e7b547;">Guter Erzähljournalismus bleibt dem Menschen zugewandt.</span></em></p>



<p>Wenn du dich dieser Überzeugung anschließen kannst und lernen möchtest, die Welt durch das Recherchieren und Erzählen wahrer Geschichten noch gründlicher zu erforschen, dann bietet dir das Hermes Baby-Mentoring eine einzigartige Möglichkeit. Wir als Gemeinschaft helfen dir, deine Persönlichkeit als Autorin oder Autor weiterzuentwickeln und dich als Erzähljournalistin oder Erzähljournalist erfolgreich zu entfalten.</p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="stk-highlight">Um dieses Versprechen zu erfüllen, bieten wir dir:</span></strong></p>



<p>● Du erhältst ein Stipendium für mehrere Fortbildungen an der Reporter Akademie in Berlin: In Kursen wie „Meisterklasse Erzähljournalismus“ oder „Erzählender Investigativjournalismus“ lernst du von Meisterinnen und Meistern ihres Fachs.<br></p>



<p>● Du bist willkommen bei den wöchentlichen Text-Kritiken und Kreativ-Runden. Sowohl bei den internen Treffen, als auch bei denen mit externen Gästen aus Theater, Musik, Literatur, Journalismus und anderen Bereichen des erzählerischen Wirkens.<br></p>



<p>● Über das Jahr hinweg werden dich verschiedene Mitglieder unserer Gemeinschaft als Mentor oder Mentorin begleiten. So ermöglichen sie dir einen Perspektivwechsel auf gelungenen Erzähljournalismus.<br></p>



<p>● Bis zu vier erzähljournalistische Geschichten, die du während des Jahres erarbeitest, werden intensiv von mindestens einem Mitglied der Gemeinschaft begleitet und betreut.<br></p>



<p>● Wir unterstützen dich bei der Ausarbeitung und dem anschließenden Verkauf von Geschichten mit überregionaler Relevanz an renommierte Medienhäuser.</p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="stk-highlight">Für eine Bewerbung erwarten wir von dir:</span></strong></p>



<p>● Zeit für freiberufliches Arbeiten. Dabei ist es uns egal, ob du gerade eine Berufsausbildung abgeschlossen hast, dein letzter Abschluss das Abitur war, du im Xten Semester eines beliebigen Studiums steckst, aus einem komplett anderen Beruf in den Journalismus starten möchtest, schon den Sprung auf eine Journalistenschule gemacht hast oder mitten im Berufsleben steckst.<br>(Einzige Ausnahme: Eine feste berufliche Anstellung mit mehr als 50 Prozent zeitlicher Auslastung gilt für uns als Ausschlusskriterium.)<br></p>



<p>● Bitte schicke uns mindestens eine, maximal drei erzähljournalistische Arbeitsproben. Veröffentlicht oder unveröffentlicht, beides ist möglich. Bitte füge diese(s) Dokument(e) deiner Bewerbung in Form einer PDF-Datei an.<br></p>



<p>● Ein Lebenslauf ist seinem Wesen nach eine Geschichte über eine Etappe unseres Lebens. Also: Erzähl uns doch etwas über dich! Geh in einem Fließtext (max. 8.000 Zeichen; inkl. Leerzeichen) gerne auf deine Motivation ein: Warum möchtest du ein Jahr lang Teil von Hermes Baby sein? Und überhaupt: Was findest du am Erzählen und an Erzählungen? Schicke uns auch diesen Text als PDF.</p>



<p>Bitte schicke deine Bewerbung mit dem Betreff “Bewerbung Mentoring <em>Vorname Nachname</em>” an<span class="stk-highlight" style="color: #e7b547;"> <a href="mailto:stipendium@hermes-baby.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">stipendium@hermes-baby.de</a></span>. Bewerbungsschluss ist der 15.03.2023, Mitternacht/ 0:00 Uhr (GMT+1).</p>



<p>Das Mentoring beginnt ab dem 03.04.2023 und begleitet dich voraussichtlich bis zum 25.03.2024. Um die Qualität des Programms, die Intensität der Betreuung und die finanzielle Sicherheit der Stipendien zu gewährleisten, vergeben wir leider nicht mehr als zwei Plätze.</p>



<p>Wir freuen uns sehr darauf, von dir zu lesen und wünschen viel Erfolg!<br><br>Deine <em><strong>Hermes Babys</strong></em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/ausschreibung-hermes-baby-mentoring-2023-24/">Ausschreibung: Hermes Baby-Mentoring 2023/24</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<title>Und wenn ich einfach wach bleibe?</title>
		<link>https://hermes-baby.de/und-wenn-ich-einfach-wach-bleibe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benedikt Herber]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Nov 2022 10:47:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Benedikt Herber]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Benedikt Herber hat Schlafprobleme und beschließt: Er steht auf und nutzt die Zeit mitten in der Nacht für sich. Ein Selbstversuch Erschienen in die ZEIT, 24. November 2022 / Illustration: Martin Nicolausson Gnadenlos hämmert der Husten meiner Freundin auf mein Trommelfell. Wie lange geht das schon so? 15 Minuten, zwei Stunden? Ich weiß es nicht, weiß nur, dass ich nicht mehr einschlafen werde. Ich steige aus dem Bett und tappe barfuß in Richtung Küche, reiße das Fenster auf, ziehe mein Schlafshirt über den Kopf, und als die kalte, frische, feuchte Luft hereintritt, meine Haut sich strafft und die Haare sich aufrichten, denke ich:&#160;Benjamin Franklin, Miterfinder der amerikanischen Demokratie und des Blitzableiters – sein Genie muss etwas mit diesem Gefühl zu tun haben. Seit ich denken kann, habe ich&#160;Schlafprobleme. Das Einschlafen fällt mir nie schwer, aber von etwa vier Uhr morgens an liege ich hellwach im Bett. In einem Netz von Gedanken hetze ich umher, verheddere mich, stolpere. Wieder und wieder versuche ich, mich daraus zu lösen, aber es gelingt mir nicht. Stunden vergehen, bis ich erschöpft in den Schlaf falle oder der Wecker klingelt. Es war mir immer klar, dass Millionen andere das gleiche Problem haben, kein Grund, eine große Sache daraus zu machen. Bis mir ein Roman die Augen öffnete. Das Buch heißt&#160;Harlem Shuffle,&#160;geschrieben vom Pulitzer-Preisträger Colson Whitehead. Im Harlem der Sechzigerjahre, einer dreckigen Welt voller Zuhälter und Kleinganoven, versucht ein gewisser Ray Carney sauber zu bleiben. Deshalb studiert er. Ein Professor der Betriebswirtschaft erklärt ihm, wann die beste Zeit für die Buchführung sei: Sein Vater habe die “mitternächtliche Mußestunde bevorzugt”. Vor der Erfindung der Glühbirne sei es nämlich üblich gewesen, in zwei Etappen zu schlafen. Die erste begann kurz nach der Abenddämmerung, denn: “Wenn es kein Licht gab, (…) welchen Sinn hatte es dann, aufzubleiben?” Nach vier Stunden wurde man von einem inneren Wecker aus dem Schlaf geholt – für etwa zwei Stunden, dann legte man sich wieder hin und schlief bis in den Morgen durch. Kann das, was ich da las, wirklich wahr sein? Ich begann zu recherchieren. Im Internet stieß ich auf einen Historiker namens Roger Ekirch und auf einen Aufsatz, den er 2001 veröffentlicht hatte:&#160;Sleep we have lost.&#160;Darin berichtet Ekirch, er habe Hunderte Tagebücher, Romane und Zeitungsartikel aus der vorindustriellen Zeit ausgewertet und dabei immer wieder Hinweise auf den zweiphasigen Schlaf gefunden.&#160; Die Stunden dazwischen nannten die Briten&#160;the watch,&#160;die Franzosen&#160;dorveille,&#160;ein Kofferwort, das so viel wie “Wachschlaf” bedeutet. Dieser&#160;dorveille&#160;galt als Zeitfenster der Muße, der Fantasie. In Cervantes’&#160;Don Quijote&#160;beschimpft der Held einmal seinen treuen Knappen Sancho Panza, weil der in einem Stück durchschlafe – und nicht, wie allgemein üblich, nach dem “ersten Schlaf” aufwache, um mit seinem Don die großen Fragen der Menschheit zu diskutieren. Benjamin Franklin soll mitten in der Nacht “kalte Luftbäder” genommen haben – eine schöne Art, auszudrücken, dass er nackt am offenen Fenster saß&#160;–, um dann mit frischem Kopf an Erfindungen zu tüfteln. Andere hatten zwischen Schlaf und Schlaf einfach Sex. In meinem Kopf wuchs ein Gedanke: Kann es sein, dass in Wirklichkeit nicht mein Schlaf gestört ist, sondern die Gesellschaft, in der ich lebe? Die Elektrizität, Botin der Moderne, die dem Menschen Licht brachte, den&#160;Thermomix&#160;und Internetpornos, hatte sie die Tür zugeschmettert zur mystischen Welt des&#160;dorveille? [&#8230;] Der ganze Text bei ZEIT Online</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/und-wenn-ich-einfach-wach-bleibe/">Und wenn ich einfach wach bleibe?</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro has-larger-font-size">Benedikt Herber hat Schlafprobleme und beschließt: Er steht auf und nutzt die Zeit mitten in der Nacht für sich. Ein Selbstversuch</p>



<p class="quelle">Erschienen in die ZEIT, 24. November 2022 /  Illustration:<em> </em>Martin Nicolausson</p>



<p>Gnadenlos hämmert der Husten meiner Freundin auf mein Trommelfell. Wie lange geht das schon so? 15 Minuten, zwei Stunden? Ich weiß es nicht, weiß nur, dass ich nicht mehr einschlafen werde. Ich steige aus dem Bett und tappe barfuß in Richtung Küche, reiße das Fenster auf, ziehe mein Schlafshirt über den Kopf, und als die kalte, frische, feuchte Luft hereintritt, meine Haut sich strafft und die Haare sich aufrichten, denke ich:&nbsp;Benjamin Franklin, Miterfinder der amerikanischen Demokratie und des Blitzableiters – sein Genie muss etwas mit diesem Gefühl zu tun haben.</p>



<p>Seit ich denken kann, habe ich&nbsp;Schlafprobleme. Das Einschlafen fällt mir nie schwer, aber von etwa vier Uhr morgens an liege ich hellwach im Bett. In einem Netz von Gedanken hetze ich umher, verheddere mich, stolpere. Wieder und wieder versuche ich, mich daraus zu lösen, aber es gelingt mir nicht. Stunden vergehen, bis ich erschöpft in den Schlaf falle oder der Wecker klingelt.</p>



<p>Es war mir immer klar, dass Millionen andere das gleiche Problem haben, kein Grund, eine große Sache daraus zu machen. Bis mir ein Roman die Augen öffnete. Das Buch heißt&nbsp;<em>Harlem Shuffle,</em>&nbsp;geschrieben vom Pulitzer-Preisträger Colson Whitehead. Im Harlem der Sechzigerjahre, einer dreckigen Welt voller Zuhälter und Kleinganoven, versucht ein gewisser Ray Carney sauber zu bleiben. Deshalb studiert er. Ein Professor der Betriebswirtschaft erklärt ihm, wann die beste Zeit für die Buchführung sei: Sein Vater habe die “mitternächtliche Mußestunde bevorzugt”. Vor der Erfindung der Glühbirne sei es nämlich üblich gewesen, in zwei Etappen zu schlafen. Die erste begann kurz nach der Abenddämmerung, denn: “Wenn es kein Licht gab, (…) welchen Sinn hatte es dann, aufzubleiben?” Nach vier Stunden wurde man von einem inneren Wecker aus dem Schlaf geholt – für etwa zwei Stunden, dann legte man sich wieder hin und schlief bis in den Morgen durch.</p>



<p>Kann das, was ich da las, wirklich wahr sein? Ich begann zu recherchieren. Im Internet stieß ich auf einen Historiker namens Roger Ekirch und auf einen Aufsatz, den er 2001 veröffentlicht hatte:&nbsp;<em>Sleep we have lost.</em>&nbsp;Darin berichtet Ekirch, er habe Hunderte Tagebücher, Romane und Zeitungsartikel aus der vorindustriellen Zeit ausgewertet und dabei immer wieder Hinweise auf den zweiphasigen Schlaf gefunden.&nbsp;</p>



<p>Die Stunden dazwischen nannten die Briten&nbsp;<em>the watch,</em>&nbsp;die Franzosen&nbsp;<em>dorveille,&nbsp;</em>ein Kofferwort, das so viel wie “Wachschlaf” bedeutet. Dieser&nbsp;<em>dorveille</em>&nbsp;galt als Zeitfenster der Muße, der Fantasie. In Cervantes’&nbsp;<em>Don Quijote&nbsp;</em>beschimpft der Held einmal seinen treuen Knappen Sancho Panza, weil der in einem Stück durchschlafe – und nicht, wie allgemein üblich, nach dem “ersten Schlaf” aufwache, um mit seinem Don die großen Fragen der Menschheit zu diskutieren. Benjamin Franklin soll mitten in der Nacht “kalte Luftbäder” genommen haben – eine schöne Art, auszudrücken, dass er nackt am offenen Fenster saß&nbsp;–, um dann mit frischem Kopf an Erfindungen zu tüfteln. Andere hatten zwischen Schlaf und Schlaf einfach Sex.</p>



<p>In meinem Kopf wuchs ein Gedanke: Kann es sein, dass in Wirklichkeit nicht mein Schlaf gestört ist, sondern die Gesellschaft, in der ich lebe? Die Elektrizität, Botin der Moderne, die dem Menschen Licht brachte, den&nbsp;Thermomix&nbsp;und Internetpornos, hatte sie die Tür zugeschmettert zur mystischen Welt des&nbsp;<em>dorveille?</em></p>



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<p>Der ganze Text bei <a href="https://www.zeit.de/2022/48/schlafstoerungen-wachbleiben-selbstversuch">ZEIT Online</a></p>
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		<title>Atme, Bruder!</title>
		<link>https://hermes-baby.de/atme-bruder/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Oct 2022 09:49:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Rupflin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach einer illegalen Silikoninjektion liegt Martin im Sterben. Seine Schwester nimmt den Kampf auf – gegen Tod und Täter Erschienen in ZEIT Verbrechen, Oktober 2022 / Fotos: Neven Allgeier Seit Stunden fließt der Atem schwerer.Der Körper ist sein Käfig.Noch 213 Tage Leben. Auf dem Ledersessel im Wohnzimmer des elterlichen Bauernhäuschens hockt Martin, tippt auf dem Handy rum und klagt der Familie, dass er sich krank fühle. Der Kreislauf. Daniela, die 25-jährige Schwester, wundert sich über sein so anfälliges Immunsystem. Sie wünscht ihm gute Besserung und fährt ins Büro, der Vater zu seiner Sparkasse, die Mutter macht sich an den Haushalt. Es ist Freitagmorgen, der 26. Juli 2019. Seit Tagen trocknet das Land unter dem stickigen Sommer aus. Martin bleibt auf dem Ledersessel zurück. Noch drei Wochen, dann fängt er seine neue Stelle als Busfahrer an. Er kann es kaum erwarten. Vor einiger Zeit hatte Martin mal ein ausrangiertes Feuerwehrauto, ein Löschfahrzeug, Iveco-Magirus 120-25, 256 PS auf 12,7 Liter Hubraum, Unterhalts- und Benzinkosten unbezahlbar. Davor fuhr er einen olivgrünen riesigen Mercedes Vario, den er mit Hunderten Aufklebern beklebt hatte: »Klar bist du schneller, aber ich bin vor dir«. Die Bärentatze der Bear-Community, Regenbogenflaggen. Seine Eltern erzählen gerne jedem, wie sich am Tag, an dem er den Wagen das erste Mal vor dem Bauernhaus parkte, das Wohnzimmer verdunkelt habe. Bei seinem alten Job, Buslinie 60 ist er gefahren, hatten die Schulkinder ihm am letzten Tag Geschenke und Süßigkeiten mitgebracht. Martin war immer gut mit ihnen klargekommen. Er kündigte nur, weil der Chef nicht mehr richtig zahlte. Gerade in diesem Moment geht die innere Zerstörung längst vor sich. Mit jedem Schlag, den Martins Herz tut, fließen durch den Blutstrom seiner Venen unbemerkt kleinste Silikontröpfchen. Ungestört passieren sie das Herz und bewegen sich weiter zur Lunge, doch dort ist der Fremdstoff allmählich zu groß für die immer feiner werdenden Blutgefäße. Die Tröpfchen ver- stopfen sie und lagern sich dort ein. Mit jeder Stunde nimmt Martins Lunge weniger Sauerstoff in den Körper auf. Atemnot. Am Abend fährt er ins örtliche Krankenhaus. Computertomografie des Thorax: Bei Verdacht auf atypische Pneumonie zeigt sich ein ungewöhnlicher Befall der Lungen. Weiß wie eine Qualle im Ozean leuchtet [&#8230;] Der ganze Text in ZEIT Verbrechen, Ausgabe 17</p>
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<p class="intro">Nach einer illegalen Silikoninjektion liegt Martin im Sterben. Seine Schwester nimmt den Kampf auf – gegen Tod und Täter</p>



<p class="quelle">Erschienen in ZEIT Verbrechen, Oktober 2022 /  Fotos: Neven Allgeier</p>



<p>Seit Stunden fließt der Atem schwerer.<br>Der Körper ist sein Käfig.<br>Noch 213 Tage Leben.</p>



<p>Auf dem Ledersessel im Wohnzimmer des elterlichen Bauernhäuschens hockt Martin, tippt auf dem Handy rum und klagt der Familie, dass er sich krank fühle. Der Kreislauf. Daniela, die 25-jährige Schwester, wundert sich über sein so anfälliges Immunsystem. Sie wünscht ihm gute Besserung und fährt ins Büro, der Vater zu seiner Sparkasse, die Mutter macht sich an den Haushalt. Es ist Freitagmorgen, der 26. Juli 2019. Seit Tagen trocknet das Land unter dem stickigen Sommer aus.</p>



<p>Martin bleibt auf dem Ledersessel zurück. Noch drei Wochen, dann fängt er seine neue Stelle als Busfahrer an. Er kann es kaum erwarten.</p>



<p>Vor einiger Zeit hatte Martin mal ein ausrangiertes Feuerwehrauto, ein Löschfahrzeug, Iveco-Magirus 120-25, 256 PS auf 12,7 Liter Hubraum, Unterhalts- und Benzinkosten unbezahlbar. Davor fuhr er einen olivgrünen riesigen Mercedes Vario, den er mit Hunderten Aufklebern beklebt hatte: »Klar bist du schneller, aber ich bin vor dir«. Die Bärentatze der Bear-Community, Regenbogenflaggen. Seine Eltern erzählen gerne jedem, wie sich am Tag, an dem er den Wagen das erste Mal vor dem Bauernhaus parkte, das Wohnzimmer verdunkelt habe. Bei seinem alten Job, Buslinie 60 ist er gefahren, hatten die Schulkinder ihm am letzten Tag Geschenke und Süßigkeiten mitgebracht. Martin war immer gut mit ihnen klargekommen. Er kündigte nur, weil der Chef nicht mehr richtig zahlte.</p>



<p>Gerade in diesem Moment geht die innere Zerstörung längst vor sich. Mit jedem Schlag, den Martins Herz tut, fließen durch den Blutstrom seiner Venen unbemerkt kleinste Silikontröpfchen. Ungestört passieren sie das Herz und bewegen sich weiter zur Lunge, doch dort ist der Fremdstoff allmählich zu groß für die immer feiner werdenden Blutgefäße. Die Tröpfchen ver- stopfen sie und lagern sich dort ein.</p>



<p>Mit jeder Stunde nimmt Martins Lunge weniger Sauerstoff in den Körper auf. Atemnot. Am Abend fährt er ins örtliche Krankenhaus. Computertomografie des Thorax: Bei Verdacht auf atypische Pneumonie zeigt sich ein ungewöhnlicher Befall der Lungen. Weiß wie eine Qualle im Ozean leuchtet</p>



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<p>Der ganze Text in ZEIT Verbrechen, Ausgabe 17</p>
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		<title>Domiziana: Wie man per TikTok die Spitze der Charts erklimmt</title>
		<link>https://hermes-baby.de/domiziana-wie-man-per-tiktok-die-spitze-der-charts-erklimmt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anna-Sophie Dreussi]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Jul 2022 13:18:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten von Dreussi]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir haben die Frau hinter dem Megaerfolg &#8222;Ohne Benzin&#8220; getroffen. Erschienen in Vice, Juli 2022 &#8222;Ohne Benzin&#8220; ist Domizianas einziger Song. Und wahrscheinlich auch der einzige Song für uns, der einzige Song für mich und meinen Sommer. Der Beat passt zu meinen Schritten, wenn ich zwischen Parks und der Bar und dem See am nächsten Morgen wechsle. Ich weiß, dass mir der Sommer steht. Über 36 Millionen mal wurde &#8222;Ohne Benzin&#8220; bislang auf Spotify gestreamt. Autotune, schneller Beat, ein catchy Refrain für TikTok. Alles passt zu gut zu unserem Jetzt. Und alles, was so gut zu unserem Jetzt passt, scheint fast konstruiert. Ihr Pony wirkt maßgeschneidert. Ich stelle mir vor, wie ihr jeden Morgen ihre Outfits so angezogen werden, wie Köchinnen in Sternerestaurants die Blumen und Kräuter auf dem Teller anrichten, mit einer Pinzette. &#8222;Ohne Benzin&#8220; und die Persona Domiziana sind präzise.  Bis vor kurzem kannte sie noch niemand. Veröffentlicht hat sie bis zu unserem Treffen nur zwei Titel – &#8222;Ohne Benzin&#8220; und eine schnellere Version desselben Songs. Mit &#8222;Ohne Benzin (1,1 Speed Version)&#8220; wurden auf TikTok schon über 116.000 Videos untermalt. TikTok hat den Weg zum musikalischen Erfolg verändert. Der Algorithmus ist unvorhersehbar. Und plötzlich sind Songs populär, deren Refrain sich einfach unter Videos loopen lassen. Weil &#8222;Ohne Benzin&#8220; auf der Plattform so beliebt war, landete der Song&#160; an der Spitze der deutschen Charts.&#160; Ihre PR-Managerin sitzt vor einem Café in Neukölln. Die Fransen der rosafarbenen Sonnenschirme flattern im Wind. Domiziana sei gerade noch auf Toilette. Wir setzen uns gegenüber voneinander hin. Sie wäre froh, wenn nur wenig über das Thema TikTok gesprochen würde, sagt ihre Managerin. [&#8230;] Der ganze Text hier.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Wir haben die Frau hinter dem Megaerfolg &#8222;Ohne Benzin&#8220; getroffen.</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.vice.com/de/article/88qgk4/domiziana-wie-man-per-tiktok-die-spitze-der-charts-erklimmt-ohne-benzin">Vice</a>, Juli 2022</p>



<p>&#8222;Ohne Benzin&#8220; ist Domizianas einziger Song. Und wahrscheinlich auch der einzige Song für uns, der einzige Song für mich und meinen Sommer. Der Beat passt zu meinen Schritten, wenn ich zwischen Parks und der Bar und dem See am nächsten Morgen wechsle. Ich weiß, dass mir der Sommer steht.</p>



<p>Über 36 Millionen mal wurde &#8222;Ohne Benzin&#8220; bislang auf Spotify gestreamt. Autotune, schneller Beat, ein catchy Refrain für TikTok. Alles passt zu gut zu unserem Jetzt. Und alles, was so gut zu unserem Jetzt passt, scheint fast konstruiert. Ihr Pony wirkt maßgeschneidert. Ich stelle mir vor, wie ihr jeden Morgen ihre Outfits so angezogen werden, wie Köchinnen in Sternerestaurants die Blumen und Kräuter auf dem Teller anrichten, mit einer Pinzette. &#8222;Ohne Benzin&#8220; und die Persona Domiziana sind präzise. </p>



<p>Bis vor kurzem kannte sie noch niemand. Veröffentlicht hat sie bis zu unserem Treffen nur zwei Titel – &#8222;Ohne Benzin&#8220; und eine schnellere Version desselben Songs. Mit &#8222;Ohne Benzin (1,1 Speed Version)&#8220; wurden auf TikTok schon über 116.000 Videos untermalt. TikTok hat den Weg zum musikalischen Erfolg verändert. Der Algorithmus ist unvorhersehbar. Und plötzlich sind Songs populär, deren Refrain sich einfach unter Videos loopen lassen. Weil &#8222;Ohne Benzin&#8220; auf der Plattform so beliebt war, landete der Song&nbsp; an der Spitze der deutschen Charts.&nbsp;</p>



<p>Ihre PR-Managerin sitzt vor einem Café in Neukölln. Die Fransen der rosafarbenen Sonnenschirme flattern im Wind. Domiziana sei gerade noch auf Toilette. Wir setzen uns gegenüber voneinander hin. Sie wäre froh, wenn nur wenig über das Thema TikTok gesprochen würde, sagt ihre Managerin.</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text <a href="https://www.vice.com/de/article/88qgk4/domiziana-wie-man-per-tiktok-die-spitze-der-charts-erklimmt-ohne-benzin">hier</a>. </p>
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		<title>Ärzte und ihre Grenzen</title>
		<link>https://hermes-baby.de/aerzte-und-ihre-grenzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Clara Hellner]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Jul 2022 15:52:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Hellner]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein französisches Gesundheitszentrum hat sich zum Ziel gesetzt, gerechte Medizin zu praktizieren. Kann das funktionieren?, fragt unsere Autorin, selbst werdende Ärztin. Erschienen in REPORTAGEN, Juli 2022 Diese Geschichte beginnt mit einer Autofahrt auf dem Rücksitz eines blauen, zerbeulten VW-Busses. Hinaus aus Marseilles Zentrum, weg vom malerischen alten Hafen, den Museen und dem Meer. Vorbei an arabischen Fleischereien, Obstläden; die Schicht aus buntem Plastikmüll, die Strassengräben und Grünstreifen bedeckt, wird immer dicker, rechts und links vorbeizischende Scooter hupen immer aggressiver. Dann hinauf auf die Autobahn. Bis hinter den Lärmschutzmauern voller greller Graffiti die ersten schmutziggrauen Betontürme auftauchen, manche nur einige Stockwerke hoch und so nah, dass die auf den Balkonen trocknende Wäsche fast greifbar scheint, andere über sechzig Meter in die Luft ragend, verloren in der weiten Landschaft, als hätte sie jemand dort abgesetzt und vergessen. Cités nennen die Franzosen diese Sozialwohnungssiedlungen, sie sind Symbol für Armut und Elend, Aussichtslosigkeit und das réseau, das alles durchziehende Netz des Drogenhandels. Eine dieser Cités heisst in kaum zu überbietendem Zynismus Kalliste, «die Schöne» auf Altgriechisch: neun Rechtecke, alphabetisch durchbuchstabiert. Die Gebäude sind von jahrelanger Verwahrlosung gebrandmarkt, H und B wurden bereits abgerissen. Meterhoch kriechen schwarze Schimmelflecken die Fassaden hinauf, die Balkone wirken absturzgefährdet. Und zwischen all diesem Beton steht, umgeben von Bäumen und einem Garten, ein rotes, dreistöckiges Landhaus, mit Dachfirst und einer schiefen Treppe aus hellgrauem Stein: das Château en Santé, das Schloss der Gesundheit. [&#8230;] Der ganze Text hier oder in REPORTAGEN #65</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/aerzte-und-ihre-grenzen/">Ärzte und ihre Grenzen</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Ein französisches Gesundheitszentrum hat sich zum Ziel gesetzt, gerechte Medizin zu praktizieren. Kann das funktionieren?, fragt unsere Autorin, selbst werdende Ärztin.</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://reportagen.com/reportage/aerzte-und-ihre-grenzen/">REPORTAGEN</a>, Juli 2022 </p>



<p>Diese Geschichte beginnt mit einer Autofahrt auf dem Rücksitz eines blauen, zerbeulten VW-Busses. Hinaus aus Marseilles Zentrum, weg vom malerischen alten Hafen, den Museen und dem Meer. Vorbei an arabischen Fleischereien, Obstläden; die Schicht aus buntem Plastikmüll, die Strassengräben und Grünstreifen bedeckt, wird immer dicker, rechts und links vorbeizischende Scooter hupen immer aggressiver. Dann hinauf auf die Autobahn. Bis hinter den Lärmschutzmauern voller greller Graffiti die ersten schmutziggrauen Betontürme auftauchen, manche nur einige Stockwerke hoch und so nah, dass die auf den Balkonen trocknende Wäsche fast greifbar scheint, andere über sechzig Meter in die Luft ragend, verloren in der weiten Landschaft, als hätte sie jemand dort abgesetzt und vergessen. </p>



<p>Cités nennen die Franzosen diese Sozialwohnungssiedlungen, sie sind Symbol für Armut und Elend, Aussichtslosigkeit und das <em>réseau,</em> das alles durchziehende Netz des Drogenhandels. Eine dieser Cités heisst in kaum zu überbietendem Zynismus Kalliste, «die Schöne» auf Altgriechisch: neun Rechtecke, alphabetisch durchbuchstabiert. Die Gebäude sind von jahrelanger Verwahrlosung gebrandmarkt, H und B wurden bereits abgerissen. Meterhoch kriechen schwarze Schimmelflecken die Fassaden hinauf, die Balkone wirken absturzgefährdet. Und zwischen all diesem Beton steht, umgeben von Bäumen und einem Garten, ein rotes, dreistöckiges Landhaus, mit Dachfirst und einer schiefen Treppe aus hellgrauem Stein: das Château en Santé, das Schloss der Gesundheit.</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text <a href="https://reportagen.com/reportage/aerzte-und-ihre-grenzen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a> oder in REPORTAGEN #65</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/aerzte-und-ihre-grenzen/">Ärzte und ihre Grenzen</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<item>
		<title>Wir übernehmen die Reporter-Akademie</title>
		<link>https://hermes-baby.de/wir-uebernehmen-die-reportage-akademie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Jul 2022 20:30:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor über zwei Jahren hat sich Hermes Baby mit der Mission gegründet, einen zeitgemäßen Erzähljournalismus in Deutschland zu fördern. Denn dass Geschichten in der Lage sind, Erkenntnisse zu vermitteln, die dem rein Faktischen verschlossen bleiben, ist unsere tiefe Überzeugung.Seitdem ist viel passiert &#8211; und eigentlich ist es ein Wunder, dass wir noch existieren, trotz Corona und trotz immer schlechteren Bedingungen für Freie Journalisten. Doch in den letzten Monaten haben wir neue Mitglieder dazugewonnen, Veranstaltungen und Lesungen organisiert und arbeiten inzwischen vertrauensvoll mit inspirierenden Journalisten und Journalistinnen in unterschiedlichsten Redaktionen zusammen, die unsere Version eines zeitgemäßen Erzählens schätzen gelernt haben. Dabei verging allerdings kaum ein Tag, an dem wir uns nicht auch gefragt haben, wie wir integrativer werden könnten. Denn zeitgemäßes Erzählen ist nichts, was wir exklusiv für uns beanspruchen wollen. Es handelt sich dabei vielmehr um eine Vision, die wir mit der gesamten Branche teilen möchten. Die Reporter-Akademie wird hierfür der ideale Ort sein. Warum aber übergibt Michael Obert die Reporter-Akademie überhaupt an Hermes Baby?Michael gilt bis heute als einer der renommiertesten Reporter des Landes. Inzwischen aber hat sich sein eigener beruflicher Schwerpunkt zunehmend in den Coaching-Bereich verschoben. Zu den Gründen, warum Michael sich bei der Suche nach einem Nachfolger unter mehreren Interessenten am Ende ausgerechnet für Hermes Baby entschieden hat, sagt er selbst: „Die meisten Autorinnen und Autoren bei Hermes Baby kenne ich persönlich von Workshops oder von unterschiedlichen Journalistenschulen. Die große Schnittmenge mit der Akademie im Bereich ‚Erzähljournalismus‘ ist offensichtlich. Außerdem braucht die Akademie, die ja einem sehr praktischen Ansatz folgt, ein Leitungsteam, das nah am journalistischen Tagesgeschäft dran ist. Da war es naheliegend, die Nachfolge auch gleich mit einem Generationenwechsel zu verbinden.&#8220; Als Schirmherr und Impulsgeber wird Michael der Akademie erhalten bleiben. Von Gründung an war es Michaels Wunsch, mit der Reporter-Akademie sowohl Qualitätsjournalismus als auch demokratische Werte zu stärken. Entsprechend glücklich sind wir, diese Idee fortführen zu dürfen. Zugleich geht mit der Übernahme der Reporter-Akademie eine große Verantwortung einher: Eine solche Fortbildungsstätte ist nur so gut, wie die Menschen, die ihr Leben einhauchen. Wir betrachten die Akademie deshalb auch als Ideenwerkstatt: Neben der Vermittlung geht es uns darum, gemeinsam an Geschichten zu drehen und Ideen des Erzählens weiterzuentwickeln. Hast Du Anregungen, Wünsche oder Kritik würden wir uns darum freuen, wenn Du Dich bei uns meldest. Denn in den kommenden Wochen sind wir es, die von Dir lernen wollen, um den Kosmos Reporter-Akademie noch besser zu verstehen. Was ändert sich nun konkret?Eine Neuerung gibt es bereits: Wir überführen die Akademie gerade in einen gemeinnützigen Verein. Damit wollen wir unserem Anspruch gerecht werden, einen Beitrag für das demokratische Gemeinwesen zu leisten, indem wir das Stipendienprogramm deutlich ausbauen werden. Ansonsten bleibt in diesem Jahr des Übergangs vieles beim Alten: Vom 13. bis 15. September wird Michael Obert noch einmal seine beliebte Masterclass Reportage anbieten (anmelden kannst Du Dich hier). Von 17. bis 18. September findet das Seminar “Gut leben als freie/r Journalist/in” zum ersten Mal mit Katharina Jakob statt (hier geht’s zur Anmeldung). Dank unseres Partners Amnesty International stehen uns zwei Stipendien zur Verfügung, die eine kostenlose Teilnahme an beiden Seminaren ermöglichen (bewerben kann man sich hier). Wir von Hermes Baby arbeiten währenddessen im Hintergrund: Wir kümmern uns um die Vorbereitung und Durchführung der Seminare und feilen bereits an neuen, spannenden Kurskonzepten für die kommenden Jahre. Die brandneue Website der Reporter-Akademie gibt es unter: www.reporter-akademie.de</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/wir-uebernehmen-die-reportage-akademie/">Wir übernehmen die Reporter-Akademie</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Vor über zwei Jahren hat sich Hermes Baby mit der Mission gegründet, einen zeitgemäßen Erzähljournalismus in Deutschland zu fördern. Denn dass Geschichten in der Lage sind, Erkenntnisse zu vermitteln, die dem rein Faktischen verschlossen bleiben, ist unsere tiefe Überzeugung.<br>Seitdem ist viel passiert &#8211; und eigentlich ist es ein Wunder, dass wir noch existieren, trotz Corona und trotz immer schlechteren Bedingungen für Freie Journalisten. Doch in den letzten Monaten haben wir neue Mitglieder dazugewonnen, Veranstaltungen und Lesungen organisiert und arbeiten inzwischen vertrauensvoll mit inspirierenden Journalisten und Journalistinnen in unterschiedlichsten Redaktionen zusammen, die unsere Version eines zeitgemäßen Erzählens schätzen gelernt haben.</p>



<p>Dabei verging allerdings kaum ein Tag, an dem wir uns nicht auch gefragt haben, wie wir integrativer werden könnten. Denn zeitgemäßes Erzählen ist nichts, was wir exklusiv für uns beanspruchen wollen. Es handelt sich dabei vielmehr um eine Vision, die wir mit der gesamten Branche teilen möchten. Die <a href="http://www.reporter-akademie.de">Reporter-Akademie</a> wird hierfür der ideale Ort sein.</p>



<p><strong>Warum aber übergibt Michael Obert die Reporter-Akademie überhaupt an Hermes Baby?</strong><br>Michael gilt bis heute als einer der renommiertesten Reporter des Landes. Inzwischen aber hat sich sein eigener beruflicher Schwerpunkt zunehmend in den Coaching-Bereich verschoben.</p>



<p>Zu den Gründen, warum Michael sich bei der Suche nach einem Nachfolger unter mehreren Interessenten am Ende ausgerechnet für Hermes Baby entschieden hat, sagt er selbst:</p>



<p><em>„Die meisten Autorinnen und Autoren bei Hermes Baby kenne ich persönlich von Workshops oder von unterschiedlichen Journalistenschulen. Die große Schnittmenge mit der Akademie im Bereich ‚Erzähljournalismus‘ ist offensichtlich. Außerdem braucht die Akademie, die ja einem sehr praktischen Ansatz folgt, ein Leitungsteam, das nah am journalistischen Tagesgeschäft dran ist. Da war es naheliegend, die Nachfolge auch gleich mit einem Generationenwechsel zu verbinden.&#8220;</em></p>



<p>Als Schirmherr und Impulsgeber wird Michael der Akademie erhalten bleiben.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-style-default"><img decoding="async" src="https://hermes-baby.de/wp-content/uploads/2022/07/Hermes-Baby-Wochenende-Bayern-1024x682.jpg" alt="" class="wp-image-4302"/><figcaption>Vor zwei Wochen trafen wir uns und sprachen gemeinsam über die Zukunft der Reporter-Akademie.</figcaption></figure>



<p>Von Gründung an war es Michaels Wunsch, mit der Reporter-Akademie sowohl Qualitätsjournalismus als auch demokratische Werte zu stärken. Entsprechend glücklich sind wir, diese Idee fortführen zu dürfen. Zugleich geht mit der Übernahme der Reporter-Akademie eine große Verantwortung einher: Eine solche Fortbildungsstätte ist nur so gut, wie die Menschen, die ihr Leben einhauchen. Wir betrachten die Akademie deshalb auch als Ideenwerkstatt: Neben der Vermittlung geht es uns darum, gemeinsam an Geschichten zu drehen und Ideen des Erzählens weiterzuentwickeln. Hast Du Anregungen, Wünsche oder Kritik würden wir uns darum freuen, wenn Du Dich bei uns meldest. Denn in den kommenden Wochen sind wir es, die von Dir lernen wollen, um den Kosmos Reporter-Akademie noch besser zu verstehen.</p>



<p><strong>Was ändert sich nun konkret?<br></strong>Eine Neuerung gibt es bereits: Wir überführen die Akademie gerade in einen gemeinnützigen Verein. Damit wollen wir unserem Anspruch gerecht werden, einen Beitrag für das demokratische Gemeinwesen zu leisten, indem wir das Stipendienprogramm deutlich ausbauen werden. Ansonsten bleibt in diesem Jahr des Übergangs vieles beim Alten: Vom 13. bis 15. September wird Michael Obert noch einmal seine beliebte Masterclass Reportage anbieten (anmelden kannst Du Dich <a href="https://reporter-akademie.de/masterclass-reportage/">hier</a>). Von 17. bis 18. September findet das Seminar “Gut leben als freie/r Journalist/in” zum ersten Mal mit Katharina Jakob statt (hier geht’s zur <a href="https://reporter-akademie.de/gut-leben-als-freie-journalistin/">Anmeldung</a>). Dank unseres Partners Amnesty International stehen uns zwei Stipendien zur Verfügung, die eine kostenlose Teilnahme an beiden Seminaren ermöglichen (bewerben kann man sich <a href="https://reporter-akademie.de/stipendien/">hier</a>).</p>



<p>Wir von Hermes Baby arbeiten währenddessen im Hintergrund: Wir kümmern uns um die Vorbereitung und Durchführung der Seminare und feilen bereits an neuen, spannenden Kurskonzepten für die kommenden Jahre.</p>



<p>Die brandneue Website der Reporter-Akademie gibt es unter: <a href="http://www.reporter-akademie.de">www.reporter-akademie.de</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/wir-uebernehmen-die-reportage-akademie/">Wir übernehmen die Reporter-Akademie</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<title>Der Hintergrundmusiker</title>
		<link>https://hermes-baby.de/der-hintergrundmusiker/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marlene Knobloch]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 May 2022 17:44:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten Knobloch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Denis Berger aus Heilbronn produziert heimlich Beats, schickt sie an einen der wichtigsten Produzenten im Hip-Hop – und wird als Pvlace zu einer zentralen Figur in dem Milliardengeschäft. Die Frage ist: Wie lange geht dieses Märchen? Erschienen in SZ-Magazin, Mai 2022 / Fotos: Julian Baumann Sechs Kameras zielen auf ihn. Drei filmen seine Kunst. Drei sein Leben. Denis Berger sitzt an diesem Februarnachmittag 2022 in einem kleinen Tonstudio. Gleich zwei Filmteams haben sich um den blassen Jungen versammelt, der mit den Augen die richtige Linse sucht, in die er sprechen soll. Die einen wollen die Geschichte vom Multi-Platin-Produzenten »Pvlace«. Als Pvlace also soll er den begeisterten Amerikanern erklären, wie er arbeitet, wie die 30 Sekunden Musik entstanden sind, die man gleich hört. Als Denis Berger hockt er inmitten eines deutschen Doku-Films über sich selbst: über den Heilbronner Jungen, der es aus der Sozialbausiedlung hierher geschafft hat, in ein Hochhaus am Sunset Boulevard, West Hollywood, Los Angeles. Und den diese Musikschnipsel zum Multi­mil­lionär machten. Berger beugt sich vor den Laptop, schwarzes, weites T-Shirt, die Haare hellblond gefärbt, ein Kreuz um den Hals, Ohrringe, von denen einer so viel kostet wie sein längst verschenkter Polo. Neonröhren werfen ein bläuliches Licht auf sein jugendliches Gesicht. Er schaut in eine der Kameras. »Hi, Leute, was geht? Ich bin Pvlace … Ach fuck«, sagt er, klatscht sich auf die gerötete Wange, dreht sich mit dem Stuhl einmal um die eigene Achse, will die Anspannung loswerden wie ein Hund, der sich schüttelt. Berger ist die vielen Kameras nicht gewohnt, seit ein paar Tagen folgen sie ihm, seit die Dreharbeiten begonnen haben für die Dokumentation, die auf einer großen Streaming-Plattform laufen soll. Eigentlich scheut er so viel Auf­merksamkeit. Er geht kaum raus, zu Hause im Kaufland tippen ihm ­Jugendliche auf die Schulter, hey, wir feiern dich krass, dürfen wir ein Foto machen? Jetzt macht er, was sie wollen, die Filmcrew aus Deutschland, die amerikanischen Videoleute. Denis Berger, 25 Jahre alt, müsste nie wieder arbeiten in seinem Leben. Er hat so viel verdient, dass er elegant darüber schweigt. ­»Pvlace« nennt er sich als Produzent, man spricht es »Palace«, englisch für Palast. »Ich hab alles erreicht, was man im Hip-Hop erreichen kann«, sagt er. Es ist nicht überheblich. Es ist wahr. Schaut man mal nur auf Zahlen – sechsmal Billboard-Nummer-eins, neunmal Platin, einmal Gold – und darauf, wie viele Menschen seine Musik hören, findet man aktuell nichts Vergleichbares in Deutschland. In seiner Liga spielen Namen wie Drake, Future, Chris Brown, Gucci Mane, die Elite der Hip-Hop-Szene. [&#8230;] Der ganze Text in SZ-Magazin oder hier.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/der-hintergrundmusiker/">Der Hintergrundmusiker</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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<p class="intro">Denis Berger aus Heilbronn produziert heimlich Beats, schickt sie an einen der wichtigsten Produzenten im Hip-Hop – und wird als Pvlace zu einer zentralen Figur in dem Milliardengeschäft. Die Frage ist: Wie lange geht dieses Märchen?</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://sz-magazin.sueddeutsche.de/musik/rap-hip-hop-beats-heilbronn-denis-berger-pvlace-91494">SZ-Magazin</a>, Mai 2022 /  Fotos: Julian Baumann</p>



<p>Sechs Kameras zielen auf ihn. Drei filmen seine Kunst. Drei sein Leben. Denis Berger sitzt an diesem Februarnachmittag 2022 in einem kleinen Tonstudio. Gleich zwei Filmteams haben sich um den blassen Jungen versammelt, der mit den Augen die richtige Linse sucht, in die er sprechen soll. Die einen wollen die Geschichte vom Multi-Platin-Produzenten »Pvlace«. Als Pvlace also soll er den begeisterten Amerikanern erklären, wie er arbeitet, wie die 30 Sekunden Musik entstanden sind, die man gleich hört. Als Denis Berger hockt er inmitten eines deutschen Doku-Films über sich selbst: über den Heilbronner Jungen, der es aus der Sozialbausiedlung hierher geschafft hat, in ein Hochhaus am Sunset Boulevard, West Hollywood, Los Angeles. Und den diese Musikschnipsel zum Multi­mil­lionär machten.</p>



<p>Berger beugt sich vor den Laptop, schwarzes, weites T-Shirt, die Haare hellblond gefärbt, ein Kreuz um den Hals, Ohrringe, von denen einer so viel kostet wie sein längst verschenkter Polo. Neonröhren werfen ein bläuliches Licht auf sein jugendliches Gesicht. Er schaut in eine der Kameras. »Hi, Leute, was geht? Ich bin Pvlace … Ach fuck«, sagt er, klatscht sich auf die gerötete Wange, dreht sich mit dem Stuhl einmal um die eigene Achse, will die Anspannung loswerden wie ein Hund, der sich schüttelt. Berger ist die vielen Kameras nicht gewohnt, seit ein paar Tagen folgen sie ihm, seit die Dreharbeiten begonnen haben für die Dokumentation, die auf einer großen Streaming-Plattform laufen soll. Eigentlich scheut er so viel Auf­merksamkeit. Er geht kaum raus, zu Hause im Kaufland tippen ihm ­Jugendliche auf die Schulter, hey, wir feiern dich krass, dürfen wir ein Foto machen? Jetzt macht er, was sie wollen, die Filmcrew aus Deutschland, die amerikanischen Videoleute.</p>



<p>Denis Berger, 25 Jahre alt, müsste nie wieder arbeiten in seinem Leben. Er hat so viel verdient, dass er elegant darüber schweigt. ­»Pvlace« nennt er sich als Produzent, man spricht es »Palace«, englisch für Palast. »Ich hab alles erreicht, was man im Hip-Hop erreichen kann«, sagt er. Es ist nicht überheblich. Es ist wahr. Schaut man mal nur auf Zahlen – sechsmal Billboard-Nummer-eins, neunmal Platin, einmal Gold – und darauf, wie viele Menschen seine Musik hören, findet man aktuell nichts Vergleichbares in Deutschland. In seiner Liga spielen Namen wie Drake, Future, Chris Brown, Gucci Mane, die Elite der Hip-Hop-Szene.</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text in SZ-Magazin oder <a href="https://sz-magazin.sueddeutsche.de/musik/rap-hip-hop-beats-heilbronn-denis-berger-pvlace-91494">hier</a>. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/der-hintergrundmusiker/">Der Hintergrundmusiker</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<item>
		<title>Obsession</title>
		<link>https://hermes-baby.de/obsession/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Mar 2022 15:45:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Rupflin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Er sieht in ihr die Frau des Lebens. Sie will überhaupt nichts mit ihm zu tun haben. Eine wahnhafte Tragödie nimmt ihren Lauf. Erschienen in DIE ZEIT, März 2021 / Illustration: Thomke Meyer Der Junge traf das Mädchen in einer Gegend, in der vor allem die Hoffnung wohnt, eines Tages von hier wegziehen zu können. Er traf sie auf einer kargen Betonfläche im Hamburger Süden, die Bewohner ihren &#8222;Dorfplatz&#8220; nennen. Oft lungert hier endlos lange eine Gruppe jugendlicher Kiffer an den Sitzbänken herum. Einer von ihnen ist Mustafa D. Gerade läuft er auf ein Mädchen zu, das ihn noch gar nicht wahrgenommen hat. Schon eine Zeit lang hat er beobachtet, wie sie neuerdings täglich über den Dorfplatz spaziert. Er hat keine Ahnung, wo sie plötzlich hergekommen ist. Ihr Gesicht, das sie mit einem straff gebundenen Kopftuch umrahmt, macht einen hellen, freundlichen Eindruck, und außerdem ist es gerade Frühling geworden, März. Er holt sie ein, passt sie ab, sagt mutig zu ihr so was wie: Hey, hey! Wie heißt du? Ich find dich voll hübsch. Kann ich deine Nummer haben? Aysun (Name geändert) bleibt stehen. Der Kerl kommt ihr seltsam vor. Er ist groß, ziemlich schlaksig. Sein Gesicht unrasiert. Er hat etwas Ungepflegtes an sich, ohne dass sie genau festmachen könnte, woran es liegt. Seine Art vielleicht? Ganz allgemein wirkt er jedenfalls sonderbar unterwürfig und hat dabei einen verschlagenen Blick. Gleichwohl will Aysun freundlich bleiben. Sie nutzt die Ausrede, die man von einer streng erzogenen Muslimin erwarten könnte: Ich kann dir meine Nummer nicht geben, du musst erst mal mit meinen Eltern sprechen. Aber Mustafa lässt nicht locker, verwickelt sie ungelenk in ein Gespräch, so erinnern das beide später. Aysun kommt gerade von ihrem Praktikum bei einer Ärztin. Sie ist 17. Nach dem Abi will sie Medizin studieren. Sie fragt den Jungen, ob er auch aufs Gymnasium geht. Er behauptet, seinen Realschulabschluss längst in der Tasche zu haben, was glatt gelogen ist. Die Schule hat er in der Achten geschmissen. Inzwischen ist er 23. Er hatte einfach nicht begriffen, dass man ein Zeugnis braucht, um einen Job zu finden. Seine türkischen Eltern hatten vom deutschen Bildungssystem keine Ahnung. Und so lungert er auf dem Dorfplatz rum, treibt durch die Tage, Wochen, Monate seiner müden Existenz. Wo das enden soll? Bis gerade wusste er das auch nicht. Aber jetzt steht immerhin dieses wunderbare Mädchen vor ihm. Das soll was ändern! [&#8230;] Der ganze Text in DIE ZEIT oder hier.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/obsession/">Obsession</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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<p class="intro">Er sieht in ihr die Frau des Lebens. Sie will überhaupt nichts mit ihm zu tun haben. Eine wahnhafte Tragödie nimmt ihren Lauf.</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/2022/12/mustafa-d-hamburg-stalking-obsession-schusswaffe">DIE ZEIT</a>, März 2021 /  Illustration: Thomke Meyer</p>



<p>Der Junge traf das Mädchen in einer Gegend, in der vor allem die Hoffnung wohnt, eines Tages von hier wegziehen zu können. Er traf sie auf einer kargen Betonfläche im Hamburger Süden, die Bewohner ihren &#8222;Dorfplatz&#8220; nennen. Oft lungert hier endlos lange eine Gruppe jugendlicher Kiffer an den Sitzbänken herum. Einer von ihnen ist Mustafa D. Gerade läuft er auf ein Mädchen zu, das ihn noch gar nicht wahrgenommen hat. Schon eine Zeit lang hat er beobachtet, wie sie neuerdings täglich über den Dorfplatz spaziert. Er hat keine Ahnung, wo sie plötzlich hergekommen ist. Ihr Gesicht, das sie mit einem straff gebundenen Kopftuch umrahmt, macht einen hellen, freundlichen Eindruck, und außerdem ist es gerade Frühling geworden, März. Er holt sie ein, passt sie ab, sagt mutig zu ihr so was wie: Hey, hey! Wie heißt du? Ich find dich voll hübsch. Kann ich deine Nummer haben?</p>



<p>Aysun (Name geändert) bleibt stehen. Der Kerl kommt ihr seltsam vor. Er ist groß, ziemlich schlaksig. Sein Gesicht unrasiert. Er hat etwas Ungepflegtes an sich, ohne dass sie genau festmachen könnte, woran es liegt. Seine Art vielleicht? Ganz allgemein wirkt er jedenfalls sonderbar unterwürfig und hat dabei einen verschlagenen Blick.</p>



<p>Gleichwohl will Aysun freundlich bleiben. Sie nutzt die Ausrede, die man von einer streng erzogenen Muslimin erwarten könnte: Ich kann dir meine Nummer nicht geben, du musst erst mal mit meinen Eltern sprechen. Aber Mustafa lässt nicht locker, verwickelt sie ungelenk in ein Gespräch, so erinnern das beide später.</p>



<p>Aysun kommt gerade von ihrem Praktikum bei einer Ärztin. Sie ist 17. Nach dem Abi will sie Medizin studieren. Sie fragt den Jungen, ob er auch aufs Gymnasium geht. Er behauptet, seinen Realschulabschluss längst in der Tasche zu haben, was glatt gelogen ist. Die Schule hat er in der Achten geschmissen. Inzwischen ist er 23. Er hatte einfach nicht begriffen, dass man ein Zeugnis braucht, um einen Job zu finden. Seine türkischen Eltern hatten vom deutschen Bildungssystem keine Ahnung. Und so lungert er auf dem Dorfplatz rum, treibt durch die Tage, Wochen, Monate seiner müden Existenz. Wo das enden soll? Bis gerade wusste er das auch nicht. Aber jetzt steht immerhin dieses wunderbare Mädchen vor ihm. Das soll was ändern!</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text in DIE ZEIT oder <a href="https://www.zeit.de/2022/12/mustafa-d-hamburg-stalking-obsession-schusswaffe">hier</a>. </p>
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		<title>Und zwischen ihnen steht ihr achtjähriges Kind</title>
		<link>https://hermes-baby.de/und-zwischen-ihnen-steht-ihr-achtjaehriges-kind/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Feb 2022 16:08:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Rupflin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Vater und eine Mutter streiten um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter. So wie jedes Jahr Zehntausende Eltern in Deutschland. Doch dann geht es plötzlich um Vergewaltigung, Mord und eine Entführung. Erschienen in DIE ZEIT, Februar 2021 / Illustration:  Eleanor Taylor Martin Koch* sitzt auf einer leeren Hotelterrasse in Rijeka, Kroatien. Vor ihm glitzert das Meer im Sonnenuntergang. Wellen platschen gegen die Klippen, ein Frachtschiff gleitet vorüber, in den dürren Ästen eines Busches klettert ein Kätzchen. Martin Koch hat dafür keinen Blick. Er zieht an einer Zigarette, wohl der dreißigsten heute. Er ist nach Kroatien gekommen, um endlich, nach vier Jahren des Vermissens, seine kleine Tochter in die Arme zu schließen.  Dann beginnt er, von der Frau zu erzählen, die ihm erst den Atem und dann das gemeinsame Kind raubte. Von der Frau, die ihm einen Mord anhängen wollte. Der Frau, die ihn einen Kindesvergewaltiger nannte.&#160; So sagt er das.&#160; Zur selben Zeit, nur ein paar Kilometer weiter, kauert Sandra Busch auf der Pritsche einer engen Gefängniszelle. Es stinkt nach Kot. Eine Mitinsassin hat einen künstlichen Darmausgang und bräuchte dringend einen Arzt, aber das scheint hier niemanden zu interessieren. Sandra Busch ist mit ihrer Tochter nach Kroatien gekommen, um sie vor ihrem Vater zu schützen. Dem Mann, der sein eigenes Kind vergewaltigt hat. Der dafür gesorgt hat, dass die Polizei ihr einfach die Kleine wegnahm. Und der ihre ältere Tochter umgebracht hat. So sagt sie das. [&#8230;] Der ganze Text in DIE ZEIT oder hier.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Ein Vater und eine Mutter streiten um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter. So wie jedes Jahr Zehntausende Eltern in Deutschland. Doch dann geht es plötzlich um Vergewaltigung, Mord und eine Entführung.</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/2022/07/sorgerrechtsstreit-partnerschaft-kriminalitaet-gewalt-justiz">DIE ZEIT</a>, Februar 2021 /  Illustration:  Eleanor Taylor</p>



<p>Martin Koch* sitzt auf einer leeren Hotelterrasse in Rijeka, Kroatien. Vor ihm glitzert das Meer im Sonnenuntergang. Wellen platschen gegen die Klippen, ein Frachtschiff gleitet vorüber, in den dürren Ästen eines Busches klettert ein Kätzchen. Martin Koch hat dafür keinen Blick. Er zieht an einer Zigarette, wohl der dreißigsten heute. Er ist nach Kroatien gekommen, um endlich, nach vier Jahren des Vermissens, seine kleine Tochter in die Arme zu schließen. </p>



<p>Dann beginnt er, von der Frau zu erzählen, die ihm erst den Atem und dann das gemeinsame Kind raubte. Von der Frau, die ihm einen Mord anhängen wollte. Der Frau, die ihn einen Kindesvergewaltiger nannte.&nbsp;</p>



<p>So sagt er das.&nbsp;</p>



<p>Zur selben Zeit, nur ein paar Kilometer weiter, kauert Sandra Busch auf der Pritsche einer engen Gefängniszelle. Es stinkt nach Kot. Eine Mitinsassin hat einen künstlichen Darmausgang und bräuchte dringend einen Arzt, aber das scheint hier niemanden zu interessieren. Sandra Busch ist mit ihrer Tochter nach Kroatien gekommen, um sie vor ihrem Vater zu schützen. Dem Mann, der sein eigenes Kind vergewaltigt hat. Der dafür gesorgt hat, dass die Polizei ihr einfach die Kleine wegnahm. Und der ihre ältere Tochter umgebracht hat.</p>



<p>So sagt sie das.</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text in DIE ZEIT oder <a href="https://www.zeit.de/2022/07/sorgerrechtsstreit-partnerschaft-kriminalitaet-gewalt-justiz">hier</a>. </p>
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		<title>Homecoming: Zürich</title>
		<link>https://hermes-baby.de/homecoming-zuerich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anna-Sophie Dreussi]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Dec 2021 14:05:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten von Dreussi]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Häuschen an der Limmat sind fein säuberlich aufgereiht – wie die Hähnchen und Rinderfilets in den Kühlschränken der Globus Delicatessa. Erschienen in Vice, Dezember 2021 Ich bin nicht in Zürich aufgewachsen. Ich habe aber einige Jahre dort gewohnt, bevor ich&#160;nach Berlin&#160;gezogen bin. In Zürich habe ich angefangen, jemand zu werden. Wenn die wachsenden Arme und Beine plötzlich proportional mit dem Körper übereinstimmen, dann darf man das mit dem Leben endlich mal ein bisschen ausprobieren. Zürich war also mal dafür da, damit ich etwas ausprobieren konnte. Und jetzt ist Zürich dafür da, damit ich etwas vermissen kann. Wenn ich sage: &#8222;Ich fahre nach Hause&#8220;, dann meine ich Zürich. In Zürich wurde ich cool, das findet zumindest ein Freund von mir. Er kennt sogar den genauen Moment. Als ich nach einer Garderobenschicht um 8 Uhr morgens&#160;bei einer Hausparty auftauchte, bei der man mit einer Leiter über den Balkon reinklettern musste. Auf dieser Leiter wurde ich also cool und eine halbe Stunde später sehr betrunken. Versucht habe ich es davor aber schon oft. Also das Coolwerden. Einen starken Drang cool zu sein, hatte ich das erste Mal, als ich S kennengelernt habe.&#160;Die Personen in diesem Text sind anonym, weil sie ihr Partyverhalten nicht offenlegen wollen. An S denke ich manchmal, auch wenn wir eigentlich kaum noch Kontakt haben. Im Sommer zum Beispiel. Im Sommer schaute ich diesen Film, in dem sich mittelmäßige, depressive Männer die ganze Zeit ermutigend auf die Schulter klopfen. Der Kinosessel klappte nach hinten, wenn ich mich zurücklehnte. Ich wollte dann gerne meine Füße aus meinen Schlappen ziehen und sie auf den Sitzlehnen der Reihe vor mir abstützen. Doch dann entschied ich mich dagegen. Denn bei mir würde das nicht cool aussehen, sondern so als könnte ich mich nicht benehmen. Eine Frau wie S könnte das. Ihre Wohnung liegt im Kreis 1. Ich hatte ganz in der Nähe in einem Imbiss für gesunde Salate und Bowls gearbeitet und das ständige Lächeln gelernt.&#160; [&#8230;] Der ganze Text hier.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Die Häuschen an der Limmat sind fein säuberlich aufgereiht – wie die Hähnchen und Rinderfilets in den Kühlschränken der Globus Delicatessa.</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.vice.com/de/article/g5qy4w/homecoming-zuerich-ist-die-stadt-die-mir-zeigt-dass-alles-gar-nicht-so-schlimm-ist">Vice</a>, Dezember 2021</p>



<p>Ich bin nicht in Zürich aufgewachsen. Ich habe aber einige Jahre dort gewohnt, bevor ich&nbsp;nach Berlin&nbsp;gezogen bin. In Zürich habe ich angefangen, jemand zu werden. Wenn die wachsenden Arme und Beine plötzlich proportional mit dem Körper übereinstimmen, dann darf man das mit dem Leben endlich mal ein bisschen ausprobieren. Zürich war also mal dafür da, damit ich etwas ausprobieren konnte. Und jetzt ist Zürich dafür da, damit ich etwas vermissen kann. Wenn ich sage: &#8222;Ich fahre nach Hause&#8220;, dann meine ich Zürich.</p>



<p>In Zürich wurde ich cool, das findet zumindest ein Freund von mir. Er kennt sogar den genauen Moment. Als ich nach einer Garderobenschicht um 8 Uhr morgens&nbsp;bei einer Hausparty auftauchte, bei der man mit einer Leiter über den Balkon reinklettern musste. Auf dieser Leiter wurde ich also cool und eine halbe Stunde später sehr betrunken. Versucht habe ich es davor aber schon oft. Also das Coolwerden. Einen starken Drang cool zu sein, hatte ich das erste Mal, als ich S kennengelernt habe.<strong>&nbsp;</strong>Die Personen in diesem Text sind anonym, weil sie ihr Partyverhalten nicht offenlegen wollen.</p>



<p>An S denke ich manchmal, auch wenn wir eigentlich kaum noch Kontakt haben. Im Sommer zum Beispiel. Im Sommer schaute ich diesen Film, in dem sich mittelmäßige, depressive Männer die ganze Zeit ermutigend auf die Schulter klopfen. Der Kinosessel klappte nach hinten, wenn ich mich zurücklehnte. Ich wollte dann gerne meine Füße aus meinen Schlappen ziehen und sie auf den Sitzlehnen der Reihe vor mir abstützen. Doch dann entschied ich mich dagegen. Denn bei mir würde das nicht cool aussehen, sondern so als könnte ich mich nicht benehmen. Eine Frau wie S könnte das. Ihre Wohnung liegt im Kreis 1. Ich hatte ganz in der Nähe in einem Imbiss für gesunde Salate und Bowls gearbeitet und das ständige Lächeln gelernt.&nbsp;</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text <a href="https://www.vice.com/de/article/g5qy4w/homecoming-zuerich-ist-die-stadt-die-mir-zeigt-dass-alles-gar-nicht-so-schlimm-ist">hier</a>. </p>
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		<title>Es geht rund!</title>
		<link>https://hermes-baby.de/es-geht-rund/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marlene Knobloch]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Dec 2021 10:08:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten Knobloch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aus einem &#8222;Freedom Day&#8220; wurde nichts, stattdessen: noch ein Matschwinter mit Corona. Seit Beginn der Pandemie träumen wir von ihrem Ende &#8211; dabei sollten wir zyklisch denken. Erschienen in Süddeutsche Zeitung, 25.12.2021 Ich hatte sehr früh eine Idee, wie alles endet. Es war April 2020, die Kinder von nebenan malten mit Fensterfarben in Regenbogenoptik &#8222;Bleibt zu Hause&#8220; an die Fenster und ich spazierte mit meinem Vater stundenlang durch mittelfränkische Wälder. Dienstag war derselbe Mist wie Samstag, ich sah die Zeit nur an den Ästen voranschreiten, an denen allmählich Blätter sprießten, aber mein Vater versprach: &#8222;Du wirst sehen, wenn das vorbei ist, werden die Menschen feiern, wie sie es nie getan haben.&#8220; Trotz Grundskepsis (mein Vater schwor bereits, er habe nie Marihuana geraucht und Trump würde nicht Präsident, für beides gibt es gesicherte Gegenbeweise), flackerten in meinem mit Zoomkacheln gefliesten Hirn Lampions, Lichterketten und ins Abendrot gereckte Champagnergläser auf. In einer Zeit, in der man nicht wusste, ob jemand eine Wodkafahne oder sich die Hände desinfiziert hat, stellte ich mir vor, wie unser Nachbar meine Mutter umarmte, obwohl sie seit zwei Jahren einen Reichskrieg elsässischer Ausmaße um 15 Zentimeter Gartengrundstück führten. Er würde mit einem fränkischen Bocksbeutel (Würzburger Silvaner) runterkommen, seinen Filzhut abnehmen und uns beschwipst zuzwinkern, man müsse den Paragraf 30, Absatz 1 des Bayerischen Grundstücksverkehrsgesetzes ja nicht so ernst nehmen. In einer Zeit, in der sich Regionalbahn-Passagiere vor der Ausgangstür herumdrückten, als speie der Türknopf Feuer, stellte ich mir vor, wie ich als Hobby-Portier dann aussteigenden Fahrgästen zum Abschied die Hand schüttelte. Ich träumte von dichten Kassenschlangen, in denen sich die Kanten der Tiefkühlpizzas fast liebevoll in den Rücken des Vordermanns bohrten. Ach, das ganze Land war ein einziges großes Fest, die Deutschen trauten sich von den Bierbänken runter und tanzten auf der Straße, ganz ohne drei Promille, &#8222;Fliegerlied&#8220; oder &#8222;Hölle Hölle Hölle&#8220;, sie tanzten zu Peter Sarstedts &#8222;Where Do You Go to My Lovely&#8220; , der Song lief in Homburg wie in Finsterwalde, und da ward Liebe zwischen allen Völkern, sogar zwischen Schalke und Dortmund. […] Gesamter Text in der Süddeutschen Zeitung oder hier</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/es-geht-rund/">Es geht rund!</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Aus einem &#8222;Freedom Day&#8220; wurde nichts, stattdessen: noch ein Matschwinter mit Corona. Seit Beginn der Pandemie träumen wir von ihrem Ende &#8211; dabei sollten wir zyklisch denken.</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.sueddeutsche.de/kultur/corona-pandemie-friedrich-merz-1.5494039">Süddeutsche Zeitung</a>,  25.12.2021 </p>



<p>Ich hatte sehr früh eine Idee, wie alles endet. Es war April 2020, die Kinder von nebenan malten mit Fensterfarben in Regenbogenoptik &#8222;Bleibt zu Hause&#8220; an die Fenster und ich spazierte mit meinem Vater stundenlang durch mittelfränkische Wälder. Dienstag war derselbe Mist wie Samstag, ich sah die Zeit nur an den Ästen voranschreiten, an denen allmählich Blätter sprießten, aber mein Vater versprach: &#8222;Du wirst sehen, wenn das vorbei ist, werden die Menschen feiern, wie sie es nie getan haben.&#8220;</p>



<p>Trotz Grundskepsis (mein Vater schwor bereits, er habe nie Marihuana geraucht und Trump würde nicht Präsident, für beides gibt es gesicherte Gegenbeweise), flackerten in meinem mit Zoomkacheln gefliesten Hirn Lampions, Lichterketten und ins Abendrot gereckte Champagnergläser auf. In einer Zeit, in der man nicht wusste, ob jemand eine Wodkafahne oder sich die Hände desinfiziert hat, stellte ich mir vor, wie unser Nachbar meine Mutter umarmte, obwohl sie seit zwei Jahren einen Reichskrieg elsässischer Ausmaße um 15 Zentimeter Gartengrundstück führten. Er würde mit einem fränkischen Bocksbeutel (Würzburger Silvaner) runterkommen, seinen Filzhut abnehmen und uns beschwipst zuzwinkern, man müsse den Paragraf 30, Absatz 1 des Bayerischen Grundstücksverkehrsgesetzes ja nicht so ernst nehmen.</p>



<p>In einer Zeit, in der sich Regionalbahn-Passagiere vor der Ausgangstür herumdrückten, als speie der Türknopf Feuer, stellte ich mir vor, wie ich als Hobby-Portier dann aussteigenden Fahrgästen zum Abschied die Hand schüttelte. Ich träumte von dichten Kassenschlangen, in denen sich die Kanten der Tiefkühlpizzas fast liebevoll in den Rücken des Vordermanns bohrten. Ach, das ganze Land war ein einziges großes Fest, die Deutschen trauten sich von den Bierbänken runter und tanzten auf der Straße, ganz ohne drei Promille, &#8222;Fliegerlied&#8220; oder &#8222;Hölle Hölle Hölle&#8220;, sie tanzten zu Peter Sarstedts &#8222;Where Do You Go to My Lovely&#8220; , der Song lief in Homburg wie in Finsterwalde, und da ward Liebe zwischen allen Völkern, sogar zwischen Schalke und Dortmund.</p>



<p>[…]</p>



<p>Gesamter Text in der Süddeutschen Zeitung oder <a href="https://www.sueddeutsche.de/kultur/corona-pandemie-friedrich-merz-1.5494039">hier</a></p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Ausschreibung: Hermes Baby-Stipendium 2022/23</title>
		<link>https://hermes-baby.de/journalismus-stipendium-erzaehljournalismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stark]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Dec 2021 08:31:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Events]]></category>
		<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[erzähljournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[journalismusstipendium]]></category>
		<category><![CDATA[Reportage]]></category>
		<category><![CDATA[reporter]]></category>
		<category><![CDATA[stipendium]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hermes-baby.de/?p=3335</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wir feiern den Erzähljournalismus! Jetzt schon zwei Jahre lang. Und weil eine Party nur gemeinsam Spaß macht, wollen wir unsere Erfahrungen teilen. Deshalb bieten wir jungen Erzähljournalistinnen und Erzähljournalisten die Möglichkeit, ein Jahr lang auf die Ressourcen und Möglichkeiten von Hermes Baby zurückzugreifen. Wir teilen unsere Ideen und Gedanken und laden dich ein, Teil des kreativen Wirbels zu werden, der unsere Gemeinschaft ausmacht. In Form eines Fortbildungs-Stipendiums unterstützen wir dich in deinen Visionen und Projekten und ermöglichen dir ein Jahr lang zu lernen, wie du noch besser schreibst. Wir sind überzeugt: Jede Geschichte birgt das Versprechen, uns selbst im Anderen wiederzufinden. Die gute Geschichte ist der Spiegel unserer Versuche und unseres Scheiterns, unseres Hoffens, unserer Zweifel und unserer Makel. Sie lässt uns erfahren, wie Menschen mit den Missständen des Lebens, mit Ungerechtigkeit und Leid umgehen – aber auch mit Glück und Liebe. Die gute Geschichte fragt nach dem Wie und dem Warum zwischen dem Wer und Was. Und sie bleibt dem Menschen zugewandt. Wenn du dich dieser Überzeugung anschließen kannst und lernen möchtest, die Welt durch das Recherchieren und Erzählen von Geschichten noch gründlicher zu erforschen, dann bietet dir das Hermes Baby-Stipendium eine einzigartige Möglichkeit. Wir als Gemeinschaft helfen dir, deine Persönlichkeit als Autorin oder Autor weiterzuentwickeln und dich als Erzähljournalistin oder Erzähljournalist erfolgreich zu entfalten. Um dieses Versprechen zu erfüllen, bieten wir dir: ● Du bist willkommen bei den wöchentlichen Text-Kritiken, sowohl bei den internen Runden, als auch bei denen mit externen Gästen. ● Du bist eingeladen zu den zweiwöchentlichen Kreativ-Runden, in denen wir aus groben Themenideen konkrete Geschichten entwickeln. ● Die regelmäßigen Fortbildungs- und Diskussionsrunden mit externen Experten aus Theater, Musik, Literatur, Journalismus und anderen Bereichen des erzählerischen Wirkens stehen dir offen. ● Wir unterstützen dich bei der Entwicklung und dem anschließenden Verkauf von Geschichten von überregionaler Relevanz an renommierte Medienhäuser. ● Über das Jahr hinweg werden dich sechs verschiedene Mitglieder unserer Gemeinschaft als Mentor oder Mentorin begleiten, so ermöglichen sie dir einen Perspektivwechsel auf gelungenen Erzähljournalismus. ● Bis zu vier erzähljournalistische Geschichten, die du während des Jahres erarbeitest, werden intensiv von mindestens einem Mitglied der Gemeinschaft begleitet und betreut. Für eine Bewerbung erwarten wir von dir: ● Zeit für freiberufliches Arbeiten. Dabei ist es uns egal, ob du gerade eine Berufsausbildung abgeschlossen hast, frisch das Abitur geschafft hast, im Xten Semester eines beliebigen Studiums steckst, gerade den Sprung auf eine Journalistenschule gemacht hast oder schon mitten im Berufsleben als Freie oder Freier steckst. (Eine feste berufliche Anstellung mit mehr als 50 Prozent zeitlicher Auslastung gilt für uns als Ausschlusskriterium.) ● Bitte schicke uns mindestens eine, maximal drei erzähljournalistische Arbeitsproben. Veröffentlicht oder unveröffentlicht, beides ist möglich. Bitte füge diese(s) Dokument(e) deiner Bewerbung in Form einer PDF-Datei an. ● Wir wünschen uns von dir viel Freude und Liebe zum Erzählen als Kulturtechnik, als Form des Ausdrucks und teilweise auch als Lebenseinstellung. Was ist an Erzählen und Erzählungen so toll? Was fasziniert dich daran? Schreib uns das doch gerne (max. 5.000 Zeichen; inkl. Leerzeichen) und füge es als PDF deiner Bewerbung an. ● Ein Lebenslauf ist immer schön. Im Wesentlichen ist er eine Geschichte über eine Etappe unseres Lebens. Also: Erzähl uns doch etwas über dich! Schicke uns auch diesen Text als PDF. Lebenslauf und Motivationsschreiben dürfen miteinander kombiniert werden. Bitte schicke deine Bewerbung mit dem Betreff “Bewerbung Stipendium Vorname Nachname” an stipendium@hermes-baby.de. Bewerbungsschluss ist der 31.12.2021, Mitternacht/0:00 Uhr. Das Stipendium beginnt ab dem 01.03.2022 und begleitet dich voraussichtlich bis zum 28.02.2023. Insgesamt werden bis zu zwei Stipendien vergeben. Wir freuen uns sehr darauf, von dir zu lesen und wünschen viel Erfolg! #GemeinsamfürdieguteGeschichte Deine Hermes Babys</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/journalismus-stipendium-erzaehljournalismus/">Ausschreibung: Hermes Baby-Stipendium 2022/23</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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<p>Wir feiern den Erzähljournalismus! Jetzt schon zwei Jahre lang. Und weil eine Party nur gemeinsam Spaß macht, wollen wir unsere Erfahrungen teilen.</p>



<p>Deshalb bieten wir jungen Erzähljournalistinnen und Erzähljournalisten die Möglichkeit, ein Jahr lang auf die Ressourcen und Möglichkeiten von Hermes Baby zurückzugreifen. Wir teilen unsere Ideen und Gedanken und laden dich ein, Teil des kreativen Wirbels zu werden, der unsere Gemeinschaft ausmacht.</p>



<p>In Form eines Fortbildungs-Stipendiums unterstützen wir dich in deinen Visionen und Projekten und ermöglichen dir ein Jahr lang zu lernen, wie du noch besser schreibst.</p>



<p>Wir sind überzeugt:</p>



<p><em><span style="color: #e7b547;" class="stk-highlight">Jede Geschichte birgt das Versprechen, uns selbst im Anderen wiederzufinden. Die gute Geschichte ist der Spiegel unserer Versuche und unseres Scheiterns, unseres Hoffens, unserer Zweifel und unserer Makel.</span></em></p>



<p><em><span style="color: #e7b547;" class="stk-highlight">Sie lässt uns erfahren, wie Menschen mit den Missständen des Lebens, mit Ungerechtigkeit und Leid umgehen – aber auch mit Glück und Liebe. Die gute Geschichte fragt nach dem Wie und dem Warum zwischen dem Wer und Was. Und sie bleibt dem Menschen zugewandt.</span></em></p>



<p>Wenn du dich dieser Überzeugung anschließen kannst und lernen möchtest, die Welt durch das Recherchieren und Erzählen von Geschichten noch gründlicher zu erforschen, dann bietet dir das Hermes Baby-Stipendium eine einzigartige Möglichkeit. Wir als Gemeinschaft helfen dir, deine Persönlichkeit als Autorin oder Autor weiterzuentwickeln und dich als Erzähljournalistin oder Erzähljournalist erfolgreich zu entfalten.</p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="stk-highlight">Um dieses Versprechen zu erfüllen, bieten wir dir:</span></strong></p>



<p>● Du bist willkommen bei den wöchentlichen Text-Kritiken, sowohl bei den internen Runden, als auch bei denen mit externen Gästen.<br></p>



<p>● Du bist eingeladen zu den zweiwöchentlichen Kreativ-Runden, in denen wir aus groben Themenideen konkrete Geschichten entwickeln.<br></p>



<p>● Die regelmäßigen Fortbildungs- und Diskussionsrunden mit externen Experten aus Theater, Musik, Literatur, Journalismus und anderen Bereichen des erzählerischen Wirkens stehen dir offen.<br></p>



<p>● Wir unterstützen dich bei der Entwicklung und dem anschließenden Verkauf von Geschichten von überregionaler Relevanz an renommierte Medienhäuser.<br></p>



<p>● Über das Jahr hinweg werden dich sechs verschiedene Mitglieder unserer Gemeinschaft als Mentor oder Mentorin begleiten, so ermöglichen sie dir einen Perspektivwechsel auf gelungenen Erzähljournalismus.<br></p>



<p>● Bis zu vier erzähljournalistische Geschichten, die du während des Jahres erarbeitest, werden intensiv von mindestens einem Mitglied der Gemeinschaft begleitet und betreut.</p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="stk-highlight">Für eine Bewerbung erwarten wir von dir:</span></strong></p>



<p>● Zeit für freiberufliches Arbeiten. Dabei ist es uns egal, ob du gerade eine Berufsausbildung abgeschlossen hast, frisch das Abitur geschafft hast, im Xten Semester eines beliebigen Studiums steckst, gerade den Sprung auf eine Journalistenschule gemacht hast oder schon mitten im Berufsleben als Freie oder Freier steckst. (Eine feste berufliche Anstellung mit mehr als 50 Prozent zeitlicher Auslastung gilt für uns als Ausschlusskriterium.)<br></p>



<p>● Bitte schicke uns mindestens eine, maximal drei erzähljournalistische Arbeitsproben. Veröffentlicht oder unveröffentlicht, beides ist möglich. Bitte füge diese(s) Dokument(e) deiner Bewerbung in Form einer PDF-Datei an.<br></p>



<p>● Wir wünschen uns von dir viel Freude und Liebe zum Erzählen als Kulturtechnik, als Form des Ausdrucks und teilweise auch als Lebenseinstellung. Was ist an Erzählen und Erzählungen so toll? Was fasziniert dich daran? Schreib uns das doch gerne (max. 5.000 Zeichen; inkl. Leerzeichen) und füge es als PDF deiner Bewerbung an.<br></p>



<p>● Ein Lebenslauf ist immer schön. Im Wesentlichen ist er eine Geschichte über eine Etappe unseres Lebens. Also: Erzähl uns doch etwas über dich! Schicke uns auch diesen Text als PDF. Lebenslauf und Motivationsschreiben dürfen miteinander kombiniert werden.</p>



<p>Bitte schicke deine Bewerbung mit dem Betreff “Bewerbung Stipendium <em>Vorname Nachname</em>” an<span style="color: #e7b547;" class="stk-highlight"> <a href="mailto:stipendium@hermes-baby.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">stipendium@hermes-baby.de</a></span>. Bewerbungsschluss ist der 31.12.2021, Mitternacht/0:00 Uhr. Das Stipendium beginnt ab dem 01.03.2022 und begleitet dich voraussichtlich bis zum 28.02.2023. Insgesamt werden bis zu zwei Stipendien vergeben.</p>



<p>Wir freuen uns sehr darauf, von dir zu lesen und wünschen viel Erfolg! <span style="color: #e7b547;" class="stk-highlight">#GemeinsamfürdieguteGeschichte</span><br><br>Deine <em>Hermes Babys</em></p>
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		<title>Oberlin-Morde: Eine funktionsfähige Fassade</title>
		<link>https://hermes-baby.de/eine-funktionsfaehige-fassade/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benedikt Herber]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Dec 2021 08:30:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Benedikt Herber]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Erschienen in&#160;DIE ZEIT, 01.12.2021/ Foto: Benedikt Herber Ines R. galt als eine ausgezeichnete Pflegerin, freundlich, mütterlich und liebevoll. Doch dann lief sie Amok und tötete vier Menschen. Am Abend des 28. April 2021 erreicht ein Notruf die Polizeileitstelle Potsdam. Mann am Telefon: &#8222;Ja, wie soll i dette jetz am besten erklären?&#8220; Polizist: &#8222;Einfach frei von der Leber weg.&#8220; Mann: &#8222;Meine Frau kam voll durch den Wind von der Arbeit. Völlig psychotisch. Dann hat sie mir erklärt, dass sie jemandem die Kehle durchgeschnitten hat.&#8220; Polizist: &#8222;Was?&#8220;&#160; Mann: &#8222;Hab bei denen auf der Arbeit angerufen, die haben das selbst gar ned gemerkt. Ich hab sie gebeten, aufs Zimmer zu schauen. Es scheint zu stimmen.&#8220; Polizist: &#8222;Wo arbeitet Ihre Frau denn?&#8220; Mann: &#8222;Im Oberlinhaus&#160;&#8230; Ich zittere am ganzen Körper.&#8220;&#160; Polizist: &#8222;Welche Station?&#8220; Mann: &#8222;Thusnelda-von-Saldern-Haus.&#8220; Polizist: &#8222;Achten Sie bitte auf Ihre Frau, dass sie sich nicht wäscht und ihre Sachen nicht wechselt. Ich schicke Ihnen dann die Kollegen hin. Alles klar, Herr R.?&#8220; Sieben Monate nach diesem Anruf, Ende November, betritt der Mann, der Thimo R. heißt und 57 Jahre alt ist, den Gerichtssaal. Er winkt kurz in Richtung Anklagebank, doch seine Frau verzieht keine Miene. Starr blickt Ines R. geradeaus, ihre Augen bleiben so leer und ausdruckslos, wie sie es bisher über alle Prozesstage hinweg waren. Diese 52-jährige Frau, über die alle Zeugen sagen, sie sei vielleicht ein wenig wortkarg gewesen, aber immer liebevoll, zuvorkommend und aufopfernd; die vielleicht etwas empfindlich auf Geräusche reagierte, wenn das Radio mal wieder zu laut aufgedreht war – diese Frau soll vier ihrer wehrlosen Schutzbefohlenen, Menschen mit schweren Behinderungen, ermordet haben. Ein fünfter schwebte in Lebensgefahr. Ihre Leutchen, wie sie sie nannte.&#160; Der Prozess, der dieser Tage in&#160;Potsdam&#160;verhandelt wird, dreht sich nicht nur um eine Frau, die Amok gelaufen ist, sondern auch um die miserablen Bedingungen in der Pflege. Er offenbart, dass auch eine kirchliche Einrichtung wie das Oberlinhaus, &#8222;das diakonische Kompetenzzentrum für Teilhabe, Bildung und Arbeit&#8220;, bei Kontrollen stets mit Bestnoten ausgezeichnet, schwere strukturelle Probleme hat. […] Gesamter Text bei ZEIT Online</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/eine-funktionsfaehige-fassade/">Oberlin-Morde: Eine funktionsfähige Fassade</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Erschienen in&nbsp;</em><a aria-label=" (opens in a new tab)" rel="noreferrer noopener" href="https://www.zeit.de/2021/27/haluk-yildiz-mathias-mund-frankfurt-stadtparlament" target="_blank">DIE </a><a href="https://www.zeit.de/2021/49/oberlinhaus-prozess-ines-r-mord" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ZEIT</a><em>, 01.12.2021</em>/ Foto: <em>Benedikt Herber</em></p>



<p><strong><strong>Ines R. galt als eine ausgezeichnete Pflegerin, freundlich, mütterlich und liebevoll. Doch dann lief sie Amok und tötete vier Menschen.</strong></strong></p>



<p>Am Abend des 28. April 2021 erreicht ein Notruf die Polizeileitstelle Potsdam. </p>



<p>Mann am Telefon: &#8222;Ja, wie soll i dette jetz am besten erklären?&#8220;</p>



<p>Polizist: &#8222;Einfach frei von der Leber weg.&#8220;</p>



<p>Mann: &#8222;Meine Frau kam voll durch den Wind von der Arbeit. Völlig psychotisch. Dann hat sie mir erklärt, dass sie jemandem die Kehle durchgeschnitten hat.&#8220;</p>



<p>Polizist: &#8222;Was?&#8220;&nbsp;</p>



<p>Mann: &#8222;Hab bei denen auf der Arbeit angerufen, die haben das selbst gar ned gemerkt. Ich hab sie gebeten, aufs Zimmer zu schauen. Es scheint zu stimmen.&#8220;</p>



<p>Polizist: &#8222;Wo arbeitet Ihre Frau denn?&#8220;</p>



<p>Mann: &#8222;Im Oberlinhaus&nbsp;&#8230; Ich zittere am ganzen Körper.&#8220;&nbsp;</p>



<p>Polizist: &#8222;Welche Station?&#8220;</p>



<p>Mann: &#8222;Thusnelda-von-Saldern-Haus.&#8220;</p>



<p>Polizist: &#8222;Achten Sie bitte auf Ihre Frau, dass sie sich nicht wäscht und ihre Sachen nicht wechselt. Ich schicke Ihnen dann die Kollegen hin. Alles klar, Herr R.?&#8220;</p>



<p>Sieben Monate nach diesem Anruf, Ende November, betritt der Mann, der Thimo R. heißt und 57 Jahre alt ist, den Gerichtssaal. Er winkt kurz in Richtung Anklagebank, doch seine Frau verzieht keine Miene. Starr blickt Ines R. geradeaus, ihre Augen bleiben so leer und ausdruckslos, wie sie es bisher über alle Prozesstage hinweg waren. Diese 52-jährige Frau, über die alle Zeugen sagen, sie sei vielleicht ein wenig wortkarg gewesen, aber immer liebevoll, zuvorkommend und aufopfernd; die vielleicht etwas empfindlich auf Geräusche reagierte, wenn das Radio mal wieder zu laut aufgedreht war – diese Frau soll vier ihrer wehrlosen Schutzbefohlenen, Menschen mit schweren Behinderungen, ermordet haben. Ein fünfter schwebte in Lebensgefahr.</p>



<p>Ihre Leutchen, wie sie sie nannte.&nbsp;</p>



<p>Der Prozess, der dieser Tage in&nbsp;Potsdam&nbsp;verhandelt wird, dreht sich nicht nur um eine Frau, die Amok gelaufen ist, sondern auch um die miserablen Bedingungen in der Pflege. Er offenbart, dass auch eine kirchliche Einrichtung wie das Oberlinhaus, &#8222;das diakonische Kompetenzzentrum für Teilhabe, Bildung und Arbeit&#8220;, bei Kontrollen stets mit Bestnoten ausgezeichnet, schwere strukturelle Probleme hat.</p>



<p>[…]</p>



<p>Gesamter Text bei <a href="https://www.zeit.de/2021/49/oberlinhaus-prozess-ines-r-mord">ZEIT Online</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/eine-funktionsfaehige-fassade/">Oberlin-Morde: Eine funktionsfähige Fassade</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<item>
		<title>Ganz mein Humor</title>
		<link>https://hermes-baby.de/ganz-mein-humor/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marlene Knobloch]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Oct 2021 08:35:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten Knobloch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frauen dürfen regieren, sie dürfen ins All. Aber lustig sein? Um Gottes willen. Carolin Kebekus und die Frage, warum gute Pointen oft nicht reichen, um als Komikerin in den Late-Night-Olymp aufzusteigen. Erschienen in Süddeutsche Zeitung, 15.10.2021 Mittag im Gaffel am Dom, ein Brauhaus mitten in Köln. Die Kupferfässer leuchten, es riecht nach Bier und gebratenem Fleisch. An diesem Dienstag im September geht eine schmale Frau hinter einem großen PR-Agenten an den Tischreihen entlang, an denen man mit zurückgekrempelten Ärmeln ausladend Steaks zersägt. Die Nasen tief über den dampfenden Tellern, merken die Gäste nicht, dass an ihnen gerade die lustigste Frau Deutschlands vorbeiläuft. Beide, das Brauhaus und die Komikerin Carolin Kebekus, gehören fest zur Stadt Köln, ihre Kollegin Anke Engelke nannte Letztere mal &#8222;Stadtinventar&#8220;. Einmal die Treppe hoch liegen Räume, in denen man Kebekus laut eigener Aussage zur Karnevalszeit &#8222;schon in ganz anderen Zuständen&#8220; gesehen habe. Zwei Stockwerke drüber residiert der Verlag Kiepenheuer &#38; Witsch, in dem Carolin Kebekus gerade ein feministisches Buch veröffentlicht hat. Der Sound darin ist persönlicher, wütender, wissenschaftlicher als vieles, was man von ihr kennt. Und es liegt mehr als ein paar Stockwerke von ihrer einstigen Rolle als Prollfrau entfernt. Aber über diese Zeit, in der sie noch Witze über Claudia Effenberg machte, die ihr &#8222;auf den Sack geht&#8220;, will sie an diesem Tag nicht viel reden. Auf dem Buchcover thront Kebekus, die Hand auf weißem Hermelinfell gebettet. Lange, goldene Kronenzacken ziehen sich über den Einband, auf dem steht: &#8222;Es kann nur eine geben&#8220;. Damit meint Kebekus sich selbst. […] Gesamter Text in der Süddeutschen Zeitung oder hier</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Frauen dürfen regieren, sie dürfen ins All. Aber lustig sein? Um Gottes willen. Carolin Kebekus und die Frage, warum gute Pointen oft nicht reichen, um als Komikerin in den Late-Night-Olymp aufzusteigen.</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/carolin-kebekus-comedy-fernsehen-late-night-1.5440077">Süddeutsche Zeitung</a>,  15.10.2021 </p>



<p>Mittag im Gaffel am Dom, ein Brauhaus mitten in Köln. Die Kupferfässer leuchten, es riecht nach Bier und gebratenem Fleisch. An diesem Dienstag im September geht eine schmale Frau hinter einem großen PR-Agenten an den Tischreihen entlang, an denen man mit zurückgekrempelten Ärmeln ausladend Steaks zersägt. Die Nasen tief über den dampfenden Tellern, merken die Gäste nicht, dass an ihnen gerade die lustigste Frau Deutschlands vorbeiläuft.</p>



<p>Beide, das Brauhaus und die Komikerin Carolin Kebekus, gehören fest zur Stadt Köln, ihre Kollegin Anke Engelke nannte Letztere mal &#8222;Stadtinventar&#8220;. Einmal die Treppe hoch liegen Räume, in denen man Kebekus laut eigener Aussage zur Karnevalszeit &#8222;schon in ganz anderen Zuständen&#8220; gesehen habe. Zwei Stockwerke drüber residiert der Verlag Kiepenheuer &amp; Witsch, in dem Carolin Kebekus gerade ein feministisches Buch veröffentlicht hat. Der Sound darin ist persönlicher, wütender, wissenschaftlicher als vieles, was man von ihr kennt. Und es liegt mehr als ein paar Stockwerke von ihrer einstigen Rolle als Prollfrau entfernt. Aber über diese Zeit, in der sie noch Witze über Claudia Effenberg machte, die ihr &#8222;auf den Sack geht&#8220;, will sie an diesem Tag nicht viel reden. Auf dem Buchcover thront Kebekus, die Hand auf weißem Hermelinfell gebettet. Lange, goldene Kronenzacken ziehen sich über den Einband, auf dem steht: &#8222;Es kann nur eine geben&#8220;. Damit meint Kebekus sich selbst.</p>



<p>[…]</p>



<p>Gesamter Text in der Süddeutschen Zeitung oder <a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/carolin-kebekus-comedy-fernsehen-late-night-1.5440077">hier</a></p>
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		<item>
		<title>Warum es besonders wehtut, von diesem Sommer Abschied zu nehmen￼</title>
		<link>https://hermes-baby.de/warum-es-besonders-wehtut-von-diesem-sommer-abschied-zu-nehmen%ef%bf%bc/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anna-Sophie Dreussi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Sep 2021 13:22:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten von Dreussi]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hermes-baby.de/?p=4435</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Sommer ist bald vorbei und ihr müsst wieder bei jedem Schluck Weißwein seufzen. Erschienen in Vice, September 2021 Ich bin in Rom und es ist meteorologischer&#160;Herbstanfang. Ich habe elf Mückenstiche. Die Stechmücken halten sich nicht an den Herbstanfang, also tue ich es auch nicht.&#160;Ich schwitze&#160;weiter vor mich hin, als wäre es nicht bald Oktober. Auf meinem linken Oberschenkel zähle ich vier Mückenstiche, zwei auf meinem Bauch, fünf auf Füßen und Knöchel. Vielleicht sind es eigentlich mehr, aber ich kann meinen Kopf nicht richtig drehen, um meinen Rücken im Spiegel zu begutachten. Dort könnten noch einige sein. Aber ich habe Muskelkater. Ich habe mich vor ein paar Tagen verrenkt und schlecht&#160;im Bett dieses Typen&#160;geschlafen. Er könnte vielleicht als Summer Romance durchgehen, wäre es die letzten Monate nicht so kalt gewesen. Ich sei es auch, hat er mir gesagt. Kalt. Vielleicht kommt der Muskelkater auch vom Wandern. Eins von beidem. Es ist ja schließlich gerade noch Sommer. Man ist immer entweder verknallt oder draußen. Demnach habe ich eigentlich alles richtig gemacht. Doch ich bin immer unzufrieden mit meinem Sommer. Ich habe dieses Jahr keinen Sonnenbrand bekommen und jetzt ist es wahrscheinlich zu spät, um noch an einem zu arbeiten. Nur zweimal bin ich an den See gefahren. Wahrscheinlich, weil ich es hasse, mit dem Fahrrad in eine S-Bahn zu steigen und mir an den Pedalen die Schienbeine aufzuschürfen, wenn sich Leute an mir vorbeidrängen. Trotzdem kommt mir zweimal zu wenig vor. Vielleicht darf ich den Sommer gar nicht verabschieden, wenn ich ihn gar nicht wirklich begrüßt habe. Nur eine Nacht habe ich komplett draußen verbracht. Ein paar Freunde und ich sind nach Brandenburg in einen Wald gefahren, um zu tanzen. An dem Abend waren wir so gut im Mückenstiche bekommen und unsere Jacken zu Hause vergessen, als würden wir das ganze Jahr nichts anderes tun. [&#8230;] Der ganze Text hier.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Der Sommer ist bald vorbei und ihr müsst wieder bei jedem Schluck Weißwein seufzen.</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.vice.com/de/article/3aq9zv/warum-es-besonders-wehtut-von-diesem-sommer-abschied-zu-nehmen">Vice</a>, September 2021</p>



<p>Ich bin in Rom und es ist meteorologischer&nbsp;Herbstanfang. Ich habe elf Mückenstiche. Die Stechmücken halten sich nicht an den Herbstanfang, also tue ich es auch nicht.&nbsp;Ich schwitze&nbsp;weiter vor mich hin, als wäre es nicht bald Oktober. Auf meinem linken Oberschenkel zähle ich vier Mückenstiche, zwei auf meinem Bauch, fünf auf Füßen und Knöchel. Vielleicht sind es eigentlich mehr, aber ich kann meinen Kopf nicht richtig drehen, um meinen Rücken im Spiegel zu begutachten. Dort könnten noch einige sein. Aber ich habe Muskelkater.</p>



<p>Ich habe mich vor ein paar Tagen verrenkt und schlecht&nbsp;im Bett dieses Typen&nbsp;geschlafen. Er könnte vielleicht als Summer Romance durchgehen, wäre es die letzten Monate nicht so kalt gewesen. Ich sei es auch, hat er mir gesagt. Kalt. Vielleicht kommt der Muskelkater auch vom Wandern. Eins von beidem. Es ist ja schließlich gerade noch Sommer. Man ist immer entweder verknallt oder draußen.</p>



<p>Demnach habe ich eigentlich alles richtig gemacht. Doch ich bin immer unzufrieden mit meinem Sommer. Ich habe dieses Jahr keinen Sonnenbrand bekommen und jetzt ist es wahrscheinlich zu spät, um noch an einem zu arbeiten. Nur zweimal bin ich an den See gefahren. Wahrscheinlich, weil ich es hasse, mit dem Fahrrad in eine S-Bahn zu steigen und mir an den Pedalen die Schienbeine aufzuschürfen, wenn sich Leute an mir vorbeidrängen. Trotzdem kommt mir zweimal zu wenig vor.</p>



<p>Vielleicht darf ich den Sommer gar nicht verabschieden, wenn ich ihn gar nicht wirklich begrüßt habe. Nur eine Nacht habe ich komplett draußen verbracht. Ein paar Freunde und ich sind nach Brandenburg in einen Wald gefahren, um zu tanzen. An dem Abend waren wir so gut im Mückenstiche bekommen und unsere Jacken zu Hause vergessen, als würden wir das ganze Jahr nichts anderes tun.</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text <a href="https://www.vice.com/de/article/3aq9zv/warum-es-besonders-wehtut-von-diesem-sommer-abschied-zu-nehmen">hier</a>. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/warum-es-besonders-wehtut-von-diesem-sommer-abschied-zu-nehmen%ef%bf%bc/">Warum es besonders wehtut, von diesem Sommer Abschied zu nehmen￼</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">4435</post-id>	</item>
		<item>
		<title>»Vom Feld in die Regale beträgt die Marge auch mal 1000 Prozent«</title>
		<link>https://hermes-baby.de/vom-feld-in-die-regale-betraegt-die-marge-auch-mal-1000-prozent/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Amonte Schröder-Jürss]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Jun 2021 19:19:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten von Schröder-Jürss]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In seinem Buch »Agromafia« beschreibt Oliver Meiler, wie die Mafia am Export von Tomaten, Olivenöl und Mozzarella verdient. Im Interview gibt der SZ-Journalist Tipps, wie man beim Einkauf den Kampf gegen die Clans unterstützen kann. Erschienen in SZ-Magazin.de, 16.6.2021 // Foto: D. Georgiev, Getty Images SZ-Magazin: Herr Meiler, Sie schreiben in Ihrem Buch, die Lebensmittelindustrie sei zum zweitwichtigsten Geschäft der italienischen Mafia geworden – nach dem Drogenhandel. Sind Tomaten das neue Kokain?Oliver Meiler: Ja, das kann man so sagen. Tomaten sind ein großartiges Margengeschäft, ähnlich wie Kokain. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass die pomodori, die Goldäpfel, wie die Italiener zu den Tomaten sagen, legal sind und wunderbar nach Süden und Sonne schmecken. Nehmen wir eine gepriesene Sorte, etwa die Tomate aus Pachino im südlichsten Sizilien: Die Mafia hat die ganze Lieferkette unterwandert, vom Anbau auf eigenen Äckern über den Handel mit Düngemitteln, mit Plastikplanen für die Treibhäuser, mit Holzpaletten für den Transport, mit den grünen Plastikkörben, mit dem Transport selbst – alles unter der Kontrolle der Clans. Im Großmarkt von Vittoria, dem größten im Süden Italiens, bestimmen sie dann die Preise für ihre Ware. Zwei Söhne von Bossen der örtlichen Clans saßen sogar im Gremium, das darüber entscheiden sollte, welche Marken die höchsten Qualitätssiegel verdienen. Natürlich waren ihre eigenen Marken dabei. Und von den Gütesiegeln hängt ab, wie viel die Tomate am Ende ihrer Reise kostet, in Berlin oder New York. Und das soll so interessant sein wie Kokain?Fast. Vom Feld in die Regale beträgt die Marge auch mal 1000 Prozent. Ein tolles Geschäft, und es ist völlig risikofrei. In den Lastwagen mit den Früchten und Gemüsen transportiert die Mafia auch gerne anderes: Bargeld, Waffen, auch mal einen Boss auf der Flucht vor der Justiz. Kreuz und quer durch Europa. Das haben Ermittlungen gezeigt. Geht ganz einfach, an den Grenzen wird ja kaum noch kontrolliert. Die Drogen aus Südamerika dagegen müssen auf komplizierten Wegen nach Europa gebracht werden. Auf dem langen Weg will eine Menge Leute geschmiert werden, und das Koks muss gestreckt werden – das ist eine logistische Superanstrengung. Tomaten sind dagegen ein Spaziergang. Die kleine Pachino-Tomate kostet auf den Märkten in Berlin, London, New York dann ein halbes Vermögen. Die besten tragen das Qualitätssiegel IGP, das steht für »Geschützte geografische Angabe«. Je nach Saison sind sie in der Gemüseabteilung von Metro und Edeka erhältlich – oder man bestellt sie in Onlineshops, es gibt sie auch in Dosen. […] Gesamter Text online auf SZ-Magazin.de</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/vom-feld-in-die-regale-betraegt-die-marge-auch-mal-1000-prozent/">»Vom Feld in die Regale beträgt die Marge auch mal 1000 Prozent«</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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<p class="intro">In seinem Buch »Agromafia« beschreibt Oliver Meiler, wie die Mafia am Export von Tomaten, Olivenöl und Mozzarella verdient. Im Interview gibt der SZ-Journalist Tipps, wie man beim Einkauf den Kampf gegen die Clans unterstützen kann.</p>



<p class="quelle">Erschienen in SZ-<a href="https://sz-magazin.sueddeutsche.de/essen-und-trinken/interview-oliver-meiler-agromafia-mafia-italienische-produkte-90195">Magazin.de</a>, 16.6.2021 // Foto: D. Georgiev, Getty Images</p>



<p><strong>SZ-Magazin: Herr Meiler, Sie schreiben in Ihrem Buch, die Lebensmittelindustrie sei zum zweitwichtigsten Geschäft der italienischen Mafia geworden – nach dem Drogenhandel. Sind Tomaten das neue Kokain?</strong><br>Oliver Meiler: Ja, das kann man so sagen. Tomaten sind ein großartiges Margengeschäft, ähnlich wie Kokain. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass die pomodori, die Goldäpfel, wie die Italiener zu den Tomaten sagen, legal sind und wunderbar nach Süden und Sonne schmecken. Nehmen wir eine gepriesene Sorte, etwa die Tomate aus Pachino im südlichsten Sizilien: Die Mafia hat die ganze Lieferkette unterwandert, vom Anbau auf eigenen Äckern über den Handel mit Düngemitteln, mit Plastikplanen für die Treibhäuser, mit Holzpaletten für den Transport, mit den grünen Plastikkörben, mit dem Transport selbst – alles unter der Kontrolle der Clans. Im Großmarkt von Vittoria, dem größten im Süden Italiens, bestimmen sie dann die Preise für ihre Ware. Zwei Söhne von Bossen der örtlichen Clans saßen sogar im Gremium, das darüber entscheiden sollte, welche Marken die höchsten Qualitätssiegel verdienen. Natürlich waren ihre eigenen Marken dabei. Und von den Gütesiegeln hängt ab, wie viel die Tomate am Ende ihrer Reise kostet, in Berlin oder New York.</p>



<p><strong>Und das soll so interessant sein wie Kokain?</strong><br>Fast. Vom Feld in die Regale beträgt die Marge auch mal 1000 Prozent. Ein tolles Geschäft, und es ist völlig risikofrei. In den Lastwagen mit den Früchten und Gemüsen transportiert die Mafia auch gerne anderes: Bargeld, Waffen, auch mal einen Boss auf der Flucht vor der Justiz. Kreuz und quer durch Europa. Das haben Ermittlungen gezeigt. Geht ganz einfach, an den Grenzen wird ja kaum noch kontrolliert. Die Drogen aus Südamerika dagegen müssen auf komplizierten Wegen nach Europa gebracht werden. Auf dem langen Weg will eine Menge Leute geschmiert werden, und das Koks muss gestreckt werden – das ist eine logistische Superanstrengung. Tomaten sind dagegen ein Spaziergang. Die kleine Pachino-Tomate kostet auf den Märkten in Berlin, London, New York dann ein halbes Vermögen. Die besten tragen das Qualitätssiegel IGP, das steht für »Geschützte geografische Angabe«. Je nach Saison sind sie in der Gemüseabteilung von Metro und Edeka erhältlich – oder man bestellt sie in Onlineshops, es gibt sie auch in Dosen.</p>



<p>[…]</p>



<p>Gesamter Text online auf <a href="https://sz-magazin.sueddeutsche.de/essen-und-trinken/interview-oliver-meiler-agromafia-mafia-italienische-produkte-90195">SZ-Magazin.de</a></p>
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		<title>Der Schmetterlingseffekt</title>
		<link>https://hermes-baby.de/der-schmetterlingseffekt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marlene Knobloch]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Jun 2021 09:10:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten Knobloch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was braucht es, um den Apollofalter zu schützen? Einen staatlich beauftragten Biologen, Wachmänner und riesige Schutthalden. Denn dieses Insekt darf auf keinen Fall aussterben. Über die Bedeutung eines Flügelschlags. Erschienen in Süddeutsche Zeitung, 5.6.2021 Am Anfang dieser ganzen verzweigten Geschichte steht ein Mann auf einem Problem. An einem Hang vor einem Steinbruch schaut Adi Geyer auf das, was unter seinen Turnschuhen passiert. Das ungeübte Auge sieht: Steine. Dazwischen einzelne Grashalme, etwas Moos und andere Pflänzchen, die vor sich hinwuchern, und über deren Existenz sich der normale Mensch wenig Gedanken macht. &#8222;Aber&#8220;, sagt Adi Geyer, &#8222;man muss die Apollofalterbrille aufsetzen.&#8220; Mit der sieht man einen Kampf ums Überleben, Konkurrenz um die Vorherrschaft, Gebietskonflikte. Da unten passiert einiges. Es treten an: Moos, Gras und Büsche. Gegen: den Weißen Mauerpfeffer. Für letzteren sieht es schlecht aus. Geyer schaut mit der Apollofalterbrille in die Zukunft: &#8222;Wenn du in zehn Jahren wieder herkommst, haben sich Gras und Büsche durchgesetzt. Und irgendwann ist die ganze Fläche zugewachsen.&#8220; Gut für das Moos, schlecht für den Weißen Mauerpfeffer, Sedum album oder &#8222;der Sedum&#8220;, wie ihn Geyer nennt. Er ist die Wurzel seiner Arbeit und das erste Glied in einer langen Kette, an deren Ende ein Falter seine zarten Flügel schwingt. […] Gesamter Text in der Süddeutschen Zeitung oder hier</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/der-schmetterlingseffekt/">Der Schmetterlingseffekt</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Was braucht es, um den Apollofalter zu schützen? Einen staatlich beauftragten Biologen, Wachmänner und riesige Schutthalden. Denn dieses Insekt darf auf keinen Fall aussterben. Über die Bedeutung eines Flügelschlags.</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.sueddeutsche.de/wissen/artensterben-der-schmetterlingseffekt-1.5312386">Süddeutsche Zeitung</a>,  5.6.2021 </p>



<p>Am Anfang dieser ganzen verzweigten Geschichte steht ein Mann auf einem Problem. An einem Hang vor einem Steinbruch schaut Adi Geyer auf das, was unter seinen Turnschuhen passiert. Das ungeübte Auge sieht: Steine. Dazwischen einzelne Grashalme, etwas Moos und andere Pflänzchen, die vor sich hinwuchern, und über deren Existenz sich der normale Mensch wenig Gedanken macht. &#8222;Aber&#8220;, sagt Adi Geyer, &#8222;man muss die Apollofalterbrille aufsetzen.&#8220; Mit der sieht man einen Kampf ums Überleben, Konkurrenz um die Vorherrschaft, Gebietskonflikte. Da unten passiert einiges. Es treten an: Moos, Gras und Büsche. Gegen: den Weißen Mauerpfeffer. Für letzteren sieht es schlecht aus.</p>



<p>Geyer schaut mit der Apollofalterbrille in die Zukunft: &#8222;Wenn du in zehn Jahren wieder herkommst, haben sich Gras und Büsche durchgesetzt. Und irgendwann ist die ganze Fläche zugewachsen.&#8220; Gut für das Moos, schlecht für den Weißen Mauerpfeffer, Sedum album oder &#8222;der Sedum&#8220;, wie ihn Geyer nennt. Er ist die Wurzel seiner Arbeit und das erste Glied in einer langen Kette, an deren Ende ein Falter seine zarten Flügel schwingt.</p>



<p>[…]</p>



<p>Gesamter Text in der Süddeutschen Zeitung oder <a href="https://www.sueddeutsche.de/wissen/artensterben-der-schmetterlingseffekt-1.5312386">hier</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/der-schmetterlingseffekt/">Der Schmetterlingseffekt</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<title>Erzählen hat Methode: Rausschmeißer &#8211; Teil III: Der Schlag</title>
		<link>https://hermes-baby.de/erzaehlen-hat-methode-rausschmeisser-teil-iii-der-schlag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stark]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 May 2021 16:34:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Textchef-Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[ausstieg]]></category>
		<category><![CDATA[details]]></category>
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		<category><![CDATA[handwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Manuel Stark]]></category>
		<category><![CDATA[schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[schreibstark]]></category>
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		<category><![CDATA[textausstieg]]></category>
		<category><![CDATA[textende]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In dieser Reihe teilt unser Autor Manuel Stark jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte! Kapitel8: Rausschmeißer – Der Schlag Wie alles Schreiben, folgen auch die Möglichkeiten einen Text zu beenden gewissen handwerklichen Regeln. Meister des Fachs können, wie überall, diese Regeln brechen – und so herausragende Ausstiege schreiben, die perfekt abgestimmt sind auf eine einzigartige Geschichte. Und doch besitzen Regeln und Kniffe ihren Wert: Setzt man sie gekonnt ein, entfalten Textausstiege ein Echo, das laut und lange klingt. Der narrative Journalismus kennt drei klassische Herangehensweisen, eine Erzählung zu beenden: 1. Die Klammer (circle kickers) 2. Der Schlag (punch kickers) 3. Das Zitat (quote kickers) Zu den Techniken von circle und quote gibt es jeweils einen eigenen Beitrag. An dieser Stelle möchte ich mich auf den punch kicker konzentrieren. Die Art von Ausstieg also, die Art von Ausstiegen also, die einen Text mit Wucht beenden und den Leser beinahe schmerzhaft treffen. Der Schlag: Es ist eine beliebte Herangehensweise, um einen Text zu beenden. Und eine, die selten wirklich gut gelingt. Der letzte Absatz läuft immer spitzer zu und schließt mit dem letzten Satz der Geschichte. Dessen Aussage soll sich wie eine Speerspitze in den Leser bohren. Weil solche Enden uns treffen, oft weh tun, immer Gefühle entfachen, verweben sie Information mit Emotion. Das transportiert die Botschaft des Textes in unser Gedächtnis. Anders, als etwa Klammer- oder das Zitat-Enden, beziehen sich letzte Absätze, die als Punch konzeptioniert sind, nicht zwingend direkt auf die vorangegangene Handlung. Der Autor selbst kann eine Frage stellen, einen winzigen essayistischen Exkurs wagen oder auch mit einem wenige Zeilen fassenden Kommentar schließen. Das ist schwierig. Kann aber gelingen, wenn der abschließende Gedanke klug, der letzte Kommentar scharf ist. Auch, eine besondere Charaktereigenschaft des Protagonisten, beispielsweise eine Art zu sprechen, noch einmal aufzugreifen und dieses Merkmal als Erzähler in einen neuen Sinn-Kontext zu stellen, kann einen Text auf großartige Weise beenden. Beispielsweise haben gleich mehrere US-Reporter die Art der Marines aufgegriffen, eindeutigen Antworten auszuweichen. Die Soldaten antworteten immer mit einem „Well yes. Well no. But&#8230;“ (‚Vielleicht ja. Vielleicht nein. Aber&#8230;‘) und erklärten in vielen Worten, dass alles eben nicht so einfach sei. Im Afghanistan-Einsatz kamen neben Soldaten viele Zivilisten ums Leben. Bei einer in ganz besonderem Ausmaß gescheiterten Operation töteten Soldaten die halbe Bevölkerung eines Dorfs – sie hielten die Siedlung fälschlicherweise für ein geheimes Terroristen-Versteck. Ein Text-Ende könnte sein: „Wäre diese Tragödie zu vermeiden gewesen? Vielleicht ja. Vielleicht nein. Aber so sieht‘s eben aus, in einem Krieg.“ Natürlich geht es aber auch klassisch: Wie bei allen Text-Enden, kann man auch die Punch-Technik als Rückbezug auf das bisherige Geschehen konzeptionieren. Dann wirkt die Geschichte wie eine gespannte Bogensehne, der letzte (Ab-)Satz feuert den vorbereiteten Pfeil ab. Beispielsweise ließe sich eine Szene auf dem Flohmarkt eines Dorfkindergartens beschreiben. Ein Text steigt mit der Szene der improvisierten Stände ein, mit Kindergelächter und bunten Luftballons. Wir erleben eine Kamerafahrt über alte Teeservice, abgenutzte Kuscheltiere und selbstgebastelte Papiersterne. Irgendwann bleibt ein Mann an einem Stand stehen. Auf der Auslage liegen neben Spielzeugen auch ein Paar Kinderschuhe. Der Mann sieht die Schuhe an. Er ist selbst gerade Vater geworden. Die Schuhe sind himmelblau, seine Lieblingsfarbe. Von der Größe könnte das auch passen, seine Tochter ist anderthalb Jahr alt und hat gerade gelernt zu laufen. Der Mann spricht die junge Frau hinter der Auslage an. „Das sind aber schöne Schuhe! Ich mag die Farbe sehr&#8220;, sagt der Mann. „Die Farbe hab ich damals für meine Tochter ausgesucht. Sie passten so gut zu Milenas Augen&#8220;, antwortet die Frau. „Nee, so überlegt ist das bei mir nicht. Sie gefallen mir einfach.“ „Muss ja auch nicht sein.“ „Wie viele sollen sie denn kosten?“ „Fünfzehn Euro.“ „Wären zehn okay?“ „Zwölf?“ „Ich habe gerade leider nur zehn Euro mit.“ „Okay, dann eben für den Zehner.“ Der Mann zieht seine Geldbörse aus der rechten Hosentasche seiner Jeans. Aus dem Fach für die Scheine zieht er die zehn Euro. Gut, dass er die Münzen immer in seiner Jackentasche verstaut, denkt er, sonst würden die gerade garantiert klimpern. Natürlich hätte er die Zwölf gehabt, auch die 15 irgendwie. Aber in dem Alter wächst ein Kind so schnell raus aus der Kleidung, da muss man doch sparen. Am Abend sitzt er am Ufer eines Flusses und fühlt sich elend. Zeh Euro. Diese verdammten Dinger. Aber wer hätte das denn ahnen können? Als er vom Flohmarkt heimgekommen war, hatte er seiner Freundin stolz seine Beute präsentiert. Zwei wunderschöne, hellblaue Schuhe für ihre Tochter. Und nur einen Zehner bezahlt! Sie hatte ihn angestarrt und sich dann einfach weggedreht. Ohne ein Wort, einfach weg zum Paprika schneiden fürs Mittagessen. Dabei hatte die blöde Kuh ihn doch seit dem Türkeiurlaub im letzten Sommer immerzu aufgezogen, er könne nicht verhandeln. Wie immer war er nach dem Essen eine kleine Runde um den Block gelaufen. Die Schuhe hatte er mitgenommen. Wieso überhaupt? Vielleicht war er einfach nur beleidigt. Auf dem Spaziergang hatte er die Nachbarin getroffen. Auch ihr hatte er die Beute gezeigt. Nein, richtig präsentiert hatte er die beiden Treter! Am Anfang hatte die Nachbarin noch gelacht. Als er dann aber die Geschichte über seine Verhandlungskünste erzählte, war da plötzlich derselbe leere Blick. Aber anders, als seine Freundin, sagte sie ihm dann auch, warum. Milena konnte gerade laufen. Merke: Punch-Kickers verweben Information mit einer besonders starken Emotion und zementieren die Botschaft eines Textes so in unserem Gedächtnis.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/erzaehlen-hat-methode-rausschmeisser-teil-iii-der-schlag/">Erzählen hat Methode: Rausschmeißer &#8211; Teil III: Der Schlag</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">In dieser Reihe teilt unser Autor <a rel="noreferrer noopener" href="https://hermes-baby.de/autorinnen-autoren/manuel-stark/" target="_blank">Manuel Stark</a> jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß  macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte!</p>



<p class="quelle">Kapitel8: Rausschmeißer – Der Schlag</p>



<p>Wie alles Schreiben, folgen auch die Möglichkeiten einen Text zu beenden gewissen handwerklichen Regeln. Meister des Fachs können, wie überall, diese Regeln brechen – und so herausragende Ausstiege schreiben, die perfekt abgestimmt sind auf eine einzigartige Geschichte.</p>



<p>Und doch besitzen Regeln und Kniffe ihren Wert: Setzt man sie gekonnt ein, entfalten Textausstiege ein Echo, das laut und lange klingt. Der narrative Journalismus kennt drei klassische Herangehensweisen, eine Erzählung zu beenden:</p>



<p><a href="https://hermes-baby.de/erzahlen-hat-methode-ende-ausstieg-textende-die-klammer/">1. <span class="ugb-highlight" style="color: #e7b547;">Die Klammer</span><span class="ugb-highlight" style="color: #000000;"> (<em>circle kickers</em>)</span></a></p>



<p>2. <span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">Der Schlag</span> <span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">(<em>punch kickers</em>)</span></p>



<p><a href="https://hermes-baby.de/erzahlen-hat-methode-rausschmeisser-teil-ii-das-zitat/">3. <span class="ugb-highlight" style="color: #e7b547;">Das Zitat</span> <span class="ugb-highlight" style="color: #000000;">(<em>quote kickers</em>)</span></a></p>



<p>Zu den Techniken von <em><a rel="noreferrer noopener" aria-label=" (opens in a new tab)" href="https://hermes-baby.de/erzahlen-hat-methode-ende-ausstieg-textende-die-klammer/" target="_blank"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">circle</span></a> </em>und<em> <a href="https://hermes-baby.de/erzahlen-hat-methode-rausschmeisser-teil-ii-das-zitat/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="quote (opens in a new tab)"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">quote</span></a></em> gibt es jeweils einen eigenen Beitrag. An dieser Stelle möchte ich mich auf den <em><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">punch kicker</span></em> konzentrieren. Die Art von Ausstieg also, die Art von Ausstiegen also, die einen Text mit Wucht beenden und den Leser beinahe schmerzhaft treffen.</p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Der Schlag: </span> </strong></p>



<p>Es ist eine beliebte Herangehensweise, um einen Text zu beenden. Und eine, die selten wirklich gut gelingt. Der letzte Absatz läuft immer spitzer zu und schließt mit dem letzten Satz der Geschichte. Dessen Aussage soll sich wie eine Speerspitze in den Leser bohren.</p>



<p>Weil solche Enden uns treffen, oft weh tun, immer Gefühle entfachen, verweben sie Information mit Emotion. Das transportiert die Botschaft des Textes in unser Gedächtnis.</p>



<p>Anders, als etwa Klammer- oder das Zitat-Enden, beziehen sich letzte Absätze, die als Punch konzeptioniert sind, nicht zwingend direkt auf die vorangegangene Handlung. Der Autor selbst kann eine Frage stellen, einen winzigen essayistischen Exkurs wagen oder auch mit einem wenige Zeilen fassenden Kommentar schließen. Das ist schwierig. Kann aber gelingen, wenn der abschließende Gedanke klug, der letzte Kommentar scharf ist. Auch, eine besondere Charaktereigenschaft des Protagonisten, beispielsweise eine Art zu sprechen, noch einmal aufzugreifen und dieses Merkmal als Erzähler in einen neuen Sinn-Kontext zu stellen, kann einen Text auf großartige Weise beenden.</p>



<p>Beispielsweise haben gleich mehrere US-Reporter die Art der Marines aufgegriffen, eindeutigen Antworten auszuweichen. Die Soldaten antworteten immer mit einem „Well yes. Well no. But&#8230;“ (‚Vielleicht ja. Vielleicht nein. Aber&#8230;‘) und erklärten in vielen Worten, dass alles eben nicht so einfach sei.</p>



<p>Im Afghanistan-Einsatz kamen neben Soldaten viele Zivilisten ums Leben. Bei einer in ganz besonderem Ausmaß gescheiterten Operation töteten Soldaten die halbe Bevölkerung eines Dorfs – sie hielten die Siedlung fälschlicherweise für ein geheimes Terroristen-Versteck.</p>



<p>Ein Text-Ende könnte sein: „Wäre diese Tragödie zu vermeiden gewesen? Vielleicht ja. Vielleicht nein. Aber so sieht‘s eben aus, in einem Krieg.“</p>



<p>Natürlich geht es aber auch klassisch: Wie bei allen Text-Enden, kann man auch die Punch-Technik als Rückbezug auf das bisherige Geschehen konzeptionieren. Dann wirkt die Geschichte wie eine gespannte Bogensehne, der letzte (Ab-)Satz feuert den vorbereiteten Pfeil ab.</p>



<p>Beispielsweise ließe sich eine Szene auf dem Flohmarkt eines Dorfkindergartens beschreiben. Ein Text steigt mit der Szene der improvisierten Stände ein, mit Kindergelächter und bunten Luftballons. Wir erleben eine Kamerafahrt über alte Teeservice, abgenutzte Kuscheltiere und selbstgebastelte Papiersterne.</p>



<p>Irgendwann bleibt ein Mann an einem Stand stehen. Auf der Auslage liegen neben Spielzeugen auch ein Paar Kinderschuhe. Der Mann sieht die Schuhe an. Er ist selbst gerade Vater geworden. Die Schuhe sind himmelblau, seine Lieblingsfarbe. Von der Größe könnte das auch passen, seine Tochter ist anderthalb Jahr alt und hat gerade gelernt zu laufen. Der Mann spricht die junge Frau hinter der Auslage an.</p>



<p>„Das sind aber schöne Schuhe! Ich mag die Farbe sehr&#8220;, sagt der Mann.</p>



<p>„Die Farbe hab ich damals für meine Tochter ausgesucht. Sie passten so gut zu Milenas Augen&#8220;, antwortet die Frau.</p>



<p>„Nee, so überlegt ist das bei mir nicht. Sie
gefallen mir einfach.“</p>



<p>„Muss ja auch nicht sein.“</p>



<p>„Wie viele sollen sie denn kosten?“</p>



<p>„Fünfzehn Euro.“</p>



<p>„Wären zehn okay?“</p>



<p>„Zwölf?“</p>



<p>„Ich habe gerade leider nur zehn Euro mit.“</p>



<p>„Okay, dann eben für den Zehner.“</p>



<p>Der Mann zieht seine Geldbörse aus der rechten
Hosentasche seiner Jeans. Aus dem Fach für die Scheine zieht er die
zehn Euro. Gut, dass er die Münzen immer in seiner Jackentasche
verstaut, denkt er, sonst würden die gerade garantiert klimpern.
Natürlich hätte er die Zwölf gehabt, auch die 15 irgendwie. Aber
in dem Alter wächst ein Kind so schnell raus aus der Kleidung, da
muss man doch sparen.</p>



<p>Am Abend sitzt er am Ufer eines Flusses und fühlt sich elend. Zeh Euro. Diese verdammten Dinger. Aber wer hätte das denn ahnen können?</p>



<p>Als er vom Flohmarkt heimgekommen war, hatte er seiner Freundin stolz seine Beute präsentiert. Zwei wunderschöne, hellblaue Schuhe für ihre Tochter. Und nur einen Zehner bezahlt! Sie hatte ihn angestarrt und sich dann einfach weggedreht. Ohne ein Wort, einfach weg zum Paprika schneiden fürs Mittagessen. Dabei hatte die blöde Kuh ihn doch seit dem Türkeiurlaub im letzten Sommer immerzu aufgezogen, er könne nicht verhandeln.</p>



<p>Wie immer war er nach dem Essen eine kleine Runde um den Block gelaufen. Die Schuhe hatte er mitgenommen. Wieso überhaupt? Vielleicht war er einfach nur beleidigt. Auf dem Spaziergang hatte er die Nachbarin getroffen. Auch ihr hatte er die Beute gezeigt. Nein, richtig präsentiert hatte er die beiden Treter! Am Anfang hatte die Nachbarin noch gelacht. Als er dann aber die Geschichte über seine Verhandlungskünste erzählte, war da plötzlich derselbe leere Blick. Aber anders, als seine Freundin, sagte sie ihm dann auch, warum.</p>



<p>Milena konnte gerade laufen.</p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Merke:</span></strong><br><br>Punch-Kickers verweben Information mit einer besonders starken Emotion und zementieren die Botschaft eines Textes so in unserem Gedächtnis.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/erzaehlen-hat-methode-rausschmeisser-teil-iii-der-schlag/">Erzählen hat Methode: Rausschmeißer &#8211; Teil III: Der Schlag</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<title>Bingo</title>
		<link>https://hermes-baby.de/bingo/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marlene Knobloch]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 May 2021 08:55:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten Knobloch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In einem Potsdamer Seniorenheim kehrt nach einem Jahr Pandemie etwas Normalität zurück. Fünf Damen treffen sich endlich wieder zum Spiel. Erschienen in DIE ZEIT, 9.5.2021 Da sitzen sie also wieder. Im Turm, an den weißen Tischdecken. Frau Vösgen Kaffee mit Sahne, Frau Endrusch Cola mit Weinbrand der Marke Goldkrone. Vier Frauen, die Stifte schon in der Hand, und sie warten, wie immer, auf Frau Back. Sie sagen &#8222;typisch&#8220;, sie sagen &#8222;Ach, die Frau Back&#8220;. Ein Chor aus Kichern, Spötteln, &#8222;Stößchen&#8220;, der das Lied der Normalität singt. Dass sie &#8222;das alles&#8220; erlebt, hätte Frau Vösgen nicht gedacht. &#8222;Das alles&#8220; ist heute, ein fast normaler Donnerstag, und &#8222;das alles&#8220; sind die Donnerstage im vergangenen Jahr, auf die auch Frau Vösgen in ihrem 94-jährigen Leben nicht vorbereitet war. Donnerstage mit Besuchsverbot, mit Ausgangsverbot, mit Umarmungsverbot, mit Masken vor dem Lächeln, mit Plexiglasscheiben zwischen Enkel und Oma. Donnerstage mit Einsamkeit. Ein Donnerstag mit Heiligabend ohne Weihnachtsfeier mit der Familie. Donnerstage, die mit dem Mittwoch und dem Freitag verschmolzen, seit mehr als einem Jahr. Eine Handleserin habe ihr mit 17 prophezeit, sie werde mit 60 sterben, erzählt Frau Vösgen. Mit 70 diagnostizierten Ärzte ihr den baldigen Tod. Als einer von ihnen sie auf der Patientenliege sah, rief er: &#8222;Ich dachte, Sie liegen längst unter der Erde!&#8220; Nun, Frau Vösgen ist immer noch hier. Sie ist nur froh, dass ihr lieber Wum &#8222;das alles&#8220; nicht erleben musste. Vier Jahre ist er jetzt tot, aber was heißt das schon, wenn man 69 Jahre verheiratet war? Manchmal wache sie immer noch aus wirren Träumen auf und wolle sie ihm erzählen. Aber was man ändern kann, soll man ändern und was man nicht ändern kann, damit muss man sich abfinden, findet Frau Vösgen. […] Gesamter Text in DIE ZEIT oder hier</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/bingo/">Bingo</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">In einem Potsdamer Seniorenheim kehrt nach einem Jahr Pandemie etwas Normalität zurück. Fünf Damen treffen sich endlich wieder zum Spiel.</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/carolin-kebekus-comedy-fernsehen-late-night-1.5440077">DIE ZEIT</a>,  9.5.2021 </p>



<p>Da sitzen sie also wieder. Im Turm, an den weißen Tischdecken. Frau Vösgen Kaffee mit Sahne, Frau Endrusch Cola mit Weinbrand der Marke Goldkrone. Vier Frauen, die Stifte schon in der Hand, und sie warten, wie immer, auf Frau Back. Sie sagen &#8222;typisch&#8220;, sie sagen &#8222;Ach, die Frau Back&#8220;. Ein Chor aus Kichern, Spötteln, &#8222;Stößchen&#8220;, der das Lied der Normalität singt.</p>



<p>Dass sie &#8222;das alles&#8220; erlebt, hätte Frau Vösgen nicht gedacht. &#8222;Das alles&#8220; ist heute, ein fast normaler Donnerstag, und &#8222;das alles&#8220; sind die Donnerstage im vergangenen Jahr, auf die auch Frau Vösgen in ihrem 94-jährigen Leben nicht vorbereitet war. Donnerstage mit Besuchsverbot, mit Ausgangsverbot, mit Umarmungsverbot, mit Masken vor dem Lächeln, mit Plexiglasscheiben zwischen Enkel und Oma. Donnerstage mit Einsamkeit. Ein Donnerstag mit Heiligabend ohne Weihnachtsfeier mit der Familie. Donnerstage, die mit dem Mittwoch und dem Freitag verschmolzen, seit mehr als einem Jahr.</p>



<p>Eine Handleserin habe ihr mit 17 prophezeit, sie werde mit 60 sterben, erzählt Frau Vösgen. Mit 70 diagnostizierten Ärzte ihr den baldigen Tod. Als einer von ihnen sie auf der Patientenliege sah, rief er: &#8222;Ich dachte, Sie liegen längst unter der Erde!&#8220; Nun, Frau Vösgen ist immer noch hier. Sie ist nur froh, dass ihr lieber Wum &#8222;das alles&#8220; nicht erleben musste. Vier Jahre ist er jetzt tot, aber was heißt das schon, wenn man 69 Jahre verheiratet war? Manchmal wache sie immer noch aus wirren Träumen auf und wolle sie ihm erzählen. Aber was man ändern kann, soll man ändern und was man nicht ändern kann, damit muss man sich abfinden, findet Frau Vösgen.</p>



<p>[…]</p>



<p>Gesamter Text in DIE ZEIT oder <a href="https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2021-05/seniorenheim-normalitaet-corona-pandemie-bingo-spiel">hier</a></p>
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		<title>Erzählen hat Methode: Rausschmeißer &#8211; Teil II: Das Zitat</title>
		<link>https://hermes-baby.de/erzahlen-hat-methode-rausschmeisser-teil-ii-das-zitat/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stark]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Apr 2021 12:24:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Textchef-Tipps]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In dieser Reihe teilt unser Autor Manuel Stark jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte! Kapitel8: Rausschmeißer – Das Zitat Wie alles Schreiben, folgen auch die Möglichkeiten einen Text zu beenden gewissen handwerklichen Regeln. Meister des Fachs können, wie überall, diese Regeln brechen – und so herausragende Ausstiege schreiben, die perfekt abgestimmt sind auf eine einzigartige Geschichte. Und doch besitzen Regeln und Kniffe ihren Wert: Setzt man sie gekonnt ein, entfalten Textausstiege ein Echo, das laut und lange klingt. Der narrative Journalismus kennt drei klassische Herangehensweisen, eine Erzählung zu beenden: 1. Die Klammer (circle kickers) 2. Der Schlag (punch kickers) 3. Das Zitat (quote kickers) Zu den Techniken von circle und punch gibt es jeweils einen eigenen Beitrag. An dieser Stelle möchte ich mich auf den quote kicker konzentrieren. Die Art von Ausstieg also, der einen Text mit einem Zitat beendet – und so das letzte Wort (scheinbar) dem Protagonisten überlässt. Das Zitat: Es ist eine eher selten gewählte Technik, um einen Text zu beenden. Manche Ausbildungsredakteure empfehlen: Der letzte Satz gehört dem Autoren, niemals überlassen wir ihn dem Protagonisten. Der Hinweis ist sicher gut gemeint. Einen Text mit einem Zitat zu beenden birgt tatsächlich die Gefahr von Faulheit. Es mag daher durchaus sein, dass man auf diese Methode ausweicht, weil auf die Schnelle nichts besseres einfällt. Ist gedankliche Trägheit der Grund für einen Quote-Kicker, ist das fatal. Ein Zitat sollte – wie jedes Textende – mit gutem Grund gewählt sein, als Ergebnis eines beharrlichen Abtastens, welche Art von Ausstieg die Geschichte am besten beendet. Gelingt das, entfaltet die Methode einen machtvollen Impuls, der sich im Leser festsetzt. Wählt man die Zitat-Methode, entlarvt der Zitierte im letzten Moment der Erzählung noch etwas über sich selbst. Das regt zum Nachdenken an. Und so begleitet die Geschichte uns – weit über das letzte Zeichen hinaus. Genau wie das Klammer-Ende, spielt die Zitat-Methode mit vorangegangene Szenen, Geschehnisse oder Gedanken. Wir als Leser haben, zumindest bei einer gelungenen Geschichte, eine Reise hinter uns gebracht. Ein Protagonist erklomm Höhen und fiel, stand wieder auf und kämpfte weiter. Die handelnde Person hat ein Abenteuer erlebt. Und wir Leser waren dabei. Mit jeder Entscheidung, jedem Gedanken und jeder Handlung haben wir ein klein wenig mehr über den Menschen erfahren, der die Erzählung trägt. Am Ende haben wir im besten Fall eine Charakterskizze vor Augen. Wir glauben, zumindest grob, den Protagonisten zu kennen. Zitat-Ausstiege fokussieren auf genau diese Wirkung einer Geschichte. Die bereits entstandene Charakterskizze wirkt wie ein Anlauf. Der Zitat-Ausstieg ist der finale Sprung aus dem Text. War der Anlauf gut und der Absprung präzise, kommt man sehr weit. Dieser Absprung kann verschiedene Wirkungen erfüllen. Ein Zitat-Ende kann… 1) …die Charakterskizze akzentuieren. Folgt man diesem Sinn, vervollständigt das Zitat im besten Fall unseren Eindruck des Protagonisten. Es ist das finale Puzzlestück, durch das wir das schlüssige Charakterbild endlich vor uns sehen. 2) …die Charakterskizze bestätigen. Wählt man diesen Zweck, unterstreicht das abschließende Zitat noch einmal das entwickelte Personenbild. Ein solches Ende will entweder sichergehen, dass das Ende beim Leser klar ankommt. Durch das Zitat nickt gewissermaßen der Protagonist selbst noch einmal und sagt zwischen den Zeilen: Ja, du hast den Text verstanden und deutest meine Entwicklung richtig. 3) …die Charakterskizze brechen. Dieser Abschluss ist so gefährlich wie mächtig. Das Risiko zu scheitern ist groß, beim Gelingen sind Wirkung auf und Nachklang im Leser riesig. Über zig Zeilen einer Erzählung hinweg haben wir eine Person kennengelernt. ‚Wie tickt dieser Mensch?‘ Wir besitzen eine recht genaue Vorstellung von der Antwort. Das Zitat-Ende stellt diese Antwort – im besten Fall radikal – in Frage. Merke: Zitat-Ausstiege fokussieren auf die Charakterskizze, die eine Erzählung skizziert. Die Entwicklung der Geschichte wirkt wie ein Anlauf, das Zitat ist der finale Sprung aus dem Text. War der Anlauf gut und der Absprung Präzise, kommt man sehr weit.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">In dieser Reihe teilt unser Autor <a rel="noreferrer noopener" href="https://hermes-baby.de/autorinnen-autoren/manuel-stark/" target="_blank">Manuel Stark</a> jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß  macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte!</p>



<p class="quelle">Kapitel8: Rausschmeißer – Das Zitat</p>



<p>Wie alles Schreiben, folgen auch die Möglichkeiten einen Text zu beenden gewissen handwerklichen Regeln. Meister des Fachs können, wie überall, diese Regeln brechen – und so herausragende Ausstiege schreiben, die perfekt abgestimmt sind auf eine einzigartige Geschichte.</p>



<p>Und doch besitzen Regeln und Kniffe ihren Wert: Setzt man sie gekonnt ein, entfalten Textausstiege ein Echo, das laut und lange klingt. Der narrative Journalismus kennt drei klassische Herangehensweisen, eine Erzählung zu beenden:</p>



<p><a href="https://hermes-baby.de/erzahlen-hat-methode-ende-ausstieg-textende-die-klammer/">1. <span class="ugb-highlight" style="color: #e7b547;">Die Klammer</span><span class="ugb-highlight" style="color: #000000;"> (<em>circle kickers</em>)</span></a></p>



<p><a href="https://hermes-baby.de/erzaehlen-hat-methode-rausschmeisser-teil-iii-der-schlag/">2. <span class="ugb-highlight" style="color: #e7b547;">Der Schlag</span> <span class="ugb-highlight" style="color: #000000;">(<em>punch kickers</em>)</span></a></p>



<p>3. <span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">Das Zitat</span> <span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">(<em>quote kickers</em>)</span></p>



<p>Zu den Techniken von <em><a aria-label=" (opens in a new tab)" rel="noreferrer noopener" href="https://hermes-baby.de/erzahlen-hat-methode-ende-ausstieg-textende-die-klammer/" target="_blank"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">circle</span></a> und </em><a href="https://hermes-baby.de/erzaehlen-hat-methode-rausschmeisser-teil-iii-der-schlag/"><em><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">punch</span></em> </a>gibt es jeweils einen eigenen Beitrag. An dieser Stelle möchte ich mich auf den <em><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">quote kicker</span></em> konzentrieren. Die Art von Ausstieg also, der einen Text mit einem Zitat beendet – und so das letzte Wort (scheinbar) dem Protagonisten überlässt.</p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Das Zitat: </span> </strong></p>



<p>Es ist eine eher selten gewählte Technik, um einen Text zu beenden. Manche Ausbildungsredakteure empfehlen: Der letzte Satz gehört dem Autoren, niemals überlassen wir ihn dem Protagonisten. Der Hinweis ist sicher gut gemeint. Einen Text mit einem Zitat zu beenden birgt tatsächlich die Gefahr von Faulheit. Es mag daher durchaus sein, dass man auf diese Methode ausweicht, weil auf die Schnelle nichts besseres einfällt. Ist gedankliche Trägheit der Grund für einen Quote-Kicker, ist das fatal.</p>



<p>Ein Zitat sollte – wie jedes Textende – mit gutem Grund gewählt sein, als Ergebnis eines beharrlichen Abtastens, welche Art von Ausstieg die Geschichte am besten beendet. Gelingt das, entfaltet die Methode einen machtvollen Impuls, der sich im Leser festsetzt.</p>



<p>Wählt man die Zitat-Methode, entlarvt der Zitierte im letzten Moment der Erzählung noch etwas über sich selbst. Das regt zum Nachdenken an. Und so begleitet die Geschichte uns – weit über das letzte Zeichen hinaus.<br> <br>Genau wie das Klammer-Ende, spielt die Zitat-Methode mit vorangegangene Szenen, Geschehnisse oder Gedanken. Wir als Leser haben, zumindest bei einer gelungenen Geschichte, eine Reise hinter uns gebracht. Ein Protagonist erklomm Höhen und fiel, stand wieder auf und kämpfte weiter. Die handelnde Person hat ein Abenteuer erlebt. Und wir Leser waren dabei. Mit jeder Entscheidung, jedem Gedanken und jeder Handlung haben wir ein klein wenig mehr über den Menschen erfahren, der die Erzählung trägt. Am Ende haben wir im besten Fall eine Charakterskizze vor Augen. Wir glauben, zumindest grob, den Protagonisten zu kennen.</p>



<p>Zitat-Ausstiege fokussieren auf genau diese Wirkung einer Geschichte. Die bereits entstandene Charakterskizze wirkt wie ein Anlauf. Der Zitat-Ausstieg ist der finale Sprung aus dem Text. War der Anlauf gut und der Absprung präzise, kommt man sehr weit.</p>



<p>Dieser Absprung kann verschiedene Wirkungen
erfüllen. Ein Zitat-Ende kann…</p>



<p>1) …die Charakterskizze akzentuieren. Folgt man
diesem Sinn, vervollständigt das Zitat im besten Fall unseren
Eindruck des Protagonisten. Es ist das finale Puzzlestück, durch das
wir das schlüssige Charakterbild endlich vor uns sehen.</p>



<p>2) …die Charakterskizze bestätigen. Wählt man diesen Zweck, unterstreicht das abschließende Zitat noch einmal das entwickelte Personenbild. Ein solches Ende will entweder sichergehen, dass das Ende beim Leser klar ankommt. Durch das Zitat nickt gewissermaßen der Protagonist selbst noch einmal und sagt zwischen den Zeilen: Ja, du hast den Text verstanden und deutest meine Entwicklung richtig.</p>



<p>3) …die Charakterskizze brechen. Dieser Abschluss ist so gefährlich wie mächtig. Das Risiko zu scheitern ist groß, beim Gelingen sind Wirkung auf und Nachklang im Leser riesig. Über zig Zeilen einer Erzählung hinweg haben wir eine Person kennengelernt. ‚Wie tickt dieser Mensch?‘ Wir besitzen eine recht genaue Vorstellung von der Antwort. Das Zitat-Ende stellt diese Antwort – im besten Fall radikal – in Frage.</p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Merke:</span></strong><br><br>Zitat-Ausstiege fokussieren auf die Charakterskizze, die eine Erzählung skizziert. Die Entwicklung der Geschichte wirkt wie ein Anlauf, das Zitat ist der finale Sprung aus dem Text. War der Anlauf gut und der Absprung Präzise, kommt man sehr weit. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/erzahlen-hat-methode-rausschmeisser-teil-ii-das-zitat/">Erzählen hat Methode: Rausschmeißer &#8211; Teil II: Das Zitat</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<title>Seine Gedanken sind Gedichte</title>
		<link>https://hermes-baby.de/seine-gedanken-sind-gedichte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benedikt Herber]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Apr 2021 20:56:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Benedikt Herber]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Elias leidet am Locked-in-Syndrom. Er kann sich nicht bewegen und nicht sprechen. Aber er kann schreiben. Für ihn löst sich in diesen Momenten die Not.&#160; Erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, 04.4.2021 Die Reise beginnt immer mit einer Wahrnehmung. So wie jetzt, da er im Familiengarten außerhalb des Trubels der Basler Innenstadt sitzt. Der Tisch ist gedeckt, sporadisch zumindest, drei Tassen, eine Dose Instant-Kaffee und Creme-Schnitten, noch in Plastik verpackt. Der Himmel zieht zu, es könnte Regen geben. Ein kurzes Luftschnappen, ein kurzes Röcheln, Elias’ Atmung wird ruhiger. Sein Blick tastet sich den Garten entlang. Er sieht den Bauwagen, Lack bröckelt von der Holztür. Er spürt den Wind, er streicht ihm durchs dichte schwarze Haar. Er riecht den Duft der Nelken, die blühen drüben zwischen hohem Gras. Welche Wahrnehmung es diesmal sein wird, ist egal, sie ist nur ein Hilfsmittel, die Eintrittskarte in eine Welt, in der alles möglich ist. Wenn Elias sein Motiv gefunden hat, schreibt er Gedichte wie dieses: Die Wolken sagenkomm mit&#160;ich denke,irgendwann bin ich bereit&#160;den Wolkenweg aufzunehmenwerde mich fühlen wie ein König&#160;der Winde&#160;werde entlastet seinvon der Konfrontation&#160;mit meinen zwiespältigen Gefühlen&#160;ich bin dann erlöst und freiirgendwann bin ich bereit Wolkenweg – September 2018 Elias Dahler ist 25 Jahre alt und liebt Wörter. Selbst gesprochen hat er noch nie eines. Zumindest dann, wenn man unter „Sprechen“ versteht, Zunge und Lippen so zu bewegen, dass dabei Geräusche entstehen. Seit Elias auf der Welt ist, ist ihm das nicht möglich. Auch seine Arme und Beine kann Elias nicht bewegen. Elias leidet an einem Locked-in-Syndrom: Sein Körper ist fast vollständig gelähmt – nur seinen Kopf und seine Augen kann er bewegen. Geistig aber ist Elias gesund. Elias war ein Gefangener seines Körpers. Jetzt schreibt er Gedichte. Am 1. November 1995 kam Elias in einem Krankenhaus in Basel zur Welt. Während der Geburt hörte das Herz auf zu schlagen, für einige Minuten wurde sein Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt. Die Ärzte erklärten Dominik Dahler und Claudia Mani, Elias’ Eltern, dass ihr Sohn für den Rest seines Lebens an einer Zerebralparese leiden werde. Durch den Sauerstoffmangel seien Teile des Gehirns irreversibel geschädigt. Er werde sich niemals bewegen oder sprechen können. Ob er überhaupt Situationen begreife, sei ungewiss. Nur ein paar Gehminuten vom Rhein entfernt, in einem von Kletterrosen und Efeu bewachsenen Innenhof im Zentrum Basels, steht das Haus der Familie Dahler. Auf dem großen Echtholztisch, auf dem die Dahlers normalerweise zu Abend essen, liegen Kinderfotos und Zettel mit Zeichnungen und Gedichten verteilt. Bereits als Elias noch ein Baby war, seien sie davon überzeugt gewesen, dass er Situationen begreife, erzählt Dominik, der Vater, in melodischem Schweizerdeutsch. Er und seine Frau Claudia sind ein Lehrerehepaar, beide Mitte fünfzig. Es waren seine braunen Augen, die so klar wirkten, so aufmerksam, manchmal amüsiert. Immer hätten diese Augen Kontakt zu ihnen gesucht, sagt Dominik. Sie hätten zu ihnen gesprochen. Noch heute müsse Elias nur einen Raum mit vielen Menschen betreten – und alle Blicke seien auf diese Augen gerichtet. „Elias’ behandelnder Neurologe sagte einmal, das Gehirn eines Kleinkindes sei wie eine Knospe“, erzählt Claudia, die Mutter. „Trotz der Hirnverletzung könne niemand voraussagen, wie es sich entfalten werde. Dieses hoffnungsvolle Bild hat uns sehr geholfen.“ [&#8230;] Gesamter Text bei Blendle</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/seine-gedanken-sind-gedichte/">Seine Gedanken sind Gedichte</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Elias leidet am Locked-in-Syndrom. Er kann sich nicht bewegen und nicht sprechen. Aber er kann schreiben. Für ihn löst sich in diesen Momenten die Not.&nbsp;</p>



<p class="quelle">Erschienen in der <a href="https://blendle.com/i/frankfurter-allgemeine-sonntagszeitung/seine-gedanken-sind-gedichte/bnl-fas-20210404-500.0.86870168?sharer=eyJ2ZXJzaW9uIjoiMSIsInVpZCI6ImJlbmVoZXJiZXIiLCJpdGVtX2lkIjoiYm5sLWZhcy0yMDIxMDQwNC01MDAuMC44Njg3MDE2OCJ9">Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung</a>, 04.4.2021</p>



<p>Die Reise beginnt immer mit einer Wahrnehmung. So wie jetzt, da er im Familiengarten außerhalb des Trubels der Basler Innenstadt sitzt. Der Tisch ist gedeckt, sporadisch zumindest, drei Tassen, eine Dose Instant-Kaffee und Creme-Schnitten, noch in Plastik verpackt. Der Himmel zieht zu, es könnte Regen geben.</p>



<p>Ein kurzes Luftschnappen, ein kurzes Röcheln, Elias’ Atmung wird ruhiger. Sein Blick tastet sich den Garten entlang. Er sieht den Bauwagen, Lack bröckelt von der Holztür. Er spürt den Wind, er streicht ihm durchs dichte schwarze Haar. Er riecht den Duft der Nelken, die blühen drüben zwischen hohem Gras. Welche Wahrnehmung es diesmal sein wird, ist egal, sie ist nur ein Hilfsmittel, die Eintrittskarte in eine Welt, in der alles möglich ist. Wenn Elias sein Motiv gefunden hat, schreibt er Gedichte wie dieses:</p>



<p><em>Die Wolken sagen</em><br><em>komm mit&nbsp;ich denke,</em><br><em>irgendwann bin ich bereit&nbsp;</em><br><em>den Wolkenweg aufzunehmen</em><br><em>werde mich fühlen wie ein König&nbsp;der Winde&nbsp;</em><br><em>werde entlastet sein</em><br><em>von der Konfrontation&nbsp;</em><br><em>mit meinen zwiespältigen Gefühlen&nbsp;</em><br><em>ich bin dann erlöst und frei</em><br><em>irgendwann bin ich bereit</em></p>



<p>Wolkenweg – September 2018</p>



<p>Elias Dahler ist 25 Jahre alt und liebt Wörter. Selbst gesprochen hat er noch nie eines. Zumindest dann, wenn man unter „Sprechen“ versteht, Zunge und Lippen so zu bewegen, dass dabei Geräusche entstehen. Seit Elias auf der Welt ist, ist ihm das nicht möglich. Auch seine Arme und Beine kann Elias nicht bewegen. Elias leidet an einem Locked-in-Syndrom: Sein Körper ist fast vollständig gelähmt – nur seinen Kopf und seine Augen kann er bewegen. Geistig aber ist Elias gesund. Elias war ein Gefangener seines Körpers. Jetzt schreibt er Gedichte.</p>



<p>Am 1. November 1995 kam Elias in einem Krankenhaus in Basel zur Welt. Während der Geburt hörte das Herz auf zu schlagen, für einige Minuten wurde sein Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt. Die Ärzte erklärten Dominik Dahler und Claudia Mani, Elias’ Eltern, dass ihr Sohn für den Rest seines Lebens an einer Zerebralparese leiden werde. Durch den Sauerstoffmangel seien Teile des Gehirns irreversibel geschädigt. Er werde sich niemals bewegen oder sprechen können. Ob er überhaupt Situationen begreife, sei ungewiss.</p>



<p>Nur ein paar Gehminuten vom Rhein entfernt, in einem von Kletterrosen und Efeu bewachsenen Innenhof im Zentrum Basels, steht das Haus der Familie Dahler. Auf dem großen Echtholztisch, auf dem die Dahlers normalerweise zu Abend essen, liegen Kinderfotos und Zettel mit Zeichnungen und Gedichten verteilt. Bereits als Elias noch ein Baby war, seien sie davon überzeugt gewesen, dass er Situationen begreife, erzählt Dominik, der Vater, in melodischem Schweizerdeutsch. Er und seine Frau Claudia sind ein Lehrerehepaar, beide Mitte fünfzig. Es waren seine braunen Augen, die so klar wirkten, so aufmerksam, manchmal amüsiert. Immer hätten diese Augen Kontakt zu ihnen gesucht, sagt Dominik.</p>



<p>Sie hätten zu ihnen gesprochen. Noch heute müsse Elias nur einen Raum mit vielen Menschen betreten – und alle Blicke seien auf diese Augen gerichtet. „Elias’ behandelnder Neurologe sagte einmal, das Gehirn eines Kleinkindes sei wie eine Knospe“, erzählt Claudia, die Mutter. „Trotz der Hirnverletzung könne niemand voraussagen, wie es sich entfalten werde. Dieses hoffnungsvolle Bild hat uns sehr geholfen.“</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Gesamter Text bei <a href="https://blendle.com/i/frankfurter-allgemeine-sonntagszeitung/seine-gedanken-sind-gedichte/bnl-fas-20210404-500.0.86870168?sharer=eyJ2ZXJzaW9uIjoiMSIsInVpZCI6ImJlbmVoZXJiZXIiLCJpdGVtX2lkIjoiYm5sLWZhcy0yMDIxMDQwNC01MDAuMC44Njg3MDE2OCJ9">Blendle</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/seine-gedanken-sind-gedichte/">Seine Gedanken sind Gedichte</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<title>Wer ist eigentlich Generalleutnant Tanneberger?</title>
		<link>https://hermes-baby.de/wer-ist-eigentlich-generalleutnant-tanneberger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gabriel Proedl]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Apr 2021 13:25:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Proedl]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mein alter Busfahrer – ein geheimer Verbündeter von Wladimir Putin? Klingt unrealistisch, dachte unser Autor Gabriel Proedl. Aber ist es das auch? Für DIE ZEIT hat er sich auf eine Spurensuche begeben. Erschienen in DIE ZEIT, 31.3.2021 Mir war Jörg Tanneberger schon als Kind suspekt. Und als er mir jetzt sein Büro zeigt, muss er merken, dass sich unzählige Fragen bei mir aufgestaut haben. Er rollt seine Zunge, beißt darauf, seine Augen kneift er zusammen. Er gibt ein spitzes Lachen von sich, wie er es oft tut, wenn er jemanden in Staunen versetzt hat. &#8222;Es ist nicht das, wonach es aussieht&#8220;, sagt er. Auf seinem gläsernen Schreibtisch steht ein Monitor mit Bildern einer Überwachungskamera, daneben ein Satellitentelefon. Tanneberger lässt sich in seinen Bürostuhl fallen und erzählt: Wladimir Putin und ich hatten damals eine Absprache. Ein Treffen von ihm und Papst Franziskus stand bevor. Er wollte die Sanktionen gegen Kuba lockern und fragte mich, ob er mit Franziskus aushecken soll, sich gemeinsam mit Obama zu treffen. &#8222;Mach das&#8220;, sagte ich, &#8222;das ist deine Chance.&#8220; Ich kenne Tanneberger, seit er mich zur Schule brachte und wieder zurück. Er ist Busfahrer der Linie 30 in meiner Heimatstadt&#160;Graz. Mit seinem sächsischen Akzent war er der Sonderling in dem Bezirk. Seine Uniform war schon damals anders als bei den anderen Busfahrern, nicht weiß-blau, sondern weiß-gold. Als ehemaligem Offizier stehe ihm das zu, sagte er. Vor allem aber fiel er auf, weil er mit den Fahrgästen das Gespräch suchte. Er unterhielt sie, half, gab Ratschläge. Ausgewählten Stammkunden erzählte er seine Lebensgeschichte: Generalleutnant in der&#160;Nationalen Volksarmee der DDR&#160;sei er gewesen, in&#160;Dresden&#160;habe er Putin kennengelernt – sie seien bis heute befreundet. Wenn diese Stammkunden mitfuhren, lehnten sie an der Fahrerkabine des Busses und fragten Tanneberger, wie es seinem &#8222;großen Bruder&#8220; gehe. Dann erzählte er, von Putin und von seinen Aufträgen, die er neben dem Busfahren für den russischen Präsidenten erledigt hat. [&#8230;] Link zur ganzen Reportage bei DIE ZEIT.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/wer-ist-eigentlich-generalleutnant-tanneberger/">Wer ist eigentlich Generalleutnant Tanneberger?</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Mein alter Busfahrer – ein geheimer Verbündeter von Wladimir Putin? Klingt unrealistisch, dachte unser Autor Gabriel Proedl. Aber ist es das auch? Für DIE ZEIT hat er sich auf eine Spurensuche begeben. </p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/2021/14/busfahrer-erzaehlung-freundschaft-wladimir-putin-ddr-generalleutnant" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="DIE ZEIT (opens in a new tab)">DIE ZEIT</a>, 31.3.2021</p>



<p>Mir war Jörg Tanneberger schon als Kind suspekt. Und als er mir jetzt sein Büro zeigt, muss er merken, dass sich unzählige Fragen bei mir aufgestaut haben. Er rollt seine Zunge, beißt darauf, seine Augen kneift er zusammen. Er gibt ein spitzes Lachen von sich, wie er es oft tut, wenn er jemanden in Staunen versetzt hat. &#8222;Es ist nicht das, wonach es aussieht&#8220;, sagt er. Auf seinem gläsernen Schreibtisch steht ein Monitor mit Bildern einer Überwachungskamera, daneben ein Satellitentelefon. Tanneberger lässt sich in seinen Bürostuhl fallen und erzählt:</p>



<p><em>Wladimir Putin und ich hatten damals eine Absprache. Ein Treffen von ihm und Papst Franziskus stand bevor. Er wollte die Sanktionen gegen Kuba lockern und fragte mich, ob er mit Franziskus aushecken soll, sich gemeinsam mit Obama zu treffen. &#8222;Mach das&#8220;, sagte ich, &#8222;das ist deine Chance.&#8220;</em></p>



<p>Ich kenne Tanneberger, seit er mich zur Schule brachte und wieder zurück. Er ist Busfahrer der Linie 30 in meiner Heimatstadt&nbsp;<a href="https://www.zeit.de/thema/graz">Graz</a>. Mit seinem sächsischen Akzent war er der Sonderling in dem Bezirk. Seine Uniform war schon damals anders als bei den anderen Busfahrern, nicht weiß-blau, sondern weiß-gold. Als ehemaligem Offizier stehe ihm das zu, sagte er. Vor allem aber fiel er auf, weil er mit den Fahrgästen das Gespräch suchte. Er unterhielt sie, half, gab Ratschläge.</p>



<p>Ausgewählten Stammkunden erzählte er seine Lebensgeschichte: Generalleutnant in der&nbsp;<a class="" rel="noreferrer noopener" href="https://www.zeit.de/1963/10/die-roten-preussen-der-volksarmee/komplettansicht" target="_blank">Nationalen Volksarmee der DDR</a>&nbsp;sei er gewesen, in&nbsp;<a href="https://www.zeit.de/thema/dresden">Dresden</a>&nbsp;habe er Putin kennengelernt – sie seien bis heute befreundet. Wenn diese Stammkunden mitfuhren, lehnten sie an der Fahrerkabine des Busses und fragten Tanneberger, wie es seinem &#8222;großen Bruder&#8220; gehe. Dann erzählte er, von Putin und von seinen Aufträgen, die er neben dem Busfahren für den russischen Präsidenten erledigt hat.</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Link zur <a href="https://www.zeit.de/2021/14/busfahrer-erzaehlung-freundschaft-wladimir-putin-ddr-generalleutnant" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="ganzen Reportage bei DIE ZEIT (opens in a new tab)">ganzen Reportage bei DIE ZEIT</a>. </p>
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		<title>Erzählen hat Methode: Rausschmeißer &#8211; Teil I: Die Klammer</title>
		<link>https://hermes-baby.de/erzahlen-hat-methode-ende-ausstieg-textende-die-klammer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stark]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Mar 2021 14:23:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Textchef-Tipps]]></category>
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		<category><![CDATA[ausstieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In dieser Reihe teilt unser Autor Manuel Stark jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte! Kapitel8: Rausschmeißer – Die Klammer Wie alles Schreiben, folgen auch die Möglichkeiten einen Text zu beenden gewissen handwerklichen Regeln. Meister des Fachs können, wie überall, diese Regeln brechen – und so herausragende Ausstiege schreiben, die perfekt abgestimmt sind auf eine einzigartige Geschichte. Und doch besitzen Regeln und Kniffe ihren Wert: Setzt man sie gekonnt ein, entfalten Textausstiege ein Echo, das laut und lange klingt. Der narrative Journalismus kennt drei klassische Herangehensweisen, eine Erzählung zu beenden: 1. Die Klammer (circle kickers) 2. Der Schlag (punch kickers) 3. Das Zitat (quote kickers) Zu den Techniken von punch und quote werde ich jeweils einen eigenen Beitrag verfassen. An dieser Stelle möchte ich mich auf den circle kicker konzentrieren, die Art von Ausstieg also, der einen Text wie eine Klammer zusammenhält. Die Klammer: Es ist die vielleicht am häufigsten gewählte Technik junger Autorinnen und Autoren: die Klammer. Und das völlig zu Recht! Die Methode zählt zu den mächtigsten Möglichkeiten, eine Geschichte zu beenden. Wählt man die Klammer-Methode, beziehen sich Einstieg und Ausstieg eines Textes aufeinander. Setzt man sie richtig ein, wird der Leser schon beim Einstieg auf eine Spur geschubst, auf die er sich am Ende noch einmal rückblickend beziehen kann. Dadurch, dass uns das Klammer-Ende vorangegangene Szenen, Geschehnisse oder Gedanken aus dem Klammer-Anfang noch einmal ins Gedächtnis ruft, wird deutlich, was sich dazwischen verändert hat. Klammer-Ausstiege fokussieren auf den Kontrast zwischen Beginn und Ende einer Geschichte. Sie setzen die Entwicklung zwischen diesen beiden Punkten unters Brennglas. Und verankern so die Botschaft einer Erzählung in unserer Erinnerung. Besonders wirken solche Ausstiege in Texten, in denen ein Kreislauf aufgezeigt werden soll. Beispielsweise über das Werden und Vergehen in der Natur, überlässt man ein überfahrenes Reh dem Wirken des Waldes: Auszug Klammer-Einstieg: „[…] Grelles Licht, etwa 80 Kilometer pro Stunde, da springt ein Schemen aus der Nacht, vielleicht hallt ein Hupen über die Straße und verfängt sich am Waldrand in Zweigen. Irgendwo im Wald nehmen Wurzeln Nährstoffe auf, wo der Rehkörper liegen blieb, düngen besonders viel Phosphor, Magnesium, Kalium den Boden. […]“ Auszug Klammer-Ausstieg: „[…] Ein paar Meter weiter saugen Wurzeln nach dem Dünger, vielleicht hilft die Energie einem Sprössling beim Wachsen: Erst schiebt sich ein Blatt aus der Erde, dann ein Stiel, irgendwann gedeiht ein Bäumchen. Zarte Triebe werden gerne gefressen von Rehen. […]“ – Quelle: Manuel Stark in Science Notes; Ausgabe: ‚Wildnis‘, April 2021 Gekonnt eingesetzt, kann diese Technik zu mehr verhelfen, als einem klingenden Ausstieg. Eine Klammer kann einer geeigneten Erzählung eine eigene Meta-Ebene hinzufügen: Von Geschichten erwarten wir Entwicklung, eine Veränderung die sich auf der Handlungsebene und damit in uns als Leser vollzieht. Am Ende muss irgendetwas also anders sein, als am Anfang. Oder? Das Leben ist nicht so stringent. Oft sind Menschen gefangen in struktureller Benachteiligung oder persönlicher Angst. Die Protagonisten einer Geschichte erleben und durchleben zwar Geschehnisse, sie entwickeln sich dadurch sicher auch. Aber sie entkommen den Fesseln nicht, die sie an eine Sache, eine Gewohnheit oder ein Problem binden. Die Außenwelt ist zu mächtig. Ebendiese Ausweglosigkeit, in der Menschen ihren (Lebens-) Umständen ausgeliefert sind und bleiben, kann die Klammer-Methode unterstreichen. Gekonnt beweist das die Autorin Cathrin Schmiegel in ihrem Text über eine Frau, gefangen in den strukturellen Problemen von Altersarmut: Auszug Klammer-Einstieg: „Sie hatte in ihrem Leben zwei Ehemänner verloren und ihr ganzes Vermögen, als Ingrid Millgramm, geboren 1933, in einem Supermarkt stand und eine Packung Rinderhackfleisch aufriss, 500 Gramm, reduziert. Sie nestelte einen Gefrierbeutel aus ihrem Weidekorb und schüttelte das Hackfleisch hinein, sah über ihre Schultern, nach rechts, nach links, zur Fleischtheke hinüber, zum Kühlregal. Beobachtet mich jemand? […]An der Kasse legte sie die Butter auf das Band, das erste und das zweite Paket Knäckebrot. Nur den Klumpen Fleisch ließ sie im Korb […]“ Auszug Klammer-Ausstieg: „Drei Tage vor Heiligabend wird Ingrid Millgramm freigelassen. Zwei Polizisten, eine Frau, ein Mann, fahren sie mit dem Streifenwagen zu ihrem Haus. In den nächsten Wochen wird sie erst mal abwarten, dass sich der Husten beruhigt. Dann wird sie sich um ihre Dinge kümmern. Sie wird ihre Bewährungshelferin anrufen, sie wollen versuchen, mehr Wohngeld auszuhandeln. Und dann, wenn die Nahrungsvorräte ausgegangen sind, wird Ingrid Millgramm aufstehen aus ihrem Ohrensessel, zittrig und steif, einen Kamelhaarmantel überstreifen, nach ihrem Korb greifen und mit dem wenigen Geld, das ihr noch geblieben ist, einkaufen gehen.“ – Quelle: Cathrin Schmiegel in DER SPIEGEL; 08. Juni 2018 Die Autorin schreibt „einkaufen gehen“ und doch fragt man sich als Leser: Was bedeutet das – „einkaufen“? Geht die Frau erneut stehlen? Und irgendetwas in uns flüstert: natürlich! Wie soll sie denn auch sonst über die Runden kommen, die Umstände haben sich ja nicht geändert. Für uns als Leser ist nach dem Text aber etwas passiert: Wir wissen plötzlich um diese Struktur. Durch die Geschichte von Frau Millgramm haben wir sie szenisch erlebt. Wir haben uns verändert. Das Leben der Dame hingegen verharrt scheinbar im Stillstand. Sie ist gefangen in den übermächtigen Strukturen der Altersarmut, der sie einfach nicht entkommt. Der geschickte Einsatz der Klammer-Methode injiziert uns zwei widersprüchliche Impulse: In uns treffen Veränderung und Stillstand aufeinander. Unser Wissenszugewinn will nicht zusammenpassen mit der stupiden Wiederholung, die das Leben der Frau zu nehmen scheint. Das sorgt für Irritation. Unser Hirn aber strebt nach Harmonie und will diese Verwirrung auflösen, indem es die widerstreitenden Pole – Veränderung und Stillstand – zusammenbringt. Die Folge: Die Situation von Frau Millgramm und das Thema der Altersarmut in Deutschland arbeiten in uns weiter. Merksatz: Klammer-Ausstiege fokussieren auf den Kontrast zwischen Beginn und Ende einer Geschichte, sie setzen die Entwicklung unters Brennglas.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/erzahlen-hat-methode-ende-ausstieg-textende-die-klammer/">Erzählen hat Methode: Rausschmeißer &#8211; Teil I: Die Klammer</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">In dieser Reihe teilt unser Autor <a rel="noreferrer noopener" href="https://hermes-baby.de/autorinnen-autoren/manuel-stark/" target="_blank">Manuel Stark</a> jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß  macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte!</p>



<p class="quelle">Kapitel8: Rausschmeißer – Die Klammer</p>



<p>Wie alles Schreiben, folgen auch die Möglichkeiten einen Text zu
beenden gewissen handwerklichen Regeln. Meister des Fachs können,
wie überall, diese Regeln brechen – und so herausragende Ausstiege
schreiben, die perfekt abgestimmt sind auf eine einzigartige
Geschichte.</p>



<p>Und doch besitzen Regeln und Kniffe ihren Wert: Setzt man sie gekonnt ein, entfalten Textausstiege ein Echo, das laut und lange klingt. Der narrative Journalismus kennt drei klassische Herangehensweisen, eine Erzählung zu beenden:</p>



<p>1. <span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">Die Klammer</span><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight"> (<em>circle kickers</em>)</span></p>



<p><a href="https://hermes-baby.de/erzaehlen-hat-methode-rausschmeisser-teil-iii-der-schlag/">2. <span class="ugb-highlight" style="color: #e7b547;">Der Schlag</span> <span class="ugb-highlight" style="color: #000000;">(<em>punch kickers</em>)</span></a></p>



<p><a href="https://hermes-baby.de/erzahlen-hat-methode-rausschmeisser-teil-ii-das-zitat/">3. <span class="ugb-highlight" style="color: #e7b547;">Das Zitat</span> <span class="ugb-highlight" style="color: #000000;">(<em>quote kickers</em>)</span></a></p>



<p>Zu den Techniken von <em><a href="https://hermes-baby.de/erzaehlen-hat-methode-rausschmeisser-teil-iii-der-schlag/"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">punch</span></a></em> und <em><a aria-label="quote (opens in a new tab)" href="https://hermes-baby.de/erzahlen-hat-methode-rausschmeisser-teil-ii-das-zitat/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">quote</span></a></em> werde ich jeweils einen eigenen Beitrag verfassen. An dieser Stelle möchte ich mich auf den <em><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">circle kicker</span></em> konzentrieren, die Art von Ausstieg also, der einen Text wie eine Klammer zusammenhält.</p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Die Klammer: </span> </strong></p>



<p>Es ist die vielleicht am häufigsten gewählte Technik junger
Autorinnen und Autoren: die Klammer. Und das völlig zu Recht! Die
Methode zählt zu den mächtigsten Möglichkeiten, eine Geschichte zu
beenden.</p>



<p>Wählt man die Klammer-Methode, beziehen sich Einstieg und Ausstieg eines Textes aufeinander. Setzt man sie richtig ein, wird der Leser schon beim Einstieg auf eine Spur geschubst, auf die er sich am Ende noch einmal rückblickend beziehen kann. Dadurch, dass uns das Klammer-Ende vorangegangene Szenen, Geschehnisse oder Gedanken aus dem Klammer-Anfang noch einmal ins Gedächtnis ruft, wird deutlich, was sich dazwischen verändert hat.</p>



<p>Klammer-Ausstiege fokussieren auf den Kontrast zwischen Beginn und
Ende einer Geschichte. Sie setzen die Entwicklung zwischen diesen
beiden Punkten unters Brennglas. Und verankern so die Botschaft einer
Erzählung in unserer Erinnerung.</p>



<p>Besonders wirken solche Ausstiege in Texten, in denen ein Kreislauf aufgezeigt werden soll. Beispielsweise über das Werden und Vergehen in der Natur, überlässt man ein überfahrenes Reh dem Wirken des Waldes:<br> <br> <em><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Auszug Klammer-Einstieg:</span></em> „[…] Grelles Licht, etwa 80 Kilometer pro Stunde, da springt ein Schemen aus der Nacht, vielleicht hallt ein Hupen über die Straße und verfängt sich am Waldrand in Zweigen. Irgendwo im Wald nehmen Wurzeln Nährstoffe auf, wo der Rehkörper liegen blieb, düngen besonders viel Phosphor, Magnesium, Kalium den Boden. […]“<br> <br><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight"> <em>Auszug Klammer-Ausstieg:</em></span> „[…] Ein paar Meter weiter saugen Wurzeln nach dem Dünger, vielleicht hilft die Energie einem Sprössling beim Wachsen: Erst schiebt sich ein Blatt aus der Erde, dann ein Stiel, irgendwann gedeiht ein Bäumchen. Zarte Triebe werden gerne gefressen von Rehen. […]“</p>



<p><em>– Quelle: <span style="color: #000000;" class="ugb-highlight"><a rel="noreferrer noopener" aria-label="Manuel Stark (opens in a new tab)" href="http://manuelstark.de/" target="_blank">Manuel Stark</a></span> in <a rel="noreferrer noopener" aria-label="Science Notes (opens in a new tab)" href="https://sciencenotes.de/magazin/" target="_blank"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">Science Notes</span></a>; Ausgabe: ‚Wildnis‘, April 2021</em></p>



<p>Gekonnt eingesetzt, kann diese Technik zu mehr verhelfen, als
einem klingenden Ausstieg. Eine Klammer kann einer geeigneten
Erzählung eine eigene Meta-Ebene hinzufügen: Von Geschichten
erwarten wir Entwicklung, eine Veränderung die sich auf der
Handlungsebene und damit in uns als Leser vollzieht. Am Ende muss
irgendetwas also anders sein, als am Anfang.</p>



<p>Oder?</p>



<p>Das Leben ist nicht so stringent. Oft sind Menschen gefangen in
struktureller Benachteiligung oder persönlicher Angst. Die
Protagonisten einer Geschichte erleben und durchleben zwar
Geschehnisse, sie entwickeln sich dadurch sicher auch. Aber sie
entkommen den Fesseln nicht, die sie an eine Sache, eine Gewohnheit
oder ein Problem binden. Die Außenwelt ist zu mächtig. Ebendiese
Ausweglosigkeit, in der Menschen ihren (Lebens-) Umständen
ausgeliefert sind und bleiben, kann die Klammer-Methode
unterstreichen.</p>



<p>Gekonnt beweist das die Autorin Cathrin Schmiegel in ihrem Text
über eine Frau, gefangen in den strukturellen Problemen von
Altersarmut:</p>



<p><em><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Auszug Klammer-Einstieg:</span></em> „Sie hatte in ihrem Leben zwei Ehemänner verloren und ihr ganzes Vermögen, als Ingrid Millgramm, geboren 1933, in einem Supermarkt stand und eine Packung Rinderhackfleisch aufriss, 500 Gramm, reduziert. Sie nestelte einen Gefrierbeutel aus ihrem Weidekorb und schüttelte das Hackfleisch hinein, sah über ihre Schultern, nach rechts, nach links, zur Fleischtheke hinüber, zum Kühlregal. Beobachtet mich jemand?</p>



<p>[…]An der Kasse legte sie die Butter auf das Band, das erste und
das zweite Paket Knäckebrot. Nur den Klumpen Fleisch ließ sie im
Korb […]“</p>



<p><em><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Auszug Klammer-Ausstieg:</span></em> „Drei Tage vor Heiligabend wird Ingrid Millgramm freigelassen. Zwei Polizisten, eine Frau, ein Mann, fahren sie mit dem Streifenwagen zu ihrem Haus.</p>



<p>In den nächsten Wochen wird sie erst mal abwarten, dass sich der
Husten beruhigt. Dann wird sie sich um ihre Dinge kümmern. Sie wird
ihre Bewährungshelferin anrufen, sie wollen versuchen, mehr Wohngeld
auszuhandeln. Und dann, wenn die Nahrungsvorräte ausgegangen sind,
wird Ingrid Millgramm aufstehen aus ihrem Ohrensessel, zittrig und
steif, einen Kamelhaarmantel überstreifen, nach ihrem Korb greifen
und mit dem wenigen Geld, das ihr noch geblieben ist, einkaufen
gehen.“</p>



<p><em>– Quelle: <span style="color: #000000;" class="ugb-highlight"><a rel="noreferrer noopener" aria-label="Cathrin Schmiegel (opens in a new tab)" href="https://cathrinschmiegel.de/" target="_blank">Cathrin Schmiegel</a></span> in <a rel="noreferrer noopener" aria-label="DER SPIEGEL (opens in a new tab)" href="https://www.spiegel.de/panorama/frau-millgramm-geht-stehlen-a-002f0daa-0002-0001-0000-000157772692" target="_blank"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">DER SPIEGEL</span></a>; 08. Juni 2018  </em></p>



<p>Die Autorin schreibt „einkaufen gehen“ und doch fragt man sich
als Leser: Was bedeutet das – „einkaufen“? Geht die Frau erneut
stehlen? Und irgendetwas in uns flüstert: natürlich! Wie soll sie
denn auch sonst über die Runden kommen, die Umstände haben sich ja
nicht geändert.</p>



<p>Für uns als Leser ist nach dem Text aber etwas passiert: Wir
wissen plötzlich um diese Struktur. Durch die Geschichte von Frau
Millgramm haben wir sie szenisch erlebt. Wir haben uns verändert.
Das Leben der Dame hingegen verharrt scheinbar im Stillstand. Sie ist
gefangen in den übermächtigen Strukturen der Altersarmut, der sie
einfach nicht entkommt.</p>



<p>Der geschickte Einsatz der Klammer-Methode injiziert uns zwei widersprüchliche Impulse: In uns treffen Veränderung und Stillstand aufeinander. Unser Wissenszugewinn will nicht zusammenpassen mit der stupiden Wiederholung, die das Leben der Frau zu nehmen scheint. Das sorgt für Irritation.</p>



<p>Unser Hirn aber strebt nach Harmonie und will diese Verwirrung auflösen, indem es die widerstreitenden Pole – Veränderung und Stillstand – zusammenbringt. Die Folge: Die Situation von Frau Millgramm und das Thema der Altersarmut in Deutschland arbeiten in uns weiter.</p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Merksatz:</span></strong><br><br> Klammer-Ausstiege fokussieren auf den Kontrast zwischen Beginn und Ende  einer Geschichte, sie setzen die Entwicklung unters Brennglas. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/erzahlen-hat-methode-ende-ausstieg-textende-die-klammer/">Erzählen hat Methode: Rausschmeißer &#8211; Teil I: Die Klammer</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<item>
		<title>Im Netz der Lügen</title>
		<link>https://hermes-baby.de/im-netz-der-luegen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Mar 2021 10:58:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Rupflin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der 36-jährige Ralf Witte wird eines Morgens von der Polizei aus dem Bett geholt und verhaftet. Er soll ein junges Mädchen mehrfach grausam vergewaltigt und schwer verletzt haben. Doch Witte ist sich keiner Schuld bewusst. Für ihn beginnt ein Albtraum. Erschienen in ZEIT Verbechen, März 2021 / Foto: Rafael Heygster Ein Mädchen öffnet sein Tagebuch. Es bekam das Buch von der Englischlehrerin geschenkt. Dort soll es alle Dinge hineinschreiben, die es bekümmern. Das Mädchen nimmt einen Filzstift und schreibt: Ich packe es nicht mehr. Manchmal wünsche ich mir, dass ich tot bin, einfach weg bin, meine Ruhe habe, vergessen und einfach frei zu sein. Aber auch ich werde sie später alle fertig machen, einen nach dem anderen. So schnell werden die mich nicht los, so schnell nicht. Es ist aber so schwer und es tut weh zu leben, so vieles, was alles schon passiert ist, wo soll das hinführen, ich will nicht mehr die Hure von Papa sein. Draußen läuft noch alles in geregelten Bahnen. Früh ist es, fünf Uhr, halb sechs. Der Schienenschleifwagen fährt über die sich durchs Straßennetz ziehenden Gleise. Im Inneren drückt der Kompressor mit Tonnengewicht die Schleifsteine gen Boden. Sie kratzen über Schienen, Wasser spritzt aus Düsen, nimmt dem Eisen die Hitze. Vorn, in der Fahrerkabine, sitzt Ralf Witte. Er ist 36 Jahre alt. Seine Schicht geht gerade zu Ende. Er lenkt den Schienenschleifwagen in die Thurnithistraße, fährt in den Betriebshof, stellt den Wagen ab. Er nimmt seine Thermoskanne und geht zu seinem Auto. Es ist der 16. Mai 2001. Daheim legt er sich neben Kerstin und schläft ein. Für eine Stunde liegt das Ehepaar so beisammen, bis Kerstin aus dem Schlafzimmer schleicht, um Simon, ihren kleinen Jungen, zu wecken. Sie macht Frühstück, fährt ihn in den Kindergarten, kehrt zurück. Um zehn Uhr klingelt es an der Tür des Reihenhauses. Zwei Männer, Polizei. Ob ihr Mann zu sprechen sei? Der schläft, Nachtschicht. Ob sie ihn bitte wecken könnte? &#8222;Ralf, komm mal, da sind zwei Männer von der Polizei, die wollen irgendwas von dir.&#8220; Ein neues Spielchen seiner Exfrau, denkt Witte verschlafen. Seitdem sie in eine Sekte geraten ist, macht sie Theater. Aber die Kriminalbeamten wollen was anderes: &#8222;Kennen Sie eine Jennifer?&#8220; Witte nickt. &#8222;Unser Kindermädchen.&#8220; Der Beamte sagt: &#8222;Die war gestern bei uns auf der Wache. Sie hat Sie angezeigt, wegen Vergewaltigung.&#8220; [&#8230;] Der ganze Text im Heft 9 von ZEIT Verbrechen oder hier.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/im-netz-der-luegen/">Im Netz der Lügen</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Der 36-jährige Ralf Witte wird eines Morgens von der Polizei aus dem  Bett geholt und verhaftet. Er soll ein junges Mädchen mehrfach grausam  vergewaltigt und schwer verletzt haben. Doch Witte ist sich keiner  Schuld bewusst. Für ihn beginnt ein Albtraum.</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/zeit-verbrechen/2021/09/justizirrtum-ralf-witte-zu-unrecht-verurteilt-vergewaltigung">ZEIT Verbechen</a>, März 2021 /  Foto: <a href="https://www.rafael-heygster.com/">Rafael Heygster</a></p>



<p>Ein Mädchen öffnet sein Tagebuch. Es 
bekam das Buch von der Englischlehrerin geschenkt. Dort soll es alle 
Dinge hineinschreiben, die es bekümmern. Das Mädchen nimmt einen 
Filzstift und schreibt:
</p>



<p><em>Ich packe es 
nicht mehr. Manchmal wünsche ich mir, dass ich tot bin, einfach weg bin,
 meine Ruhe habe, vergessen und einfach frei zu sein. Aber auch ich 
werde sie später alle fertig machen, einen nach dem anderen. So schnell 
werden die mich nicht los, so schnell nicht. Es ist aber so schwer und 
es tut weh zu leben, so vieles, was alles schon passiert ist, wo soll 
das hinführen, ich will nicht mehr die Hure von Papa sein.</em>
</p>



<p>Draußen läuft noch alles  in geregelten Bahnen. Früh ist es, fünf Uhr, halb sechs. Der  Schienenschleifwagen fährt über die sich durchs Straßennetz ziehenden  Gleise. Im Inneren drückt der Kompressor mit Tonnengewicht die  Schleifsteine gen Boden. Sie kratzen über Schienen, Wasser spritzt aus  Düsen, nimmt dem Eisen die Hitze. Vorn, in der Fahrerkabine, sitzt Ralf  Witte. Er ist 36 Jahre alt. Seine Schicht geht gerade zu Ende. Er lenkt  den Schienenschleifwagen in die Thurnithistraße, fährt in den  Betriebshof, stellt den Wagen ab. Er nimmt seine Thermoskanne und geht  zu seinem Auto. Es ist der 16. Mai 2001. </p>



<p>Daheim legt er sich neben Kerstin und
 schläft ein. Für eine Stunde liegt das Ehepaar so beisammen, bis 
Kerstin aus dem Schlafzimmer schleicht, um Simon, ihren kleinen Jungen, 
zu wecken. Sie macht Frühstück, fährt ihn in den Kindergarten, kehrt 
zurück. Um zehn Uhr klingelt es an der Tür des Reihenhauses. Zwei 
Männer, Polizei. Ob ihr Mann zu sprechen sei? Der schläft, Nachtschicht.
 Ob sie ihn bitte wecken könnte? &#8222;Ralf, komm mal, da sind zwei Männer 
von der Polizei, die wollen irgendwas von dir.&#8220;
</p>



<p>Ein neues Spielchen  seiner Exfrau, denkt Witte verschlafen. Seitdem sie in eine Sekte  geraten ist, macht sie Theater. Aber die Kriminalbeamten wollen was  anderes: &#8222;Kennen Sie eine Jennifer?&#8220; Witte nickt. &#8222;Unser Kindermädchen.&#8220;  Der Beamte sagt: &#8222;Die war gestern bei uns auf der Wache. Sie hat Sie  angezeigt, wegen Vergewaltigung.&#8220; </p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text im Heft 9 von ZEIT Verbrechen oder <a href="https://www.zeit.de/zeit-verbrechen/2021/09/justizirrtum-ralf-witte-zu-unrecht-verurteilt-vergewaltigung">hier</a>. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/im-netz-der-luegen/">Im Netz der Lügen</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">3171</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Liebe, Stift, Papier</title>
		<link>https://hermes-baby.de/liebe-stift-papier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gabriel Proedl]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Feb 2021 11:48:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Proedl]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hermes-baby.de/?p=3167</guid>

					<description><![CDATA[<p>Als Dreizehnjähriger schrieb unser Autor Gabriel Proedl einen Brief an ein Mädchen, Dora. Eine Antwort erhielt er nie. Jetzt, fast zehn Jahre später, will er wissen, warum. Und warum ihn das Briefeschreiben bis heute nicht losgelassen hat. Er kontaktiert alle seine bisherigen Briefpartner, und am Ende auch Dora. Erschienen in ZEIT Christ&#38;Welt, 27.1.2021 Ich muss dreizehn gewesen sein, als mein Lehrer in der Französischstunde fragte, wer von uns regelmäßig Briefe schreibe. Keiner meldete sich. Und wer würde gerne Briefe bekommen? Dora, eine Mitschülerin, streckte ihren Rücken beim Aufzeigen durch, um die Hände der anderen zu überragen. Ich war seit Wochen in Dora verliebt. Sie war gut in der Schule, ohne ständig zu lernen, war sportlich, blitzgescheit, beliebt und dennoch reserviert; sie war keine, die allen um den Hals fiel. Ich versuchte immer wieder, mit ihr zu plaudern, umarmte sie, wann immer es ging – und schrieb ihr kurz nach der Französischstunde meinen ersten Brief. Eine Antwort bekam ich nie.  Aus uns wurde nichts, doch die Liebe zum Briefeschreiben ist gewachsen. Jetzt bin ich zweiundzwanzig und schreibe immer noch, an Freunde und Bekannte – meist bekomme ich eine Antwort. Ich mag diesen niedergeschriebenen Gedankenaustausch, das Warten auf die Erwiderung, das Tagebuchschreiben mit Dialogpartner. Früher kannte ich kaum jemanden, der Briefe schrieb, doch jetzt, während der Pandemie, ändert sich das: Auf Twitter posten Jugendliche, dass sie ihren Großeltern schreiben, statt sie zu besuchen, kirchliche Einrichtungen veranstalten Briefschreibaktionen für Schulklassen an Altersheime, und mehrere Eltern erzählen mir, dass ihre Kinder schreiben, um mit Schulfreunden in Kontakt zu bleiben. Alle schreiben sie jetzt. Ich fühle mich wie der Fan einer Indie-Band, die gerade ihren Durchbruch hat.  Ich bin mit dem Internet aufgewachsen, fand es unheimlich, aber auch faszinierend. Als Kind ging ich über den Computer ins Netz, googelte „Yeti“ weil ich nicht glauben wollte, dass es die Gestalt wirklich gab, und tatsächlich: ich fand Bilder.&#160; Dann, der Aufstieg des iPhones – das Internet war plötzlich immer dabei. SchülerVZ, Facebook, Instagram. Der Whatsapp-Messenger, chatten in Gruppen, oberflächliche Nachrichten, „wie geht’s, was machst?“ und oberflächliche Antworten, „eh gut, nix, du?“&#160; Mit dem Briefeschreiben wollte ich dem entgegenhalten. Auf echtem Papier, mit echten Stiften schreiben, Entwürfe machen, bis jedes Wort seine Berechtigung hat. Dann dreimal falten, rein in den Umschlag, Briefmarke drauf und zum Briefkasten gehen.&#160; [&#8230;] Link zum ganzen Artikel bei ZEIT Christ &#38; Welt.</p>
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]]></description>
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<p class="intro">Als Dreizehnjähriger schrieb unser Autor Gabriel Proedl einen Brief an ein Mädchen, Dora. Eine Antwort erhielt er nie. Jetzt, fast zehn Jahre später, will er wissen, warum. Und warum ihn das Briefeschreiben bis heute nicht losgelassen hat. Er kontaktiert alle seine bisherigen Briefpartner, und am Ende auch Dora. </p>



<p class="quelle">Erschienen in <a rel="noreferrer noopener" aria-label=" (opens in a new tab)" href="https://www.zeit.de/2021/05/briefeschreiben-analog-digitalisierung-internet-soziale-medien-whatsapp?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com" target="_blank">ZEIT Christ&amp;Welt</a>, 27.1.2021</p>



<p>Ich muss dreizehn gewesen sein, als mein Lehrer in der Französischstunde fragte, wer von uns regelmäßig Briefe schreibe. Keiner meldete sich. Und wer würde gerne Briefe bekommen? Dora, eine Mitschülerin, streckte ihren Rücken beim Aufzeigen durch, um die Hände der anderen zu überragen. Ich war seit Wochen in Dora verliebt. Sie war gut in der Schule, ohne ständig zu lernen, war sportlich, blitzgescheit, beliebt und dennoch reserviert; sie war keine, die allen um den Hals fiel. Ich versuchte immer wieder, mit ihr zu plaudern, umarmte sie, wann immer es ging – und schrieb ihr kurz nach der Französischstunde meinen ersten Brief. Eine Antwort bekam ich nie. </p>



<p>Aus uns wurde nichts, doch die Liebe zum Briefeschreiben ist gewachsen. Jetzt bin ich zweiundzwanzig und schreibe immer noch, an Freunde und Bekannte – meist bekomme ich eine Antwort. Ich mag diesen niedergeschriebenen Gedankenaustausch, das Warten auf die Erwiderung, das Tagebuchschreiben mit Dialogpartner. Früher kannte ich kaum jemanden, der Briefe schrieb, doch jetzt, während der Pandemie, ändert sich das: Auf Twitter posten Jugendliche, dass sie ihren Großeltern schreiben, statt sie zu besuchen, kirchliche Einrichtungen veranstalten Briefschreibaktionen für Schulklassen an Altersheime, und mehrere Eltern erzählen mir, dass ihre Kinder schreiben, um mit Schulfreunden in Kontakt zu bleiben. Alle schreiben sie jetzt. Ich fühle mich wie der Fan einer Indie-Band, die gerade ihren Durchbruch hat. </p>



<p>Ich bin mit dem Internet aufgewachsen, fand es unheimlich, aber auch faszinierend. Als Kind ging ich über den Computer ins Netz, googelte „Yeti“ weil ich nicht glauben wollte, dass es die Gestalt wirklich gab, und tatsächlich: ich fand Bilder.&nbsp;</p>



<p>Dann, der Aufstieg des iPhones – das Internet war plötzlich immer dabei. SchülerVZ, Facebook, Instagram. Der Whatsapp-Messenger, chatten in Gruppen, oberflächliche Nachrichten, „wie geht’s, was machst?“ und oberflächliche Antworten, „eh gut, nix, du?“&nbsp;</p>



<p>Mit dem Briefeschreiben wollte ich dem entgegenhalten. Auf echtem Papier, mit echten Stiften schreiben, Entwürfe machen, bis jedes Wort seine Berechtigung hat. Dann dreimal falten, rein in den Umschlag, Briefmarke drauf und zum Briefkasten gehen.&nbsp;</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Link zum <a href="https://www.zeit.de/2021/05/briefeschreiben-analog-digitalisierung-internet-soziale-medien-whatsapp?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label=" (opens in a new tab)">ganzen Artikel bei ZEIT</a> Christ &amp; Welt.</p>
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		<title>Kann euch doch egal sein</title>
		<link>https://hermes-baby.de/kann-euch-doch-egal-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Dec 2020 13:15:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Rupflin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein 16-Jähriger sticht die Freundin nieder und kommt in die Psychiatrie. Nach zehn Jahren kommt er raus und bleibt alleine mit seinen Dämonen. Erschienen in DIE ZEIT, Dezember 2020 / Illustration: Karlotta Freier Celina will Markus ein Kuscheltier kaufen, seit zwei Wochen ist sie wieder seine Freundin. Er hat ihr geschworen, sie nicht mehr zu boxen. Sie ist seine große Liebe. Darum war er schon mal mit ihr verlobt, aber dann hat sie den Ring weggeworfen, und jetzt darf Markus sie eigentlich gar nicht mehr sehen. Celinas Eltern haben es verboten und das Gericht auch. Einstweilige Verfügung. Er schlendert mit ihr durchs Oder-Center, am New Yorker vorbei, an der schwarzen Spitzenunterwäsche von Hunkemöller. Die Kaufhausmusik säuselt schön ins Ohr. Lauter kleine Weihnachtsbäume stehen herum. 2. Dezember 2009. Markus trägt seine neue Jacke mit dem Fellkragen offen. Celina nölt ein bisschen wegen seiner großen Pupillen. Vorhin hat sie ihm einen Klaps auf den Hinterkopf verpasst. Aber das ist egal. Die Amphetamine wärmen von innen und machen schön ruhig, sie wirken genau andersrum als bei anderen Menschen, das liegt wohl an seinem ADHS. Irgendwann stehen sie im Nanu-Nana, wo er sich das Kuscheltier aussuchen soll. Er hat keinen Bock darauf. Er ist sechzehn. Sie hält ihm Teddybären vor die Nase. Irgendwas beginnt in ihm zu kribbeln. Er will hier weg. Er boxt Celina gegen die Schulter. Gleich fängt sie wieder an rumzuheulen. Die Verkäuferin erklärt, dass Männer keine Kuscheltiere mögen. Da hat sie recht. Die Verkäuferin sagt, Celina solle ihm lieber was anderes kaufen, und das findet er auch. Vor der Ladentür umarmt sie ihn plötzlich, will ihn offenbar beruhigen. Aber sie schreckt gleich wieder zurück. &#8222;Was ist denn ditte&#8220;, fragt sie und zeigt auf seine rechte Jackentasche. Sie weiß genau, was das ist. Es ist das Küchenmesser, er trägt es immer bei sich. Das muss so sein. Er ist jetzt Schuldeneintreiber der Halbwelt. Für eine Ohrfeige bekommt er 100 Euro oder 150. In Schwedt wissen die anderen Jungs längst, wer sich mit dem Markus anlegt, hat ein Problem. Du musst kränker sein als die anderen, dann haben sie Respekt. Darum das Messer. Aber Celina macht Aufstand. [&#8230;] Der ganze Text in der gedruckten Ausgabe der ZEIT vom 23. Dezmeber oder hier.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Ein 16-Jähriger sticht die Freundin nieder und kommt in die Psychiatrie.  Nach zehn Jahren kommt er raus und bleibt alleine mit seinen Dämonen. </p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/2020/54/messerattacke-schwedt-oder-center-haftstrafe-massregelvollzug-brandenburg">DIE ZEIT</a>, Dezember 2020 /  Illustration: Karlotta Freier </p>



<p>Celina will Markus ein Kuscheltier 
kaufen, seit zwei Wochen ist sie wieder seine Freundin. Er hat ihr 
geschworen, sie nicht mehr zu boxen. Sie ist seine große Liebe. Darum 
war er schon mal mit ihr verlobt, aber dann hat sie den Ring 
weggeworfen, und jetzt darf Markus sie eigentlich gar nicht mehr sehen. 
Celinas Eltern haben es verboten und das Gericht auch. Einstweilige 
Verfügung. Er schlendert mit ihr durchs Oder-Center, am New Yorker 
vorbei, an der schwarzen Spitzenunterwäsche von Hunkemöller. Die 
Kaufhausmusik säuselt schön ins Ohr. Lauter kleine Weihnachtsbäume 
stehen herum. 2. Dezember 2009. Markus trägt seine neue Jacke mit dem 
Fellkragen offen. Celina nölt ein bisschen wegen seiner großen Pupillen.
 Vorhin hat sie ihm einen Klaps auf den Hinterkopf verpasst. Aber das 
ist egal. Die Amphetamine wärmen von innen und machen schön ruhig, sie 
wirken genau andersrum als bei anderen Menschen, das liegt wohl an 
seinem ADHS. Irgendwann stehen sie im Nanu-Nana, wo er sich das 
Kuscheltier aussuchen soll. Er hat keinen Bock darauf. Er ist sechzehn.
</p>



<p>Sie hält ihm Teddybären  vor die Nase. Irgendwas beginnt in ihm zu kribbeln. Er will hier weg. Er  boxt Celina gegen die Schulter. Gleich fängt sie wieder an rumzuheulen.  Die Verkäuferin erklärt, dass Männer keine Kuscheltiere mögen. Da hat  sie recht. Die Verkäuferin sagt, Celina solle ihm lieber was anderes  kaufen, und das findet er auch. Vor der Ladentür umarmt sie ihn  plötzlich, will ihn offenbar beruhigen. Aber sie schreckt gleich wieder  zurück. &#8222;Was ist denn ditte&#8220;, fragt sie und zeigt auf seine rechte  Jackentasche. Sie weiß genau, was das ist. Es ist das Küchenmesser, er  trägt es immer bei sich. Das muss so sein. Er ist jetzt  Schuldeneintreiber der Halbwelt. Für eine Ohrfeige bekommt er 100 Euro  oder 150. In Schwedt wissen die anderen Jungs längst, wer sich mit dem  Markus anlegt, hat ein Problem. Du musst kränker sein als die anderen,  dann haben sie Respekt. Darum das Messer. Aber Celina macht Aufstand. </p>



<p>
[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text in der gedruckten Ausgabe der ZEIT vom 23. Dezmeber oder <a href="https://www.falter.at/zeitung/20200826/das-gehen-und-das-von--uns-gehen/_687c8dfd87?ref=related&amp;ver=b">hier</a>. </p>
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		<title>Als ob es kein Morgen gäbe</title>
		<link>https://hermes-baby.de/als-ob-es-kein-morgen-gaebe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benedikt Herber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Oct 2020 11:09:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Benedikt Herber]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Feiern ja, aber in kontrolliertem Rahmen: Berliner Clubs erproben neue Konzepte, um auch in der kalten Jahreszeit Besucher empfangen zu können. Das reicht von Veranstaltungen in Zelten bis hin zu Kunst-Performances statt Party. Der Berliner Senat unterstützt diese Pläne Erschienen im Oktober 2020 im Deutschlandfunk Mikrokosmos/ Foto: Marc Hunter</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Feiern ja, aber in kontrolliertem Rahmen: Berliner Clubs erproben neue Konzepte, um auch in der kalten Jahreszeit Besucher empfangen zu können. Das reicht von Veranstaltungen in Zelten bis hin zu Kunst-Performances statt Party. Der Berliner Senat unterstützt diese Pläne</p>



<p>Erschienen im Oktober 2020 im <a href="https://www.deutschlandfunk.de/technokultur-waehrend-der-pandemie-als-ob-es-kein-morgen.3381.de.html?dram:article_id=485887">Deutschlandfunk Mikrokosmos</a>/ Foto:<em> </em>Marc Hunter</p>


<figure><iframe src="https://open.spotify.com/embed-podcast/episode/3tZJyUOgS8IIKItJUkkFlz" width="100%" height="232"></iframe></figure>
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		<title>Erzählen hat Methode: Der Kuleshov-Effekt</title>
		<link>https://hermes-baby.de/manuel-stark-schreibtipps-der-kuleshov-effekt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stark]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Aug 2020 15:54:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Textchef-Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[details]]></category>
		<category><![CDATA[erzählen]]></category>
		<category><![CDATA[handwerk]]></category>
		<category><![CDATA[kuleshov]]></category>
		<category><![CDATA[Manuel Stark]]></category>
		<category><![CDATA[schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[schreibstark]]></category>
		<category><![CDATA[schreibtipps]]></category>
		<category><![CDATA[storytelling]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In dieser Reihe teilt unser Autor Manuel Stark jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte! Kapitel7: Der Kuleshov-Effekt – Erzählen durch Weglassen Ein einziges Bild unterscheidet liebevoll von pervers, eifersüchtig von gerecht, frech von fröhlich. Diese mehr als 100 Jahre alte Erkenntnis ist noch heute eines der wichtigsten Instrumente für das Erzählen guter Geschichten. Sie stammt vom Sowjet-Filmemacher Lev Kuleshov, um 1910, und bedeutet in ihrer simpelsten Form: Gib deinen Zuschauern, Lesern, Hörern, immer nur den Rechenweg vor, niemals das Ergebnis. Menschen lieben es, sich intelligent zu fühlen, für Erkenntnis zu arbeiten und beim rezipieren einer Geschichte zumindest ein wenig ihre eigene Kreativität anzustrengen. Das schafft Verbindung, Identifikation, Nähe – und erzeugt Sog. Immer: „2+2 =“. Niemals: „4“. Um das zu beweisen, führte Alfred Hitchcock ein Experiment durch: Er zeigte verschiedenen Publikumsgruppen das Gesicht eines alten Mannes: Der Ausdruck, neutral, verzieht sich langsam zu einem Lächeln. Das eine Mal fügte Hitchcock als zweites Bild eine Szene an: eine junge Frau spielt mit ihren zwei Kindern. Dann fragte er sein Publikum, wie es wohl um den Charakter des Mannes stehe, welche Art von Mensch sei das wohl? Ein gütiger Großvater, ein warmherziger Alter, ein liebevoller Gentleman, vielleicht ein Freund der Familie. Jedes Mal waren die Zuschreibungen positiv, schilderten einen zugewandten, vertrauenswürdigen Menschen. Das andere Mal schnitt Hitchcock als zweites Bild wieder eine junge Frau in die Sequenz: Diesmal entledigte sie sich ihres Kleides, um sich im Bikini am Strand zu sonnen. Die Reaktionen des Publikums unterschieden sich heftig. Lüstling! Perverser alter Mann! Notgeiler Spanner! Kein einziges positives Urteil, stattdessen unterstellten manche dem alten Herren gar die Bereitschaft zu einem Sexualverbrechen. Beide Male war es genau dasselbe Gesicht, genau derselbe Wandel des Ausdrucks, es war die exakt selbe Filmsequenz. Die darauf folgenden Bilder hatten nichts mit dem Mann zu tun und wurden beide Male völlig fremden Kontexten entnommen. Trotzdem waren – egal, wie oft Hitchcock sein Experiment wiederholte – die Zuschauer jedes Mal überzeugt von ihrem jeweiligen Urteil und sahen keinerlei Grund, an ihrer Einschätzung zu zweifeln. Wir deuten Eindrücke also niemals einzeln, sondern immer nur in Bezug auf ihren Kontext. Diesem Effekt zu Grunde liegt ein Phänomen der Psychologie. Unser Hirn ordnet neue Sachverhalte ein, indem es nach Lektionen aus unserem Erfahrungsschatz sucht, mit denen es das aktuelle Geschehen abgleichen kann. Diese Erfahrungen übersetzt es in ein „wenn, dann“-Muster. In der Frühzeit des Menschen waren diese Fähigkeiten und Ableitungen wichtig, um das Überleben unserer Spezies zu sichern. „Wenn Raubtier, dann lauf weg!“ Je nach Kontext verschiebt sich das Muster, nachdem unser Hirn Erfahrungen analysiert und als „passend“ für die aktuelle Situation einstuft und abruft. Für eine Erzählung bedeutet das: Nicht nur das, was ich erzähle, ist Teil meiner Geschichte. Genauso wichtig ist das, was ich nicht erzähle. Jedes Weglassen verändert, genauso wie jedes Hinzufügen, den Kontext einer Schilderung. Das eröffnet eine neue Ebene des Erzählens: Die des Lesers, Hörers oder Zuschauers als Selbst-Erzähler. Durch Weglassen öffne ich Räume, die mein Leser mit eigener Erfahrung flutet. Das schafft Identifikation durch Wiedererkennen des eigenen Selbst in jeder noch so fremden Handlung, Situation der Figur. Nichts stärkt deutlicher den Sog einer fesselnden Geschichte. Zu oft berücksichtigen Autoren den Kuleshov-Effekt nicht. Dann doppeln sich die von ihnen genutzten Bilder, Sätze oder Schilderungen nur mit den Gedanken und Erkenntnissen, die mein Leser ohnehin durch eigene Erfahrung und Erwartung in seinem Kopf erschafft. Solche Dopplungen zerstören Spannung, schwächen Geschichten, erzeugen Langeweile und Erwartbarkeit. Erzähle ich stattdessen nur das Notwendige und vertraue dem Leser, die Zusammenhänge selbst herzustellen, mute ich ihm eigene Leistung zu – er arbeitet mit, für sein Erleben. Beispiel; jeder kennt es aus Horror-Filmen, Thrillern oder Krimis: Bild 1: Zoom auf die Waffe. Bild 2: Ein Mensch ist gerade unaufmerksam, etwa weil er duscht. Bild 3: Polizei zieht den Leichensack zu. Weder muss man den Weg des Mörders in das Haus zeigen, noch die Begegnung von Opfer und Täter, noch die gewaltsame Auseinandersetzung und den Mord. Das alles findet – mal mehr, mal weniger blass – als logische Konsequenz in unseren Köpfen statt. Man weiß, was passiert ist. Das spart Sendezeit und lädt den Zuschauer zum Mitarbeiten ein, über das wie des Tathergangs zu rätseln. Würde ein Filmemacher stattdessen jeden einzelnen Schritt zeigen, käme er vermutlich alleine für diese Szene auf etwa 20 Minuten Sendezeit – statt auf die üblichen 2-3, die eine solche Szene in einem Film einnimmt. Im Erzähljournalismus zeigen sich Verstöße gegen den Kuleshov-Effekt oft dann, wenn Autoren zeigen wollen, wie schlau, intellektuell oder gebildet sie sind. Dann verwechseln sie „Einordnung“ mit Eitelkeit. Natürlich ist auch mir das schon passiert. Ich schrieb im Rahmen meiner Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule über ein Ehepaar, das seinen letzten gemeinsamen Urlaub am Starnberger See verbringt. Sie ist Herzkrank, er hat aggressiven Krebs. Das sah dann so aus: Sie sitzen nebeneinander auf der Bank am Ufer, er sucht ihren Blick aber sie sieht ihn nicht an. Der Starnberger See ohne ihren Alfons? Wenn ein Mensch stirbt, mit dem man mehr als 60 Jahre zusammen war, was bleibt dann noch? Was bleibt von einem selbst übrig? Man definiert sich ja doch auch immer über das Umfeld. Mit dem vertrauten Menschen stirbt ja nicht nur der Geliebte, es stirbt auch der eigene Platz in der Welt. Gestattet mir hier bitte Ehrlichkeit: Das ist von Eitelkeit getriebene Pathos-Scheiße. Die Sätze sprechen das Offensichtliche aus, statt eine Szene zu erzählen. Sie stellen den Tiefsinn des Autoren auf die Bühne, statt darauf zu vertrauen, dass Leser ebendiese Fragen und Empfindungen durch eine gelungene Erzählung in sich selbst spüren – ohne, dass ich als Autor sie ihnen vorkaue. Der Text spart an der Rechnung (2+2), um das Ergebnis laut herauszubrüllen (= 4!!!!!). Ich vertraute der Geschichte nicht, wollte stattdessen mit Schläue und Sprache prahlen. Besser wäre gewesen: Es ist Mittag, bei über 30 Grad brennt die Seeoberfläche in Weiß. Alfons und Henriette haben sich</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/manuel-stark-schreibtipps-der-kuleshov-effekt/">Erzählen hat Methode: Der Kuleshov-Effekt</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">In dieser Reihe teilt unser Autor <a rel="noreferrer noopener" href="https://hermes-baby.de/autorinnen-autoren/manuel-stark/" target="_blank">Manuel Stark</a> jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß  macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte!</p>



<p class="quelle">Kapitel7: Der Kuleshov-Effekt – Erzählen durch Weglassen</p>



<p>Ein einziges Bild unterscheidet liebevoll von pervers, eifersüchtig von gerecht, frech von fröhlich. Diese mehr als 100 Jahre alte Erkenntnis ist noch heute eines der wichtigsten Instrumente für das Erzählen guter Geschichten.</p>



<p>Sie stammt vom Sowjet-Filmemacher Lev Kuleshov, um 1910, und bedeutet in ihrer simpelsten Form: Gib deinen Zuschauern, Lesern, Hörern, immer nur den Rechenweg vor, niemals das Ergebnis. Menschen lieben es, sich intelligent zu fühlen, für Erkenntnis zu arbeiten und beim rezipieren einer Geschichte zumindest ein wenig ihre eigene Kreativität anzustrengen. Das schafft Verbindung, Identifikation, Nähe – und erzeugt Sog.</p>



<p>Immer: „2+2 =“. Niemals: „4“.</p>



<p>Um das zu beweisen, führte Alfred Hitchcock ein Experiment durch: Er zeigte verschiedenen Publikumsgruppen das Gesicht eines alten Mannes: Der Ausdruck, neutral, verzieht sich langsam zu einem Lächeln.</p>



<p>Das eine Mal fügte Hitchcock als zweites Bild eine Szene an: eine junge Frau spielt mit ihren zwei Kindern. Dann fragte er sein Publikum, wie es wohl um den Charakter des Mannes stehe, welche Art von Mensch sei das wohl? Ein gütiger Großvater, ein warmherziger Alter, ein liebevoller Gentleman, vielleicht ein Freund der Familie. Jedes Mal waren die Zuschreibungen positiv, schilderten einen zugewandten, vertrauenswürdigen Menschen.<br> <br>Das andere Mal schnitt Hitchcock als zweites Bild wieder eine junge Frau in die Sequenz: Diesmal entledigte sie sich ihres Kleides, um sich im Bikini am Strand zu sonnen. Die Reaktionen des Publikums unterschieden sich heftig. Lüstling! Perverser alter Mann! Notgeiler Spanner! Kein einziges positives Urteil, stattdessen unterstellten manche dem alten Herren gar die Bereitschaft zu einem Sexualverbrechen. <br> <br>Beide Male war es genau dasselbe Gesicht, genau derselbe Wandel des Ausdrucks, es war die exakt selbe Filmsequenz. Die darauf folgenden Bilder hatten nichts mit dem Mann zu tun und wurden beide Male völlig fremden Kontexten entnommen. Trotzdem waren – egal, wie oft Hitchcock sein Experiment wiederholte – die Zuschauer jedes Mal überzeugt von ihrem jeweiligen Urteil und sahen keinerlei Grund, an ihrer Einschätzung zu zweifeln.</p>



<p>Wir deuten Eindrücke also niemals einzeln, sondern immer nur in Bezug auf ihren Kontext. Diesem Effekt zu Grunde liegt ein Phänomen der Psychologie. Unser Hirn ordnet neue Sachverhalte ein, indem es nach Lektionen aus unserem Erfahrungsschatz sucht, mit denen es das aktuelle Geschehen abgleichen kann. Diese Erfahrungen übersetzt es in ein „wenn, dann“-Muster. In der Frühzeit des Menschen waren diese Fähigkeiten und Ableitungen wichtig, um das Überleben unserer Spezies zu sichern. „Wenn Raubtier, dann lauf weg!“ Je nach Kontext verschiebt sich das Muster, nachdem unser Hirn Erfahrungen analysiert und als „passend“ für die aktuelle Situation einstuft und abruft.<br> <br> Für eine Erzählung bedeutet das: Nicht nur das, was ich erzähle, ist Teil meiner Geschichte. Genauso wichtig ist das, was ich <em>nicht</em> erzähle. Jedes Weglassen verändert, genauso wie jedes Hinzufügen, den Kontext einer Schilderung.</p>



<p>Das eröffnet eine neue Ebene des Erzählens: Die des Lesers, Hörers oder Zuschauers als Selbst-Erzähler. Durch Weglassen öffne ich Räume, die mein Leser mit eigener Erfahrung flutet. Das schafft Identifikation durch Wiedererkennen des eigenen Selbst in jeder noch so fremden Handlung, Situation der Figur. Nichts stärkt deutlicher den Sog einer fesselnden Geschichte.</p>



<p>Zu oft berücksichtigen Autoren den Kuleshov-Effekt nicht. Dann doppeln sich die von ihnen genutzten Bilder, Sätze oder Schilderungen nur mit den Gedanken und Erkenntnissen, die mein Leser ohnehin durch eigene Erfahrung und Erwartung in seinem Kopf erschafft. Solche Dopplungen zerstören Spannung, schwächen Geschichten, erzeugen Langeweile und Erwartbarkeit. Erzähle ich stattdessen nur das Notwendige und vertraue dem Leser, die Zusammenhänge selbst herzustellen, mute ich ihm eigene Leistung zu – er arbeitet mit, für sein Erleben.<br> <br> Beispiel; jeder kennt es aus Horror-Filmen, Thrillern oder Krimis:<br> <br> Bild 1: Zoom auf die Waffe.<br> Bild 2: Ein Mensch ist gerade unaufmerksam, etwa weil er duscht.<br> Bild 3: Polizei zieht den Leichensack zu.<br> <br>Weder muss man den Weg des Mörders in das Haus zeigen, noch die Begegnung von Opfer und Täter, noch die gewaltsame Auseinandersetzung und den Mord. Das alles findet – mal mehr, mal weniger blass – als logische Konsequenz in unseren Köpfen statt. Man weiß, was passiert ist. Das spart Sendezeit und lädt den Zuschauer zum Mitarbeiten ein, über das <em>wie</em> des Tathergangs zu rätseln.<br> <br>Würde ein Filmemacher stattdessen jeden einzelnen Schritt zeigen, käme er vermutlich alleine für diese Szene auf etwa 20 Minuten Sendezeit – statt auf die üblichen 2-3, die eine solche Szene in einem Film einnimmt.</p>



<p>Im Erzähljournalismus zeigen sich Verstöße gegen den Kuleshov-Effekt oft dann, wenn Autoren zeigen wollen, wie schlau, intellektuell oder gebildet sie sind. Dann verwechseln sie „Einordnung“ mit Eitelkeit.</p>



<p>Natürlich ist auch mir das schon passiert. Ich schrieb im Rahmen meiner Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule über ein Ehepaar, das seinen letzten gemeinsamen Urlaub am Starnberger See verbringt. Sie ist Herzkrank, er hat aggressiven Krebs. Das sah dann so aus:<br> <br><em>Sie sitzen nebeneinander auf der Bank am Ufer, er sucht ihren Blick aber sie sieht ihn nicht an. Der Starnberger See ohne ihren Alfons? Wenn ein Mensch stirbt, mit dem man mehr als 60 Jahre zusammen war, was bleibt dann noch? Was bleibt von einem selbst übrig? Man definiert sich ja doch auch</em> <em>immer</em> <em>über das Umfeld. Mit dem vertrauten Menschen stirbt ja nicht nur der Geliebte, es stirbt auch der eigene Platz in der Welt.</em><br> <br>Gestattet mir hier bitte Ehrlichkeit: Das ist von Eitelkeit getriebene Pathos-Scheiße. Die Sätze sprechen das Offensichtliche aus, statt eine Szene zu erzählen. Sie stellen den Tiefsinn des Autoren auf die Bühne, statt darauf zu vertrauen, dass Leser ebendiese Fragen und Empfindungen durch eine gelungene Erzählung in sich selbst spüren – ohne, dass ich als Autor sie ihnen vorkaue. Der Text spart an der Rechnung (2+2), um das Ergebnis laut herauszubrüllen (= 4!!!!!).  Ich vertraute der Geschichte nicht, wollte stattdessen mit Schläue und Sprache prahlen.  </p>



<p>Besser
wäre gewesen:</p>



<p><em>Es ist Mittag, bei über 30 Grad brennt die Seeoberfläche in Weiß. Alfons und Henriette haben sich auf eine Holzbank geflüchtet, im Schatten einer Linde. Sie reden über ihren ersten Kuss vor mehr als 60 Jahren, auch da saßen sie unter einer Linde, erinnert sich Alfons. Ne, eine Fichte, widerspricht Henriette. Alfons stöhnt auf. Beide lachen. „Ich will, dass du für mich wieder hierher kommst“, sagt Alfons. „Wieso?“, fragt Henriette. „Die Geräusche hier. Die Landschaft. Wenn du an mich denkst, will ich dich nicht in einer Kirche haben. Dann sollst du raus.“ Sie gräbt ihr Gesicht in seine Schulter, ihre Hände krallen sich in sein Hemd. Sie zittert.</em></p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Merksatz:</span></strong><br><br>Gib immer den Rechenweg vor, niemals das Ergebnis. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/manuel-stark-schreibtipps-der-kuleshov-effekt/">Erzählen hat Methode: Der Kuleshov-Effekt</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<item>
		<title>Das Gehen und das Von-uns-Gehen</title>
		<link>https://hermes-baby.de/das-gehen-und-das-von-uns-gehen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gabriel Proedl]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Aug 2020 14:56:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Proedl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Schriftsteller Julian Schutting hat einen letzten Wunsch: ein Tod im Spazieren. Er geht deshalb ständig umher, um die Chancen zu erhöhen. Wenn es sein muss, will er nachhelfen. Erschienen im Falter, August 2020 / Fotos: Katharina Gossow Julian Schutting sagt, er habe Ordnung gemacht. Er habe seine Bettdecke über das Geländer des französischen Balkons geschlagen und das Fenster geöffnet, seine Wollpullover im Einbaukasten verstaut und die Manuskripte am Parkettboden der winzigen Altbauwohnung sortiert – Stapel für Stapel, mit Steinen beschwert, damit der Wind sie nicht davonweht. „Als würden Sie gleich bei mir eintreten“, sagt er mir. Ich rufe nur an. Den Schriftsteller treffen kann ich erst nach der „Pestzeit“, wie er die Corona-Pandemie nennt. Auch wegen ihr denkt er jetzt mehr an „die letzten Fragen im Leben“, sagt er: Wie verlässt man diese Welt? Oder wie entfernt man sich aus ihr? Mit zweiundachtzig denke man darüber nach. Wenn ihn die Kraft verlässt, will er mit Schlafmittel nachhelfen. All das erzählt er mir, noch bevor ich richtig fragen kann, wie es ihm geht. [&#8230;] Der ganze Text in der gedruckten Ausgabe des Falter vom 26. August oder hier.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/das-gehen-und-das-von-uns-gehen/">Das Gehen und das Von-uns-Gehen</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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<p class="intro">Der Schriftsteller Julian Schutting hat einen letzten Wunsch: ein Tod im Spazieren. Er geht deshalb ständig umher, um die Chancen zu erhöhen. Wenn es sein muss, will er nachhelfen. </p>



<p class="quelle">Erschienen im <a href="https://www.falter.at/zeitung/20200826/das-gehen-und-das-von--uns-gehen/_687c8dfd87?ref=related&amp;ver=b">Falter</a>, August 2020 / Fotos: <a href="http://katharinagossow.com">Katharina Gossow</a></p>



<p>Julian Schutting sagt, er habe Ordnung gemacht. Er habe seine Bettdecke über das Geländer des französischen Balkons geschlagen und das Fenster geöffnet, seine Wollpullover im Einbaukasten verstaut und die Manuskripte am Parkettboden der winzigen Altbauwohnung sortiert – Stapel für Stapel, mit Steinen beschwert, damit der Wind sie nicht davonweht. „Als würden Sie gleich bei mir eintreten“, sagt er mir. Ich rufe nur an. </p>



<p>Den Schriftsteller treffen kann ich erst nach der „Pestzeit“, wie er die Corona-Pandemie nennt. Auch wegen ihr denkt er jetzt mehr an „die letzten Fragen im Leben“, sagt er: Wie verlässt man diese Welt? Oder wie entfernt man sich aus ihr?</p>



<p>Mit zweiundachtzig denke man darüber nach. Wenn ihn die Kraft verlässt, will er mit Schlafmittel nachhelfen. All das erzählt er mir, noch bevor ich richtig fragen kann, wie es ihm geht.</p>



<p>[&#8230;]<br><br>Der ganze Text in der gedruckten Ausgabe des Falter vom 26. August oder <a href="https://www.falter.at/zeitung/20200826/das-gehen-und-das-von--uns-gehen/_687c8dfd87?ref=related&amp;ver=b">hier</a>.</p>
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		<title>Was heißt hier &#8218;autistisch&#8216;?</title>
		<link>https://hermes-baby.de/autistisch-autismus-was-heisst-das-manuel-stark/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stark]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Aug 2020 09:10:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Stark]]></category>
		<category><![CDATA[asperger]]></category>
		<category><![CDATA[autismus]]></category>
		<category><![CDATA[autismusspektrum]]></category>
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		<category><![CDATA[autistisch]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Autisten – Nerds mit Superfähigkeiten, empathielose Eigenbrötler: So weit das Klischee. Unser Autor Manuel Stark ist Autist. Er würde da gern etwas klarstellen&#8230; Erschienen in DIE ZEIT, 06.08.2020 Sie kennen bestimmt dieses Gefühl, keinen Zugang zu finden zu einem Menschen oder einer Gruppe, egal wie sehr man sich bemüht. Dann tut sich eine Kluft auf, zwischen einem selbst und den anderen. Ein Asperger-Autist fühlt sich immer so, jeden Tag. Sehe ich dagegen im Fernsehen Sendungen zum Thema Autismus, begegnen mir Menschen mit Superfähigkeiten, die das Wetter des kompletten vergangenen Jahres herunterbeten können oder komplizierteste Exponentialgleichungen lösen, während sie am Alltag scheitern. Im Spiegel lese ich, der ehemalige Wirecard-Chef habe sich &#8222;abwechselnd esoterisch und autistisch&#8220; gegeben. Von &#8222;introvertierten autistisch verkünstelten Stararchitekten&#8220; ist in der Süddeutschen die Rede. Und im Focus wird Facebook-Gründer Mark Zuckerberg als &#8222;gnadenlos stur, sozial schwierig, fast autistisch&#8220; beschrieben. Das Wort &#8222;autistisch&#8220;, es wird oft benutzt und selten verstanden. Ich bin Autist. Superkräfte besitze ich keine. Mein Mathe-Abi habe ich gerade so bestanden, Nähe zu Menschen ist mir wichtig, und an das Wetter erinnere ich mich nur, wenn es in Hamburg mal wieder eine Woche durchregnet. Kein Wunder, extreme Inselbegabungen wie ein Über-Gedächtnis sind Teil des sogenannten Savant-Syndroms – gerade einmal die Hälfte der nur etwa hundert bekannten Savants ist autistisch. Autisten hingegen gibt es gar nicht so wenige. Studien gehen davon aus, dass sich unter hundert Menschen ein bis zwei aus dem autistischen Spektrum befinden. In Deutschland wären das etwa eine Million Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation klassifiziert Asperger im ICD-10 unter F84.5 als &#8222;tiefgreifende Entwicklungsstörung&#8220;. Auf dem Bildschirm meines Laptops erscheinen Begriffe wie Mutation oder Defekt, ich muss mich bei jedem Link und jeder Studie mehr überwinden. Die schreiben über Menschen wie mich: Krank. Gestört. Fehlerhaft. Als Kind hatte ich mich oft so gefühlt&#8230; [&#8230;] Gesamter Text in DIE ZEIT oder online auf zeit.de</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/autistisch-autismus-was-heisst-das-manuel-stark/">Was heißt hier &#8218;autistisch&#8216;?</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
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<p class="intro">Autisten – Nerds mit Superfähigkeiten, empathielose Eigenbrötler: So weit das  Klischee. Unser Autor Manuel Stark ist Autist. Er würde da gern etwas klarstellen&#8230;</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/2020/33/autismus-asperger-syndrom-medien-darstellung-hochbegabung-inselbegabung" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label=" (opens in a new tab)">DIE ZEIT</a>, 06.08.2020</p>



<p>Sie kennen bestimmt dieses Gefühl,  keinen Zugang zu finden zu einem Menschen oder einer Gruppe, egal wie  sehr man sich bemüht. Dann tut sich eine Kluft auf, zwischen einem  selbst und den anderen. Ein Asperger-Autist fühlt sich immer so, jeden  Tag. </p>



<p>Sehe ich dagegen im Fernsehen Sendungen zum Thema Autismus,  begegnen mir Menschen mit Superfähigkeiten, die das Wetter des  kompletten vergangenen Jahres herunterbeten können oder komplizierteste  Exponentialgleichungen lösen, während sie am Alltag scheitern. Im <em>Spiegel</em>  lese ich, der ehemalige Wirecard-Chef habe sich &#8222;abwechselnd esoterisch  und autistisch&#8220; gegeben. Von &#8222;introvertierten autistisch verkünstelten  Stararchitekten&#8220; ist in der <em>Süddeutschen</em> die Rede. Und im <em>Focus</em>  wird Facebook-Gründer Mark Zuckerberg als &#8222;gnadenlos stur, sozial  schwierig, fast autistisch&#8220; beschrieben. Das Wort &#8222;autistisch&#8220;, es wird  oft benutzt und selten verstanden.</p>



<p>Ich bin Autist. Superkräfte besitze  ich keine. Mein Mathe-Abi habe ich gerade so bestanden, Nähe zu Menschen  ist mir wichtig, und an das Wetter erinnere ich mich nur, wenn es in  Hamburg mal wieder eine Woche durchregnet. Kein Wunder, extreme  Inselbegabungen wie ein Über-Gedächtnis sind Teil des sogenannten  Savant-Syndroms – gerade einmal die Hälfte der nur etwa hundert  bekannten Savants ist autistisch. </p>



<p>Autisten hingegen gibt es gar nicht so wenige. Studien gehen davon aus, dass sich unter  hundert Menschen ein bis zwei aus dem autistischen Spektrum befinden. In Deutschland wären das etwa eine Million Menschen.</p>



<p>Die Weltgesundheitsorganisation klassifiziert Asperger im <em>ICD-10 </em>unter F84.5 als  &#8222;tiefgreifende Entwicklungsstörung&#8220;. Auf dem Bildschirm meines Laptops erscheinen Begriffe wie Mutation oder Defekt, ich muss mich bei jedem Link und  jeder Studie mehr überwinden. Die schreiben über Menschen wie mich:  Krank. Gestört. Fehlerhaft. </p>



<p>Als Kind hatte ich mich oft so gefühlt&#8230;</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Gesamter Text in DIE ZEIT oder online auf <a href="https://www.zeit.de/2020/33/autismus-asperger-syndrom-medien-darstellung-hochbegabung-inselbegabung">zeit.de</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/autistisch-autismus-was-heisst-das-manuel-stark/">Was heißt hier &#8218;autistisch&#8216;?</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<title>Erzählen hat Methode: Vermeide Adjektive, nutze Bilder</title>
		<link>https://hermes-baby.de/textchef-tipps-erzaehlen-statt-urteilen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stark]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Aug 2020 11:51:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Textchef-Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[details]]></category>
		<category><![CDATA[handwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Manuel Stark]]></category>
		<category><![CDATA[schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[schreibstark]]></category>
		<category><![CDATA[schreibtipps]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In dieser Reihe teilt unser Autor Manuel Stark jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte! Kapitel6: Meide Adjektive, erzähle durch Bilder Adjektive sind schlimm, unbrauchbar, schrecklich, furchtbar und überhaupt sollten wir sie aus der Sprache verbannen. Sie verführen zu Faulheit und zerstören die Bilder einer Erzählung. Setzt man stattdessen auf Verben, entfalten Schilderungen eine Kraft, die jede Geschichte vorantreibt. So radikal? Immer? Natürlich nicht. Adjektive können als eine Art Skizze eine Erzählung beschleunigen, Sätze eher bereichern, als Kraft und Klang zu rauben. Aber: Sie zu verwenden fordert immer Vorsicht. Jedes Adjektiv birgt die Gefahr, einen Text zu verwässern. Als Dozent unterrichte ich zu Storytelling, Dramaturgie und die Macht von Sprache regelmäßig an Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen. Dort habe ich inzwischen mehrere Dutzend Male dasselbe Experiment durchgeführt. Ich fordere meine Studentinnen und Studenten dazu auf, stichpunktartig auf einem Zettel zu notieren, was für sie ein „schönes Haus“ ausmacht. Danach lasse ich sie ihre Stichpunkte nacheinander vorlesen. Die einen stellen sich eine Holzhütte am Berg eines norwegischen Fjords vor, umgeben von dichten Fichten- und Kiefernwäldern. Die Hütte robust im Bau, karg in der Einrichtung, mit Möbeln aus Holz und Räumen, die Platz bieten für etwa fünf Menschen. Die anderen erzählen von einem Glaspalast, transparent und offen soll sich ihr Haus zeigen, nach Innen und Außen, sodass man vom Schlafzimmer bis hinunter in den Keller sehen kann. Nur das Schlafzimmer, da sollen die Wände dimmbar sein – zu Milchglas werden, per Knopfdruck. Die nächsten schildern ein Stahl-Konstrukt, am Boden schwarzer und weißer Marmor, vielleicht als Schachbrett angeordnet. Decken, mehrere Meter hoch, Fenster durch die Licht die Räume füllend flutet. Gemälde an den Wänden, Couch und Sessel aus Leder, Zierpflanzen in den Ecken – aus Plastik, weil Natur zu viel Schmutz in das Heim trägt, während der Blüte. Die danach schildern Backsteinhäuser, Sandsteinheime, Klinkerbauten, Bauernhöfe, &#8230; Kurz: „Schön“ deutet jeder dem eigenen Empfinden nach anders. Suchen die Autorinnen und Autoren stattdessen Verben, um ihr Traumhaus zu beschreiben, entstehen Erzählungen wie diese einer Studentin am Journalistik-Seminar der Uni Mainz: Der mit Lehm verputzte Sandstein glüht orange, wenn die Sonne sich am Abend hinter den Sanddünen versteckt. Das Dach ist flach und breit genug, dass ein Dutzend Menschen ihre Liegestühle zum Sonnenbaden aufstellen könnten. Eine Tür gibt es nicht, stattdessen bricht ein rechteckiger Quader, zwei Meter hoch und etwa einen halben Meter breit, ein Loch in die Fassade. Verdeckt wird er von einem Tuch aus weißem Leinen, das bis auf den Boden fällt, wo Staub den Saum graugelb färbt… Vielleicht ist das, was sie beschreibt, kein schönes Haus für mich. Für sie aber ist es eines. Und ich als Leser kann mir – zumindest grob – vorstellen, wie es aussehen muss. Und erschaffe in meinem Kopf nicht eine Vorstellung, die meinem schönen Haus entspräche, aber weit wegführt von dem, was sie mir zeigen möchte. Wenn Autoren auf Adjektive zurückgreifen, moderieren sie oft nur noch, sie fällen Urteile über das von ihnen Erlebte. Dadurch hören sie auf zu erzählen. Sobald Worte wie „schön“, „gut“, „freudig“, „freundlich“, „niedlich“, „charmant“, „schüchtern“, in den Text drängen, hilft es, zu überlegen: Was bringt mich dazu, dieses Urteil zu fällen? Was habe ich erlebt, das diesen Eindruck in mir erzeugt hat? Und dann: besser genau das beschreiben! Ein Student der Universität Bamberg schrieb in einer Reportage über einen „schüchternen Mann“. Ich fragte ihn, wie er diesen Mann erlebt habe, dass er nun schreibe, der Herr sei schüchtern. Er erzählte davon, dass er den Mann auf seiner eigenen Geburtstagsfeier begleitet habe. Wir halfen zusammen und schrieben die Textstelle daraufhin um: Es gibt Menschen, die betreten einen Raum und nehmen ihn sofort für sich ein, ihre Gesten sind ausladend, ihre Mimik markant, ihre Worte poltern laut über andere hinweg. Dieser Mann ist anders, er schleicht mehr als dass er geht und behält seine Arme entweder um die Brust geschlungen oder an die Seiten gepresst, wenn er spricht, dann so leise, dass alle schweigen müssen, um ihn zu verstehen. Still aber werden die anderen selten. Merksatz: Meide Adjektive, suche Verben, nutze Bilder um zu erzählen, statt mit Urteilen zu moderieren.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/textchef-tipps-erzaehlen-statt-urteilen/">Erzählen hat Methode: Vermeide Adjektive, nutze Bilder</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro"> In dieser Reihe teilt unser Autor <a rel="noreferrer noopener" href="https://hermes-baby.de/autorinnen-autoren/manuel-stark/" target="_blank">Manuel Stark</a> jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben.  Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte!</p>



<p class="quelle">Kapitel6: Meide Adjektive, erzähle durch Bilder</p>



<p>Adjektive sind schlimm, unbrauchbar, schrecklich, furchtbar und überhaupt sollten wir sie aus der Sprache verbannen. Sie verführen zu Faulheit und zerstören die Bilder einer Erzählung.<br><br>Setzt man stattdessen auf Verben, entfalten Schilderungen eine Kraft, die jede Geschichte vorantreibt.</p>



<p>So radikal? Immer? Natürlich nicht. Adjektive können als eine Art Skizze eine Erzählung beschleunigen, Sätze eher bereichern, als Kraft und Klang zu rauben. Aber: Sie zu verwenden fordert <em>immer</em> Vorsicht. Jedes Adjektiv birgt die Gefahr, einen Text zu verwässern.<br> <br>Als Dozent unterrichte ich zu Storytelling, Dramaturgie und die Macht von Sprache regelmäßig an Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen. Dort habe ich inzwischen mehrere Dutzend Male dasselbe Experiment durchgeführt. Ich fordere meine Studentinnen und Studenten dazu auf, stichpunktartig auf einem Zettel zu notieren, was für sie ein „schönes Haus“ ausmacht. Danach lasse ich sie ihre Stichpunkte nacheinander vorlesen.<br> <br>Die einen stellen sich eine Holzhütte am Berg eines norwegischen Fjords vor, umgeben von dichten Fichten- und Kiefernwäldern. Die Hütte robust im Bau, karg in der Einrichtung, mit Möbeln aus Holz und Räumen, die Platz bieten für etwa fünf Menschen.<br> <br>Die anderen erzählen von einem Glaspalast, transparent und offen soll sich ihr Haus zeigen, nach Innen und Außen, sodass man vom Schlafzimmer bis hinunter in den Keller sehen kann. Nur das Schlafzimmer, da sollen die Wände dimmbar sein – zu Milchglas werden, per Knopfdruck.<br> <br>Die nächsten schildern ein Stahl-Konstrukt, am Boden schwarzer und weißer Marmor, vielleicht als Schachbrett angeordnet. Decken, mehrere Meter hoch, Fenster durch die Licht die Räume füllend flutet. Gemälde an den Wänden, Couch und Sessel aus Leder, Zierpflanzen in den Ecken – aus Plastik, weil Natur zu viel Schmutz in das Heim trägt, während der Blüte.</p>



<p>Die danach schildern Backsteinhäuser, Sandsteinheime, Klinkerbauten, Bauernhöfe, &#8230; Kurz: „Schön“ deutet jeder dem eigenen Empfinden nach anders.</p>



<p>Suchen die
Autorinnen und Autoren stattdessen Verben, um ihr Traumhaus zu
beschreiben, entstehen Erzählungen wie diese einer Studentin am
Journalistik-Seminar der Uni Mainz:<br>
<br>
<em>Der mit Lehm
verputzte Sandstein glüht orange, wenn die Sonne sich am Abend
hinter den Sanddünen versteckt. Das Dach ist flach und breit genug,
dass ein Dutzend Menschen ihre Liegestühle zum Sonnenbaden
aufstellen könnten. Eine Tür gibt es nicht, stattdessen bricht ein
rechteckiger Quader, zwei Meter hoch und etwa einen halben Meter
breit, ein Loch in die Fassade. Verdeckt wird er von einem Tuch aus
weißem Leinen, das bis auf den Boden fällt, wo Staub den Saum
graugelb färbt…</em></p>



<p>Vielleicht ist das, was sie beschreibt, kein schönes Haus für mich. Für sie aber ist es eines. Und ich als Leser kann mir – zumindest grob – vorstellen, wie es aussehen muss. Und erschaffe in meinem Kopf nicht eine Vorstellung, die meinem schönen Haus entspräche, aber weit wegführt von dem, was sie mir zeigen möchte.</p>



<p>Wenn Autoren auf
Adjektive zurückgreifen, moderieren sie oft nur noch, sie fällen
Urteile über das von ihnen Erlebte. Dadurch hören sie auf zu
erzählen.</p>



<p>Sobald Worte wie „schön“, „gut“, „freudig“, „freundlich“, „niedlich“, „charmant“, „schüchtern“, in den Text drängen, hilft es, zu überlegen: Was bringt mich dazu, dieses Urteil zu fällen? Was habe ich erlebt, das diesen Eindruck in mir erzeugt hat? Und dann: besser genau das beschreiben!<br> <br>Ein Student der Universität Bamberg schrieb in einer Reportage über einen „schüchternen Mann“. Ich fragte ihn, wie er diesen Mann erlebt habe, dass er nun schreibe, der Herr sei schüchtern. Er erzählte davon, dass er den Mann auf seiner eigenen Geburtstagsfeier begleitet habe. Wir halfen zusammen und schrieben die Textstelle daraufhin um:<br> <br> <em>Es gibt Menschen, die betreten einen Raum und nehmen ihn sofort für sich ein, ihre Gesten sind ausladend, ihre Mimik markant, ihre Worte poltern laut über andere hinweg. Dieser Mann ist anders, er schleicht mehr als dass er geht und behält seine Arme entweder um die Brust geschlungen oder an die Seiten gepresst, wenn er spricht, dann so leise, dass alle schweigen müssen, um ihn zu verstehen. Still aber werden die anderen selten.</em></p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Merksatz:</span></strong><br><br>Meide Adjektive, suche Verben, nutze Bilder um zu erzählen, statt mit Urteilen zu moderieren.</p>
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		<title>Erzählen hat Methode: Suche nach dem richtigen Wort</title>
		<link>https://hermes-baby.de/textchef-tipps-das-richtige-wort-ist-wichtig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stark]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Aug 2020 15:55:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Textchef-Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[details]]></category>
		<category><![CDATA[handwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Manuel Stark]]></category>
		<category><![CDATA[schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[schreibstark]]></category>
		<category><![CDATA[schreibtipps]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In dieser Reihe teilt unser Autor Manuel Stark jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte! Kapitel5: Die Suche nach dem richtigen Wort Einer der größten Lügen der deutschen Sprachlehre besteht aus nur einem Wort. Synonym. Der Duden definiert: „Mit einem anderen Wort oder einer Reihe von Wörtern von gleicher oder ähnlicher Bedeutung, sodass beide in einem bestimmten Zusammenhang austauschbar sind.“ Synonyme gibt es nicht. Zumindest nicht für einen versierten Autoren. Erzähler sollten Extremisten sein, jeden Absatz, jeden Satz, jedes Wort und vielleicht sogar jede Silbe einer Geschichte abwägen. Passt es? Drückt es das aus, was ich beschreiben will? Oder führt das Wort in seinem Klang, seiner Anmutung, seiner Verwendung auf eine falsche Fährte? Verändert es vielleicht den Satzrhythmus so, dass es den größeren Zusammenhang verfälscht? Das Problem der Duden-Definition liegt im Verb „austauschbar“. Natürlich gibt es Worte, die ähnlich klingen oder das gleiche bedeuten. Niemals aber zwei Wörter, die im selben Kontext exakt dasselbe aussagen. Ob ich gegen eine Tür schlage oder klopfe, mag sich in der Beschreibung gleichen. Dasselbe ist es nicht. Es ist ein Unterschied, ob ich mit einem Knöchel-Hieb gegen eine Metalltür schlage, das Eisen erst laut scheppert, dann zitternd verklingt. Oder ob ich mit meinen Knöcheln klopfe, erst ein, dann zwei, dann vielleicht ein drittes Mal und das Scheppern so jedes Mal erneuere, das Zittern währenddessen nie richtig verstummt. Wenn ich gegen eine Tür trommle, wird das Scheppern zu einem Rhythmus, bei dem meine Knöchel die Tür so häufig und schnell hintereinander treffen, dass jedes Zittern nur den Bruchteil von Sekunden beschreibt, der sich fast unbemerkt zwischen meine Hiebe schiebt. Der Autor Mark Twain beschrieb die Suche nach dem richtigen Wort als Zwang hinter einer jeden exzellenten Erzählung. „The difference between the right word and the almost right word, is the difference between the lightning and a lightning bug“, sagte er. Der Unterschied zwischen dem richtigen und dem nahezu richtigen Wort, das sei wie der Unterschied zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen. Beim schlagen, klopfen oder trommeln gegen eine Tür mag die Suche nach dem richtigen Wort noch extrem erscheinen. Tauscht man das Beispiel, wird es deutlicher: Der Fluss floss dahin. – eher still, unauffällig, gleichgültig, farblos Der Fluss plätscherte dahin. – ein wenig lauter, auffälliger, verführerisch, idyllisch Der Fluss strömte dahin. – laut, auffällig, schnell, kraftvoll Merksatz: Der Unterschied zwischen dem richtigen und dem nahezu richtigen Wort, das ist wie der Unterschied zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/textchef-tipps-das-richtige-wort-ist-wichtig/">Erzählen hat Methode: Suche nach dem richtigen Wort</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">In dieser Reihe teilt unser Autor <a rel="noreferrer noopener" href="https://hermes-baby.de/autorinnen-autoren/manuel-stark/" target="_blank">Manuel Stark</a> jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte!</p>



<p class="quelle">Kapitel5: Die Suche nach dem richtigen Wort</p>



<p> Einer der größten Lügen der deutschen Sprachlehre besteht aus nur einem  Wort. Synonym. Der Duden definiert: „Mit einem anderen Wort oder einer  Reihe von Wörtern von gleicher oder ähnlicher Bedeutung, sodass beide in  einem bestimmten Zusammenhang austauschbar sind.“</p>



<p>Synonyme gibt es nicht. Zumindest nicht für einen versierten Autoren. Erzähler sollten Extremisten sein, jeden Absatz, jeden Satz, jedes Wort und vielleicht sogar jede Silbe einer Geschichte abwägen. Passt es? Drückt es das aus, was ich beschreiben will? Oder führt das Wort in seinem Klang, seiner Anmutung, seiner Verwendung auf eine falsche Fährte? Verändert es vielleicht den Satzrhythmus so, dass es den größeren Zusammenhang verfälscht?</p>



<p>Das Problem der Duden-Definition liegt im Verb „austauschbar“. Natürlich gibt es Worte, die ähnlich klingen oder das gleiche bedeuten. Niemals aber zwei Wörter, die im selben Kontext exakt dasselbe aussagen.</p>



<p>Ob ich gegen eine Tür schlage oder klopfe, mag sich in der Beschreibung gleichen. Dasselbe ist es nicht. Es ist ein Unterschied, ob ich mit einem Knöchel-Hieb gegen eine Metalltür schlage, das Eisen erst laut scheppert, dann zitternd verklingt. Oder ob ich mit meinen Knöcheln klopfe, erst ein, dann zwei, dann vielleicht ein drittes Mal und das Scheppern so jedes Mal erneuere, das Zittern währenddessen nie richtig verstummt. Wenn ich gegen eine Tür trommle, wird das Scheppern zu einem Rhythmus, bei dem meine Knöchel die Tür so häufig und schnell hintereinander treffen, dass jedes Zittern nur den Bruchteil von Sekunden beschreibt, der sich fast unbemerkt zwischen meine Hiebe schiebt.</p>



<p>Der Autor Mark Twain beschrieb die Suche nach dem richtigen Wort als Zwang hinter einer jeden exzellenten Erzählung. „The difference between the right word and the almost right word, is the difference between the lightning and a lightning bug“, sagte er. Der Unterschied zwischen dem richtigen und dem nahezu richtigen Wort, das sei wie der Unterschied zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen.</p>



<p>Beim schlagen, klopfen oder trommeln gegen eine Tür mag die Suche nach dem richtigen Wort noch extrem erscheinen. Tauscht man das Beispiel, wird es deutlicher:<br> <br> Der Fluss floss dahin. – <em>eher still, unauffällig, gleichgültig, farblos</em></p>



<p> Der Fluss plätscherte dahin. – <em>ein wenig lauter, auffälliger, verführerisch, idyllisch <br> </em><br> Der Fluss strömte dahin. – <em>laut, auffällig, schnell, kraftvoll</em></p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Merksatz:</span></strong><br><br>Der Unterschied zwischen dem richtigen und dem nahezu richtigen Wort, das ist wie der Unterschied zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/textchef-tipps-das-richtige-wort-ist-wichtig/">Erzählen hat Methode: Suche nach dem richtigen Wort</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Was alte Leute zu erzählen haben. Und wovon Kinder träumen.</title>
		<link>https://hermes-baby.de/was-alte-leute-zu-erzaehlen-haben-und-wovon-kinder-traeumen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gabriel Proedl]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2020 20:21:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Proedl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hundertjährige haben viel zu erzählen. Und Kinder haben viele Träume. Unser Autor Gabriel Proedl hat für die Titelgeschichte des Magazins CHRISMON mit drei Hundertjährigen aus Hamburg, Leipzig und Berlin gesprochen. Erschienen in Chrismon, Juni 2020 / Fotos: Magdalena Stengel Charlotte Oberberg, Berlin In meiner Rente gründete ich eine Kabarettgruppe. Wir traten in Pflegeheimen und Pfarrsälen auf und hatten viel Spaß gemeinsam. Die Stücke schrieb ich selbst, es war ein Blick in die Zukunft, eine Utopie: Ich schrieb von führerlosen Bussen und davon, dass die Postämter geschlossen würden. Beides war damals unvorstellbar – ich schrieb es, um mich zu amüsieren. Es war ein Hirngespinst! Jetzt ist vieles davon Wirklichkeit geworden. Eine Viruskrise wie die Corona-Zeit hatte ich aber nicht vorhergesehen. Wir machten schließlich Kabarett, nicht griechisches Drama. Ich bin im Jahr 1923 im Bezirk Kreuzberg in ­Berlin geboren und lebe bis heute hier. Von der Dach- terrasse meiner Wohnung in der siebten Etage kann ich die leere Charlottenstraße sehen. Die Menschen gehen wegen des Virus nicht mehr raus. Ein ausgestorbenes Berlin-Kreuzberg habe ich noch nie erlebt, nicht einmal zu Kriegszeiten. Hier im Viertel tut sich immer was – jetzt steht es still. Das macht mich ­nervös, denn immer wenn es Missstände gibt, will ich helfen: In den 1970er Jahren habe ich einen ­Syrer unterstützt, er bedankte sich am Ende mit einem ­Blumenstrauß bei mir und sagte, er verehre mich wie seine Mutter. Ich bin auch politisch engagiert und war stellvertretende Bezirksverordnetenvorsteherin. Jetzt kann ich nicht helfen, ich sitze zu Hause, löse Rätsel oder lese. Ich kann für mich selbst sorgen, dafür bin ich dankbar. Ich habe immer danach gelebt, ein hohes Alter erreichen zu können. Jeden Tag habe ich meine acht Stunden geschlafen und auch sonst auf mich geachtet. Es macht so viel Freude, am Leben zu sein, warum sollte ich es nicht ausreizen? Die Vergangenheit ist mir nichts wert, ich lebe in der Gegenwart und schaue in die Zukunft. Vielleicht ist es mir deshalb immer so gutgegangen? Weil ich lieber nach vorne schaue, als zurückzuschauen und zu jammern? Während meine Freunde im Alter prüde und bieder geworden sind, will ich noch Schick in meinem Leben haben. Oft bekomme ich Komplimente im Fahrstuhl oder auf der Straße. Mit meinem Stil und meiner Art wollte ich nach dem Tod meines Mannes vor fünfzehn Jahren ­einen weiteren Partner finden. Ich war erst 82 und ­brauchte jemanden zum Knuddeln und Verreisen! Leider fand ich niemanden. Ich sage, was ich denke, und das passt nicht jedem Mann. Und bevor ich dann irgendjemanden in der Wohnung sitzen habe, bin ich lieber alleine&#160;– ich komme gut mit mir selbst aus. [&#8230;] Alle Protokolle im Chrismon-Heft (Juni 2020) oder online hier.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/was-alte-leute-zu-erzaehlen-haben-und-wovon-kinder-traeumen/">Was alte Leute zu erzählen haben. Und wovon Kinder träumen.</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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<p class="intro">Hundertjährige haben viel zu erzählen. Und Kinder haben viele Träume. Unser Autor <a href="https://hermes-baby.de/autorinnen-autoren/gabriel-proedl/">Gabriel Proedl</a> hat für die Titelgeschichte des Magazins CHRISMON mit drei Hundertjährigen aus Hamburg, Leipzig und Berlin gesprochen.</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2020/49936/hundertjaehrige-und-zehnjaehrige-ihr-blick-auf-die-welt">Chrismon</a>, Juni 2020 / Fotos: <a href="https://www.magdalenastengel.com">Magdalena Stengel</a></p>



<p><strong>Charlotte Oberberg, Berlin</strong></p>



<p>In meiner Rente gründete ich eine Kabarettgruppe. Wir traten in Pflegeheimen und Pfarrsälen auf und hatten viel Spaß gemeinsam. Die Stücke schrieb ich selbst, es war ein Blick in die Zukunft, eine Utopie: Ich schrieb von führerlosen Bussen und davon, dass die Postämter geschlossen würden. Beides war damals unvorstellbar – ich schrieb es, um mich zu amüsieren. Es war ein Hirngespinst! Jetzt ist vieles davon Wirklichkeit geworden. Eine Viruskrise wie die Corona-Zeit hatte ich aber nicht vorhergesehen. Wir machten schließlich Kabarett, nicht griechisches Drama.</p>



<p></p>



<p>Ich bin im Jahr 1923 im Bezirk Kreuzberg in ­Berlin geboren und lebe bis heute hier. Von der Dach- terrasse meiner Wohnung in der siebten Etage kann ich die leere Charlottenstraße sehen. Die Menschen gehen wegen des Virus nicht mehr raus. Ein ausgestorbenes Berlin-Kreuzberg habe ich noch nie erlebt, nicht einmal zu Kriegszeiten. Hier im Viertel tut sich immer was – jetzt steht es still. Das macht mich ­nervös, denn immer wenn es Missstände gibt, will ich helfen: In den 1970er Jahren habe ich einen ­Syrer unterstützt, er bedankte sich am Ende mit einem ­Blumenstrauß bei mir und sagte, er verehre mich wie seine Mutter. Ich bin auch politisch engagiert und war stellvertretende Bezirksverordnetenvorsteherin.</p>



<p>Jetzt kann ich nicht helfen, ich sitze zu Hause, löse Rätsel oder lese. Ich kann für mich selbst sorgen, dafür bin ich dankbar. Ich habe immer danach gelebt, ein hohes Alter erreichen zu können. Jeden Tag habe ich meine acht Stunden geschlafen und auch sonst auf mich geachtet. Es macht so viel Freude, am Leben zu sein, warum sollte ich es nicht ausreizen? Die Vergangenheit ist mir nichts wert, ich lebe in der Gegenwart und schaue in die Zukunft. Vielleicht ist es mir deshalb immer so gutgegangen? Weil ich lieber nach vorne schaue, als zurückzuschauen und zu jammern?</p>



<p>Während meine Freunde im Alter prüde und bieder geworden sind, will ich noch Schick in meinem Leben haben. Oft bekomme ich Komplimente im Fahrstuhl oder auf der Straße. Mit meinem Stil und meiner Art wollte ich nach dem Tod meines Mannes vor fünfzehn Jahren ­einen weiteren Partner finden. Ich war erst 82 und ­brauchte jemanden zum Knuddeln und Verreisen! Leider fand ich niemanden. Ich sage, was ich denke, und das passt nicht jedem Mann. Und bevor ich dann irgendjemanden in der Wohnung sitzen habe, bin ich lieber alleine&nbsp;– ich komme gut mit mir selbst aus.</p>



<p>[&#8230;]<br><br>Alle Protokolle im Chrismon-Heft (Juni 2020) oder online <a href="https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2020/49936/hundertjaehrige-und-zehnjaehrige-ihr-blick-auf-die-welt">hier.</a></p>
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		<item>
		<title>Corona Roadtrip</title>
		<link>https://hermes-baby.de/corona-roadtrip/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 May 2020 13:50:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Rupflin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Alexander und Lotta kommen zusammen – dann kommt Corona. Die beiden beschließen abzuhauen und reisen mit einem VW-Bus quer durch Deutschland. Dabei lernen sie ein Land im Ausnahmezustand kennen. Erschienen in stern.de, 27.4.2020 / Foto: Enno Kapitza Ein Donnerstag Mitte März 2020 und wir sitzen im Eldorado. Zweiter Wodka-Soda. Zweites Astra. Die Gespräche der Gäste kreisen um die Corona-Pandemie. Wir können das Wort „Ausgangssperre“ nicht überhören. Bislang nur eine Empfehlung, klar, kommt uns aber schon jetzt ziemlich ungelegen. Wir wollten „es“ nämlich „versuchen“. Das hatten sie und ich vor drei Tagen beschlossen. Im Saal II, einer anderen Bar. Mit „Es“ ist eine echte Beziehung gemeint und mit „versuchen“ eine solche zu führen. Sie heißt Lotta. Sie hat rotes Haar. Ich steh total auf ihre Haare! Ich mag auch, wie sie lacht. Bis ich Lotta kennenlernte, war ich überzeugt, wer zu oft laut lacht, meint es mit seiner Freude nicht ernst. Aber Lotta lacht viel und laut und es klingt immer ehrlich. Dass wir „es“ früher oder später „versuchen“ wollen, wussten wir eigentlich seit unserer ersten Begegnung vor drei Wochen – auch im Eldorado. Nachdem wir uns eine halbe Stunde unterhalten hatten, bat sie mich, einmal aufzustehen. Sie müsse wissen, wie groß ich sei. Sie musterte mich. „Nein, das passt gut“, sagte sie. Ich glaube, sie schätzte damals ab, ob sie mich bequem küssen könne, wenn sie sich auf Zehenspitzen stellt. Ich nehme einen Schluck vom Wodka-Soda, ich sage, eigentlich sollten wir uns nicht länger treffen. Wäre besser für uns. Nicht in der Öffentlichkeit. Laut Internet sind zu diesem Zeitpunkt in Deutschland knapp 8000 Menschen an Covid-19 erkrankt und 12 gestorben. Lotta nickt. Ich glaube, sie nickt vor allem das Wort „eigentlich“ ab. Wie soll das funktionieren, eine Drei-Tage-Beziehung ohne Sicht-und-sonst-wie-Kontakt? Ich sage: „Oder wir hauen ab! Raus aus der Großstadt. Auf dem Land da wäre man sicherer. Da muss man im Radius von hundert Metern niemanden sehen.“ Lotta führt die Astra-Flasche an den Mund. Sie sieht an mir vorbei. Vielleicht versteht sie nicht, was ich sagen will. „Lass uns weg von hier. So schnell wie möglich. Einfach davon.“ Sie lacht auf. Jaja, großartig. Und wo wollen wir schlafen? „Im Bus! Wir mieten uns einen Bus, einen Camper, oder wie die Dinger heißen, und den stellen wir auf Wiesen und Felder.“ Lotta schaut immer noch etwas skeptisch. Auch für meinen Job sei das super, sage ich. Ich schreibe ein Porträt über Deutschland in Zeiten der Corona-Krise. Keine Corona-Pressekonferenzen mehr, keine Live-Ticker, sondern echtes Leben, das muss schließlich auch irgendwie weitergehen. Was machen die Menschen aus Angst vor der unsichtbaren Bedrohung? Was nicht? Da strahlt Lotta endlich und nimmt meine Hand. „Ja!“, ruft sie und lacht. „Ja, das machen wir!“ Dann küsst sie mich. [&#8230;] Gesamter Text online auf stern.de</p>
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<p class="intro">Alexander und Lotta kommen zusammen – dann kommt Corona. Die beiden beschließen abzuhauen und reisen mit einem VW-Bus quer durch Deutschland. Dabei lernen sie ein Land im Ausnahmezustand kennen.                  </p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.stern.de/p/plus/gesundheit-wissenschaft/sie-verlieben-sich-in-zeiten-der-kontaktsperre--da-kommt-ihnen-die-irre-idee-mit-dem-bus-9234872.html">stern.de</a>, 27.4.2020 / Foto: <a href="https://ennokapitza.de/de/">Enno Kapitza</a></p>



<p>Ein Donnerstag Mitte März 2020 und wir sitzen im Eldorado. Zweiter
Wodka-Soda. Zweites Astra. Die Gespräche der Gäste kreisen um die
Corona-Pandemie. Wir können das Wort „Ausgangssperre“ nicht überhören. Bislang
nur eine Empfehlung, klar,
kommt uns aber schon jetzt ziemlich ungelegen. Wir wollten „es“ nämlich
„versuchen“. Das hatten sie und ich vor drei Tagen beschlossen. Im Saal II,
einer anderen Bar. </p>



<p>Mit „Es“ ist eine echte Beziehung gemeint und mit
„versuchen“ eine solche zu führen. Sie heißt Lotta. Sie hat rotes Haar. Ich
steh total auf ihre Haare! Ich mag auch, wie sie lacht. Bis ich Lotta
kennenlernte, war ich überzeugt, wer zu oft laut lacht, meint es mit seiner
Freude nicht ernst. Aber Lotta lacht viel und laut und es klingt immer ehrlich.</p>



<p>Dass wir „es“ früher oder später „versuchen“ wollen, wussten wir eigentlich seit unserer ersten Begegnung vor drei Wochen – auch im Eldorado. Nachdem wir uns eine halbe Stunde unterhalten hatten, bat sie mich, einmal aufzustehen. Sie müsse wissen, wie groß ich sei. Sie musterte mich. „Nein, das passt gut“, sagte sie. Ich glaube, sie schätzte damals ab, ob sie mich bequem küssen könne, wenn sie sich auf Zehenspitzen stellt.</p>



<p>Ich nehme einen Schluck vom Wodka-Soda, ich sage,
eigentlich sollten wir uns nicht länger treffen. Wäre besser für uns. Nicht in
der Öffentlichkeit. Laut Internet sind zu diesem Zeitpunkt in Deutschland knapp
8000 Menschen an Covid-19 erkrankt und 12 gestorben. Lotta nickt. Ich glaube,
sie nickt vor allem das Wort „eigentlich“ ab. Wie soll das funktionieren, eine
Drei-Tage-Beziehung ohne Sicht-und-sonst-wie-Kontakt?</p>



<p>Ich sage: „Oder wir hauen ab! Raus aus der Großstadt. Auf
dem Land da wäre man sicherer. Da muss man im Radius von hundert Metern
niemanden sehen.“ Lotta führt die Astra-Flasche an den Mund. Sie sieht an mir
vorbei. Vielleicht versteht sie nicht, was ich sagen will.</p>



<p>„Lass uns weg von hier. So schnell wie möglich. Einfach
davon.“</p>



<p>Sie
lacht auf. Jaja, großartig. Und wo wollen wir schlafen?</p>



<p>„Im Bus! Wir mieten uns einen Bus, einen Camper, oder wie
die Dinger heißen, und den stellen wir auf Wiesen und Felder.“</p>



<p>Lotta schaut immer noch etwas skeptisch. Auch für meinen Job sei das super, sage ich. Ich schreibe ein Porträt über Deutschland in Zeiten der Corona-Krise. Keine Corona-Pressekonferenzen mehr, keine Live-Ticker, sondern echtes Leben, das muss schließlich auch irgendwie weitergehen. Was machen die Menschen aus Angst vor der unsichtbaren Bedrohung? Was nicht?</p>



<p>Da
strahlt Lotta endlich und nimmt meine Hand. „Ja!“, ruft sie und lacht.
„Ja, das machen wir!“ Dann küsst sie mich.</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Gesamter Text online auf <a href="https://www.stern.de/p/plus/gesundheit-wissenschaft/sie-verlieben-sich-in-zeiten-der-kontaktsperre--da-kommt-ihnen-die-irre-idee-mit-dem-bus-9234872.html">stern.de</a></p>
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		<item>
		<title>Ich habe die Männer zur Rede gestellt, die mich geghostet haben</title>
		<link>https://hermes-baby.de/ich-habe-die-maenner-zur-rede-gestellt-die-mich-geghostet-haben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anna-Sophie Dreussi]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2020 13:29:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten von Dreussi]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#8222;Irgendwie habe ich vergessen zu antworten, weil es mir einfach nicht so wichtig war.&#8220; Erschienen in Vice, April 2020 Ich habe den ganzen Tag am See verbracht und sitze in der S-Bahn nach Hause. Mein Handy liegt seit Stunden ganz unten in meiner Tasche. Es ist Juni und der morgige Sonnenbrand glüht heiß auf meinen Schenkeln. Ich fische mein Handy aus der Tasche. Ein paar Whatsapp-Mitteilungen begrüßen mich. Darunter auch die eines Typen, der mich in einem Café angesprochen hatte: &#8222;Hey, wie geht’s? Was machst du heute Abend? Würde dich gerne sehen.&#8220; &#8222;Sorry, war nicht am Handy. Digital Detox ist doch gerade super trendy. Aber wir können gerne nächste Woche mal was machen?&#8220;, antworte ich und höre seitdem: Nichts. Auch nicht am nächsten Tag. Irgendwie ist man dann ja immer überrascht. Obwohl ich nicht die Person war, die vorgeschlagen hat, Lines von einem Benjamin von Stuckrad-Barre Buch zu ziehen, bin ich die, die geghostet wird. Ob es sich bei einem beendeten Nachrichtenaustausch schon um Ghosting handelt, definiert jeder für sich selbst. Für mich ist es dann Ghosting, wenn ich auf eine explizite Frage, mit welcher ich ein potentielles, nächstes Treffen anspreche, keine Antwort bekomme. Edition F beschreibt es als Schlussmachen, ohne Schluss zu machen: Eine Person bricht plötzlich den Kontakt mit jemandem ab, ohne Erklärung. Statt ihm nochmal zu schreiben, klammere ich mich an mein letztes Fünkchen Stolz. Dabei will ich ihm erzählen, dass ich mit sieben das letzte Mal ein Batik-Oberteil getragen habe. Oder dass ich nie Lowrise-Jeans hatte. Schließlich ist es doch eine Leistung, den wiederauftretenden Modesünden zu widerstehen. Na Lukas, findest du das nicht bewundernswert? Irgendwie bin ich einfach schon ein ziemlicher Fang. Dennoch schreibe ich nichts. Eine Woche lang male ich mir aus, wie er irgendwann auf Instagram ein Video postet, in dem er und seine zukünftige Freundin, untermalt von einem Rihanna-Remix, Händchen haltend Longboard fahren. Ich bin erleichtert, dass ich nicht mit seiner schwitzigen Hand in meiner in den Sonnenuntergang rollen muss. [&#8230;] Der ganze Text hier.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">&#8222;Irgendwie habe ich vergessen zu antworten, weil es mir einfach nicht so wichtig war.&#8220;</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.vice.com/de/article/z3bdx8/dating-ghosting-maenner-zur-rede-gestellt">Vice</a>, April 2020</p>



<p>Ich habe den ganzen Tag am See verbracht und sitze in der S-Bahn nach Hause. Mein Handy liegt seit Stunden ganz unten in meiner Tasche. Es ist Juni und der morgige Sonnenbrand glüht heiß auf meinen Schenkeln. Ich fische mein Handy aus der Tasche. Ein paar Whatsapp-Mitteilungen begrüßen mich. Darunter auch die eines Typen, der mich in einem Café angesprochen hatte: &#8222;Hey, wie geht’s? Was machst du heute Abend? Würde dich gerne sehen.&#8220; &#8222;Sorry, war nicht am Handy. Digital Detox ist doch gerade super trendy. Aber wir können gerne nächste Woche mal was machen?&#8220;, antworte ich und höre seitdem: Nichts. Auch nicht am nächsten Tag. Irgendwie ist man dann ja immer überrascht. Obwohl ich nicht die Person war, die vorgeschlagen hat, Lines von einem Benjamin von Stuckrad-Barre Buch zu ziehen, bin ich die, die geghostet wird.</p>



<p>Ob es sich bei einem beendeten Nachrichtenaustausch schon um Ghosting handelt, definiert jeder für sich selbst. Für mich ist es dann Ghosting, wenn ich auf eine explizite Frage, mit welcher ich ein potentielles, nächstes Treffen anspreche, keine Antwort bekomme. <em>Edition F</em> beschreibt es als Schlussmachen, ohne Schluss zu machen: Eine Person bricht plötzlich den Kontakt mit jemandem ab, ohne Erklärung.</p>



<p>Statt ihm nochmal zu schreiben, klammere ich mich an mein letztes Fünkchen Stolz. Dabei will ich ihm erzählen, dass ich mit sieben das letzte Mal ein Batik-Oberteil getragen habe. Oder dass ich nie Lowrise-Jeans hatte. Schließlich ist es doch eine Leistung, den wiederauftretenden Modesünden zu widerstehen. Na Lukas, findest du das nicht bewundernswert? Irgendwie bin ich einfach schon ein ziemlicher Fang. Dennoch schreibe ich nichts.</p>



<p>Eine Woche lang male ich mir aus, wie er irgendwann auf Instagram ein Video postet, in dem er und seine zukünftige Freundin, untermalt von einem Rihanna-Remix, Händchen haltend Longboard fahren. Ich bin erleichtert, dass ich nicht mit seiner schwitzigen Hand in meiner in den Sonnenuntergang rollen muss.</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text <a href="https://www.vice.com/de/article/88qgk4/domiziana-wie-man-per-tiktok-die-spitze-der-charts-erklimmt-ohne-benzin">hier</a>. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/ich-habe-die-maenner-zur-rede-gestellt-die-mich-geghostet-haben/">Ich habe die Männer zur Rede gestellt, die mich geghostet haben</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<item>
		<title>Erzählen hat Methode: 2,3,1 &#8211; Die DNA der Struktur</title>
		<link>https://hermes-baby.de/textchef-tipps-manuel-stark-schreiben-dna-der-struktur/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stark]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Apr 2020 10:50:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Textchef-Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[details]]></category>
		<category><![CDATA[handwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Manuel Stark]]></category>
		<category><![CDATA[schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[schreibstark]]></category>
		<category><![CDATA[schreibtipps]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hermes-baby.de/?p=2922</guid>

					<description><![CDATA[<p>In dieser Reihe teilt unser Autor Manuel Stark jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte! Kapitel4: 2,3,1 &#8211; Die DNA der Struktur Einer der ersten Lektionen, die ein junger Erzähler lernt, lautet: Schreibe einen lebendigen Einstieg! Schon mit dem ersten Satz will man den Leser überzeugen, jeder weitere soll tiefer in die Geschichte ziehen und Interesse wecken. Genauso wichtig ist die Lehre über den Schluss eines Textes. Ein gutes Ende besitzt Klang, hallt nach. Auch aus der Pädagogik und Psychologie wissen wir: Wer als letztes spricht, dessen Worte entfalten die größte Wirkung. Das Schreib-Handwerk hat diese Beobachtungen aus der kognitiven Psychologie adaptiert. Sie spiegelt sich in der sogenannten 2,3,1-Regel. Die Ziffern stehen stellvertretend vor allem für die Wichtigkeit, manchmal aber auch den Klang oder die Emotion des Gesagten. 2, das Wichtige, es gehört an den Anfang.3, das Notwendige, Informationen zu Verständnis oder Kontext in die Mitte. 1, das Wichtigste, es kommt zum Schluss. Sehr gute Texte spiegeln diese Struktur nicht nur im Großen, sondern auch in ihren Absätzen, Sinnabschnitten und Sätzen. Was ist also das wichtigste Element eures Satzes? Was verkörpert eure Botschaft, leitet vielleicht über zum Folgesatz, fängt am besten ein, was ihr sagen wollt? Platziert das am Ende eines Satzes. Und was leitet ein, ist wichtig, weil es als Rampe für die Aussage wirkt, die ihr treffen wollt? Platziert das am Anfang. Der Rest presst sich dazwischen. Ein (fiktives) Beispiel: Das Wichtigste in einer Beziehung, sagt Paul, das sei nicht besonders viele Gemeinsamkeiten zu haben oder denselben Geschmack zu teilen, das sei nicht Treue oder das Gefühl eine Einheit zu bilden, das sei keine Schwärmerei für den anderen und noch nicht einmal Liebe, das Wichtigste, das sei Vertrauen. Die Hauptbotschaft des Satzes setzt sich zusammen aus Das Wichtigste in einer Beziehung (2) und sei Vertrauen (1). Dazwischen erfahren wir etwas über die Person, die dieses Urteil fällt. Der Sprecher sagt dieses Urteil nicht so dahin, er hat sich Gedanken gemacht. Durch die Auswahl der Beispiele, die er nennt, erfahren wir zudem, was in einer Beziehung überhaupt wichtig für ihn ist. Der Zwischenschub liefert uns den Kontext der Gedankenwelt des Sprechers. Selbst innerhalb des Zwischenschubs spiegelt sich die 2,3,1-Regel. Gemeinsamkeiten sind wichtig für jedes zwischenmenschliche Miteinander, sie stehen in der Aufzählung am Anfang. Liebe hingegen ist der Inbegriff einer Beziehung, ein Wort mit der Macht eines Symbols – es steht am Ende. Für ganze Texte lässt sich diese Regel in etwa so übertragen: 1) Im Einstieg schaffen wir Relevanz, Neugier, Nähe. Dabei helfen uns zum Beispiel lebendige Szenen, kluge Gedanken, provokante Äußerungen oder Brüche mit Erwartbarem. Wir äußern ein Versprechen, das den Leser locken soll. Ist das Versprechen gut genug, schenkt er uns seine Zeit. 2) Die Handlung entwickelt sich. Wenn Geschichten sich entfalten, schicken sie den Leser durch emotionale Täler und nehmen ihn mit auf neue Höhen. Der Rezipient durchlebt also mehrere Wendungen. Das ist oft interessant und spannend, bestenfalls fesselnd. Immer anstrengend. 3) Das Versprechen wird eingelöst. Der Leser hat die Entwicklungen der Geschichte durchlebt und erwarb dadurch Verständnis. Im Schluss bündelt sich der gesamte Prozess aller Lektionen, Hindernisse, Erkenntnisse und Fehler, sogar der Höhepunkt klingt mit etwas Abstand noch einmal nach und und entfaltet seine Wirkung vollständig. Das Ende klingt als Echo. Merksatz: 2,3,1 – Der Einstieg bildet die Rampe für einen Flug über das Tal der Pflicht, bis wir weiterziehen, im Ohr den Nachklang des Endes. Beispiele: An dieser Stelle seien zwei Bücher zu Aufbau und Struktur von Sprache genannt, in denen viele Beispiele zusammenfinden: &#8211; The Awful German Language, Mark Twain &#8211; Writing Tools, Roy Peter Clark</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">In dieser Reihe teilt unser Autor <a rel="noreferrer noopener" href="https://hermes-baby.de/autorinnen-autoren/manuel-stark/" target="_blank">Manuel Stark</a> jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte! </p>



<p class="quelle">Kapitel4: 2,3,1 &#8211; Die DNA der Struktur</p>



<p>Einer der ersten Lektionen, die ein junger Erzähler lernt, lautet: Schreibe einen lebendigen Einstieg! Schon mit dem ersten Satz will man den Leser überzeugen, jeder weitere soll tiefer in die Geschichte ziehen und Interesse wecken. Genauso wichtig ist die Lehre über den Schluss eines Textes. Ein gutes Ende besitzt Klang, hallt nach. Auch aus der Pädagogik und Psychologie wissen wir: Wer als letztes spricht, dessen Worte entfalten die größte Wirkung.<br> <br>Das Schreib-Handwerk hat diese Beobachtungen aus der kognitiven Psychologie adaptiert. Sie spiegelt sich in der sogenannten 2,3,1-Regel. Die Ziffern stehen stellvertretend vor allem für die Wichtigkeit, manchmal aber auch den Klang oder die Emotion des Gesagten.<br> <br>2, das Wichtige, es gehört an den Anfang.<br>3, das Notwendige, Informationen zu Verständnis oder Kontext in die Mitte. <br>1, das Wichtigste, es kommt zum Schluss. <br> <br>Sehr gute Texte spiegeln diese Struktur nicht nur im Großen, sondern auch in ihren Absätzen, Sinnabschnitten und Sätzen. Was ist also das wichtigste Element eures Satzes? Was verkörpert eure Botschaft, leitet vielleicht über zum Folgesatz, fängt am besten ein, was ihr sagen wollt? Platziert das am Ende eines Satzes. Und was leitet ein, ist wichtig, weil es als Rampe für die Aussage wirkt, die ihr treffen wollt? Platziert das am Anfang. Der Rest presst sich dazwischen.<br> <br>Ein (fiktives) Beispiel:<br><br><em>Das Wichtigste in einer Beziehung, sagt Paul, das sei nicht besonders viele Gemeinsamkeiten zu haben oder denselben Geschmack zu teilen, das sei nicht Treue oder das Gefühl eine Einheit zu bilden, das sei keine Schwärmerei für den anderen und noch nicht einmal Liebe, das Wichtigste, das sei Vertrauen.</em><br> <br>Die Hauptbotschaft des Satzes setzt sich zusammen aus <em>Das Wichtigste in einer Beziehung </em>(2) und <em>sei Vertrauen</em> (1). Dazwischen erfahren wir etwas über die Person, die dieses Urteil fällt. Der Sprecher sagt dieses Urteil nicht so dahin, er hat sich Gedanken gemacht. Durch die Auswahl der Beispiele, die er nennt, erfahren wir zudem, was in einer Beziehung überhaupt wichtig für ihn ist. Der Zwischenschub liefert uns den Kontext der Gedankenwelt des Sprechers.<br> <br>Selbst innerhalb des Zwischenschubs spiegelt sich die 2,3,1-Regel. Gemeinsamkeiten sind wichtig für jedes zwischenmenschliche Miteinander, sie stehen in der Aufzählung am Anfang. Liebe hingegen ist der Inbegriff einer Beziehung, ein Wort mit der Macht eines Symbols – es steht am Ende.</p>



<p>Für ganze Texte lässt sich diese Regel in etwa so übertragen:<br> <br> 1) Im Einstieg schaffen wir Relevanz, Neugier, Nähe. Dabei helfen uns zum Beispiel lebendige Szenen, kluge Gedanken, provokante Äußerungen oder Brüche mit Erwartbarem. Wir äußern ein Versprechen, das den Leser locken soll. Ist das Versprechen gut genug, schenkt er uns seine Zeit.<br> <br> 2) Die Handlung entwickelt sich. Wenn Geschichten sich entfalten, schicken sie den Leser durch emotionale Täler und nehmen ihn mit auf neue Höhen. Der Rezipient durchlebt also mehrere Wendungen. Das ist oft interessant und spannend, bestenfalls fesselnd. Immer anstrengend.<br> <br> 3) Das Versprechen wird eingelöst. Der Leser hat die Entwicklungen der Geschichte durchlebt und erwarb dadurch Verständnis. Im Schluss bündelt sich der gesamte Prozess aller Lektionen, Hindernisse, Erkenntnisse und Fehler, sogar der Höhepunkt klingt mit etwas Abstand noch einmal nach und und entfaltet seine Wirkung vollständig. Das Ende klingt als Echo.</p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Merksatz:</span></strong><br><br>2,3,1 – Der Einstieg bildet die Rampe für einen Flug über das Tal der  Pflicht, bis wir weiterziehen, im Ohr den Nachklang des Endes.</p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Beispiele:</span></strong><br><br>An dieser Stelle seien zwei Bücher zu Aufbau und Struktur von Sprache genannt, in denen viele Beispiele zusammenfinden:<br><br>&#8211; <a href="https://www.amazon.de/Die-schreckliche-deutsche-Sprache-Zweisprachig/dp/3866475160/ref=pd_lpo_14_t_0/257-1645498-3022533?_encoding=UTF8&amp;pd_rd_i=3866475160&amp;pd_rd_r=76b90e38-3777-4027-97c8-56c030a9714d&amp;pd_rd_w=qxGtu&amp;pd_rd_wg=pLIKt&amp;pf_rd_p=d5c9797d-0238-4119-b220-af4cc3420918&amp;pf_rd_r=8PFA4B7AG365KR7VGDMN&amp;psc=1&amp;refRID=8PFA4B7AG365KR7VGDMN" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="The Awful German Language (opens in a new tab)"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">The Awful German Language</span></a>, Mark Twain <br><br>&#8211; <a rel="noreferrer noopener" aria-label="Writing Tools (opens in a new tab)" href="https://www.amazon.de/Writing-Tools-Essential-Strategies-Writer/dp/0316014990" target="_blank"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">Writing Tools</span></a>, Roy Peter Clark</p>
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		<title>Es lebe die Metaebene!</title>
		<link>https://hermes-baby.de/es-lebe-die-metaebene/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benedikt Herber]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2020 08:25:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[handwerk]]></category>
		<category><![CDATA[kitsch]]></category>
		<category><![CDATA[kritik]]></category>
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		<category><![CDATA[Metaebene]]></category>
		<category><![CDATA[Reportage]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor einer Woche hat sich unser Autor Alexander Rupflin gegen die Metaebene in Reportagen ausgesprochen. Benedikt Herber widerspricht: Ohne die Metaebene bleibt jede Geschichte trivial. Gegen den Kitsch hilft ein anderes Mittel. Ist die Reportage tot? Oder doch nur die Metaebene, wie Alexander in seinem Essay „Der Schwachsinn der Metaebene“ verkündet? Ich würde sagen: Weder noch. Dass die Reportage vorschnell als eitle, durchweg kitschige und eigentlich unjournalistische Fingerübung von Schönwetterschreibern abgetan wurde, war sicherlich ein Fehlschluss. Es existieren so viele großartige Reportagen, die komplett frei von Kitsch sind. Und ja, ich würde behaupten, dass diese Texte allesamt eine ausgeprägte Metaebene besitzen. Warum? Weil die Metaebene ein notwendiges Qualitätsmerkmal ist – keine gute Reportage kommt ohne sie aus.&#160; Geschichtenerzähler sind wie Wissenschaftler &#8211; Sie machen Zusammenhänge sichtbar Um zu verstehen, warum die Metaebene so wichtig ist, hilft etwas Storytelling-Theorie. Eine Geschichte, das ist, wie Reportagen-Lehrmeister Jon Franklin („Writing for Story“) betont, vor allem eine Entwicklung. Dynamik ist essenziell: Der Protagonist befindet sich in einer konflikthaften Situation, die er zu meistern versucht. Im Idealfall scheitert er zunächst, findet in der Niederlage etwas über sich selbst heraus und ist schließlich in der Lage, den Konflikt zu lösen (Auch wenn die Realität natürlich nicht immer dem Ideal gehorcht, so lässt sich dieses Muster in Abwandlungen doch sehr häufig finden – man muss nur wissen, dass man danach suchen muss). Insofern machen gute Geschichtenerzähler etwas sehr Ähnliches wie Wissenschaftler an einer Universität &#8211; zumindest in qualitativen Forschungszweigen: Sie machen kausale Zusammenhänge sichtbar. Eine Reportage beginnt häufig mit einer&#160;abhängigen Variablen: In einem Zeitungsbericht lesen wir von einem Boxer, der im Ring gestorben ist (man denke an die großartige Reportage „Der Preis eines Traumes“ von Klaus Brinkbäumer) oder von einem ehemaligen Neonazi-Aussteiger, der einen Integrationspreis gewinnt.&#160;Abhängige Variablen&#160;sind Ereignisse, die durch vorangegangene Ereignisse ausgelöst wurden. Wenn wir als Schreiber unsere&#160;abhängige Variable&#160;definieren, blicken wir also automatisch in die Vergangenheit: Wir begeben uns auf die Suche nach der Ursache, nach der&#160;unabhängigen Variablen. Diese kann dann wieder eine andere&#160;unabhängige Variable&#160;vorausgehen, bis wir es mit einer Kette von Variablen zu tun haben, die sich gegenseitig beeinflussen. Wenn wir dieser Variablenkettung bis zum Anfang folgen, begreifen wir irgendwann den Grundkonflikt, der sie überhaupt ausgelöst hat.&#160; Meine Definition von Metaebene: Die Variablen finden, die universell wirken Das alleine reicht aber noch nicht für eine wirklich gelungene Reportage. Solange sie reine Erzählung ist – die Wiedergabe einer Kette von Variablen von unmittelbarer Bedeutung also – bleibt sie isoliert. Ihr Fokus ist verkürzt, weil sie die Strukturen ausblendet, in denen sich der Protagonist bewegt. Diejenigen, auf die mein Protagonist gar keinen Zugriff hat, die a priori gesetzt sind, die die Kausalkette permanent beeinflussen, ohne dass der Handelnde selbst einen Einfluss auf sie hat: Die menschliche Psyche als neuronaler Prozess, die Weltwirtschaft, rassistische Stereotypen in einer Gesellschaft – jedes übergeordnete System also. Die daraus abgeleiteten Variablen sind es, die den Protagonisten meiner Geschichte mit mir als Leser in eine Verbindung setzen, weil uns diese übergeordneten Mechanismen alle betreffen. Den Variablenraum zu erweitern, hin zu den&#160;unabhängigen Variablen, die universell wirken, das ist meine Definition der Metaebene.&#160; Ohne Metaebene keine Erkenntnis Bei jeder Geschichte stellt sich die Frage: Betrifft mich das, was dort steht? Warum sollte ich einen Text über einen Menschen in einem mir unbekannten Land lesen, der sich mit einem Konflikt rumschlägt, der mir vollkommen fremd ist? Wenn es keinen Anker der persönlichen Betroffenheit gibt, werde ich wahrscheinlich weiterblättern. Das Schicksal der Bauernfamilie in der Zentralafrikanischen Republik kann noch so erschütternd sein, sie ist journalistisch erst einmal vollkommen uninteressant – Dramen gibt es immer und überall. Interessant wird die Bauernfamilie für mich, wenn ich begreife, dass ihr Elend die direkte oder indirekte Folge von Makrostrukturen ist – von unfairen Marktdynamiken beispielsweise. Das Schicksal der Familie wird dadurch verallgemeinerbar, es steht für viele andere, denen es genauso geht. Abhängig davon, was der eigentliche Konflikt der Story ist (Das physische Leid des Hungers? Oder die fehlende Wertschätzung der Dorfbewohner?), hat der Protagonist unterschiedliche Möglichkeiten, den Konflikt mit seinen beschränkten Mitteln lösen (vielleicht gelingt es dem Bauern, die Dorfbewohner dafür zu sensibilisieren, wie wichtig die lokale Landwirtschaft ist. Er bekommt Wertschätzung und/ oder muss nicht mehr Hunger leiden). Gegenüber einiger&#160;unabhängiger Variablen, die permanent auf sein Handeln einwirken, bleibt er aber machtlos (der Druck auf den Marktpreis durch billige Fleischexporte aus Europa beispielsweise). Wenn die Metaebene fehlt, bleibt die Geschichte unvollständig, weil sie den Leser ohne Learning zurücklässt.&#160; Das Mittel gegen den leidigen Kitsch Recht hat Alexander, wenn er Journalisten vorwirft, ihre Geschichten durch vorgefertigte Hypothesen zu sehr in Schemata pressen zu wollen, was letztlich dazu führe, dass ständig dasselbe lauwarme Klischee reproduziert werde. Er schreibt, dass die Reportage die einzige journalistische Form sei, die den Leser als „das empathische Wesen anspricht.“ Soweit bin ich bei ihm. Auch, wenn er schreibt, dass die Reportage eine Art Testlauf für das eigene Leben sei, indem der Leser etwas über die „menschliche Natur innerhalb seines politischen, gesellschaftlichen, ökologischen, kulturellen Umfelds“ lernt. Ja, eine Reportage, deren Universalität möglichst absolut ist, die mich in meinem Menschsein ergreift, ist das Ideal. Aber gerade diese Reportage lebt von der Metaebene, also dem Herausarbeiten jener universellen Mechanismen, die den Leser mit dem Gelesenen verbinden. Der Leser muss begreifen, was diese „politischen, gesellschaftlichen, ökologischen und kulturellen“ Umfelder ausmacht, welche Kausalketten also von außen auf den Protagonisten wirken. Natürlich droht beim Wechsel zwischen Handlungs- und Metaebene die Holzschnittartigkeit – und ja, lässt sich der Autor zu sehr durch seine zuvor getroffenen Annahmen leiten, statt die Metaebene immer wieder mit dem Erlebten abzugleichen, dann verliert das Geschriebene seine Originalität.&#160; Das ist allerdings eine Binsenweisheit: Wer keine Neugier zeigt, sondern Weltbilder belegen will, wird keine Momente der Wahrhaftigkeit erzeugen, sondern bloßen Kitsch. Dieses Haltungsproblem dürfen wir aber nicht der Metaebene ankreiden. Wahre Meister der Reportage verstehen es, die Ebenen möglichst geschickt und subtil miteinander zu verflechten. Komplett auf die Metaebene zu verzichten würde dagegen heißen, das Ideal der Universalität aufzugeben. Die Geschichte droht, trivial zu werden – und damit bedeutungslos. Nicht die Metaebene ist schuld am Kitsch. Sondern die fehlende Ergebnisoffenheit mancher</p>
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<p class="has-regular-font-size intro"><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Vor einer Woche hat sich unser Autor <a href="https://hermes-baby.de/author/rupflin/">Alexander Rupflin</a> gegen die Metaebene in Reportagen ausgesprochen. <a href="https://hermes-baby.de/autorinnen-autoren/benedikt-herber/">Benedikt Herber</a> widerspricht: Ohne die Metaebene bleibt jede Geschichte trivial.</span> Gegen den Kitsch hilft ein anderes Mittel.</p>



<p>Ist die Reportage tot? Oder doch nur die Metaebene, wie Alexander in seinem Essay <a href="https://hermes-baby.de/der-schwachsinn-der-metaebene/">„Der Schwachsinn der Metaebene“</a> verkündet? Ich würde sagen: Weder noch. Dass die Reportage vorschnell als eitle, durchweg kitschige und eigentlich unjournalistische Fingerübung von Schönwetterschreibern abgetan wurde, war sicherlich ein Fehlschluss. Es existieren so viele großartige Reportagen, die komplett frei von Kitsch sind. Und ja, ich würde behaupten, dass diese Texte allesamt eine ausgeprägte Metaebene besitzen. Warum? Weil die Metaebene ein notwendiges Qualitätsmerkmal ist – keine gute Reportage kommt ohne sie aus.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading">Geschichtenerzähler sind wie Wissenschaftler &#8211; Sie machen Zusammenhänge sichtbar</h3>



<p>Um zu verstehen, warum die Metaebene so wichtig ist, hilft etwas Storytelling-Theorie. Eine Geschichte, das ist, wie Reportagen-Lehrmeister Jon Franklin („Writing for Story“) betont, vor allem eine Entwicklung. Dynamik ist essenziell: Der Protagonist befindet sich in einer konflikthaften Situation, die er zu meistern versucht. Im Idealfall scheitert er zunächst, findet in der Niederlage etwas über sich selbst heraus und ist schließlich in der Lage, den Konflikt zu lösen (Auch wenn die Realität natürlich nicht immer dem Ideal gehorcht, so lässt sich dieses Muster in Abwandlungen doch sehr häufig finden – man muss nur wissen, dass man danach suchen muss).</p>



<p> Insofern machen gute Geschichtenerzähler etwas sehr Ähnliches wie Wissenschaftler an einer Universität &#8211; zumindest in qualitativen Forschungszweigen: Sie machen kausale Zusammenhänge sichtbar. Eine Reportage beginnt häufig mit einer&nbsp;<em>abhängigen Variablen</em>: In einem Zeitungsbericht lesen wir von einem Boxer, der im Ring gestorben ist (man denke an die großartige Reportage „Der Preis eines Traumes“ von Klaus Brinkbäumer) oder von einem ehemaligen Neonazi-Aussteiger, der einen Integrationspreis gewinnt.&nbsp;<em>Abhängige Variablen</em>&nbsp;sind Ereignisse, die durch vorangegangene Ereignisse ausgelöst wurden. Wenn wir als Schreiber unsere&nbsp;<em>abhängige Variable</em>&nbsp;definieren, blicken wir also automatisch in die Vergangenheit: Wir begeben uns auf die Suche nach der Ursache, nach der&nbsp;<em>unabhängigen Variablen</em>. Diese kann dann wieder eine andere&nbsp;<em>unabhängige Variable</em>&nbsp;vorausgehen, bis wir es mit einer Kette von Variablen zu tun haben, die sich gegenseitig beeinflussen. Wenn wir dieser Variablenkettung bis zum Anfang folgen, begreifen wir irgendwann den Grundkonflikt, der sie überhaupt ausgelöst hat.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading">Meine Definition von Metaebene: Die Variablen finden, die universell wirken</h3>



<p>Das alleine reicht aber noch nicht für eine wirklich gelungene Reportage. Solange sie reine Erzählung ist – die Wiedergabe einer Kette von Variablen von unmittelbarer Bedeutung also – bleibt sie isoliert. Ihr Fokus ist verkürzt, weil sie die Strukturen ausblendet, in denen sich der Protagonist bewegt. Diejenigen, auf die mein Protagonist gar keinen Zugriff hat, die a priori gesetzt sind, die die Kausalkette permanent beeinflussen, ohne dass der Handelnde selbst einen Einfluss auf sie hat: Die menschliche Psyche als neuronaler Prozess, die Weltwirtschaft, rassistische Stereotypen in einer Gesellschaft – jedes übergeordnete System also. Die daraus abgeleiteten Variablen sind es, die den Protagonisten meiner Geschichte mit mir als Leser in eine Verbindung setzen, weil uns diese übergeordneten Mechanismen alle betreffen. Den Variablenraum zu erweitern, hin zu den&nbsp;<em>unabhängigen Variablen</em>, die universell wirken, das ist meine Definition der Metaebene.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ohne Metaebene keine Erkenntnis</h3>



<p>Bei jeder Geschichte stellt sich die Frage: Betrifft mich das, was dort steht? Warum sollte ich einen Text über einen Menschen in einem mir unbekannten Land lesen, der sich mit einem Konflikt rumschlägt, der mir vollkommen fremd ist? Wenn es keinen Anker der persönlichen Betroffenheit gibt, werde ich wahrscheinlich weiterblättern. Das Schicksal der Bauernfamilie in der Zentralafrikanischen Republik kann noch so erschütternd sein, sie ist journalistisch erst einmal vollkommen uninteressant – Dramen gibt es immer und überall. Interessant wird die Bauernfamilie für mich, wenn ich begreife, dass ihr Elend die direkte oder indirekte Folge von Makrostrukturen ist – von unfairen Marktdynamiken beispielsweise. Das Schicksal der Familie wird dadurch verallgemeinerbar, es steht für viele andere, denen es genauso geht. </p>



<p>Abhängig davon, was der eigentliche Konflikt der Story ist (Das physische Leid des Hungers? Oder die fehlende Wertschätzung der Dorfbewohner?), hat der Protagonist unterschiedliche Möglichkeiten, den Konflikt mit seinen beschränkten Mitteln lösen (vielleicht gelingt es dem Bauern, die Dorfbewohner dafür zu sensibilisieren, wie wichtig die lokale Landwirtschaft ist. Er bekommt Wertschätzung und/ oder muss nicht mehr Hunger leiden). Gegenüber einiger&nbsp;<em>unabhängiger Variablen</em>, die permanent auf sein Handeln einwirken, bleibt er aber machtlos (der Druck auf den Marktpreis durch billige Fleischexporte aus Europa beispielsweise). Wenn die Metaebene fehlt, bleibt die Geschichte unvollständig, weil sie den Leser ohne Learning zurücklässt.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Mittel gegen den leidigen Kitsch</h3>



<p>Recht hat Alexander, wenn er Journalisten vorwirft, ihre Geschichten durch vorgefertigte Hypothesen zu sehr in Schemata pressen zu wollen, was letztlich dazu führe, dass ständig dasselbe lauwarme Klischee reproduziert werde. Er schreibt, dass die Reportage die einzige journalistische Form sei, die den Leser als „das empathische Wesen anspricht.“ Soweit bin ich bei ihm. Auch, wenn er schreibt, dass die Reportage eine Art Testlauf für das eigene Leben sei, indem der Leser etwas über die „menschliche Natur innerhalb seines politischen, gesellschaftlichen, ökologischen, kulturellen Umfelds“ lernt. Ja, eine Reportage, deren Universalität möglichst absolut ist, die mich in meinem Menschsein ergreift, ist das Ideal. Aber gerade diese Reportage lebt von der Metaebene, also dem Herausarbeiten jener universellen Mechanismen, die den Leser mit dem Gelesenen verbinden. Der Leser muss begreifen, was diese „politischen, gesellschaftlichen, ökologischen und kulturellen“ Umfelder ausmacht, welche Kausalketten also von außen auf den Protagonisten wirken. Natürlich droht beim Wechsel zwischen Handlungs- und Metaebene die Holzschnittartigkeit – und ja, lässt sich der Autor zu sehr durch seine zuvor getroffenen Annahmen leiten, statt die Metaebene immer wieder mit dem Erlebten abzugleichen, dann verliert das Geschriebene seine Originalität.&nbsp;</p>



<p>Das ist allerdings eine Binsenweisheit: Wer keine Neugier zeigt, sondern Weltbilder belegen will, wird keine Momente der Wahrhaftigkeit erzeugen, sondern bloßen Kitsch. Dieses Haltungsproblem dürfen wir aber nicht der Metaebene ankreiden. Wahre Meister der Reportage verstehen es, die Ebenen möglichst geschickt und subtil miteinander zu verflechten. Komplett auf die Metaebene zu verzichten würde dagegen heißen, das Ideal der Universalität aufzugeben. Die Geschichte droht, trivial zu werden – und damit bedeutungslos. Nicht die Metaebene ist schuld am Kitsch. Sondern die fehlende Ergebnisoffenheit mancher Autoren.&nbsp;</p>
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		<title>Erzählen hat Methode: Details &#8211; Die Macht der kleinen Dinge</title>
		<link>https://hermes-baby.de/textchef-tipps-details-die-macht-der-kleinen-dinge/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stark]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2020 15:08:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Textchef-Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[details]]></category>
		<category><![CDATA[handwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Manuel Stark]]></category>
		<category><![CDATA[schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[schreibstark]]></category>
		<category><![CDATA[schreibtipps]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In dieser Reihe teilt unser Autor Manuel Stark jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte! Kapitel3: Details &#8211; Die Macht der kleinen Dinge Details sind die DNA jedes Erzählens. Eine gut platzierte Schilderung, ein sprechendes Detail kann mit einem Wort oder Satz ganze Absätze an Erklärung unnötig machen und einen Text mit Leben anreichern. Details erzeugen Stimmung. Wenn der Autor sie richtig wählt. Zu viele Texte wirken aufgeblasen durch völlig unnötige Beschreibungen. War der Papierkorb rot oder blau? Die Bettwäsche ebenfalls rot – oder doch grün? Diese Details können wichtig sein, wenn es beispielsweise darum geht, einen Künstler zu porträtieren, der das Ziel hat, das perfekte Rot zu finden. In einer Vielzahl an Fällen aber stehen diese Beobachtungen für nichts. „Stimmung“ nennen es manche, wenn sie den nebelverhangenen Morgen über einem Tal in der Provinz beschreiben, „Atmosphäre“, heißt es, wenn der grau-nasse Novembertag als Auftakt einer Sozialreportage dienen soll. Ich nenne das: Bullshit. Wetterbeschreibungen sind die schrecklichste Form der missverstandenen Wirkung von Details. Sie zeugen selten von mehr als einem Mangel an Kreativität, oder der Faulheit eines Autoren, sich gedanklich tiefer zu beschäftigen mit dem Stoff seiner Geschichte. Gute Details enthüllen Dinge, sie offenbaren etwas über die Stimmung oder den Charakter eines Protagonisten und dienen als Anker oder Katalysatoren für die Handlung. Wetter kann nichts davon bewirken. Wetter ist einfach da. Es gibt Ausnahmen, in denen eine kurze, gute Wetterbeschreibung im Text tatsächlich Stimmung erzeugt: Immer dann, wenn die erlebte Realität in direktem Zusammenhang mit dem Wetter steht. Es interessiert mich als Leser nicht, ob draußen die Sonne scheint und mit 30°C auf den Teer brennt, wenn ich drinnen den Chef einer Bank in seinem Bürogebäude treffe für ein Porträt. Genau dasselbe Detail brauche ich hingegen zwingend, schreibe ich über die Härte des Jobs als Bauarbeiter im Sommer. Verschließt sich jemand wegen einer Angststörung für Monate in seiner Wohnung, kann Sonnenschein sogar zum wichtigsten Detail des Textes werden – um den Moment einzufangen, in dem der Protagonist seine Angst überwindet. Er tritt ins Licht. Wie mächtig Details sein können, zeigen Autoren wie Dimitri Ladischensky. Der mare-Redakteur porträtierte für die Nr.120 seiner Zeitschrift deutsche Frauen, die nach Ende des zweiten Weltkriegs nach Island umsiedelten und dort einheirateten in die Familien von Bauern. Für eine jede wählte er ein Detail. In seinen Texten zeichnet er den ganzen Lebensweg der Protagonistinnen nach, indem er auf diese eine kleine Beobachtung fokussiert. Bei einer der Frauen waren es ihre Hände. Sie kam aus einer Familie des gehobenen Bürgertums, die glatten Hände gut gepflegt. Später dann werden sie erst rau, dann rissig, als sie anpacken muss auf den Äckern Islands. Dann zart, als sie ihr Kind beim Sterben begleitet, der Sohn leidet an Krebs, sie streichelt ihm in seinen letzten Stunden über die Stirn. Mutterhände. Die Erzählung begann mit den bunt lackierten Fingernägeln der alten Dame, erst am Ende fängt dieses zu Anfang stumme Detail an zu sprechen. Ihr Mann ist tot, ihre Kinder auch, sie lebt im Altenheim. Um zum ersten Mal in ihrem Leben dürfen ihre Hände einfach nur schön sein – und ruhen. Wie die Frau. Merksatz: Sprechende Details destilliert man aus den Eindrücken eines Moments, sie offenbaren etwas über die Stimmung oder den Charakter eines Protagonisten und dienen als Anker oder Katalysatoren für die Handlung einer Geschichte. Beispiele: Da viele der besten Details nur im Kontext der gesamten Geschichte ihre volle Kraft entfalten, verzichte ich an dieser Stelle auf Text-Auszüge. Als wahre Meister der Detail-Beobachtung seien aber beispielhaft einige Namen genannt wie Roland Schulz, Lena Niethammer, Johanna Romberg, Anna Mayr.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/textchef-tipps-details-die-macht-der-kleinen-dinge/">Erzählen hat Methode: Details &#8211; Die Macht der kleinen Dinge</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">In dieser Reihe teilt unser Autor <a rel="noreferrer noopener" href="https://hermes-baby.de/autorinnen-autoren/manuel-stark/" target="_blank">Manuel Stark</a> jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte! </p>



<p class="quelle">Kapitel3: Details &#8211; Die Macht der kleinen Dinge</p>



<p>Details sind die DNA jedes Erzählens. Eine gut platzierte Schilderung, ein sprechendes Detail kann mit einem Wort oder Satz ganze Absätze an Erklärung unnötig machen und einen Text mit Leben anreichern. Details erzeugen Stimmung. Wenn der Autor sie richtig wählt.<br> <br>Zu viele Texte wirken aufgeblasen durch völlig unnötige Beschreibungen. War der Papierkorb rot oder blau? Die Bettwäsche ebenfalls rot – oder doch grün? Diese Details können wichtig sein, wenn es beispielsweise darum geht, einen Künstler zu porträtieren, der das Ziel hat, das perfekte Rot zu finden. In einer Vielzahl an Fällen aber stehen diese Beobachtungen für nichts.<br> <br>„Stimmung“ nennen es manche, wenn sie den nebelverhangenen Morgen über einem Tal in der Provinz beschreiben, „Atmosphäre“, heißt es, wenn der grau-nasse Novembertag als Auftakt einer Sozialreportage dienen soll. Ich nenne das: Bullshit. Wetterbeschreibungen sind die schrecklichste Form der missverstandenen Wirkung von Details. Sie zeugen selten von mehr als einem Mangel an Kreativität, oder der Faulheit eines Autoren, sich gedanklich tiefer zu beschäftigen mit dem Stoff seiner Geschichte. Gute Details enthüllen Dinge, sie offenbaren etwas über die Stimmung oder den Charakter eines Protagonisten und dienen als Anker oder Katalysatoren für die Handlung. Wetter kann nichts davon bewirken. Wetter ist einfach da.<br> <br>Es gibt Ausnahmen, in denen eine kurze, gute Wetterbeschreibung im Text tatsächlich Stimmung erzeugt: Immer dann, wenn die erlebte Realität in direktem Zusammenhang mit dem Wetter steht. Es interessiert mich als Leser nicht, ob draußen die Sonne scheint und mit 30°C auf den Teer brennt, wenn ich drinnen den Chef einer Bank in seinem Bürogebäude treffe für ein Porträt. Genau dasselbe Detail brauche ich hingegen zwingend, schreibe ich über die Härte des Jobs als Bauarbeiter im Sommer. Verschließt sich jemand wegen einer Angststörung für Monate in seiner Wohnung, kann Sonnenschein sogar zum wichtigsten Detail des Textes werden – um den Moment einzufangen, in dem der Protagonist seine Angst überwindet. Er tritt ins Licht.</p>



<p>Wie mächtig Details sein können, zeigen Autoren wie <a rel="noreferrer noopener" aria-label="Dimitri Ladischensky (opens in a new tab)" href="https://www.mare.de/dimitri-ladischensky-urheber-766" target="_blank"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">Dimitri Ladischensky</span></a>. Der mare-Redakteur porträtierte für die <a rel="noreferrer noopener" aria-label="Nr.120 seiner Zeitschrift (opens in a new tab)" href="https://www.mare.de/zeitschrift/mare-ausgaben/mare-no-120-008409" target="_blank"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">Nr.120 seiner Zeitschrift</span></a> deutsche Frauen, die nach Ende des zweiten Weltkriegs nach Island umsiedelten und dort einheirateten in die Familien von Bauern. Für eine jede wählte er ein Detail. In seinen Texten zeichnet er den ganzen Lebensweg der Protagonistinnen nach, indem er auf diese eine kleine Beobachtung fokussiert. Bei einer der Frauen waren es ihre Hände. Sie kam aus einer Familie des gehobenen Bürgertums, die glatten Hände gut gepflegt. Später dann werden sie erst rau, dann rissig, als sie anpacken muss auf den Äckern Islands. Dann zart, als sie ihr Kind beim Sterben begleitet, der Sohn leidet an Krebs, sie streichelt ihm in seinen letzten Stunden über die Stirn. Mutterhände. Die Erzählung begann mit den bunt lackierten Fingernägeln der alten Dame, erst am Ende fängt dieses zu Anfang stumme Detail an zu sprechen. Ihr Mann ist tot, ihre Kinder auch, sie lebt im Altenheim. Um zum ersten Mal in ihrem Leben dürfen ihre Hände einfach nur schön sein – und ruhen. Wie die Frau.</p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Merksatz:</span></strong><br><br>Sprechende Details destilliert man aus den Eindrücken eines Moments, sie offenbaren etwas über die Stimmung oder den Charakter eines Protagonisten und dienen als Anker oder Katalysatoren für die Handlung einer Geschichte.  </p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Beispiele:</span></strong><br><br>Da viele der besten Details nur im Kontext der gesamten Geschichte ihre volle Kraft entfalten, verzichte ich an dieser Stelle auf Text-Auszüge. Als wahre Meister der Detail-Beobachtung seien aber beispielhaft einige Namen genannt wie <a href="https://sz-magazin.sueddeutsche.de/autor/roland-schulz" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Roland Schulz (opens in a new tab)"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">Roland Schulz</span></a>, <a href="https://www.torial.com/lena.niethammer" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Lena Niethammer (opens in a new tab)"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">Lena Niethammer</span></a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_Romberg" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="Johanna Romberg (opens in a new tab)"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">Johanna Romberg</span></a>, <a href="http://mayranna.de/"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">Anna Mayr</span></a>.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/textchef-tipps-details-die-macht-der-kleinen-dinge/">Erzählen hat Methode: Details &#8211; Die Macht der kleinen Dinge</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<title>Der Schwachsinn der Metaebene</title>
		<link>https://hermes-baby.de/der-schwachsinn-der-metaebene/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2020 06:12:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Journalisten behaupten, eine gute Reportage brauche eine Metaebene. Unser Autor Alexander Rupflin aber glaubt, eine Geschichte muss vor allem destilliert werden, um eine menschliche Wahrheit auszudrücken. Und Georg Büchner schrieb: „Geht einmal euern Phrasen nach, bis zu dem Punkt, wo sie verkörpert werden.“ &#8211; Vorletztes Weihnachten sagten sie mir, die Reportage sei eine Erfindung. Das war hart. Das war die Zeit des großen „Fall Relotius“, da geriet die ganze Gattung in Verdacht, ein paar Journalisten erklärten, aus so einem Art Apocalypse-Now-Gefühl heraus, die Reportage sei ja nichts anders als eine Kurzgeschichte mit Wirklichkeitsbehauptung. Und dabei fanden sie für ihre Anklage auch noch ziemlich gute Belege. Umso länger ich darüber nachdachte, umso richtiger fand ich den Eindruck der Dramaturgie-Nihilisten, Reportagen sind häufig Kitsch – aber das liegt nicht an der Gattung, sondern an der Forderung nach „Metaebenen“. Vorab will ich kurz deutlich machen: Die Reportage zeigt nur einen Ausschnitt, einen Schnappschuss. Es ist nicht ihre Aufgabe, ein Ganzes zu präsentieren. Es geht nicht darum, vollständig zu berichten oder den totalen Blick auf etwas zu gewähren. Es geht – wie es Gotthold Ephraim Lessing so schön zur Sprache bringt – um den „Fruchtbaren Augenblick“. Dieser Fruchtbare Augenblick ist der Moment des Besonderen, der das Allgemeine darstellt. Ähnlich wie ein Foto, ein Gemälde, die griechische Plastik. Es zeigt einen Ausschnitt, der über sich als Moment hinaus geht und zugleich zurückverweist. Dadurch wird dem Leser der Reportage ein Phänomen symbolisch schaubar und im Idealfall sogar begreifbar. Die Redaktionen wissen um die Macht der Metaebene Was ich damit meine: Reportagen können komplexe Zusammenhänge weder erläutern noch erklären, aber sie können als Schlaglicht einen Moment der Vergangenheit erhellen. Das geschieht durch „vollkommene Unmittelbarkeit“ wie Siegfried Kracauer über die (Reportage-)Fotografie schrieb. Dadurch erweckt die Reportage einen bereits verklungenen Moment der Wirklichkeit im Inneren des Lesers noch einmal zum Leben – und lässt den Leser damit, zumindest mittelbar erleben. Wiederum das führt zur Selbstwahrnehmung und wir als Leser werden bewusst in Bezug zur Welt und dessen Geschehen gesetzt. Mit der Fantasie des Lesers, seines individuellen Wissens und seiner Interpretationsfähigkeit, erweitert sich durch die Reportage dessen Kosmos. Die Redaktionen wissen um diese Macht und versuchen deren Kraft einzusetzen, indem sie für die Reportage von uns Autoren eine „Metaebene“ fordern. Eine Metaebene im Journalismus bedeutet in etwa, eine allgemeingültige Aussage, die über der konkreten Geschichte, dem beschriebenen Einzelfall steht, und dem Leser implizit mitgegeben wird. Wenn ich früher Journalisten nach einer exakten Definition der Metaebene gefragt habe, bekam ich nie eine klare Antwort. Der Grund ist vermutlich, weil es keine natürliche Metaebene gibt. Bei Metaebenen klingt der Mythos der Reportage an Ich will es für diesen Text einmal selbst versuchen: Die Metaebene meint die Reflexionsebene, sie ist nicht die Ebene des Themas. Mittelbar nimmt der Text auf dieser Ebene auf sich selbst Bezug. (Zu offensichtlich geschieht das manchmal mit Phrasen wie „Das ist eine Geschichte über …“) Auf der Metaebene klingt etwas an, das ich als „Mythos“ bezeichne: Das Grundlegende, die innerste Bedeutung des Erzählten, einer Wahrheit die tiefer liegt, als das rein Faktische. Etwas, das nicht durch Studien belegt wird. Hier betreibt der Autor Weltdeutung und wird unter Umständen allegorisch. Es ist der Mythos, der durchs Denken einer Metaebene der Reportage eingehaucht werden soll. Ich fürchte aber, dass genau diese Denkweise ihr Ziel verfehlt und statt die Wahrheit eines menschlichen Mythos zu formulieren, Klischees produziert. Klar, reine Erlebnisse haben zuerst keine Metaebene, weil natürlich nichts geschieht als ein Symbol für etwas Allgemeingültiges. Also wird die Metaebene in aller Regel künstlich am Schreibtisch oder in der Redaktionskonferenz entworfen – auch, bevor die Recherche begonnen hat. Es sind Ideen, Interpretationen, Vorurteile. Klassische Stereotypen, Denkmuster und Erwartungen – sie müssen im Anschluss der Wirklichkeitsprüfung von uns Reportern standhalten. Im übelsten Fall kommen dadurch die Reportagen zustande, deren Verlauf ich schon kenne, sobald ich den Teaser gelesen habe. Das klingt zunächst nach einer allgemeinen Kritik an mangelnder Textqualität, die wiederum vom genauen Ausloten der Zu- und Umstände abhängt. Aber mir fallen diese vorhersehbaren Geschichten ausgerechnet bei den ganz großen Magazinen auf. Und natürlich, Erfolg gibt deren Redaktion recht. Die Denkweise in sogenannten Metaebenen, die in Wahrheit weniger Ebenen, als vielmehr Schubladen sind (warum genau, dazu später), entspricht unseren plakativen Lesererwartungen. Als Leser wollen wir keine allzu großen Überraschungen, es darf ein paar Wendungen und Drehungen geben, um Spannung zu erzeugen, ob wir mit unseren Erwartungen auch wirklich richtig liegen, aber am Ende muss die Geschichte doch so gebaut sein, dass sie uns als Leser befriedigt. Zumindest, wenn man als Macher dieser Geschichten kommerziellen Erfolg haben möchte – und Redaktionen brauchen kommerziellen Erfolg. Die gute Reportage ist immer auch Selbstbetrug Der Grund für das Gelingen dieser Masche ist unsere Hoffnung als Rezipienten eines Mediums, durch dieses uns die Welt begreifbarer zu machen, rational und beurteilbar. Darum braucht eine Geschichte, die wir als positiv empfinden, eine innere Kausalität – ganz anders als die Wirklichkeit da draußen, die für uns meist unkontrollierbar und chaotisch scheint. Eine gute Geschichte spendet Trost, selbst wenn ihr Stoff grausam oder tragisch ist. Denn wir verstehen wenigstens, warum etwas so passieren musste – oder wir glauben zumindest, zu verstehen. Wir betrügen uns selbst und das müssen wir, um Erkenntnis zu erlangen. Durch diesen Widerspruch zwischen Anspruch der Reportage, der Wirklichkeit nahezukommen und unseren Erwartungen an die gute Geschichte, entstehen diese ungewollten Fälschungen (was mit dem vorsätzlichen Betrug von Claas Relotius nichts zu tun hat!). Natürlich kann die Reportage die Wirklichkeit nie abbilden, diesen Anspruch wird ein Text egal welcher Gattung nicht erfüllen und sollte er auch nicht, ihn würde niemand lesen. Das Abbilden der Wirklichkeit im Text funktioniert schon allein deswegen nicht, weil der Autor seine erlebte Wirklichkeit in Zeichen abstrahiert, die erst im Kopf eines dem Autor meist fremden Lesers, mit völlig anderem Erfahrungsschatz und Denkweise, wieder eine konkrete Bedeutung bekommt. Eine Reportage ist immer eine Transformation der subjektiv erlebten Wirklichkeit des Autors in eine subjektiv gedachte Wirklichkeit des Lesers. Dabei findet eine Verständigung und ein Verstehen statt, gleichzeitig verlaufen die beiden Wirklichkeitsebenen von Autor und Leser niemals deckungsgleich.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/der-schwachsinn-der-metaebene/">Der Schwachsinn der Metaebene</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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<p class="intro">Journalisten behaupten, eine gute Reportage brauche eine Metaebene. Unser Autor <a href="https://hermes-baby.de/autorinnen-autoren/alexander-rupflin/">Alexander Rupflin</a> aber glaubt, eine Geschichte muss vor allem destilliert werden, um eine menschliche Wahrheit auszudrücken.</p>



<p>Und Georg Büchner schrieb: „Geht einmal euern Phrasen nach, bis zu dem Punkt, wo sie verkörpert<em><strong> </strong></em>werden.“ &#8211; Vorletztes Weihnachten sagten sie mir, die Reportage sei eine Erfindung. Das war hart. Das war die Zeit des großen „Fall Relotius“, da geriet die ganze Gattung in Verdacht, ein paar Journalisten erklärten, aus so einem Art Apocalypse-Now-Gefühl heraus, die Reportage sei ja nichts anders als eine Kurzgeschichte mit Wirklichkeitsbehauptung. Und dabei fanden sie für ihre Anklage auch noch ziemlich gute Belege. Umso länger ich darüber nachdachte, umso richtiger fand ich den Eindruck der Dramaturgie-Nihilisten, Reportagen sind häufig Kitsch – aber das liegt nicht an der Gattung, sondern an der Forderung nach „Metaebenen“. </p>



<p>Vorab will ich kurz deutlich machen: Die Reportage zeigt nur
einen Ausschnitt, einen Schnappschuss. Es ist nicht ihre Aufgabe, ein Ganzes zu
präsentieren. Es geht nicht darum, vollständig zu berichten oder den totalen Blick
auf etwas zu gewähren. Es geht – wie es Gotthold Ephraim Lessing so schön zur
Sprache bringt – um den „Fruchtbaren Augenblick“. Dieser Fruchtbare Augenblick
ist der Moment des Besonderen, der das Allgemeine darstellt. Ähnlich wie ein
Foto, ein Gemälde, die griechische Plastik. Es zeigt einen Ausschnitt, der über
sich als Moment hinaus geht und zugleich zurückverweist. Dadurch wird dem Leser
der Reportage ein Phänomen symbolisch schaubar und im Idealfall sogar
begreifbar.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Redaktionen wissen um die Macht der Metaebene</h3>



<p>Was ich damit meine: Reportagen können komplexe Zusammenhänge weder erläutern noch erklären, aber sie können als Schlaglicht einen Moment der Vergangenheit erhellen. Das geschieht durch „vollkommene Unmittelbarkeit“ wie Siegfried Kracauer über die (Reportage-)Fotografie schrieb. Dadurch erweckt die Reportage einen bereits verklungenen Moment der Wirklichkeit im Inneren des Lesers noch einmal zum Leben – und lässt den Leser damit, zumindest mittelbar <em>er</em>leben. Wiederum das führt zur Selbstwahrnehmung und wir als Leser werden bewusst in Bezug zur Welt und dessen Geschehen gesetzt. Mit der Fantasie des Lesers, seines individuellen Wissens und seiner Interpretationsfähigkeit, erweitert sich durch die Reportage dessen Kosmos.</p>



<p>Die Redaktionen wissen um diese Macht und versuchen deren Kraft einzusetzen, indem sie für die Reportage von uns Autoren eine „Metaebene“ fordern. Eine Metaebene im Journalismus bedeutet in etwa, eine allgemeingültige Aussage, die über der konkreten Geschichte, dem beschriebenen Einzelfall steht, und dem Leser implizit mitgegeben wird. </p>



<p>Wenn ich früher Journalisten nach einer exakten Definition
der Metaebene gefragt habe, bekam ich nie eine klare Antwort. Der Grund ist
vermutlich, weil es keine natürliche Metaebene gibt. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Bei Metaebenen klingt der Mythos der Reportage an</h3>



<p>Ich will es für diesen Text einmal selbst versuchen: Die
Metaebene meint die Reflexionsebene, sie ist nicht die Ebene des Themas.
Mittelbar nimmt der Text auf dieser Ebene auf sich selbst Bezug. (Zu
offensichtlich geschieht das manchmal mit Phrasen wie „<em>Das ist eine
Geschichte über …</em>“) Auf der Metaebene klingt etwas an, das ich als „Mythos“
bezeichne: Das Grundlegende, die innerste Bedeutung des Erzählten, einer
Wahrheit die tiefer liegt, als das rein Faktische. Etwas, das nicht durch
Studien belegt wird. Hier betreibt der Autor Weltdeutung und wird unter
Umständen allegorisch.</p>



<p>Es ist der Mythos, der durchs Denken einer Metaebene der
Reportage eingehaucht werden soll. Ich fürchte aber, dass genau diese Denkweise
ihr Ziel verfehlt und statt die Wahrheit eines menschlichen Mythos zu
formulieren, Klischees produziert.</p>



<p>Klar, reine Erlebnisse haben zuerst keine Metaebene, weil
natürlich nichts geschieht als ein Symbol für etwas Allgemeingültiges. Also
wird die Metaebene in aller Regel künstlich am Schreibtisch oder in der
Redaktionskonferenz entworfen – auch, bevor die Recherche begonnen hat. Es sind
Ideen, Interpretationen, Vorurteile. Klassische Stereotypen, Denkmuster und
Erwartungen – sie müssen im Anschluss der Wirklichkeitsprüfung von uns Reportern
standhalten. Im übelsten Fall kommen dadurch die Reportagen zustande, deren
Verlauf ich schon kenne, sobald ich den Teaser gelesen habe. Das klingt
zunächst nach einer allgemeinen Kritik an mangelnder Textqualität, die wiederum
vom genauen Ausloten der Zu- und Umstände abhängt. Aber mir fallen diese
vorhersehbaren Geschichten ausgerechnet bei den ganz großen Magazinen auf. </p>



<p>Und natürlich, Erfolg gibt deren Redaktion recht. Die
Denkweise in sogenannten Metaebenen, die in Wahrheit weniger Ebenen, als
vielmehr Schubladen sind (warum genau, dazu später), entspricht unseren
plakativen Lesererwartungen. Als Leser wollen wir keine allzu großen
Überraschungen, es darf ein paar Wendungen und Drehungen geben, um Spannung zu
erzeugen, ob wir mit unseren Erwartungen auch wirklich richtig liegen, aber am
Ende muss die Geschichte doch so gebaut sein, dass sie uns als Leser
befriedigt. Zumindest, wenn man als Macher dieser Geschichten kommerziellen
Erfolg haben möchte – und Redaktionen brauchen kommerziellen Erfolg. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Die gute Reportage ist immer auch Selbstbetrug</h3>



<p>Der Grund für das Gelingen dieser Masche ist unsere Hoffnung
als Rezipienten eines Mediums, durch dieses uns die Welt begreifbarer zu machen,
rational und beurteilbar. Darum braucht eine Geschichte, die wir als positiv empfinden,
eine innere Kausalität – ganz anders als die Wirklichkeit da draußen, die für
uns meist unkontrollierbar und chaotisch scheint. Eine gute Geschichte spendet
Trost, selbst wenn ihr Stoff grausam oder tragisch ist. Denn wir verstehen
wenigstens, warum etwas so passieren musste – oder wir glauben zumindest, zu
verstehen. Wir betrügen uns selbst und das müssen wir, um Erkenntnis zu
erlangen. Durch diesen Widerspruch zwischen Anspruch der Reportage, der
Wirklichkeit nahezukommen und unseren Erwartungen an die gute Geschichte,
entstehen diese ungewollten Fälschungen (was mit dem vorsätzlichen Betrug von
Claas Relotius nichts zu tun hat!).</p>



<p>Natürlich kann die Reportage die Wirklichkeit nie abbilden,
diesen Anspruch wird ein Text egal welcher Gattung nicht erfüllen und sollte er
auch nicht, ihn würde niemand lesen. Das Abbilden der Wirklichkeit im Text
funktioniert schon allein deswegen nicht, weil der Autor seine erlebte
Wirklichkeit in Zeichen abstrahiert, die erst im Kopf eines dem Autor meist
fremden Lesers, mit völlig anderem Erfahrungsschatz und Denkweise, wieder eine
konkrete Bedeutung bekommt. Eine Reportage ist immer eine Transformation der
subjektiv erlebten Wirklichkeit des Autors in eine subjektiv gedachte
Wirklichkeit des Lesers. Dabei findet eine Verständigung und ein Verstehen
statt, gleichzeitig verlaufen die beiden Wirklichkeitsebenen von Autor und
Leser niemals deckungsgleich. Dazu kommt noch, dass der Autor durch Auswahl und
Wortwahl die Möglichkeiten der zu denkenden Wirklichkeiten des Lesers allerdings
stark einschränkt. So lässt sich sagen, die Wahrheit eines Textes ist an das
Verstehen gekoppelt.</p>



<p>Diese Wahrheit der Reportage ist im Idealfall eine Wahrheit,
die andere journalistische Formen nicht transportieren können: die menschliche
Wahrheit (wie ich sage: „der Mythos“). Eine Wahrheit, die nicht innerhalb von
Zahlen, Fakten und Studien liegt, sondern im Empfinden des Menschen als Mensch
innerhalb seines Lebens, und zwar durch das Miterleben der Geschichte eines
anderen Menschen. Die Reportage ist die einzige journalistische Form, die uns
als empathische Wesen anspricht. Es sind gedankliche Testdurchläufe für das
eigene Leben: Indem der Leser das Wohl und Weh der Protagonisten in der
Reportage nachvollzieht, lernt er etwas über die menschliche Natur innerhalb
seines politischen, gesellschaftlichen, ökologischen, kulturellen Umfelds. Beim
Lesen der Reportage befasst sich der Leser also zugleich mit der eigenen
Innenwelt als auch mit der eigenen Außenwelt als auch mit der Welt der anderen
– und er fühlt mit. Allerdings nur solange die Geschichte von einer solchen
menschlichen Wahrheit handelt. Dann kann ein ästhetischer Moment entstehen.
Dann hat die Reportage literarische Qualität. – Andernfalls durchschaut der
Leser die Fälschung und legt die Reportage beiseite oder, schlimmer, er fällt
darauf hinein und gibt sich mit einem allzu simpel gezeichneten Weltbild
zufrieden. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Warum die gute Reportage keine Metaebene braucht</h3>



<p>Die Frage ist, wie kann das Problem der konstruierten Metaebene
umgangen werden, ohne dass der Autor zugleich die Frage nach der menschlichen
Wahrheit (dem Mythos) innerhalb der Geschichte ausblendet.</p>



<p>Die Metaebene ist ein Konstrukt, ein Bauwerk, das die
Reportage künstlich zusammenhalten soll. „Meta“ steht für höher stehend, ein
Überbau. Sie wird gemacht. Sie ist eine Erfindung, die aus gemachten
Erfahrungen unseres Lebens, aber auch derer aus kommerziellen Filmen, Märchen,
(schlechten) Romanen und Werbung stammen. Die wahrhaftige Reportage verträgt
keine Erfindung.</p>



<p>Mir fällt da eine Behauptung des Schriftstellers Raymond
Chandler ein: „Eine gute Geschichte, kann man sich nicht ausdenken, sie muss
destilliert werden.“ – Das gilt, denke ich, für die Literatur genauso wie für
die Reportage. Ein Destillat ist, anders als ein Überbau, ein Bestandteil des
Ganzen, es ist Elixier und Ergebnis einer Abtrennung vom gesamten,
ursprünglichen Stoff. Es ist das Gegenteil des Konstrukts. Es ist das Ergebnis
einer Auseinandersetzung mit dem Ursprünglichen. Man schöpft etwas ab, man baut
nicht dazu. Man offenbart, man überdeckt nicht. Ein Suchen, ohne zu Wissen, was
genau man sucht, bis man es gefunden hat, weil es klar, rein und flüssig vor
einem liegt. Es ist eine ganz andere Verfahrensweise, eine Geschichte zu
destillieren, als eine Metaebene zu entwerfen. Ich bin davon überzeugt, das
führt dann automatisch dazu, dass die Geschichte Wellen, Kanten, Brüche,
Untiefen aufweist. Zugleich bleibt sie kausal – wieso, dazu gleich noch.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Destillieren statt Metaebenen konstruieren</h3>



<p>Es geht mir hier nicht um eine reine Begrifflichkeit, sondern
um einen anderen Denkansatz. Der Werbetexter John Bevins beschreibt die
Methode, wie er zu seinen Ideen kommt nämlich so: „Du weißt nie, wonach du
suchst, bis du es gefunden hast, und du wirst es nie finden, wenn du weißt,
wonach du suchst.“ Man mag meinen, gerade ein Werbetexter sei die schlechteste
Quelle, wenn es darum geht, wie man etwas Wahrhaftiges zu Papier bekommt. Aber
es ist doch so: Wirklich gute Werbung funktioniert, wenn sie eine Wahrheit
formuliert, eine Sehnsucht, die uns soweit empfänglich macht für das Produkt,
dessen Nutzen wir dann nicht mehr anzweifeln.</p>



<p>Wie gelingt es uns, im gesammelten und recherchierten Stoff
die menschliche Wahrheit zu destillieren? Mein Werkzeug ist die Frage nach dem
„Warum?“. Das Fragewort „Warum“ führt in der Antwort zum Grund oder dem Motiv
einer Sache oder einer menschlichen Handlung. Die Antwort trägt darum
automatisch eine Kausalität in sich. Diese Kausalität wird in meinem
Schreibprozess zu den Gliedern der (im Sinne der Logik) Wahrheit der
Geschichte. Die Frage nach dem „Warum?“ stelle ich meinem Material solange, wie
ich sie als Kind meinen Eltern gestellt habe: bis keine Antwort mehr kommt. </p>



<p>Wenn ich es ganz genau nehme, muss ich dann meinen Stoff mit
der Frage „Wieso?“ noch ein zweites Mal destillieren, um die reinen Ursachen
des Geschehens abzusondern. Dann muss ich bloß noch schreiben &#8230;</p>
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		<item>
		<title>Erzählen hat Methode: Zitate &#8211; Wirkung durch Wortlaut</title>
		<link>https://hermes-baby.de/journalismus-autoren-manuel-stark-tipps-erzaehlen-durch-zitate/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stark]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Apr 2020 07:09:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Textchef-Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[handwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Manuel Stark]]></category>
		<category><![CDATA[schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[schreibstark]]></category>
		<category><![CDATA[schreibtipps]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In dieser Reihe teilt unser Autor Manuel Stark jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte! Kapitel2: Zitate &#8211; Wirkung durch Wortlaut Zitate sind eines der wertvollsten Instrumente im Werkzeugkasten eines Schreibers. Sie können einen Text lebendiger machen und Wissen erzählerisch transportieren. Wenn man sie gut wählt. Setzt ein Autor Zitate willkürlich ein, ohne genaues Wissen um die Wirkung der zitierten Worte, bewirken sie das Gegenteil. Sie töten den Lesefluss. Zahlen, Daten und Fakten in Zitaten zu vermitteln ist beliebt. Und ein Grundsatzfehler. Die sogenannte „Expertenstimme“ eignet sich gut für Radiobeiträge, ein Wissenschaftler beispielsweise nennt Daten und Fakten mit der eigenen Stimme. Das macht die Einordnung authentisch und verleiht dem Beitrag Seriosität. Das geschriebene Wort aber funktioniert nicht derart direkt über den Wechsel von Stimmfarbe und Sprachmelodie. Hervorragende Zitate in einem Text wirken als Szenen. Besonders deutlich wird das in Dialogen, in denen kurze Sprach-Frequenzen von mindestens zwei Personen uns eine kleine Geschichte erzählen. A: Komm sofort zurück! B: Nein! A: Du versaust dir dein Leben, wenn du das tust! B: Was kümmert es dich? Du bist nicht meine Mutter! A: Doch. Weil sie Stimmung entfalten können, werden Dialoge oft als „beste“ oder „eleganteste“ Form des wörtlichen Zitats beschrieben. Das stimmt nicht. Herausragende Zitate können völlig abseits eines Dialogs stehen und den Leser dennoch mit der Wucht eines Peitschenhiebs treffen. Wenn sie als Szene gedacht werden und als solche funktionieren. Der Vorteil eines jeden Dialogs ist: Er zwingt Zitate in Szenen. Ein gutes Zitat verrät dem Leser etwas über die Stimmungslage oder die Meinung des Sprechers, im besten Fall enthüllt es einen Teil seines Charakters. Merksatz: Gute Zitate wirken als Szenen, sie sind Teil einer Handlung oder enthüllen etwas über die Meinung, Stimmungslage oder die Persönlichkeit der zitierten Person. Beispiele: &#8211; Ihr erstes Mal war auf einem Bett in Offenburg, in einem unaufgeräumten Jungenzimmer. Sie sagte ihm: „Das ist mein erstes Mal.“ „Soll ich Kerzen anmachen?“ „Nicht nötig.“ (Britta Stuff &#8211; Die junge Frau, die keine Erregung empfindet, WELT) &#8211; „In das schicke Zeug muss ich heute noch früh genug“, sagt mein alter Lehrer. Er greift sich eine Anzugjacke, zieht sie nicht an und steigt ins Auto, wie ich ihn kenne: in Pulli und ausgewascherner Jeans. (Manuel Stark &#8211; Schulfrei, Schade, DIE ZEIT) &#8211; Der Junge nimmt die Parfumflasche aus seinem Rucksack und besprüht die Ameisen und Blumen am Wegesrand. „Jetzt riechen sie gut“, sagt er, während sich die Insekten krümmen und verenden. (Karl Grünberg &#8211; Kinder in Not, Tagesspiegel)</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">In dieser Reihe teilt unser Autor <a rel="noreferrer noopener" href="https://hermes-baby.de/autorinnen-autoren/manuel-stark/" target="_blank">Manuel Stark</a> jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte! </p>



<p class="quelle">Kapitel2: Zitate &#8211; Wirkung durch Wortlaut</p>



<p>Zitate sind eines der wertvollsten Instrumente im Werkzeugkasten eines Schreibers. Sie können einen Text lebendiger machen und Wissen erzählerisch transportieren. Wenn man sie gut wählt. Setzt ein Autor Zitate willkürlich ein, ohne genaues Wissen um die Wirkung der zitierten Worte, bewirken sie das Gegenteil. Sie töten den Lesefluss.<br> <br>Zahlen, Daten und Fakten in Zitaten zu vermitteln ist beliebt. Und ein Grundsatzfehler. Die sogenannte „Expertenstimme“ eignet sich gut für Radiobeiträge, ein Wissenschaftler beispielsweise nennt Daten und Fakten mit der eigenen Stimme. Das macht die Einordnung authentisch und verleiht dem Beitrag Seriosität. Das geschriebene Wort aber funktioniert nicht derart direkt über den Wechsel von Stimmfarbe und Sprachmelodie.<br> <br>Hervorragende Zitate in einem Text wirken als Szenen. Besonders deutlich wird das in Dialogen, in denen kurze Sprach-Frequenzen von mindestens zwei Personen uns eine kleine Geschichte erzählen.<br> <br> A: Komm sofort zurück!<br> B: Nein!<br> A: Du versaust dir dein Leben, wenn du das tust!<br> B: Was kümmert es dich? Du bist nicht meine Mutter!<br> A: Doch.<br> <br>Weil sie Stimmung entfalten können, werden Dialoge oft als „beste“ oder „eleganteste“ Form des wörtlichen Zitats beschrieben. Das stimmt nicht. Herausragende Zitate können völlig abseits eines Dialogs stehen und den Leser dennoch mit der Wucht eines Peitschenhiebs treffen. Wenn sie als Szene gedacht werden und als solche funktionieren. Der Vorteil eines jeden Dialogs ist: Er zwingt Zitate in Szenen. <br> <br>Ein gutes Zitat verrät dem Leser etwas über die Stimmungslage oder die Meinung des Sprechers, im besten Fall enthüllt es einen Teil seines Charakters.</p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Merksatz:</span></strong><br><br>Gute Zitate wirken als Szenen, sie sind Teil einer Handlung oder enthüllen etwas über die Meinung, Stimmungslage oder die Persönlichkeit der zitierten Person.</p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Beispiele:</span></strong><br><br><em>&#8211; Ihr erstes Mal war auf einem Bett in Offenburg, in einem unaufgeräumten Jungenzimmer. Sie sagte ihm:  „Das ist mein erstes Mal.“<br> „Soll ich Kerzen anmachen?“<br> „Nicht nötig.“</em> (<span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Britta Stuff</span> &#8211; <a rel="noreferrer noopener" aria-label="Die junge Frau, die keine Erregung empfindet (opens in a new tab)" href="https://www.welt.de/vermischtes/article119591949/Die-junge-Frau-die-keine-Erregung-empfindet.html" target="_blank"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">Die junge Frau, die keine Erregung empfindet</span></a>, WELT)<br><br>&#8211;  <em>„In das schicke Zeug muss ich heute noch früh genug“, sagt mein alter Lehrer. Er greift sich eine Anzugjacke, zieht sie nicht an und steigt ins Auto, wie ich ihn kenne: in Pulli und ausgewascherner Jeans.</em>  (<span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Manuel Stark</span> &#8211; <a rel="noreferrer noopener" aria-label="Schulfrei, Schade (opens in a new tab)" href="https://www.zeit.de/2020/03/grundschullehrer-pension-rente-schule-kinder-engagement" target="_blank"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">Schulfrei, Schade</span></a>, DIE ZEIT) <br><br><em>&#8211;  Der Junge nimmt die Parfumflasche aus seinem Rucksack und besprüht die Ameisen und  Blumen am Wegesrand. „Jetzt riechen sie gut“, sagt er, während sich die Insekten krümmen und verenden.</em> (<span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Karl Grünberg</span> &#8211; <a rel="noreferrer noopener" aria-label="Kinder in Not (opens in a new tab)" href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-kinder-in-not-unterwegs-mit-dem-krisendienst-des-jugendamts/22852826.html" target="_blank"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">Kinder in Not</span></a>, Tagesspiegel)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/journalismus-autoren-manuel-stark-tipps-erzaehlen-durch-zitate/">Erzählen hat Methode: Zitate &#8211; Wirkung durch Wortlaut</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<item>
		<title>Wo die Geschichten stranden</title>
		<link>https://hermes-baby.de/wo-die-geschichten-stranden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Benedikt Herber]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Apr 2020 14:39:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Benedikt Herber]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die marokkanische Hafenstadt Tanger galt einst als Sehnsuchtsort amerikanischer Dandys. Heute kämpfen Einheimische für die Eigenständigkeit ihrer Kunst – und gegen den Widerstand des konservativen Islam Von Benedikt Herber, CICERO, 01.04.2020 Es gibt diesen Tanger-Mythos: Du bist eigentlich nur auf der Durchreise, aber irgendetwas hält dich fest – und ehe du dich versiehst, kaufst du dir ein Haus, beobachtest für den Rest deines Lebens mit einem frisch gepressten Orangensaft in der Hand, wie sich die Wellen vor der Kasbah brechen. Tanger ist wie ein Magnet, wer ihm zu nahe kommt, kann sich ihm nicht entziehen. Ein schwarzes Loch, das dich verschluckt. Wenn Tanger also die Stadt der Gelegenheitsabenteurer ist, dann gehört Mohammed Mrabet eigentlich gar nicht hier her. Denn Mrabet, der Maler und Geschichtenerzähler, wollte nie woanders sein.&#160; An der Straße von Gibraltar wirkt es fast so, als würden sich Europa und Afrika die Finger reichen. Rund zehn Seemeilen sind es von Spanien übers Mittelmeer bis nach Tanger, der Millionenstadt im Norden Marokkos. Mit der Fähre vom andalusischen Tarifa aus braucht man für die Strecke etwas mehr als eine Stunde. Schon wenn sich das Schiff der afrikanischen Küste nähert, zeigt sich Tanger mit seinem gesamten Charme: Die weißen Altstadthäuschen reihen sich manierlich wie Bausteine aufeinander, vom Hafen bis hoch zur historischen Festung, der Kasbah. Vom ersten Moment an ist der Reisende erfüllt durch diese Tanger-spezifische Leichtigkeit. Am Stadtstrand traben Kamele und Pferde durch den Sand, der Geruch von Kümmel, Safran und frischem Obst liegt in der Luft, und auf den Dachterrassen tanzt die Wäsche im warmen Wind des Mittelmeers.&#160; Es fällt nicht schwer nachzuvollziehen, welche Faszination Tanger auf die vielen großen Schriftsteller hatte, die sich im 20.Jahrhundert in den hektischen Gassen der Medina, der traditionellen muslimischen Altstadt, einnisteten: William S. Burroughs, Paul und Jane Bowles, Jack Kerouac, Allen Ginsberg, Truman Capote, Tennessee Williams. Allesamt Outsider des amerikanischen Literaturbetriebs, Querköpfe, Dandys.&#160; Burroughs, der in Tanger viele Jahre verbrachte, sprach in seinem drogenhalluzinierenden „Naked Lunch“ von der „Interzone“, einem Niemandsland zwischen den Welten. Er suchte hier, was er weder in Europa noch Amerika finden konnte. Denn das Tanger seiner Zeit verband die Schönheit des Orientalischen mit einer historisch einzigartigen Freizügigkeit, mit Drogen und (häufig homosexuellem) Sex. Burroughs und die anderen fanden all das an dem Ort, der so leichtfüßig alle Erwartungen brach, wie Okzident und Orient doch bitte zu sein haben.&#160; Tanger ist ein Kind des Spätkolonialismus. Als strategisches Tor nach Nordafrika war die Stadt hoch attraktiv: für die Spanier und die Franzosen, die den Rest Marokkos unter sich aufteilten. Auch für Deutschland, das 1905 eine diplomatische Krise auslöste, als Wilhelm II. die Stadt besuchte. 1923 machten acht Mächte die Stadt und ihr Umland zur internationalen Zone, in der de facto Anarchie herrschte. Sie existierte bis 1956. Tanger entzog sich der Regierung Marokkos, wurde zum Rückzugsort für die Anarchisten des Spanischen Bürgerkriegs, zum Paradies für Spione, für Schmuggler. Und für jeden, der sich ein Leben außerhalb bürgerlicher Regelsysteme wünschte. Es florierten Schwulenbordelle, Drogen gab es an jeder Straßenecke zu kaufen.&#160; Heute stellen sich andere Fragen: Kann ein Tanger der radikalen Freiheit dem vorpreschenden muslimischen Konservatismus trotzen? Und wie frei kann sich dieser marokkanische Kulturbetrieb von seinen westlichen Vorbildern machen? 1931 besuchte ein junger Amerikaner namens Paul Bowles das erste Mal Tanger. Fast zwei Jahrzehnte später sollte er mit seiner Ehefrau Jane wiederkommen und bleiben. Bowles schrieb in Tanger „Sheltering Sky“, „Himmel über der Wüste“. Ein existenzialistischer Roman über drei Amerikaner unterwegs in der Sahara, 1949 erstmals erschienen. „Wir sind keine Touristen, wir sind Reisende. Ein Tourist ist jemand, der vom Moment der Ankunft über das Nachhausekommen nachdenkt“, heißt es am Anfang des Buches. Bowles fand in Tanger sein neues Zuhause.&#160; „Sheltering Sky“ trug dazu bei, dass Tanger zum Sehnsuchtsort einer kulturellen Avantgarde wurde. Projektionen eines wilden, romantischen Orients verbanden sich hier mit den Freiräumen für einen anarchistischen Hedonismus. Dabei war diese Avantgarde eine westliche, sie blieb meist unter sich. Das Interesse des dauerberauschten Burroughs für die Menschen vor Ort galt vor allem minderjährigen Lustknaben. Die gelebte Freiheit im Orient hatte einen kolonialistischen Beigeschmack.&#160; &#160;„Sheltering Sky“ hat das Leben der Schweizer Autorin Amsél Muheim verändert. Die Wohnung der dunkelhaarigen Dame mit markantem Züricher Akzent und dem Hang zu grellen Kleidungselementen liegt im vierten Stock eines herrlichen Altbaus, in einer Nebenstraße beim Place de France. Draußen riecht es nach Bratfett und Autoabgasen. Motoren, Straßenhändler und Kleinkinder kreischen um die Wette. Drinnen: einladendes, weitläufiges Wohnzimmer, verwinkelte Gänge, an der Wand hängt Kunst von Mohammed Drissi, einer Art marokkanischem Ernst Ludwig Kirchner. Der Balkon gibt den Blick auf den glitzernden Teppich des Mittelmeers frei, wie auf einem impressionistischen Gemälde verläuft das Blau des Meeres an seinen Rändern mit dem grauen Küstenstreifen Spaniens.&#160; Die erste Berührung mit „Sheltering Sky“ hatte Amsél dank Bernardo Bertolucci. Der hatte Bowles’ Roman 1990 verfilmt, Debra Winger und John Malkovich spielten das Ehepaar Kit und Port Moresby. Eine Offenbarung: „Ich war überwältigt“, sagt sie. „Es ging um Freiheit – um die Frage, wie frei ein Mensch sein kann. Frei von alten Mustern, von seinem kulturellen Hintergrund.“ Und dann diese Bilder: die Weiten der Wüste, die engen Gassen der Medina – „atemberaubend“. Amsél, die junge Studentin mit drei kleinen Kindern, hatte einen Entschluss gefasst: Sie müsse nach Tanger. Als sie das erste Mal in der nordafrikanischen Stadt ankam, habe sie sich wie Paul Bowles in seiner&#160;Autobiografie „Without Stopping“ gefühlt: Sie habe geahnt, dass hier Probleme gelöst würden, von deren Existenz sie bisher noch nicht einmal wusste. Was Tanger ausmache? „Schwer zu sagen“, sagt Amsél. „Es ist, wie wenn du dich verliebst. Warum ausgerechnet in diese Person? Vielleicht ist es das Orientalische, vielleicht der Mix der Kulturen. Und die geografische Lage als Brücke zwischen Okzident und Orient.“&#160; Wie sieht es der heute 84-jährige Mohammed Mrabet? Der Maler erzählt langsam und in seinem Tanjawi-Dialekt von seiner Kindheit, es klingt wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht: Jeden Tag hätten er und seine 24 Geschwister frischen Fisch aus dem Mittelmeer gegessen. „Wir aßen wie die Löwen“, sagt Mrabet. Er kenne keinen besseren Ort als das Tanger</p>
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<p class="intro">Die marokkanische Hafenstadt Tanger galt einst als Sehnsuchtsort amerikanischer Dandys. Heute kämpfen Einheimische für die Eigenständigkeit ihrer Kunst – und gegen den Widerstand des konservativen Islam</p>



<p>Von Benedikt Herber, <a href="https://www.cicero.de/kultur/tanger-geschichten-literatur-nordafrika-islam-william-burroughs-mohammed-mrabet/plus">CICERO</a>, 01.04.2020</p>



<p>Es gibt diesen Tanger-Mythos: Du bist eigentlich nur auf der Durchreise, aber irgendetwas hält dich fest – und ehe du dich versiehst, kaufst du dir ein Haus, beobachtest für den Rest deines Lebens mit einem frisch gepressten Orangensaft in der Hand, wie sich die Wellen vor der Kasbah brechen. Tanger ist wie ein Magnet, wer ihm zu nahe kommt, kann sich ihm nicht entziehen. Ein schwarzes Loch, das dich verschluckt. Wenn Tanger also die Stadt der Gelegenheitsabenteurer ist, dann gehört Mohammed Mrabet eigentlich gar nicht hier her. Denn Mrabet, der Maler und Geschichtenerzähler, wollte nie woanders sein.&nbsp;</p>



<p>An der Straße von Gibraltar wirkt es fast so, als würden sich Europa und Afrika die Finger reichen. Rund zehn Seemeilen sind es von Spanien übers Mittelmeer bis nach Tanger, der Millionenstadt im Norden Marokkos. Mit der Fähre vom andalusischen Tarifa aus braucht man für die Strecke etwas mehr als eine Stunde. Schon wenn sich das Schiff der afrikanischen Küste nähert, zeigt sich Tanger mit seinem gesamten Charme: Die weißen Altstadthäuschen reihen sich manierlich wie Bausteine aufeinander, vom Hafen bis hoch zur historischen Festung, der Kasbah. Vom ersten Moment an ist der Reisende erfüllt durch diese Tanger-spezifische Leichtigkeit. Am Stadtstrand traben Kamele und Pferde durch den Sand, der Geruch von Kümmel, Safran und frischem Obst liegt in der Luft, und auf den Dachterrassen tanzt die Wäsche im warmen Wind des Mittelmeers.&nbsp;</p>



<p>Es fällt nicht schwer nachzuvollziehen, welche Faszination Tanger auf die vielen großen Schriftsteller hatte, die sich im 20.Jahrhundert in den hektischen Gassen der Medina, der traditionellen muslimischen Altstadt, einnisteten: William S. Burroughs, Paul und Jane Bowles, Jack Kerouac, Allen Ginsberg, Truman Capote, Tennessee Williams. Allesamt Outsider des amerikanischen Literaturbetriebs, Querköpfe, Dandys.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://hermes-baby.de/wp-content/uploads/2020/11/Mrabet-3-1024x898.jpg" alt="" class="wp-image-3119"/><figcaption>Mohammed Mrabet in seinem Wohnzimmer</figcaption></figure>



<p>Burroughs, der in Tanger viele Jahre verbrachte, sprach in seinem drogenhalluzinierenden „Naked Lunch“ von der „Interzone“, einem Niemandsland zwischen den Welten. Er suchte hier, was er weder in Europa noch Amerika finden konnte. Denn das Tanger seiner Zeit verband die Schönheit des Orientalischen mit einer historisch einzigartigen Freizügigkeit, mit Drogen und (häufig homosexuellem) Sex. Burroughs und die anderen fanden all das an dem Ort, der so leichtfüßig alle Erwartungen brach, wie Okzident und Orient doch bitte zu sein haben.&nbsp;</p>



<p>Tanger ist ein Kind des Spätkolonialismus. Als strategisches Tor nach Nordafrika war die Stadt hoch attraktiv: für die Spanier und die Franzosen, die den Rest Marokkos unter sich aufteilten. Auch für Deutschland, das 1905 eine diplomatische Krise auslöste, als Wilhelm II. die Stadt besuchte. 1923 machten acht Mächte die Stadt und ihr Umland zur internationalen Zone, in der de facto Anarchie herrschte. Sie existierte bis 1956. Tanger entzog sich der Regierung Marokkos, wurde zum Rückzugsort für die Anarchisten des Spanischen Bürgerkriegs, zum Paradies für Spione, für Schmuggler. Und für jeden, der sich ein Leben außerhalb bürgerlicher Regelsysteme wünschte. Es florierten Schwulenbordelle, Drogen gab es an jeder Straßenecke zu kaufen.&nbsp;</p>



<p>Heute stellen sich andere Fragen: Kann ein Tanger der radikalen Freiheit dem vorpreschenden muslimischen Konservatismus trotzen? Und wie frei kann sich dieser marokkanische Kulturbetrieb von seinen westlichen Vorbildern machen?</p>



<p>1931 besuchte ein junger Amerikaner namens Paul Bowles das erste Mal Tanger. Fast zwei Jahrzehnte später sollte er mit seiner Ehefrau Jane wiederkommen und bleiben. Bowles schrieb in Tanger „Sheltering Sky“, „Himmel über der Wüste“. Ein existenzialistischer Roman über drei Amerikaner unterwegs in der Sahara, 1949 erstmals erschienen. „Wir sind keine Touristen, wir sind Reisende. Ein Tourist ist jemand, der vom Moment der Ankunft über das Nachhausekommen nachdenkt“, heißt es am Anfang des Buches. Bowles fand in Tanger sein neues Zuhause.&nbsp;</p>



<p>„Sheltering Sky“ trug dazu bei, dass Tanger zum Sehnsuchtsort einer kulturellen Avantgarde wurde. Projektionen eines wilden, romantischen Orients verbanden sich hier mit den Freiräumen für einen anarchistischen Hedonismus. Dabei war diese Avantgarde eine westliche, sie blieb meist unter sich. Das Interesse des dauerberauschten Burroughs für die Menschen vor Ort galt vor allem minderjährigen Lustknaben. Die gelebte Freiheit im Orient hatte einen kolonialistischen Beigeschmack.&nbsp;</p>



<p>&nbsp;„Sheltering Sky“ hat das Leben der Schweizer Autorin Amsél Muheim verändert. Die Wohnung der dunkelhaarigen Dame mit markantem Züricher Akzent und dem Hang zu grellen Kleidungselementen liegt im vierten Stock eines herrlichen Altbaus, in einer Nebenstraße beim Place de France. Draußen riecht es nach Bratfett und Autoabgasen. Motoren, Straßenhändler und Kleinkinder kreischen um die Wette. Drinnen: einladendes, weitläufiges Wohnzimmer, verwinkelte Gänge, an der Wand hängt Kunst von Mohammed Drissi, einer Art marokkanischem Ernst Ludwig Kirchner. Der Balkon gibt den Blick auf den glitzernden Teppich des Mittelmeers frei, wie auf einem impressionistischen Gemälde verläuft das Blau des Meeres an seinen Rändern mit dem grauen Küstenstreifen Spaniens.&nbsp;</p>



<p>Die erste Berührung mit „Sheltering Sky“ hatte Amsél dank Bernardo Bertolucci. Der hatte Bowles’ Roman 1990 verfilmt, Debra Winger und John Malkovich spielten das Ehepaar Kit und Port Moresby. Eine Offenbarung: „Ich war überwältigt“, sagt sie. „Es ging um Freiheit – um die Frage, wie frei ein Mensch sein kann. Frei von alten Mustern, von seinem kulturellen Hintergrund.“ Und dann diese Bilder: die Weiten der Wüste, die engen Gassen der Medina – „atemberaubend“. Amsél, die junge Studentin mit drei kleinen Kindern, hatte einen Entschluss gefasst: Sie müsse nach Tanger. Als sie das erste Mal in der nordafrikanischen Stadt ankam, habe sie sich wie Paul Bowles in seiner&nbsp;Autobiografie „Without Stopping“ gefühlt: Sie habe geahnt, dass hier Probleme gelöst würden, von deren Existenz sie bisher noch nicht einmal wusste. Was Tanger ausmache? „Schwer zu sagen“, sagt Amsél. „Es ist, wie wenn du dich verliebst. Warum ausgerechnet in diese Person? Vielleicht ist es das Orientalische, vielleicht der Mix der Kulturen. Und die geografische Lage als Brücke zwischen Okzident und Orient.“&nbsp;</p>



<p>Wie sieht es der heute 84-jährige Mohammed Mrabet? Der Maler erzählt langsam und in seinem Tanjawi-Dialekt von seiner Kindheit, es klingt wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht: Jeden Tag hätten er und seine 24 Geschwister frischen Fisch aus dem Mittelmeer gegessen. „Wir aßen wie die Löwen“, sagt Mrabet. Er kenne keinen besseren Ort als das Tanger der fünfziger Jahre: „Ich war in New York, in San Francisco und Iowa, in Mexiko, Brasilien, Frankreich, Spanien, Österreich, den Niederlanden, Deutschland. Nirgends war es so gut wie hier. Tanger ist wie eine Rose.“ Menschen aller Nationalitäten wollten hier leben.&nbsp;</p>



<p>Auf einer dieser ausschweifenden Partys, auf denen sich jeden Samstag die Ausländer Tangers versammelten, lernte Mrabet Jane Bowles kennen – die von Ängsten geplagte, knabenhafte Gattin Pauls, platonische Inspirationsquelle in einer Ehe, in der sich beide Partner mehr für Abenteuer mit Menschen des eigenen Geschlechts interessierten. Mrabet, als Arbeitskraft auf der Party, habe die Frau mit dem Kurzhaarschnitt alleine im Hof sitzen sehen, in der einen Hand eine Zigarette, in der anderen ein Bier. „Ich wollte wissen, warum sie mit niemanden sprach“, erzählt Mrabet. Jane grüßte ihn auf Marokkanisch. „Isäläm.“ Die Unterhaltungen auf der Party langweilten sie. „Sie deutete auf den Joint in meiner Hand und fragte, was ich da rauche. Dann nahm sie einen Zug davon und hustete. Ich sagte ihr, ich will ihr eine Geschichte erzählen.“&nbsp;</p>



<p>Jane gefielen Mrabets Geschichten so sehr, dass sie ihrem Mann davon erzählte. Paul Bowles habe Mrabet gefragt, wo er das Geschichtenerzählen gelernt hatte.&nbsp;</p>



<p>„Ich habe zwischen Bäumen studiert, bin über Steine gesprungen und in den Staub gefallen“, antwortete Mrabet – alles, was er konnte, lehrte ihn das Leben. Paul Bowles sah ihn überrascht an. Kaum ein Wort Marokkanisch habe Bowles gesprochen, erzählt Mrabet. „Er dachte, er könnte es. Nur Jane beherrschte die Sprache wirklich.“&nbsp;</p>



<p>Paul Bowles bot Mrabet an, seine Geschichten zu übersetzen und sie in Amerika zu publizieren. Immer seien sie unter Bowles Namen erschienen: „Sein gesamtes Spätwerk ist von mir“, behauptet Mrabet. „Er war eigentlich nie ein richtiger Schriftsteller.“ Von dem Geld aus Amerika habe er nie etwas gesehen. „Als er krank wurde, bin ich bei ihm geblieben. Ich trug ihn zu Bett, wusch ihn, half ihm auf die Toilette, habe für ihn gekocht. Er aber hat mir meine Geschichten gestohlen.“&nbsp;</p>



<p>Tanger veränderte sich. 1957 wurde die Stadt wieder Teil Marokkos. König Hassan II. vernachlässigte Tanger, den Sündenpfuhl. Nach dem Tod Hassans folgte ihm sein Sohn Mohammed VI. Der neue König, ein Freund ausschweifender Partys, resozialisierte Tanger – und machte die Stadt samt umliegender Region 1997 zur Freihandelszone mit Niedrigsteuern für Unternehmen. Zehn Jahre später eröffnete TangerMed, der heute drittgrößte Hafen des Mittelmeers. Der neue Wirtschaftsstandort brachte Arbeitsplätze internationaler Unternehmen, zog so immer mehr Menschen an. Lebten in den siebziger Jahren noch 170 000 Menschen in der Stadt, sind es inzwischen weit über eine Million. Tanger hatte innerhalb von ein paar Jahrzehnten seinen Freiheitsbegriff umgedichtet: Aus einem hedonistischen wurde ein ökonomischer. Die Wiedereingliederung Tangers in das Königreich Marokko veränderte die Stadt aber nicht nur wirtschaftlich. Wie im gesamten Land galt jetzt auch in Tanger die Scharia. Plötzlich stand Homosexualität wieder unter Strafe – und man könnte meinen, dass auch die Sache mit dem Rausch schwieriger werden würde.&nbsp;</p>



<p>Nördlich der eleganten Rue Mohammed V suchen ausgemergelte Katzen zwischen den Müllbergen nach Essbarem. Das Grenouille liegt an der Schnittstelle zwischen dem Tanger hübscher Cafés und dem dezenter Verwahrlosung. Nur wenige Meter weiter steht das Hotel, in dem William S.Burroughs „Naked Lunch“ schrieb. Als sich Abdellatif Mehdi und seine Freunde vor dem Grenouille treffen, ist es bereits Abend. Hier, oberhalb der steil abfallenden Hänge, hat man einen fantastischen Blick aufs Meer. Die auf sanften Hügeln versprengte Stadt umringt das tiefe Dunkel des Wassers mit einem Lichtermeer.&nbsp;</p>



<p>Abdellatif ist ein Mann mit gutbürgerlicher Erscheinung: freundliches Lächeln, kahl rasierter Kopf, Brille. Gutbürgerlich ist dagegen ein absolut unpassender Begriff, wenn es um Mehdis Malerei geht. „Ich glaube, dass Tanger für dieses Thema vielleicht nicht bereit ist“, sagt er. Er spricht von seiner neuen Arbeit, die er bald ausstellen will: „L’art et la mort“,&nbsp;„Die Kunst und der Tod“. Sehr morbide, viel Gerippe. Kunst solle doch gerade die existenziellen Fragen des menschlichen Daseins ausleuchten, sagt Mehdi. Wie das in Tanger mit den muslimischen Sittenvorstellungen läuft, erklärt Mehdi so: Alles darf, solange es hinter Wänden geschieht. Alkohol ist in Bars okay, zu Hause sowieso, nur auf öffentlichen Plätzen nicht. Mit dem Sex ist das ähnlich, auch mit dem nichtheterosexuellen.&nbsp;</p>



<p>Das Grenouille, französisch für „der Frosch“, verbindet klassische Musik und anspruchsvolle Malerei an den Wänden mit dem brachialen Charme von&nbsp;Fußballübertragungen. In Europa hätten die Menschen ein ganz falsches Marokkobild, sagt Asis, ein stämmiger, klein gewachsener Mann mit Glatze, der ein wenig wie Ben Kingsley aussieht, ein Freund von Abdellatif. Europäer blieben fern, weil sie Angst vor dem Islamismus hätten – dabei sei es hier viel sicherer als in den meisten europäischen Städten. Überhaupt sei Marokko ein Land mit großer Liberalität, auch wegen des Königs. Jeder hätte seinen Platz, unabhängig von der Religion. In keinem Land sei die jüdische Gemeinde beispielsweise so groß gewesen wie hier. Als viele nach Israel auswanderten, wollte Mohammed V., Großvater des heutigen Monarchen, sie eigentlich gar nicht gehen lassen: „Sie alle sind meine Kinder“, habe er gesagt.&nbsp;</p>



<p>Wie liberal Marokko wirklich ist, ist schwer zu sagen. In Marokko existiert neben der Scharia eine Verfassung. Wann nun diese und wann das wahrhaftige Wort Allahs gilt, ist oft willkürlich. Kulturschaffende haben weitreichende Freiheiten, weder Religion noch Politik oder Sexualität sind unumstößliche Tabus. Andererseits gab es den Fall der 14 inhaftierten Musiker: 2009 lösten Polizisten eine Bandprobe auf. Heavy-Metal-Musiker in ihren Mittzwanzigern, schwarze T-Shirts, angeblich hatten sie ihre Zigaretten in einem Totenschädel abgeascht. Die Staatsanwaltschaft stellte sie vor Gericht: Die Männer seien Satanisten, sie erschütterten den muslimischen Glauben.&nbsp;„Normale Menschen gehen mit Anzug und Krawatte ins Konzert“, sagte der Richter – und verhängte Haftstrafen von drei Monaten bis zu einem Jahr. Der Fall veränderte die Musikszene des Landes.</p>



<p>Die Brüder Nao, Monz und Youssef dachten nicht, dass sich in Marokko jemand für laute westliche Musik interessieren würde, für Grunge und Hardrock. Also verließen sie ihre Heimatstadt Tanger und gingen nach Europa, um Musik zu machen. In Reading, einer Stadt nahe London, gründeten sie die Band Lazywall, benannt nach einem Ort in Tanger: „Die Mauer der Faulen“. Zurück nach Marokko kamen sie erst durch die Einladung zum L’Boulevard-Festival in Casablanca. „Wir waren ganz überrascht“, erzählt Monz, der Gitarrist: „Ein Rockfestival in Casablanca? Unmöglich!“&nbsp;</p>



<p>Tatsächlich wurde das Festival 1999 gegründet, gerade einmal 500 Menschen kamen damals. Zehn Jahre später spielten die Brüder vor 20 000 Leuten, so etwas hatte es in Marokko vorher nie gegeben. Da kehrten die drei zurück nach Tanger. Das Festival war die direkte Folge der Inhaftierung der jungen Musiker. Damals gingen Zehntausende auf die Straße, protestierten, bis die Männer aus dem Gefängnis entlassen wurden. Die mediale Aufmerksamkeit für das Schicksal der jungen Musiker wurde zur Werbung für ein ganzes Genre, das L’Boulevard zu einer Art Woodstock des Orients. Für Nao von der Band Lazywall ist Tanger der Ort, an dem westliche Rockmusik im Orient angekommen ist. Paul Bowles hatte damals die Rolling Stones nach Tanger geholt, die mit den Panflötenmusikern von Jajouka performten. Wie auch Led Zeppelin sind die Stones unüberhörbar von marokkanischer Volksmusik beeinflusst. „Hier verflossen Okzident und Orient musikalisch“, sagt Nao. „Für uns schließt sich jetzt der Kreis. Damals haben wir diese Bands aus dem Okzident gehört, die sich von Marokko inspirieren ließen. Heute sei Lazywall eine marokkanische Band mit westlichem Einfluss.“&nbsp;</p>



<p>Die Epoche der großen amerikanischen Schriftsteller-Migranten in Tanger endete am 18. November 1999. An jenem Tag starb Paul Bowles, der einzige, der bis zum Schluss in der Stadt blieb. Bowles wurde 89 Jahre alt, er war einer der wenigen, denen ein langes Leben vergönnt war. Viele andere raffte der langjährige Drogen- und Alkoholkonsum frühzeitig&nbsp;dahin. Jack Kerouac, der Beat-Beau, der Autor der Ausbrecher-Bibel „On the Road“, starb einsam und alkoholkrank mit 47 Jahren in Florida. Der tuntige Exzentriker Truman Capote, von Halluzinationen geplagt, tingelte seine letzten Jahre durch Sanatorien und Krankenhäuser, starb 60-jährig. Tennessee Williams war 71 Jahre alt, als er angeblich an einem Flaschenverschluss für Nasenspray erstickte. Sein Bruder vermutete hingegen, Tennessee Williams sei ermordet worden, nachdem er zuvor Opfer schwulenfeindlicher Gewalt geworden war.&nbsp;</p>



<p>An seine letzte Begegnung mit William S.Burroughs kann sich Mohammed Mrabet noch genau erinnern. Er saß in einem Café. Als Burroughs zu ihm kam, habe er ihn gefragt, was er trinken wolle. „Tee mit Zitrone“, antwortete der Schriftsteller. Er habe gezittert, kaum sprechen können. Man hörte das Klappern seiner Zähne: „Tacktacktacktacktack.“ Ein paar Männer mussten ihn wegtragen. Eine Woche später war Burroughs, jahrzehntelang schwer heroinabhängig, tot. Er war immerhin 83 Jahre alt, als sein Herz versagte. Seine große Hinterlassenschaft ist der fragmentarische Antiroman „Naked Lunch“, ein halluzinierender Trip in die Tiefen der menschlichen Abgründe.&nbsp;</p>



<p>Was bleibt, außer der Erinnerung? Die Legende der großen literarischen Abenteurer, die in Tanger einen Ort fundamentaler Freiheit fanden und nie wieder wegwollten. Sie ist, will man Mohammed Mrabet Glauben schenken, auch die Geschichte eines großen Hinterhalts. Und doch stellt sich die Frage, ob der Geist der toten Männer aus Amerika nicht vielleicht doch einen Samen pflanzen konnte, dessen zarter Spross jetzt sichtbar wird. Ein Spross, der ein Hoffnungsschimmer ist in einer Gegenwart, in der die regressiven Tendenzen des konservativen Islams die Berichterstattung über muslimische Länder dominiert.&nbsp;</p>



<p>Mohammed Mrabet, das letzte Bindeglied zwischen dem Tanger der Beats und der Gegenwart, vermisst den frischen Fisch seiner Kindheit. Was es heute gebe, sei geschmackloses, tiefgefrorenes Zeug. „Gestern wollte ich mir Fisch am Hafen kaufen. Eine tiefgefrorene Goldbrasse kostet dort 13 Dollar. Früher bin ich für einen Dollar satt geworden.“ Sein Haus in den Außenbezirken Tangers verlasse er kaum noch. „Es gibt so viele Hochhäuser, wo soll ich hier noch spazieren gehen?“ Und die Frauen, die abends unten am Boulevard stehen, deren Gesichter voller Makeup sind. „Das hat alles nichts mehr mit mir zu tun.“ Vielleicht ist es in Tanger Zeit für eine neue Generation.&nbsp;</p>
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		<title>Erzählen hat Methode: Einstieg &#8211; Bruch &#038; Nähe</title>
		<link>https://hermes-baby.de/journalismus-autoren-manuel-stark-tipps-wie-gelingt-ein-guter-einstieg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stark]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2020 05:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Textchef-Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[handwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Manuel Stark]]></category>
		<category><![CDATA[schreiben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In dieser Reihe teilt unser Autor Manuel Stark jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte! Kapitel1: Einstieg &#8211; Bruch &#38; Nähe Ein Text braucht einen szenischen Einstieg, um zu wirken. So oder ähnlich lautet eine vielzitierte Regel gegenüber Einsteigern im Journalismus. Aber: Das ist nicht ganz wahr. Wichtig ist nicht die Szene, sondern die Nähe, die sie aufbaut. Damit ein Text Sog entwickelt, muss er von Beginn an einen Schlüsselreiz aufwerfen, also etwas, mit dem ein Leser sich identifizieren kann. Szenen eignen sich deswegen oft sehr gut, weil sie durch Handlungen Kino im Kopf erzeugen und wir uns gedanklich in fast jede Handlung einfühlen können. Denselben Effekt erzeugen kann aber auch ein Gedanke, eine Metapher oder eine Frage. Wichtig ist, klar, präzise und möglichst einfach zu formulieren anstatt sich in der Suche nach möglichst klangvollen Beschreibungen zu verlieren. Natürlich ist der Klang von Worten ein wertvolles Instrument, Nähe aber entsteht am besten durch das konkrete, das treffende Wort. Ein toller Einstieg liefert nicht nur Identifikation, sondern bricht mit dem Erwartbaren – und schafft so noch größere Nähe, durch Neugier. Merksatz: Jede gute Geschichte birgt das Versprechen, einen Teil von uns in ihr wiederzufinden – und jeder gute Einstieg ruft dieses Versprechen dem Leser zu. Beispiele: – „Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, aber jede unglückliche Familie ist auf ihre besondere Art unglücklich.“ (Tolstoi – Anna Karenina) – „Es ist Sonntag, milchblauer Glast hängt über dem Meer, und der Zwanzigtausend-Menschen-Retter hat keinen, der ihn feiert.“ (Dimitri Ladischensky – Das Dilemma des Commandante, mare Nr. 49) – „Die eigene Hässlichkeit kann ein Rausch sein. Wenn man sie umarmt und das Grauen in den Gesichtern derer sieht, die einen beobachten und verachten, aber sich nicht an einen herantrauen, dann strömt Macht durch die Adern wie elektrischer Strom.“ (Daniel Schulz – Wir waren wie Brüder, taz am Wochenende)</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">In dieser Reihe teilt unser Autor <a rel="noreferrer noopener" href="https://hermes-baby.de/autorinnen-autoren/manuel-stark/" target="_blank">Manuel Stark</a> jeden zweiten Montag handwerkliche Regeln und Hinweise zum Schreiben. Wir feiern den Erzähl-Journalismus. Weil eine Party nur zusammen Spaß macht, teilen wir unser Wissen. Und freuen uns über Austausch. Gemeinsam für die gute Geschichte! </p>



<p class="quelle">Kapitel1: Einstieg &#8211; Bruch &amp; Nähe</p>



<p>Ein Text braucht einen szenischen Einstieg, um zu wirken. So oder ähnlich lautet eine vielzitierte Regel gegenüber Einsteigern im Journalismus. Aber: Das ist nicht ganz wahr. Wichtig ist nicht die Szene, sondern die Nähe, die sie aufbaut. Damit ein Text Sog entwickelt, muss er von Beginn an einen Schlüsselreiz aufwerfen, also etwas, mit dem ein Leser sich identifizieren kann. Szenen eignen sich deswegen oft sehr gut, weil sie durch Handlungen Kino im Kopf erzeugen und wir uns gedanklich in fast jede Handlung einfühlen können. Denselben Effekt erzeugen kann aber auch ein Gedanke, eine Metapher oder eine Frage.<br> <br>Wichtig ist, klar, präzise und möglichst einfach zu formulieren anstatt sich in der Suche nach möglichst klangvollen Beschreibungen zu verlieren. Natürlich ist der Klang von Worten ein wertvolles Instrument, Nähe aber entsteht am besten durch das konkrete, das treffende Wort.<br> <br> Ein toller Einstieg liefert nicht nur Identifikation, sondern bricht mit dem Erwartbaren – und schafft so noch größere Nähe, durch Neugier.<br> <br><strong> <span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Merksatz:</span></strong><br><br>Jede gute Geschichte birgt das Versprechen, einen Teil von uns in ihr wiederzufinden – und jeder gute Einstieg ruft dieses Versprechen dem Leser zu.</p>



<p><strong><span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Beispiele:</span></strong><br> <br> – <em>„Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, aber jede unglückliche Familie ist auf ihre besondere Art unglücklich.“</em> (<span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Tolstoi</span> – <a rel="noreferrer noopener" aria-label="Anna Karenina (opens in a new tab)" href="https://books.google.de/books/about/Anna_Karenina.html?id=gepiivfV-t8C&amp;printsec=frontcover&amp;source=kp_read_button&amp;redir_esc=y#v=onepage&amp;q&amp;f=false" target="_blank"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">Anna Karenina</span></a>)<br> <br> – <em>„Es ist Sonntag, milchblauer Glast hängt über dem Meer, und der Zwanzigtausend-Menschen-Retter hat keinen, der ihn feiert.“</em> (<span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Dimitri Ladischensky</span> – <a rel="noreferrer noopener" aria-label="Das Dilemma des Commandante (opens in a new tab)" href="http://www.reporter-forum.de/fileadmin/pdf/Hansel-Mieth-Preis/Das_Dilemma_des_Commandante.pdf" target="_blank"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">Das Dilemma des Commandante</span></a>, mare Nr. 49)<br> <br> – <em>„Die eigene Hässlichkeit kann ein Rausch sein. Wenn man sie umarmt und das Grauen in den Gesichtern derer sieht, die einen beobachten und verachten, aber sich nicht an einen herantrauen, dann strömt Macht durch die Adern wie elektrischer Strom.“</em> (<span style="color: #000000;" class="ugb-highlight">Daniel Schulz</span> – <a rel="noreferrer noopener" aria-label="Wir waren wie Brüder (opens in a new tab)" href="https://taz.de/Jugendliche-in-Ostdeutschland/!5536453/" target="_blank"><span style="color: #e7b547;" class="ugb-highlight">Wir waren wie Brüder</span></a>, taz am Wochenende)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/journalismus-autoren-manuel-stark-tipps-wie-gelingt-ein-guter-einstieg/">Erzählen hat Methode: Einstieg &#8211; Bruch &#038; Nähe</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<title>Mein Mentor macht Schluss</title>
		<link>https://hermes-baby.de/mein-mentor-macht-schluss/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stark]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Mar 2020 10:59:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Stark]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Erziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Lehrer]]></category>
		<category><![CDATA[Manuel Stark]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ohne meinen alten Grundschullehrer wäre mein Leben anders verlaufen. Im größten Gebrüll lehrte Heinrich Zweyer den Respekt vor den Stillen. Was macht so ein Lehrer ohne seine Kinder? Ein Besuch am letzten Arbeitstag. Erschienen in DIE ZEIT, 09.01.2020 Es gibt Lehrer, die begeistern sich für ihr Fach, nicht für Kinder. Andere stellen Regeln auf und ahnden Verstöße mit Nachsitzen oder Strafarbeit. Herr Zweyer war anders. Er nahm Ideen ernst, dachte über Einwände nach. Er glaubte nie, es als Erwachsener sowieso besser zu wissen. 2013 fragte das Allensbach-Institut 536 Lehrer, wie viel Einfluss auf ihre Schüler sie zu haben glauben. Fast die Hälfte gab an: wenig oder keinen. Meine Erfahrung widerspricht ihrem Selbsturteil: In der dritten Klasse beobachtete ich immer wieder, wie ältere Schüler aus dem Gymnasium und der Realschule unsere Klasse besuchten. Sie nahmen meinen Lehrer in den Arm, nach dem Unterricht redeten sie mit ihm über Schule und Noten, Streit mit den Eltern und erste Probleme in der Liebe. Ich war eines dieser Kinder, die so lange »Warum?« fragten, bis das Gegenüber aufgab. Zweyer hat selten aufgegeben. Als ich in der vierten Klasse wissen wollte, woher Wasser kommt und wieso es nicht weniger wird, obwohl es so viele trinken, sprang er vom Mathe- Unterricht in die Heimat- und Sachkunde, ließ die Arbeitshefte wechseln und malte Skizzen an die Tafel. Den Kreislauf des Regens. Ähnliche Bilder sah ich das nächste Mal in der sechsten Klasse – Erdkunde-Unterricht. Der Inhalt ähnelte sich, nur die Wörter waren komplizierter. John Hattie, einer der einflussreichsten Bildungsforscher, sagt: Der Lehrer bestimmt, was Schüler lernen. Andere Einflüsse sind zweitrangig bis irrelevant. Ein Lehrer müsse den Einzelnen wahrnehmen und rasch entscheiden, wann er streng reagiert und wann mit Humor. In Hatties Thesen erkenne ich den Lehrer meiner Kindheit, der mit Liedern einsprang, wenn wir Schüler überfordert waren von Englisch oder Mathe, und der nur laut wurde, wenn man auch nach der dritten Ermahnung noch quatschte. Er sprach schnell und sprang zu Metaphern, wenn es half. Heinrich Zweyer war ein Gedankentänzer. Heute stolpern seine Sätze manchmal&#8230; [&#8230;] Gesamter Text in DIE ZEIT oder online auf zeit.de</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/mein-mentor-macht-schluss/">Mein Mentor macht Schluss</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Ohne meinen alten Grundschullehrer wäre mein Leben anders verlaufen. Im größten Gebrüll lehrte Heinrich Zweyer den Respekt vor den Stillen. Was macht so ein Lehrer ohne seine Kinder? Ein Besuch am letzten Arbeitstag.</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/2020/03/grundschullehrer-pension-rente-schule-kinder-engagement" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="DIE ZEIT (opens in a new tab)">DIE ZEIT</a>, 09.01.2020</p>



<p>Es gibt Lehrer, die begeistern sich für ihr Fach, nicht für Kinder. Andere stellen Regeln auf und ahnden Verstöße mit Nachsitzen oder Strafarbeit. Herr Zweyer war anders. Er nahm Ideen ernst, dachte über Einwände nach. Er glaubte nie, es als Erwachsener sowieso besser zu wissen.<br><br> 2013 fragte das Allensbach-Institut 536 Lehrer, wie viel Einfluss auf ihre Schüler sie zu haben glauben. Fast die Hälfte gab an: wenig oder keinen. Meine Erfahrung widerspricht ihrem Selbsturteil: In der dritten Klasse beobachtete ich immer wieder, wie ältere Schüler aus dem Gymnasium und der Realschule unsere Klasse besuchten. Sie nahmen meinen Lehrer in den Arm, nach dem Unterricht redeten sie mit ihm über Schule und Noten, Streit mit den Eltern und erste Probleme in der Liebe.<br><br>Ich war eines dieser Kinder, die so lange »Warum?« fragten, bis das Gegenüber aufgab. Zweyer hat selten aufgegeben. Als ich in der vierten Klasse wissen wollte, woher Wasser kommt und wieso es nicht weniger wird, obwohl es so viele trinken, sprang er vom Mathe- Unterricht in die Heimat- und Sachkunde, ließ die Arbeitshefte wechseln und malte Skizzen an die Tafel. Den Kreislauf des Regens. Ähnliche Bilder sah ich das nächste Mal in der sechsten Klasse – Erdkunde-Unterricht. Der Inhalt ähnelte sich, nur die Wörter waren komplizierter.<br><br> John Hattie, einer der einflussreichsten Bildungsforscher, sagt: Der Lehrer bestimmt, was Schüler lernen. Andere Einflüsse sind zweitrangig bis irrelevant. Ein Lehrer müsse den Einzelnen wahrnehmen und rasch entscheiden, wann er streng reagiert und wann mit Humor. In Hatties Thesen erkenne ich den Lehrer meiner Kindheit, der mit Liedern einsprang, wenn wir Schüler überfordert waren von Englisch oder Mathe, und der nur laut wurde, wenn man auch nach der dritten Ermahnung noch quatschte. Er sprach schnell und sprang zu Metaphern, wenn es half. Heinrich Zweyer war ein Gedankentänzer.<br> <br>Heute stolpern seine Sätze manchmal&#8230;</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Gesamter Text in DIE ZEIT oder online auf <a href="https://www.zeit.de/2020/03/grundschullehrer-pension-rente-schule-kinder-engagement">zeit.de</a></p>
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		<title>Liebesgeschichte eines Vergewaltigers</title>
		<link>https://hermes-baby.de/liebesgeschichte-eines-vergewaltigers/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Feb 2020 12:05:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Er wollte sie in ihrer Ehe vor allem immer dominieren. Als sie ihn betrog und dann verließ, drehte er durch – und vergewaltigte sie. Protokoll eines Männlichkeitswahns. Erschienen in DIE ZEIT, 21.02.2020 Damals, als er die Tat plante, an einem Frühlingstag, habe er zuerst weiße Kabelbinder und schwarzes Klebeband auf den Couchtisch gelegt. Sei danach ins Schlafzimmer gegangen und habe eine Webcam an seinen Laptop gesteckt und sie so ausgerichtet, dass das Bett im Bild war. Dann habe er noch eine Digitalkamera bereitgelegt, um sie, wehrlos daliegend, zu fotografieren. Nur eines habe er da im Sinn gehabt – ihr wehzutun. In seinem Kopf immer wieder derselbe Gedanke: &#8222;Was kann ich ihr antun, um meinen Schmerz loszuwerden und sie diesen Schmerz fühlen zu lassen? Ich kann keine Frau schlagen. Klar. Konnte ich nie. Aber demütigen. Das muss sein. Sie muss spüren, was ich gespürt habe&#160;&#8230;&#8220; Er habe sein Handy genommen und getippt: &#8222;Wir müssen reden. Kannst du morgen Abend kommen? Unser Sohn hat mir da was erzählt.&#8220; Ihre Antwort habe bald aufgeblinkt. Sie wolle vorbeischauen. Es war der 4.&#160;März 2010. Neun Jahre nach der Tat sitzt Paul (Name geändert) auf einer hellgrauen Stoffcouch in seinem Wohnzimmer in einem kleinen Ort in Schleswig-Holstein – und erzählt seine Geschichte. Ich bin aus einem bestimmten Grund hier, um dem Wahn dieses gewalttätigen Mannes zuzuhören. In Deutschland versucht durchschnittlich jeden Tag ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten. Laut Zahlen des Bundeskriminalamtes starben dabei im Jahr 2018 122 Frauen, dazu kommen Tausende Fälle von Vergewaltigung, Körperverletzung, Stalking und sexueller Nötigung. Angezeigt wurden 2018 fast 140.000 Fälle von Gewalt in der Partnerschaft. Der Mann, dem ich gegenüber sitze, ist kein Einzelfall. Rückblick, Juli 1999 auf Sylt: Es gibt sie, die Liebe auf den ersten Blick! Paul begegnete ihr in jenem Sommer. Miriam (Name geändert) kam mit ihrem Lover, ein paar Freunden und Pauls Bruder auf die Insel. Paul wohnte in Westerland. [&#8230;] Gesamter Text auf zeit.de Die Illustration stammt von Alexandra Rügler</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/liebesgeschichte-eines-vergewaltigers/">Liebesgeschichte eines Vergewaltigers</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Er wollte sie in ihrer Ehe vor allem immer dominieren. Als sie ihn  betrog und dann verließ, drehte er durch – und vergewaltigte sie.  Protokoll eines Männlichkeitswahns.   </p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/2020/09/gewalt-ehe-fremdgehen-rache-kontrolle-ehemann">DIE ZEIT</a>, 21.02.2020      </p>



<p>Damals, als er die Tat plante, an  einem Frühlingstag, habe er zuerst weiße Kabelbinder und schwarzes  Klebeband auf den Couchtisch gelegt. Sei danach ins Schlafzimmer  gegangen und habe eine Webcam an seinen Laptop gesteckt und sie so  ausgerichtet, dass das Bett im Bild war. Dann habe er noch eine  Digitalkamera bereitgelegt, um sie, wehrlos daliegend, zu fotografieren. </p>



<p>Nur eines habe er da im 
Sinn gehabt – ihr wehzutun. In seinem Kopf immer wieder derselbe 
Gedanke: &#8222;Was kann ich ihr antun, um meinen Schmerz loszuwerden und sie 
diesen Schmerz fühlen zu lassen? Ich kann keine Frau schlagen. Klar. 
Konnte ich nie. Aber demütigen. Das muss sein. Sie muss spüren, was ich 
gespürt habe&nbsp;&#8230;&#8220;
</p>



<p>Er habe sein Handy genommen und getippt: &#8222;Wir müssen reden. Kannst du morgen Abend kommen? Unser Sohn hat mir da was erzählt.&#8220;
</p>



<p>Ihre Antwort habe bald aufgeblinkt. Sie wolle vorbeischauen. Es war der 4.&nbsp;März 2010. 
</p>



<p>Neun Jahre nach der 
Tat sitzt Paul (Name geändert) auf einer hellgrauen Stoffcouch in seinem
 Wohnzimmer in einem kleinen Ort in Schleswig-Holstein – und erzählt 
seine Geschichte. Ich bin aus einem bestimmten Grund hier, um dem Wahn 
dieses gewalttätigen Mannes zuzuhören. In Deutschland versucht 
durchschnittlich jeden Tag ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu
 töten. Laut Zahlen des Bundeskriminalamtes <a class="" href="https://www.zeit.de/2019/51/frauenmorde-gewalt-partnerschaft-bundeskriminalamt" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> starben dabei im Jahr 2018 122 Frauen</a>, dazu kommen Tausende Fälle von <a href="https://www.zeit.de/thema/vergewaltigung">Vergewaltigung</a>,
 Körperverletzung, Stalking und sexueller Nötigung. Angezeigt wurden 
2018 fast 140.000 Fälle von Gewalt in der Partnerschaft. Der Mann, dem 
ich gegenüber sitze, ist kein Einzelfall. 
</p>



<p>Rückblick, Juli 1999 auf <a href="https://www.zeit.de/thema/sylt">Sylt</a>:  Es gibt sie, die Liebe auf den ersten Blick! Paul begegnete ihr in  jenem Sommer. Miriam (Name geändert) kam mit ihrem Lover, ein paar  Freunden und Pauls Bruder auf die Insel. Paul wohnte in Westerland. </p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Gesamter Text auf<a href="https://www.zeit.de/2020/09/gewalt-ehe-fremdgehen-rache-kontrolle-ehemann"> zeit.de</a></p>



<p>Die Illustration stammt von <a href="https://www.alexandraruegler.de/">Alexandra Rügler</a></p>


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		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">2802</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Lost &#038; Found in Tötensen</title>
		<link>https://hermes-baby.de/lost-found-in-toetensen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Dec 2019 13:50:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist einer der größten Medienskandale der deutschen Geschichte: Der &#8222;Spiegel“-Reporter Claas Relotius hat Dutzende Reportagen erfunden. Wie lebt einer weiter, dessen Leben in Trümmern liegt? Und was geht mich das an? Reportage: Alexander Rupflin Illustationen: Thomas Kuhlenbeck Der Ort heißt Tötensen. In den Gärten wehen an Fahnenmasten Deutschland- und Werder-Bremen-Flaggen; selten blaue HSV-Fähnchen. Und der Einzige, den man an einem üblichen Nachmittag hier auf den Straßen trifft, ist der Wind. I. Claas Relotius ist hier aufgewachsen und hier wohnt er wieder in seinem Elternhaus und er spielt gerne Fußball auf dem Fußballplatz, der fast direkt gegenüber des Elternhauses grünt. Er spielt Fußball eher im Stile von Bastian Schweinsteiger als Cristiano Ronaldo. Gelassen, trabend, die Übersicht bewahrend. Nicht der Typ, der sich in der Vordergrund drängt und ständig den Ball fordert. Keiner, der sich für jede gelungene Aktion feiert. Aber umgehen kann er mit dem Ball. Kann er wirklich. Um Claas Relotius und mir für ein gemeinsames Treffen ein paar Tage Zeit zu geben — man muss sich ja erst einmal annähern — mietete ich mich für eine Woche im Wox-Hotel ein, erleichtert, dass ein Ort, der keine Kirche hat, kein Rathaus, keinen Bäcker, keinen Metzger, keine Kneipe, immerhin ein Hotel bietet. Ich fühlte mich wohl, auch wenn ich nicht zur Erholung gekommen war. Dabei hätte ich ein wenig Entspannung vertragen können, nach den unzähligen Telefonaten, die ich in den Tagen vor meiner Ankunft geführt hatte, und die früher oder später immer damit geendet hatten, dass der andere in den Hörer rief: „Mit sowas will ich nichts zu tun haben. Nein, dazu sage ich gar nichts. Das geht Sie doch überhaupt nichts an!!“ Das erste Mal bin ich Claas Relotius im Winter 2018 in Berlin begegnet, bei der Verleihung des Deutschen Reporterpreises, in dem Festzelt gleich neben dem Kanzleramt. So hatte ich mir immer die Gala des „Immobilienmanager-Awards“ vorgestellt. Roter Teppich, buntes Licht, Häppchen, Sekt, Abendgarderobe, im Magen kitzelnde Bässe. Glamour, Baby! Aber irgendwie auch: O&#8217;zapft is! Im Zelt roch es nach der sanften Melange edler Eaux de Toilette und Schweiß und neben mir an der Bar stand Sascha Lobo. Als sein roter Hahnenkamm in einem Einspieler auf der überdimensionierten Leinwand erschien, blickte das Original starr auf den Boden und ertrug nicht, sich in Übergröße zu erleben. Hätte ich nicht gedacht. Drei Stunden verliehen die Veranstalter Preise in verschiedenen Kategorien. Bestes Interview, bester Datenjournalismus, bester Essay, beste Kulturkritik, beste Sportreportage, beste Wissenschaftsreportage, beste Lokalreportage und so weiter. Der Höhepunkt: die „Beste Reportage“. Sozusagen der Oskar unter den Journalistenpreisen. Der Gewinner: Claas Relotius. Applaus, pumpende Bässe, Laudatio, pumpende Bässe, Applaus. Relotius im Scheinwerferlicht. Über einem schwarzen Pullover trug er den schwarzen Slim-Fit-Anzug. Dazu braune Stiefel, die sagten: Sorry, muss gleich wieder von Gala zu Abenteuer und Blazer gegen Lederjacke tauschen. Der Moderator: „Jetzt sind Sie ja schon hin und wieder auf einer Preisverleihungsbühne als Preisträger gewesen. Wie verhindern Sie, dass Sie einer dieser Dicke-Hose-Journalisten werden?“ Relotius lächelte dünn und sanftmütig. Griff sich das Mikro. „Ich würde lieber über den Text sprechen, weil das wirklich ein ernstes Thema ist, und da so flapsig drüber reden, würde dem nicht gerecht werden.“ Anerkennendes Nicken im Publikum. „Ein Kinderspiel“ hieß die Reportage, die die Jury an diesem Abend zur Besten des Jahres gekürt hatte, darin ging es um einen 20-jähigen Jungen, der angeblich für den syrischen Bürgerkrieg mitverantwortlich ist. Ich kannte den Text nicht und ich hatte noch nie von Claas Relotius gehört, was ich zum Glück niemanden erzählte, denn auf der After-Show-Party sprachen alle über ihn wie über einen alten Schulfreund. Ich erfuhr, dass Claas Relotius der Shooting-Star der Branche sei, für den „Spiegel“ arbeite, gerade mal Mitte Dreißig sei und so ziemlich jeden Journalistenpreis abgeräumt hatte, den man abräumen kann. Er habe aus USA, Syrien, Guantanamo, Mexiko und Kiribati berichtet, eigentlich von überall, und sei dennoch ungemein freundlich und bescheiden. Und ich so: WOW! Ich begriff, wer Reporter sein wollte, sollte werden wie Claas Relotius. Integer, wissbegierig und die Wirklichkeit aufsaugend mit all seinem zur Verfügung stehenden Lungenvolumen, um dann wahre Worte über die Welt niederzuschreiben. Den Rest des Abends trank ich meine Gratis-Aftershow-Gin-Tonics auf diesen Superstar der deutschen Presselandschaft, und der Barkeeper zeigte mir den Milchzahn seines Sohnes, der an einer Goldkette hing. An alles danach erinnere ich mich nicht mehr. Sechzehn Tage nach der Preisverleihung in Berlin verkündete der „Spiegel“ auf seiner Internetseite: „SPIEGEL legt Betrugsfall im eigenen Haus offen“. Die Enthüllung: Claas Relotius habe einen Großteil seiner Reportagen gefälscht. In manchen Texten Details, andere Reportage seien fast komplett erfunden, die Menschen, die Geschehnisse, so ziemlich alles. Preisgekrönte Reportagen, ausgebreitet vor einem Millionenpublikum, nichts als Märchen und Kitsch. Relotius, der Vorzeige-Reporter, war über Nacht zum Hochstapler jener Branche geworden, die für sich die Wahrheit gepachtet hat, und schnell einigten sich die Journalisten: Der „Fall Relotius“ sei der größte Medienskandal seit den „Hitlertagebüchern“ im „Stern“. Im darauf folgenden halben Jahr prüfte eine Aufklärungskommission des „Spiegel“ alle 60 Reportagen und Artikel, die Relotius für das Magazin geschrieben hatte, und veröffentlichte einen mehrseitigen Abschlussbericht. Zugleich schrieb Juan Moreno, der Mann der Stunde, der Mann, der Relotius überführt hatte und ebenfalls für den „Spiegel“ arbeitet, an einem Buch mit dem Titel „Tausend Zeilen Lüge — Das System Relotius und der deutsche Journalismus“. Sogar die Filmrechte an seiner Enthüllungsstory hat Moreno verkauft. Die Medienbranche reagierte also entsprechend ihrem Naturell. Die feinen Antennen erkannten das Außergewöhnliche, das Geschehnis, das vom definierten Soll- und Normzustand abwich, das Geschehnis wurde auf seine Relevanz hin geprüft (sehr hoch!) und dann wurde das Geschehnis in den brancheneigenen Code transferiert: die Nachricht. Die Nachricht macht ein Geschehnis zu Text, Bild und Ton — und damit die Wirklichkeit fassbar. Denn das Geschehnis selbst, in seinem komplexen Jetzt-Zustand, überfordert den menschlichen Verstand. Dem Geschehnis fehlt erst einmal die Kausalität, weswegen sie für den Menschen nicht fassbar ist. Wie ein Wasserstrahl, nach dem er greifen will. Der Mensch braucht das Medium, damit er sie, die Wirklichkeit und ihre Geschehnisse, bedenken und beurteilen kann. Damit er fragen kann „Wie?“ und „Warum?“. Der Fall Relotius war</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-regular-font-size intro ticss-3c6c74cf">Es ist einer der größten Medienskandale der deutschen Geschichte: Der &#8222;Spiegel“-Reporter Claas Relotius hat  Dutzende Reportagen erfunden. Wie lebt einer weiter, dessen Leben in Trümmern liegt? Und was geht mich das an?  <br><em>Reportage: <a href="https://hermes-baby.de/autorinnen-autoren/alexander-rupflin/">Alexander Rupflin</a> Illustationen: <a href="http://www.thomas-kuhlenbeck.com/">Thomas Kuhlenbeck</a> </em></p>



<p>Der Ort heißt Tötensen. In den Gärten wehen an Fahnenmasten Deutschland- und Werder-Bremen-Flaggen; selten blaue HSV-Fähnchen. Und der Einzige, den man an einem üblichen Nachmittag hier auf den Straßen trifft, ist der Wind.</p>



<h2 class="wp-block-heading">I.</h2>



<p>Claas Relotius ist hier aufgewachsen und hier wohnt er wieder in seinem Elternhaus und er spielt gerne Fußball auf dem Fußballplatz, der fast direkt gegenüber des Elternhauses grünt. Er spielt Fußball eher im Stile von Bastian Schweinsteiger als Cristiano Ronaldo. Gelassen, trabend, die Übersicht bewahrend. Nicht der Typ, der sich in der Vordergrund drängt und ständig den Ball fordert. Keiner, der sich für jede gelungene Aktion feiert. Aber umgehen kann er mit dem Ball. Kann er wirklich.</p>



<p>Um Claas Relotius und mir für ein gemeinsames Treffen ein
paar Tage Zeit zu geben — man muss sich ja erst einmal annähern — mietete ich
mich für eine Woche im Wox-Hotel ein, erleichtert, dass ein Ort, der keine
Kirche hat, kein Rathaus, keinen Bäcker, keinen Metzger, keine Kneipe, immerhin
ein Hotel bietet. Ich fühlte mich wohl, auch wenn ich nicht zur Erholung
gekommen war. Dabei hätte ich ein wenig Entspannung vertragen können, nach den unzähligen
Telefonaten, die ich in den Tagen vor meiner Ankunft geführt hatte, und die
früher oder später immer damit geendet hatten, dass der andere in den Hörer
rief: „Mit sowas will ich nichts zu tun haben. Nein, dazu sage ich gar nichts.
Das geht Sie doch überhaupt nichts an!!“</p>



<p>Das erste Mal bin ich Claas Relotius im Winter 2018 in Berlin
begegnet, bei der Verleihung des Deutschen Reporterpreises, in dem Festzelt
gleich neben dem Kanzleramt. So hatte ich mir immer die Gala des
„Immobilienmanager-Awards“ vorgestellt. Roter Teppich, buntes Licht, Häppchen,
Sekt, Abendgarderobe, im Magen kitzelnde Bässe. Glamour, Baby! Aber irgendwie
auch: O&#8217;zapft is!</p>



<p>Im Zelt roch es nach der sanften Melange edler Eaux de
Toilette und Schweiß und neben mir an der Bar stand Sascha Lobo. Als sein roter
Hahnenkamm in einem Einspieler auf der überdimensionierten Leinwand erschien,
blickte das Original starr auf den Boden und ertrug nicht, sich in Übergröße zu
erleben. Hätte ich nicht gedacht.</p>



<p>Drei Stunden verliehen die Veranstalter Preise in
verschiedenen Kategorien. Bestes Interview, bester Datenjournalismus, bester
Essay, beste Kulturkritik, beste Sportreportage, beste Wissenschaftsreportage,
beste Lokalreportage und so weiter. Der Höhepunkt: die „Beste Reportage“.
Sozusagen der Oskar unter den Journalistenpreisen.</p>



<p>Der Gewinner: Claas Relotius.</p>



<p>Applaus, pumpende Bässe, Laudatio, pumpende Bässe, Applaus.</p>



<p>Relotius im Scheinwerferlicht. Über einem schwarzen Pullover
trug er den schwarzen Slim-Fit-Anzug. Dazu braune Stiefel, die sagten: Sorry,
muss gleich wieder von Gala zu Abenteuer und Blazer gegen Lederjacke tauschen.
Der Moderator: „Jetzt sind Sie ja schon hin und wieder auf einer
Preisverleihungsbühne als Preisträger gewesen. Wie verhindern Sie, dass Sie
einer dieser Dicke-Hose-Journalisten werden?“</p>



<p>Relotius lächelte dünn und sanftmütig. Griff sich das Mikro.</p>



<p>„Ich würde lieber über den Text sprechen, weil das wirklich
ein ernstes Thema ist, und da so flapsig drüber reden, würde dem nicht gerecht
werden.“</p>



<p>Anerkennendes Nicken im Publikum.</p>



<p>„Ein Kinderspiel“ hieß die Reportage, die die Jury an diesem
Abend zur Besten des Jahres gekürt hatte, darin ging es um einen 20-jähigen
Jungen, der angeblich für den syrischen Bürgerkrieg mitverantwortlich ist.</p>



<p>Ich kannte den Text nicht und ich hatte noch nie von Claas
Relotius gehört, was ich zum Glück niemanden erzählte, denn auf der
After-Show-Party sprachen alle über ihn wie über einen alten Schulfreund. Ich
erfuhr, dass Claas Relotius der Shooting-Star der Branche sei, für den
„Spiegel“ arbeite, gerade mal Mitte Dreißig sei und so ziemlich jeden
Journalistenpreis abgeräumt hatte, den man abräumen kann. Er habe aus USA,
Syrien, Guantanamo, Mexiko und Kiribati berichtet, eigentlich von überall, und
sei dennoch ungemein freundlich und bescheiden.</p>



<p>Und ich so: WOW!</p>



<p>Ich begriff, wer Reporter sein wollte, sollte werden wie
Claas Relotius. Integer, wissbegierig und die Wirklichkeit aufsaugend mit all
seinem zur Verfügung stehenden Lungenvolumen, um dann wahre Worte über die Welt
niederzuschreiben. Den Rest des Abends trank ich meine
Gratis-Aftershow-Gin-Tonics auf diesen Superstar der deutschen
Presselandschaft, und der Barkeeper zeigte mir den Milchzahn seines Sohnes, der
an einer Goldkette hing. An alles danach erinnere ich mich nicht mehr.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://hermes-baby.de/wp-content/uploads/2019/12/3-1024x661_web-1024x661.jpg" alt="" class="wp-image-2558"/></figure>



<p>Sechzehn Tage nach der Preisverleihung in Berlin verkündete
der „Spiegel“ auf seiner Internetseite: „SPIEGEL legt Betrugsfall im eigenen
Haus offen“. Die Enthüllung: Claas Relotius habe einen Großteil seiner
Reportagen gefälscht. In manchen Texten Details, andere Reportage seien fast
komplett erfunden, die Menschen, die Geschehnisse, so ziemlich alles.
Preisgekrönte Reportagen, ausgebreitet vor einem Millionenpublikum, nichts als
Märchen und Kitsch. Relotius, der Vorzeige-Reporter, war über Nacht zum
Hochstapler jener Branche geworden, die für sich die Wahrheit gepachtet hat,
und schnell einigten sich die Journalisten: Der „Fall Relotius“ sei der größte
Medienskandal seit den „Hitlertagebüchern“ im „Stern“.</p>



<p>Im darauf folgenden halben Jahr prüfte eine
Aufklärungskommission des „Spiegel“ alle 60 Reportagen und Artikel, die
Relotius für das Magazin geschrieben hatte, und veröffentlichte einen
mehrseitigen Abschlussbericht. Zugleich schrieb Juan Moreno, der Mann der
Stunde, der Mann, der Relotius überführt hatte und ebenfalls für den „Spiegel“
arbeitet, an einem Buch mit dem Titel „Tausend Zeilen Lüge — Das System
Relotius und der deutsche Journalismus“. Sogar die Filmrechte an seiner
Enthüllungsstory hat Moreno verkauft.</p>



<p>Die Medienbranche reagierte also entsprechend ihrem
Naturell. Die feinen Antennen erkannten das Außergewöhnliche, das Geschehnis,
das vom definierten Soll- und Normzustand abwich, das Geschehnis wurde auf
seine Relevanz hin geprüft (sehr hoch!) und dann wurde das Geschehnis in den
brancheneigenen Code transferiert: die Nachricht.</p>



<p>Die Nachricht macht ein Geschehnis zu Text, Bild und Ton —
und damit die Wirklichkeit fassbar. Denn das Geschehnis selbst, in seinem
komplexen Jetzt-Zustand, überfordert den menschlichen Verstand. Dem Geschehnis
fehlt erst einmal die Kausalität, weswegen sie für den Menschen nicht fassbar
ist. Wie ein Wasserstrahl, nach dem er greifen will. Der Mensch braucht das
Medium, damit er sie, die Wirklichkeit und ihre Geschehnisse, bedenken und
beurteilen kann. Damit er fragen kann „Wie?“ und „Warum?“. Der Fall Relotius
war ein solches Geschehnis, und er war noch dazu eins, das die Medienbranche
selbst betraf. Die Medien mussten mit sich selbst umgehen.</p>



<p>Ich denke, im schlimmsten Fall kann es der Presse in einer
solchen Situation gehen, wie der Ascidiae, auch Seescheide genannt. In der
Jugend schwimmt sie munter durch den Ozean und frisst haufenweise Plankton.
Aber dann, wenn sie älter und träge geworden ist, unzählige Male Plankton
gefressen und wieder ausgeschieden hat, dann lässt sie sich als unbewegliches
Etwas auf dem Meeresboden nieder und frisst ihr eigenes Gehirn. </p>



<p>Umgekehrt, also im Idealfall, betreibt der Journalismus in
einem solchen Moment natürlich nicht weniger als echte Aufklärung und
Selbstreflexion.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://hermes-baby.de/wp-content/uploads/2019/12/7-1024x672_web-1024x672.jpg" alt="" class="wp-image-2559"/></figure>



<p>Ich glaube, das ist ein guter Zeitpunkt, um einmal auf die unzähligen
Telefonate (und mindestens eben so viele E-Mails) zu sprechen zu kommen, die
ich in den Tagen vor meiner Ankunft in Tötensen geführt hatte. Ich hatte mich
gefragt, wie jemand wie Claas Relotius sein Leben weiterlebt, nachdem dieses
komplett implodiert ist. Relotius ist ein Journalist, der sich nie wieder in
einer Redaktion blicken lassen kann. Was macht so einer, dessen gesamtes Leben
und Wirken auf Lügen fußt, nachdem er entlarvt und damit zum Produkt der
Maschinerie wurde, die er früher so scheinheilig gefüttert hatte? Wo findet ein
Mensch Orientierung, dessen Leben eine Lüge, ein Märchen, eine Phantasiewelt
war?</p>



<p>Über Tage kontaktierte ich alte Schulfreunde, Kommilitonen
und Professoren von Relotius und stellte ihnen diese Fragen. Außerdem
telefonierte ich alle im Telefonbuch durch, die dort mit dem Namen Relotius
standen. Jedes Mal erhielt ich die gleiche Antwort: „Mit sowas will ich nichts
zu tun haben. Nein, dazu sage ich gar nichts. Das geht Sie doch überhaupt
nichts an!!“ Ihre harsche Ablehnung machte mich neugierig. Warum hielten alle
zu diesem Mann, der sie so gründlich belogen hatte? Müde von den vielen
Telefonaten beschloss ich, in das Dorf zu reisen, in dem Relotius aufgewachsen
war.</p>



<h2 class="wp-block-heading">II.</h2>



<p>Der einzige Ort in Tötensen, an dem man Menschen außerhalb
ihrer Häuser trifft, ist das Sportheim. Dort befinden sich zwei Tennisplätze
und ein Fußballfeld sowie eine kleine Vereinshütte mit Umkleide. Nachdem ich an
meinem ersten Tag in Tötensen relativ orientierungslos durch die wenigen
Straßen geirrt und niemandem begegnet war, den ich auf Claas Relotius hätte
ansprechen können, hörte ich jetzt am Abend das dumpfe Plop-Plop geschlagener
Tennisbälle, das der Wind durch die Gassen wehte.</p>



<p>Auf dem Tennisplatz stand Hinnerk W. auf der weißen
Grundlinie und trainierte mit seinem Trainer Aufschläge. Ich rief ihm durch den
Maschendrahtzaun zu, ob er zufälligerweise Claas Relotius kenne. Er kam zu mir
und sagte, etwas außer Atem, er sei sogar mit ihm befreundet. W. hatte ein
markantes Kinn und riesige Hände. Nach seinem Training setzten wir uns auf die
Plastikstühle vor dem Vereinsheim und tranken Bier. W. erzählte, dass er
Relotius erst vor ein paar Tagen getroffen hätte. Der arme Kerl werde ja seit
seiner Kündigung beim SPIEGEL psychiatrisch betreut, denn er habe eingesehen,
dass er krank sei. Um welche Krankheit es sich dabei handle, konnte W. mir
nicht sagen, aber er kenne Relotius seit der Kindheit.</p>



<p>„Wir haben zusammen Sport gemacht. Waren zusammen in der
Schule und der Dorfjugend.“</p>



<p>Hier in Tötensen, dass versicherte er mir, erfahre Relotius
großen Rückhalt, habe viele Freunde, die zu ihm stünden und persönlich finde er
es schwierig, wie die Presse da vorschnell geurteilt habe, ohne die genauen
Beweggründe zu kennen.</p>



<p>„Vielleicht war es Vorsatz, das zeichnet sich für mich aber
nicht ab. Eher Veranlagung oder eben ein Krankheitsbild.“</p>



<p>W. wägte sehr gründlich ab, was er mir sagte, machte viele
Pausen, sah mich fast nie an.</p>



<p>„Sie haben hier mit Herrn Relotius ab und an Tennis
gespielt?“, fragte ich.</p>



<p>„Nee, was
anders.“</p>



<p>„Ach so?“</p>



<p>„Ich bin da jetzt bisschen … also das … Ich find das ja
schon interessant, dass man das rausfindet, wo man gucken muss, wenn man Herrn
Relotius sucht.“</p>



<p>„Steht im Telefonbuch.“</p>



<p>„Ah ja.“ Pause, dann: „Ich möchte ihn schützen, verstehen
Sie. Ich weiß nicht, was ich Ihnen sagen darf. Wissen Sie, ich habe Herrn
Relotius immer vertraut und ich denke, dass er vom Typ her genauso ist, wie ihn
viele kennengelernt haben. Ein offener freundlicher Mensch, mit einer sehr angenehmen
Art.“</p>



<p>W. versprach, meine Telefonnummer an Relotius weiterzugeben.
Dann redete er eigentlich nur noch über den ständig gesperrten Elbtunnel und
Dieter Bohlen, der auch in Tötensen lebt. Ich trank mein Bier aus und
verabschiedete mich.</p>



<p>Auf dem Weg vom Sportplatz zurück zum Wox-Hotel kam ich am Haus der Familie Relotius vorbei. Tagsüber hatte ich mich nicht einmal getraut, in das Grundstück zu spähen, und jetzt war es bereits zu dunkel, um noch etwas zu erkennen. Aber in der langgezogenen Einfahrt erahnte ich ein geparktes Auto. Jemand war zu Hause.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://hermes-baby.de/wp-content/uploads/2019/12/6-1008x1024_web-1008x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2560"/></figure>



<p>Am nächsten Morgen wachte ich mit Kopfschmerzen und schweren
Zweifeln auf. Was, wenn Claas Relotius wirklich psychisch krank ist? Sollte man
ihn nicht in Frieden lassen? Andererseits: Was, wenn Claas Relotius kein
Journalist gewesen wäre, sondern Manager, der Gelder veruntreut hätte? Oder
Dieter Bohlen, in dessen Tötensener Villa mal wieder eingebrochen worden war?
Relotius hatte, ungewollt und unrühmlich, deutsche Mediengeschichte geschrieben
und sich damit selbst zum Objekt gemacht, das öffentlich verhandelt gehört. Ist
man da als Reporter nicht förmlich gezwungen nachzurecherchieren? Ich entschied
mich zu folgenden Kompromiss: Vorerst wollte ich einen Bogen um das Haus der
Familie machen und nur im erweiterten Umfeld nachfragen.</p>



<p>Zuerst besuchte ich ein Autohaus, das am Rand des Dorfes an
der Bundesstraße liegt. Im Werkstattradio lief blechern „Giant“ von Calvin
Harriy &amp; Rag’n‘Bone Man. Der Mechaniker sprach im tiefen Plattdeutsch.
Natürlich kenne er die Familie, aber sagen wollte er nichts. „Wir halten hier
zusammen“. Sein Kollege stand schweigend neben ihm, in der Hand ein Stück
Auspuff. </p>



<p>Schräg gegenüber, auf der anderen Seite der Bundesstraße,
lag der Friseursalon von Christiane Bredehöft. Der Laden war nicht viel größer
als mein Zimmer im Wox-Hotel. Die Friseurin grüßte erst freundlich, hielt dann
aber von meinem Interesse an der Familie Relotius allzu wenig. „Nein, gerade
mit Ihnen werde ich darüber bestimmt nicht sprechen.“</p>



<p>Ich spazierte ins Dorfinnere, die Straßen waren leer, nicht
einmal Kinder spielten. Ich klingelte bei der Ortsbürgermeisterin. Es öffnete
die Tochter. Nein, ihre Mutter sei nicht zu Hause, und sie selbst wolle über
die Familie Relotius nichts sagen.</p>



<p>Ich ging in die Straße, in der das Haus der Familie Relotius
steht und läutete bei den Nachbarn. Die Reaktionen fielen wie folgt aus: </p>



<p>Nachbar rechts, milde lächelnd: „Das ist eine private Sache
und solche Dinge sollten so behandelt werden. Tut mir leid, Ihnen nicht weiterhelfen
zu können.“</p>



<p>Nachbar links, mit kläffenden Hund an der Leine: „Ich will
dazu nichts sagen. Das geht Sie nichts an! Und, nein, dass Sie mich beim
Gassigehen begleiten, möchte ich auch nicht. Lassen Sie uns in Ruhe.“</p>



<p>Zwischen Nachbar links und dem Grundstück der Familie
Relotius entdeckte ich auf dem gepflasterten Boden ein totes, ungefiedertes
Küken. Es lag da, wie von der Welt verlassen. Ich notierte mir dieses Detail,
fragte mich zugleich, wann ein Symbol noch ein Symbol ist und wann daraus vor allem
Kitsch wird. Für was sollte das tote, nackte Küken, über das sich die ersten
Fliegen hermachten, denn stehen? Für Claas Relotius, der vorschnell hoch hinaus
wollte, und dann aus seinem SPIEGEL-Nest fiel? Oder für meine Story, die am
zweiten Tag ziemlich todgeweiht schien? Ich steckte Stift und Block wieder ein
und ging zurück ins Wox-Hotel. Ein vergeudeter Tag. In der Einfahrt der Familie
Relotius stand noch immer das geparkte Auto.</p>



<p>Tag drei. So konnte es nicht weitergehen. Ich schrieb der
Familie Relotius einen Brief, und erläuterte in aller Ausführlichkeit meine
Beweggründe. War natürlich alles aus den Fingern gesogen, aber zu schreiben:
Hey, bin einfach verdammt neugierig, wie es dir geht, nachdem du deinen
früheren Arbeitgeber in einen neurogenen Schockzustand versetzt hast, weswegen
dein bisheriges Leben jetzt leider kopfsteht — das würde gewiss nicht zum
Erfolg führen.</p>



<p>Ich ging zum Haus der Familie Relotius, sie haben einen schönen Rosengarten. Das Auto stand nach wie vor in der Einfahrt, darin ein CD-Cover „Punk Rock BRD Volumen 3“ und eine Lederjacke. Ich warf den Brief ein und ging zurück auf die Straße, um zu tun, was ich zu meiner Angewohnheit gemacht hatte: Ich lief erfolglos umher, in der Hoffnung, jemanden zu treffen, der mir etwas über Claas Relotius erzählen wollte und ich schwor mir, nie wieder die Zeugen Jehovas unwirsch abzuweisen, schließlich machen die auch nur, was sie glauben, machen zu müssen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://hermes-baby.de/wp-content/uploads/2019/12/2-1024x722_web-1024x722.jpg" alt="" class="wp-image-2561"/></figure>



<p>Am Nachmittag besuchte ich im Nachbarort Nenndorf ein
Schützenfest. Würstchenstand, Kinderkarussell, Autoscooter, gebrannte Mandeln,
Bier, Blaskapelle. Sehr heimelig. Schön.</p>



<p>Entgegen meiner Hoffnung war aus Tötensen niemand zum
Nenndorfer Schützenfest gekommen. Die Nenndorfer erzählten mir, die Tötensener,
würden sich in Nenndorf selten blicken lassen, höchstens zum Einkaufen beim
Aldi und dm, sonst blieben die Tötensener lieber unter sich. Warum das so ist,
wüssten die Nenndorfer selbst nicht. Ich betrank mich mit den Nenndorfern und
ging erst zurück nach Tötensen, als es bereits dämmerte.</p>



<p>Um 23.39 Uhr bekam ich folgende E-Mail:</p>



<p>„Lieber Alexander, es besteht kein Interesse an einem
Gespräch. Ich bitte Dich, von weiteren persönlichen Versuchen der
Kontaktaufnahme in Tötensen, Hamburg oder wo auch immer abzusehen. Danke und
Gruß C“.</p>



<p>Am Morgen rief ich Cordt Schnibben an und beschrieb ihm
meine missliche Lage. Cordt Schnibben ist sowas wie die graue Eminenz unter den
Reportern. Er arbeitete jahrzehntelang beim SPIEGEL und hat den Reporterpreis
und das Reporterforum mit ins Leben gerufen.</p>



<p>„Eigentlich sind Sie doch genau in der Relotius-Situation.
Sie wollen eine Reportage schreiben und das, was sie suchen, ist nicht da“,
sagte er.</p>



<p>„Ja, das bringt es wohl auf den Punkt.“</p>



<p>„Wissen Sie, in den letzten Jahren bin ich oft mit dem Ziel
losgefahren, eine Reportage zu schreiben und kam mit was ganz anderem zurück.
Das Material reichte nicht für eine Reportage, es kam etwas Spannenderes dabei
raus. Gehen Sie in Ihren Kopf, schauen Sie sich das Recherchierte an und klären
Sie, für welche Art Text das reicht. Es kann auch ein Essay sein über das Lob
des Scheiterns.“</p>



<p>So redete er, und gab mir noch den Rat: „Genießen Sie Ihre
Freiheit und befreien Sie sich aus dem narrativen Gefängnis.“</p>



<p>Ich legte mich in mein Hotelbett und versuchte, nachzudenken:
</p>



<p>Ich dachte, es ist oft nicht sehr populär, die Dinge zu
zeigen, wie sie sind. Relotius wollte die Dinge vermutlich nicht zeigen, wie
sie sind, er wollte zeigen, was wir sehen wollen, die Bestätigung unserer
Klischees, Vorurteile aber auch Hoffnungen. Darum suchte er, was da draußen
nicht zu finden war und erfand es, um uns alle zufriedenzustellen. Das war ihm
eigentlich ziemlich gut gelungen. Und dann kommt natürlich noch das Ego ins
Spiel, das in jedem von uns dahinwuchert. Jeder möchte in seinem Leben ab und
an grandios sein. Relotius wollte auf jeden Fall grandios sein. Relotius,
dachte ich, ist einer, der nach Beendigung des Wachstums unbedingt über sich
hinauswachsen wollte.</p>



<p>Um mit dem, was ich in meinem Kopf so fand, nicht ganz
alleine zu sein, rief ich die Lügenforscherin Anett Kollmann an. Ich hatte von
ihr vor ein paar Wochen ein Interview gelesen. Sie hatte ein Buch über
Hochstapelei geschrieben, der Titel: „Mit fremden Federn“. Sie erklärte mir,
dass Relotius kein typischer Hochstapler sei, sondern eher ein Fälscher, denn
er fälsche Dinge und nicht sich als Mensch.</p>



<p>„Und wieso sucht ein Fälscher sich ausgerechnet den
Journalismus aus und macht nicht Literatur?“, wollte ich wissen.</p>



<p>„Naja, die Grenzen sind durchaus fließend. Als Journalist hat
man zwar die Basis der Tatsachen. Aber dann geht es doch darum, aus diesen
Tatsachen etwas zu interpretieren, einen Kontext zu erstellen. Dafür braucht es
kreatives Talent.“</p>



<p>„Wäre Relotius mal besser Schriftsteller geworden …“</p>



<p>„Dann hätte er vermutlich viel weniger Erfolg gehabt als mit
seinen Reportage. Im Journalismus geht das ja viel schneller mit der
Anerkennung. Außerdem spielt der soziale Status eine Rolle.“</p>



<p>„Klingt nach Minderwertigkeitskomplex.“</p>



<p>„Ich bin keine Psychologin, aber einfach schon Aufmerksamkeit haben, Erfolg, sich von anderen zu unterscheiden, darum geht’s doch oft. Aus dieser Reporterschar herausragen. Es geht um Geltung und vielleicht Narzissmus. Ein bisschen narzisstisch sind wir ja alle, und es ist natürlich die Frage, ab wann das pathologisch ist.“ </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://hermes-baby.de/wp-content/uploads/2019/12/1-1024x718_web-1-1024x718.jpg" alt="" class="wp-image-2563"/></figure>



<p>Inzwischen war es Abend. Meine Zeit war um, am nächsten
Morgen wollte ich abreisen. Ich beschloss, zum Abschied ein letztes Mal durch
Tötensen zu spazieren. Der Wind trieb Männerrufe herüber, sie kamen vom
örtlichen Fußballplatz. Ich ging den Rufen entgegen, um ein bisschen
zuzuschauen. Die eine Hälfte der Männer, die dort spielten, trug pinke Leibchen
über ihren Trikots, die andere Hälfte nicht. Ein Trainingsspiel. Die Jungs
lachten, schlugen mit den Händen ab, wenn einer das Tor traf. Ich stand hinter
dem Maschendrahtzaun, der den Fußballplatz einzäunte.</p>



<p>Ein Spieler im pinkfarbenen Trikot fiel mir besonders auf.
Groß, schlank, blond. Eindeutig nordischer Typ. Er trabte über den Platz, den
Kopf gestreckt, ab und zu fielen ihm die blonden Haare ins Gesicht, er trug
eine weiße Hose, weiße Schuhe, die Schultern hingen ein bisschen zu tief, nicht
gedrückt, eher entspannt. Er spielte locker, forderte den Ball nicht, war
konzentriert, beobachtet das Spielgeschehen. Während andere über den Platz
Kommandos riefen, blieb er still, trabte über den Rasen, setzte selten zum
Sprint an. Es schien ihm nicht um Tore, nicht ums Gewinnen zu gehen. Einfach
mit ein paar alten Kumpels kicken. Irgendwann wechselte er mit dem Torwart
seiner Mannschaft die Position. Kurz darauf flog ein gut getroffener Schuss an
ihm vorbei, es sah nicht so aus, als würde es ihn stören. Ungerührt fischte er
den Ball aus dem Netz. Ich ging etwas näher, setzte mich am Spielfeldrand auf
eine Bank. Er hatte mich bemerkt. Sah bewusst nicht in meine Richtung. Der Wind
ging an diesem Abend, wie an jedem Abend, eisig, die Wolkendecke, tiefgrau,
hing dicht über dem dunklen Grün des Felds. Über mir raschelten die
herzförmigen Blätter einer Linde. </p>



<p>Das Spiel hatte sich gerade auf die andere Seite des Platzes verlagert, da blickte der große Blonde doch plötzlich in meine Richtung, kam ein paar Schritte auf mich zu, und ich bekam das Gefühl, jetzt aufstehen zu müssen, jetzt was sagen zu müssen, da bleibt er gut zehn Meter vor mir stehen, hebt die Hand, streckt den Zeigefinger in Richtung Wolkendecke und lässt ihn hin und her pendeln, hin und her, und er signalisiert mir, in bester Fußballermanier, wie einem Linienrichter, mit ernstem Blick, mit festem Stand, dass das hier eine Fehlentscheidung sei. Ich sollte gehen. Oder besser: Sofort verschwinden. Die anderen Spieler beobachten uns. Dann drehte sich Claas Relotius um und trabte zurück zu den anderen aufs Feld und das Spiel ging weiter, als sei nichts geschehen. So war‘s ja auch.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://hermes-baby.de/wp-content/uploads/2019/12/4-794x1024_web-794x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2564"/></figure>



<h2 class="wp-block-heading">III.</h2>



<p>Ein paar Tage später meldete sich tatsächlich doch noch
jemand auf meine vielen Telefonate und E-Mails. Eine ehemalige Kommilitonin von
Claas Relotius. Sie hatte gemeinsam mit Relotius an der Hamburg Media School
studiert.</p>



<p>Sie erzählte mir, dass Relotius während seines Studiums
nicht gerade zu den beliebtesten Studenten gehört hatte. Seine Texte seien
schon damals die Besten gewesen. Aus Gruppenarbeiten habe er sich lieber
rausgehalten. In Vorlesungen sei er gern zu spät oder gar nicht gekommen. Für
seine Reportagen aber habe er viel Lob von den Professoren bekommen, zum Neid
der anderen. „Ich kann mir vorstellen, dass sich manche darüber gefreut haben,
als das rauskam, mit den gefälschten Reportagen“, sagte die Kommilitonin mir am
Telefon. Sie selbst habe ihn immer als freundlich und zurückhaltend erlebt.
Dass er ein Betrüger, Hochstapler, Fälscher sei, das hätte sie sich niemals
vorstellen können. Das habe niemand geahnt. Und sie hoffe, dass es ihm jetzt
gut gehe, dass er zurück ins Leben finde, in ein neues Leben. Ich erzählte der
Kommilitonin am Telefon nicht, dass ich Relotius erst vor kurzem gesehen hatte,
wie er in Tötensen mit seinen Freunden Fußball gespielt hatte, und zwar eher im
Stile von Sebastian Schweinsteiger als Christiano Ronaldo. Stattdessen ätzte
ich noch ein paar Minuten mit ihr über die Journalisten-Branche im Allgemeinen,
dann legte ich auf.</p>



<p>Ich dachte nach. Eine Existenz, zu der man sich voll und ganz bekennt, das ist so eine Lebensaufgabe. Man selbst sein können, gegenüber sich selbst, gegenüber der Außenwelt. Selbstvertrauen, sich selbst vertrauen. In den Spiegel blicken, Menschen entgegensehen, solchen, die man liebt, und solchen, die einem fremd sind, sagen können: „Das bin ich, und besser wird’s nicht“ — das ist ein Leben innerhalb der eigenen Lebensrealität. Alles andere ist Theater. Wir spielen es andauernd. Dieses Spiel macht unsere Persönlichkeit aus. Wir können wählen, wer wir sein wollen -in jeder Situation aufs Neue. Relotius hatte sich entschieden, so wenig wie möglich er selbst sein zu wollen, bis er sich ganz verloren hatte. Ein Fall ins Nichts. Und der Reportage-Journalismus? Welche Rolle will er in Zukunft spielen?</p>



<p><span style="color: #a9a9a9;" class="ugb-highlight">Die Illustrationen stammen von <a href="http://www.thomas-kuhlenbeck.com/">Thomas Kuhlenbeck</a>. Er arbeitet unter anderem für Der Spiegel, Der Stern, Forbes, Time Magazine, Die Zeit, Die Welt.</span></p>


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]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">2478</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Das schlechte Gewissen reist mit – oder nicht?</title>
		<link>https://hermes-baby.de/das-schlechte-gewissen-reist-mit-oder-nicht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nele Rößler]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Nov 2019 10:44:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Rößler]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hermes-baby.de/?p=1758</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Klimabilanz ist meistens miserabel. Doch sportliche Abenteuer in der Ferne bleiben verlockend. Über Schuldgefühle beim Freizeitsport in Afrika. (Veröffentlicht in: Deutschlandfunk Kultur, Nachspiel) Ausschnitt: Wenn ich zumindest sagen könnte, ich habe das Paradies gefunden. Habe ich aber nicht. Ich habe mich oft verletzt und das hat weh getan. Aber es ist eben ein weit verbreiteter Irrtum, dass das, was man liebt, einem immer Spaß machen muss. Ich liebe das Windsurfen, aber wir führen eine Fernbeziehung, denn ich wohne nicht am Meer. Deshalb fahre ich viele Kilometer mit dem Auto oder fliege. Dieses Jahr war ich drei Wochen in Marokko, in Moulay. Das ist ein kleines Dorf an der Atlantikküste. Und zu meiner Verteidigung kann ich sagen: Es ist ein sehr armes Dorf. Ohne die Windsurfer, die kommen, gäbe es dort nichts. Die Menschen holen ihr Wasser noch aus Brunnen, die meisten Kinder besuchen nur ein paar Jahre die Schule, dann verkaufen sie von ihren Müttern gestrickte Mützen und selbst gemachtes Gebäck an ausgekühlte und hungrige Windsurfer. […] Link: https://www.deutschlandfunkkultur.de/surfen-in-marokko-das-schlechte-gewissen-reist-mit-oder.966.de.html?dram:article_id=458850</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/das-schlechte-gewissen-reist-mit-oder-nicht/">Das schlechte Gewissen reist mit – oder nicht?</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Die Klimabilanz ist meistens miserabel. Doch sportliche Abenteuer in der Ferne bleiben verlockend. Über Schuldgefühle beim Freizeitsport in Afrika. </p>



<p class="quelle"><span style="font-size:14px!important;"><em>(Veröffentlicht in: Deutschlandfunk Kultur, Nachspiel)</em></span></p>



<p>Ausschnitt:<em> </em>Wenn ich zumindest sagen
könnte, ich habe das Paradies gefunden. Habe ich aber nicht. Ich habe mich oft
verletzt und das hat weh getan. Aber es ist eben ein weit verbreiteter Irrtum,
dass das, was man liebt, einem immer Spaß machen muss.<br>
Ich liebe das Windsurfen, aber wir führen eine Fernbeziehung, denn ich wohne
nicht am Meer. Deshalb fahre ich viele Kilometer mit dem Auto oder fliege.</p>



<p>Dieses Jahr war ich drei Wochen in Marokko, in Moulay. Das
ist ein kleines Dorf an der Atlantikküste. Und zu meiner Verteidigung kann ich
sagen: Es ist ein sehr armes Dorf. Ohne die Windsurfer, die kommen, gäbe es
dort nichts. Die Menschen holen ihr Wasser noch aus Brunnen, die meisten Kinder
besuchen nur ein paar Jahre die Schule, dann verkaufen sie von ihren Müttern
gestrickte Mützen und selbst gemachtes Gebäck an ausgekühlte und hungrige
Windsurfer. </p>



<p><strong>[…]</strong></p>



<p>Link: <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/surfen-in-marokko-das-schlechte-gewissen-reist-mit-oder.966.de.html?dram:article_id=458850" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="https://www.deutschlandfunkkultur.de/surfen-in-marokko-das-schlechte-gewissen-reist-mit-oder.966.de.html?dram:article_id=458850 (öffnet in neuem Tab)">https://www.deutschlandfunkkultur.de/surfen-in-marokko-das-schlechte-gewissen-reist-mit-oder.966.de.html?dram:article_id=458850</a></p>


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		<title>Das Armenien der Seele</title>
		<link>https://hermes-baby.de/das-armenien-der-seele/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gabriel Proedl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Nov 2019 10:43:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Proedl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zwei Männer mit demselben Vornamen: David. Sie nennen das gleiche Land ihre Heimat, Armenien. Und sie teilen einen Traum: die Besteigung des Ararat, des „heiligen Berges“. Seit 1921 beansprucht die Türkei&#160;das Gebirge für sich, der Ararat ist für die armenische Seite abgeriegelt. Er hat sich aber tief eingeschrieben in die armenische Seele – und verbindet auch David und David. Was sie trennt: der eine hat den Berg bestiegen, der andere will nicht sterben, ehe er es nicht getan hat. Ein Gespräch zwischen zwei Männern über die Sehnsucht, einmal ganz oben zu stehen. (Veröffentlicht in: DIE ZEIT) Ausschnitt: Meine Eltern kommen beide aus Westarmenien. Sie sind vor dem Genozid geflohen und mussten ihr eigenes Land verlassen. Ich muss als ihr Sohn für sie den Berg zurückholen. Das bin ich ihnen schuldig. Sie haben mir das Leben geschenkt, ich werde ihnen den Berg schenken. Was mich viel eher beschäftigt: Dieses Land liegt in der Hand unserer Kinder. Es soll ein Land werden, aus dem man nicht mehr ausreisen will, weil es so schön ist. Und weil es den Menschen so gut geht. Mich beschäftigt, dass Armenien seit dreißig Jahren ein eigenständiges Land ist, aber es einen großen Sozialabbau gab. Jetzt findet gerade ein Umbruch statt, ich habe sehr große Hoffnung. Auch, wenn du und ich wahrscheinlich nicht mehr richtig Teil dieser Veränderung sein werden. Hast du nie überlegt, auszuwandern? Ich bekomme sehr viele Angebote aus dem Ausland, will aber hierbleiben. Ich liebe das Land, ich liebe die Menschen. Ich will, dass meine Kinder und Kindeskinder hier aufwachsen können. Ich reise auch sehr gerne und sehr viel, aber das Schönste am Reisen ist für mich das Nachhausekommen. Ich bin noch nie verreist. Aber meine erste Reise soll der Gipfel sein. […] Link: https://www.zeit.de/2019/38/ararat-berg-vulkan-armenien-tuerkei</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-regular-font-size intro">Zwei Männer mit demselben Vornamen: David. Sie nennen das gleiche Land ihre Heimat, Armenien. Und sie teilen einen Traum: die Besteigung des Ararat, des „heiligen Berges“. Seit 1921 beansprucht die Türkei&nbsp;das Gebirge für sich, der Ararat ist für die armenische Seite abgeriegelt. Er hat sich aber tief eingeschrieben in die armenische Seele – und verbindet auch David und David. Was sie trennt: der eine hat den Berg bestiegen, der andere will nicht sterben, ehe er es nicht getan hat. Ein Gespräch zwischen zwei Männern über die Sehnsucht, einmal ganz oben zu stehen. </p>



<p class="has-regular-font-size quelle"><span style="font-size:14px!important;"><em>(Veröffentlicht in: DIE ZEIT)</em></span></p>



<p class="interview_frage"><strong>Ausschnitt:</strong><em> Meine Eltern kommen beide aus Westarmenien. Sie sind vor dem Genozid geflohen und mussten ihr eigenes Land verlassen. Ich muss als ihr Sohn für sie den Berg zurückholen. Das bin ich ihnen schuldig. Sie haben mir das Leben geschenkt, ich werde ihnen den Berg schenken. </em></p>



<p>Was mich viel eher beschäftigt: Dieses Land liegt in der Hand unserer Kinder. Es soll ein Land werden, aus dem man nicht mehr ausreisen will, weil es so schön ist. Und weil es den Menschen so gut geht. Mich beschäftigt, dass Armenien seit dreißig Jahren ein eigenständiges Land ist, aber es einen großen Sozialabbau gab. Jetzt findet gerade ein Umbruch statt, ich habe sehr große Hoffnung. Auch, wenn du und ich wahrscheinlich nicht mehr richtig Teil dieser Veränderung sein werden. </p>



<p class="interview_frage"><em>Hast du nie überlegt, auszuwandern? </em></p>



<p>Ich bekomme sehr viele Angebote aus dem Ausland, will aber hierbleiben. Ich liebe das Land, ich liebe die Menschen. Ich will, dass meine Kinder und Kindeskinder hier aufwachsen können. Ich reise auch sehr gerne und sehr viel, aber das Schönste am Reisen ist für mich das Nachhausekommen. </p>



<p class="interview_frage"><em>Ich bin
noch nie verreist. Aber meine erste Reise soll der Gipfel sein.</em></p>



<p><strong>[…]</strong></p>



<p>Link: <a href="https://www.zeit.de/2019/38/ararat-berg-vulkan-armenien-tuerkei" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label=" (öffnet in neuem Tab)">https://www.zeit.de/2019/38/ararat-berg-vulkan-armenien-tuerkei</a></p>
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		<title>Meine Oma ist eine ganz normale Rentnerin. Warum geht sie putzen?</title>
		<link>https://hermes-baby.de/meine-oma-ist-eine-ganz-normale-rentnerin-warum-geht-sie-putzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stark]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Nov 2019 10:43:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Stark]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hermes-baby.de/?p=1803</guid>

					<description><![CDATA[<p>Helga Hofmann (75) bezieht eine Rente in Höhe des deutschen Durchschnitts. „Heute schmerzt das Geld schon, wenn ich ein Glas Wein bestelle“, sagt sie. Und reinigt die Wohnung einer anderen Frau, um ihre Teilhabe am sozialen Leben nicht vollkommen zu verlieren. (Veröffentlich in: DIE ZEIT) Textausschnitt: Sie ist 75 Jahre alt und für mich der Inbegriff von Eleganz: Jeden Morgen nach dem Aufstehen dreht sie sich kleine Wellen in ihre blond gefärbten Haare und schminkt sich, immer dunkel, um ihre Augen zu betonen, die schon lange von Blau zu einem hellen Grau verblasst sind. Sie trägt ihren Schmuck in Gold, als Kette um den Hals oder als Reif ums Handgelenk. Wenn sie spricht, zeigt sie Bildung, ans Französische angelehnte Fremdwörter drängen so häufig in ihre Erzählungen, dass ich mir als Kind angewöhnt habe, vor allem auf den Kontext des Gesagten zu achten. Heute trägt sie blaue Jeans und einen schwarzen Pullover, beides ist ihr zu weit und wirft Falten, ihren Schmuck hat sie zu Hause gelassen. Nur geschminkt ist sie auch jetzt. »Ein bisschen strahlen möchte ich schon«, flüstert sie mir zu. Es ist Mittwoch, zehn Uhr, und wie jeden Mittwoch, Punkt zehn, klingelt Helga Hofmann an der Tür des Mehrfamilienhauses in einer Seitenstraße des oberfränkischen Städtchens Bad Staffelstein. Wie jedes der Häuser hier besitzt auch dieses einen kleinen Garten, wintergrüne Pflanzen, eigene Parkplätze – Dorfidylle, die mit den Grundstückspreisen einer Bäderstadt bezahlt werden will. Es knackt in der Sprechanlage, die Tür summt. Erster Stock links. Uns öffnet eine kleine Frau mit lichtem weißem Haar, sie geht leicht gebückt. »Pünktlich wie immer«, sagt sie und lächelt. Oma wendet sich zum Bad und greift nach zwei pinken Gummihandschuhen, die sie aus einem dunkelblauen Plastikeimer zieht. […] Link: https://www.zeit.de/2018/20/rente-putzen-job-geld-altersarmut</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Helga Hofmann (75) bezieht eine Rente in Höhe des deutschen Durchschnitts. „Heute schmerzt das Geld schon, wenn ich ein Glas Wein bestelle“, sagt sie. Und reinigt die Wohnung einer anderen Frau, um ihre Teilhabe am sozialen Leben nicht vollkommen zu verlieren. </p>



<p class="quelle"><span style="font-size:14px!important;"><em>(Veröffentlich in: DIE ZEIT)</em></span></p>



<p><strong>Textausschnitt:</strong> Sie ist 75 Jahre alt und für mich der Inbegriff von Eleganz: Jeden Morgen nach dem Aufstehen dreht sie sich kleine Wellen in ihre blond gefärbten Haare und schminkt sich, immer dunkel, um ihre Augen zu betonen, die schon lange von Blau zu einem hellen Grau verblasst sind. Sie trägt ihren Schmuck in Gold, als Kette um den Hals oder als Reif ums Handgelenk. Wenn sie spricht, zeigt sie Bildung, ans Französische angelehnte Fremdwörter drängen so häufig in ihre Erzählungen, dass ich mir als Kind angewöhnt habe, vor allem auf den Kontext des Gesagten zu achten.</p>



<p>Heute trägt sie blaue Jeans und einen schwarzen Pullover,
beides ist ihr zu weit und wirft Falten, ihren Schmuck hat sie zu Hause
gelassen. Nur geschminkt ist sie auch jetzt. »Ein bisschen strahlen möchte ich
schon«, flüstert sie mir zu. Es ist Mittwoch, zehn Uhr, und wie jeden Mittwoch,
Punkt zehn, klingelt Helga Hofmann an der Tür des Mehrfamilienhauses in einer
Seitenstraße des oberfränkischen Städtchens Bad Staffelstein. Wie jedes der
Häuser hier besitzt auch dieses einen kleinen Garten, wintergrüne Pflanzen,
eigene Parkplätze – Dorfidylle, die mit den Grundstückspreisen einer Bäderstadt
bezahlt werden will.</p>



<p>Es knackt in der Sprechanlage, die Tür summt. Erster Stock
links. Uns öffnet eine kleine Frau mit lichtem weißem Haar, sie geht leicht
gebückt. »Pünktlich wie immer«, sagt sie und lächelt. Oma wendet sich zum Bad
und greift nach zwei pinken Gummihandschuhen, die sie aus einem dunkelblauen
Plastikeimer zieht.</p>



<p>[…]</p>



<p>Link: <a href="https://www.zeit.de/2018/20/rente-putzen-job-geld-altersarmut" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label=" (öffnet in neuem Tab)">https://www.zeit.de/2018/20/rente-putzen-job-geld-altersarmut</a></p>


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		<title>Geteiltes Leid</title>
		<link>https://hermes-baby.de/geteiltes-leid/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuel Stark]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Nov 2019 10:32:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Stark]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Ehepaar verliert sein einziges Kind durch einen Motorradunfall. Die Mutter will das Motorrad loswerden, um das Unglück verarbeiten zu können. Der Vater will es reparieren – aus dem gleichen Grund. (Veröffentlicht in: Süddeutsche Zeitung Magazin) Textausschnitt: 2. AUGUST 2015 Die Großmutter hätte aufs Motorrad spucken sollen. Doch genau wegen dieser Angewohnheit wollte Sven sie nicht mit seiner Maschine besuchen, die Großmutter hatte schon auf sein erstes Auto gespuckt, um allzeit gute Fahrt zu wünschen. Svens Eltern, Jörg und Elfi Drenkard, fahren also ohne ihn. Erzählen der Großmutter, dass Jörg und Sven gemeinsam den Motorradführerschein gemacht haben. »Mach dir keine Sorgen«, sagt Jörg Drenkard am Kaffeetisch zu seiner Mutter. »Sven ist vorsichtig. Der bleibt lieber zehn Stundenkilometer unter als über dem erlaubten Limit. Da passiert nichts.« Zu Hause macht Sven sich für eine Tour mit dem Motorrad bereit. Ein Freund begegnet Sven eine Stunde später zufällig an einer Straßenbiegung kurz vor der Ortschaft Würgau in der fränkischen Schweiz, zwanzig Kilometer östlich von Bamberg. Sven steht am Straßenrand, seine weiße Kawasaki liegt neben ihm im Gras. Er ist gestürzt. Der Freund will wissen, ob etwas passiert sei. Nein, sagt Sven. Er wirkt wütend. Es sei besser, mit dem Weiterfahren etwas zu warten, rät der Freund. Erst mal runterkommen und warten, ob alles okay sei. Stattdessen greift Sven nach seinem Helm. Abschiedsgruß. Dann fahren beide in entgegengesetzte Richtungen weiter. Warum Sven stürzte, bleibt unklar. Vielleicht ist er einem Tier ausgewichen oder zu scharf abgebogen und mit dem Vorderrad weggerutscht. Fest steht, dass Sven nur wenige Minuten weiterfährt, bergab durch das Dorf Würgau, etwa einen Kilometer entfernt, bevor er erneut stürzt. Als Svens Eltern von der Großmutter zurück nach Hause kommen, rennt die Nachbarin auf sie zu. Die Polizei war da. Worum es geht? Weiß sie nicht. Im Haus klingelt das Telefon. Es ist Nadine, Svens beste Freundin. Sie hat auf dem Onlineportal der Regionalzeitung von einem Unfall gelesen. Der 21 Jahre alte Fahrer eines Motorrads, Marke Kawasaki, beschleunigte kurz nach dem Ortsschild Würgau auf der B22. Die zwanzig Jahre alte Fahrerin eines VW vor ihm bog scharf nach links ab. Das Motorrad prallte gegen das Heck des Autos. »Wo ist der Sven?«, ist Nadines erste Frage. »Der Sven ist mit dem Motorrad unterwegs «, antwortet der Vater. »Wo unterwegs?« »Am Würgauer Berg.« »Es tut mir leid, es tut mir so leid!« Nach dem Telefonat geht Jörg Drenkard in die Küche, dann ins Arbeitszimmer. Zieht seine Hose aus und wieder an, ohne zu wissen, wieso. Er setzt sich auf die kleine Holzbank vor dem Haus. Warten. Ein Polizeiwagen stoppt am Straßenrand, zwei Polizisten und ein Sozialhelfer steigen aus. »Sagt mir nicht, dass er tot ist«, sagt der Vater. »Doch.« Elfi Drenkard sitzt trotz der Nachricht bis 21 Uhr auf der Couch und wartet, um 21 Uhr wollte ihr Sohn zu Hause sein. Er war doch immer pünktlich. […] Link: https://www.sueddeutsche.de/leben/eine-familie-trauert-um-den-sohn-geteiltes-leid-1.3796876?reduced=true</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Ein Ehepaar verliert sein einziges Kind durch einen Motorradunfall. Die Mutter will das Motorrad loswerden, um das Unglück verarbeiten zu können. Der Vater will es reparieren – aus dem gleichen Grund. </p>



<p class="quelle"><span style="font-size:14px!important;"><em>(Veröffentlicht in: Süddeutsche Zeitung Magazin)</em></span></p>



<p><strong>Textausschnitt: 2. AUGUST 2015</strong></p>



<p>Die Großmutter hätte aufs Motorrad spucken sollen. Doch
genau wegen dieser Angewohnheit wollte Sven sie nicht mit seiner Maschine
besuchen, die Großmutter hatte schon auf sein erstes Auto gespuckt, um allzeit
gute Fahrt zu wünschen. Svens Eltern, Jörg und Elfi Drenkard, fahren also ohne
ihn. Erzählen der Großmutter, dass Jörg und Sven gemeinsam den
Motorradführerschein gemacht haben. »Mach dir keine Sorgen«, sagt Jörg Drenkard
am Kaffeetisch zu seiner Mutter. »Sven ist vorsichtig. Der bleibt lieber zehn
Stundenkilometer unter als über dem erlaubten Limit. Da passiert nichts.« Zu
Hause macht Sven sich für eine Tour mit dem Motorrad bereit. Ein Freund
begegnet Sven eine Stunde später zufällig an einer Straßenbiegung kurz vor der
Ortschaft Würgau in der fränkischen Schweiz, zwanzig Kilometer östlich von
Bamberg. Sven steht am Straßenrand, seine weiße Kawasaki liegt neben ihm im
Gras. Er ist gestürzt. Der Freund will wissen, ob etwas passiert sei. Nein,
sagt Sven. Er wirkt wütend. Es sei besser, mit dem Weiterfahren etwas zu warten,
rät der Freund. Erst mal runterkommen und warten, ob alles okay sei.
Stattdessen greift Sven nach seinem Helm. Abschiedsgruß. Dann fahren beide in
entgegengesetzte Richtungen weiter. </p>



<p>Warum Sven stürzte, bleibt unklar. Vielleicht ist er einem
Tier ausgewichen oder zu scharf abgebogen und mit dem Vorderrad weggerutscht.
Fest steht, dass Sven nur wenige Minuten weiterfährt, bergab durch das Dorf
Würgau, etwa einen Kilometer entfernt, bevor er erneut stürzt. </p>



<p>Als Svens Eltern von der Großmutter zurück nach Hause
kommen, rennt die Nachbarin auf sie zu. Die Polizei war da. Worum es geht? Weiß
sie nicht. Im Haus klingelt das Telefon. Es ist Nadine, Svens beste Freundin.
Sie hat auf dem Onlineportal der Regionalzeitung von einem Unfall gelesen. Der
21 Jahre alte Fahrer eines Motorrads, Marke Kawasaki, beschleunigte kurz nach
dem Ortsschild Würgau auf der B22. Die zwanzig Jahre alte Fahrerin eines VW vor
ihm bog scharf nach links ab. Das Motorrad prallte gegen das Heck des Autos. </p>



<p><em>»Wo ist der Sven?«, ist Nadines erste Frage. </em></p>



<p><em>»Der Sven ist mit dem Motorrad unterwegs «, antwortet der Vater. </em></p>



<p><em>»Wo unterwegs?« </em></p>



<p><em>»Am Würgauer Berg.« </em></p>



<p><em>»Es tut mir leid, es tut mir so leid!« </em></p>



<p>Nach dem Telefonat geht Jörg Drenkard in die Küche, dann ins
Arbeitszimmer. Zieht seine Hose aus und wieder an, ohne zu wissen, wieso. Er
setzt sich auf die kleine Holzbank vor dem Haus. Warten. Ein Polizeiwagen
stoppt am Straßenrand, zwei Polizisten und ein Sozialhelfer steigen aus. </p>



<p><em>»Sagt mir nicht, dass er tot ist«, sagt der Vater. </em></p>



<p><em>»Doch.« </em></p>



<p>Elfi Drenkard sitzt trotz der Nachricht bis 21 Uhr auf der
Couch und wartet, um 21 Uhr wollte ihr Sohn zu Hause sein. Er war doch immer
pünktlich.</p>



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		<item>
		<title>Die letzten Minuten</title>
		<link>https://hermes-baby.de/die-letzten-minuten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nele Rößler]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Nov 2019 09:41:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Rößler]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Manche sehen einen dunklen Tunnel mit Licht am Ende, andere berichten, wie sie sich von ihrem Körper gelöst hatten und diesen von oben sahen. Nahtod-Erfahrungen können Hinweise geben, wie sich die letzten Momente anfühlen werden. Aber auch über das Sterben an sich ist bereits einiges bekannt. (Veröffentlicht in: Deutschlandfunk, Forschung aktuell) Ausschnitt: Aber nicht nur das subjektive Erleben von Nahtod-Erfahrungen ähnelt sich. Eine Studie, bei der sterbende Menschen beobachtet wurden, die auf Grund eines Schädel-Hirntraumas noch Elektroden im Kopf hatten, zeigte, dass das Sterben mit einer charakteristischen Gehirnwelle einhergeht. „Genau in dem Augenblick, in dem die Gehirnfunktion erlischt oder wenige Sekunden, bis ein, zwei Minuten danach. Wenn dieser Zustand einmal eingetreten ist, dann liegt tatsächlich ein irreversibler Zustand vor.“ Der Mensch ist dann tatsächlich hirntot. Die letzten Gehirnwellen ähneln dabei stets den Ausschlägen bei einem Migräneanfall.&#160; […] Link: https://www.deutschlandfunk.de/letzte-momente-nahtod-erfahrungen-haben-nicht-nur-mit-dem.676.de.html?dram:article_id=463519</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/die-letzten-minuten/">Die letzten Minuten</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro"> Manche sehen einen dunklen Tunnel mit Licht am Ende, andere berichten, wie sie sich von ihrem Körper gelöst hatten und diesen von oben sahen. Nahtod-Erfahrungen können Hinweise geben, wie sich die letzten Momente anfühlen werden. Aber auch über das Sterben an sich ist bereits einiges bekannt. </p>



<p class="quelle"><span style="font-size:14px!important;"><em>(Veröffentlicht in: Deutschlandfunk, Forschung aktuell)</em></span></p>



<p>Ausschnitt: Aber nicht nur das subjektive Erleben von
Nahtod-Erfahrungen ähnelt sich. Eine Studie, bei der sterbende Menschen
beobachtet wurden, die auf Grund eines Schädel-Hirntraumas noch Elektroden im
Kopf hatten, zeigte, dass das Sterben mit einer charakteristischen Gehirnwelle
einhergeht.</p>



<p>„Genau in dem Augenblick, in dem die Gehirnfunktion erlischt
oder wenige Sekunden, bis ein, zwei Minuten danach. Wenn dieser Zustand einmal
eingetreten ist, dann liegt tatsächlich ein irreversibler Zustand vor.“</p>



<p>Der Mensch ist dann tatsächlich hirntot. Die letzten
Gehirnwellen ähneln dabei stets den Ausschlägen bei einem Migräneanfall.&nbsp;</p>



<p>[…]</p>



<p>Link: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/letzte-momente-nahtod-erfahrungen-haben-nicht-nur-mit-dem.676.de.html?dram:article_id=463519" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label=" (öffnet in neuem Tab)">https://www.deutschlandfunk.de/letzte-momente-nahtod-erfahrungen-haben-nicht-nur-mit-dem.676.de.html?dram:article_id=463519</a></p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">1745</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Kinderwunsch auf Eis</title>
		<link>https://hermes-baby.de/kinderwunsch-auf-eis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nele Rößler]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Nov 2019 09:34:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Rößler]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hermes-baby.de/?p=1738</guid>

					<description><![CDATA[<p>Immer mehr Frauen in Deutschland lassen ihre Eizellen einfrieren. Manche wollen ihre Fruchtbarkeit verlängern, bis sie den richtigen Partner für die Familiengründung gefunden haben. Andere tun es, bevor sie durch eine Krebsbehandlung unfruchtbar werden. Doch wirft diese Möglichkeit viele grundsätzliche Fragen auf. (Veröffentlicht in: Deutschlandfunk, Hintergrund) Ausschnitt: Die Diagnose Darmkrebs bekam Claudia Neumann, da war sie gerade 28 Jahre alt. Die Krankheit veränderte ihr Leben: Operationen, Chemotherapie, Strahlenbehandlung. Narben und künstlicher Darmausgang, Haarausfall, Übelkeit. Eine weitere Nebenwirkung der Krebs-Behandlung: Sie wird keine Kinder mehr bekommen können. „Das ist jetzt so ein richtig einschneidendes Erlebnis in meinem Leben, dass mir diese Entscheidung einfach genommen wurde, dass ich nicht selbst entscheiden kann, möchte ich Kinder oder möchte ich sie nicht.“ Heute ist Claudia Neumann 31 Jahre alt. Vom Krebs hat sie sich erholt. Zirka 9.000 Frauen und 6.000 Männer zwischen 18 und 39 Jahren erkranken in Deutschland jedes Jahr an Krebs. Die Prognose der jungen Erwachsenen mit Krebs ist grundsätzlich gut, 80 Prozent dieser Erkrankungen können heutzutage geheilt werden. Doch die Behandlungen wie Chemo- oder Strahlentherapie können wie bei Claudia Neumann zu Unfruchtbarkeit führen. […] Link: https://www.deutschlandfunk.de/eizellen-einfrieren-kinderwunsch-auf-eis.724.de.html?dram:article_id=443510</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/kinderwunsch-auf-eis/">Kinderwunsch auf Eis</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro"> Immer mehr Frauen in Deutschland lassen ihre Eizellen einfrieren. Manche wollen ihre Fruchtbarkeit verlängern, bis sie den richtigen Partner für die Familiengründung gefunden haben. Andere tun es, bevor sie durch eine Krebsbehandlung unfruchtbar werden. Doch wirft diese Möglichkeit viele grundsätzliche Fragen auf. </p>



<p class="quelle"><span style="font-size:14px!important;"><em>(Veröffentlicht in: Deutschlandfunk, Hintergrund)</em></span></p>



<p><strong>Ausschnitt:</strong> Die Diagnose Darmkrebs bekam Claudia Neumann, da war sie gerade 28 Jahre alt. Die Krankheit veränderte ihr Leben: Operationen, Chemotherapie, Strahlenbehandlung. Narben und künstlicher Darmausgang, Haarausfall, Übelkeit. Eine weitere Nebenwirkung der Krebs-Behandlung: Sie wird keine Kinder mehr bekommen können.</p>



<p>„Das ist jetzt so ein richtig einschneidendes Erlebnis in
meinem Leben, dass mir diese Entscheidung einfach genommen wurde, dass ich
nicht selbst entscheiden kann, möchte ich Kinder oder möchte ich sie nicht.“
Heute ist Claudia Neumann 31 Jahre alt. Vom Krebs hat sie sich erholt. Zirka
9.000 Frauen und 6.000 Männer zwischen 18 und 39 Jahren erkranken in
Deutschland jedes Jahr an Krebs. Die Prognose der jungen Erwachsenen mit Krebs
ist grundsätzlich gut, 80 Prozent dieser Erkrankungen können heutzutage geheilt
werden. Doch die Behandlungen wie Chemo- oder Strahlentherapie können wie bei
Claudia Neumann zu Unfruchtbarkeit führen.</p>



<p>[…]</p>



<p>Link: <a href="https://www.deutschlandfunk.de/eizellen-einfrieren-kinderwunsch-auf-eis.724.de.html?dram:article_id=443510" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label=" (öffnet in neuem Tab)">https://www.deutschlandfunk.de/eizellen-einfrieren-kinderwunsch-auf-eis.724.de.html?dram:article_id=443510</a></p>


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		<title>Ein Milliliter mehr Leben</title>
		<link>https://hermes-baby.de/ein-milliliter-mehr-leben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gabriel Proedl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Nov 2019 08:48:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Proedl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fridolin und Jonathan sind viel zu früh geboren. Auf der Intensivstation kämpfen sie sich in diese Welt – gespendete Muttermilch gibt ihnen die Chance, zu überleben. Eine Wissenschaftsreportage. (Veröffentlicht in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) Ausschnitt: Wolfram Kaiser ist wieder im Perinatalzentrum der Universitätsklinik Freiburg angekommen. Er kennt sich dort aus, verbringt jeden Tag mehrere Stunden auf der Station. Er kennt die Kabel und Computer, die Inkubatoren mit der Aufschrift „Geminus I“ und „Geminus II“, darin seine Zwillinge: Fridolin, der kleinere, links und Jonathan, der größere, rechts. In drei Monaten sollten sie auf die Welt kommen, seit drei Wochen sind sie da. Die beiden haben die Augen geschlossen: Im Mutterleib schwimmt man mit blindem Vertrauen. Mutter Petra Kaiser ist nach der Geburt erkrankt und kann ihre beiden Söhne nur selten sehen. Vater Wolfram ist deshalb oft bei ihnen, hält durch die Öffnungen des Inkubators ihre winzigen Hände, bürstet ihre Haare, salbt die Lippen, umhegt sie. Eine Stunde am Tag darf er sie auf seine Brust legen. „Känguruhen“ nennen das die Pflegerinnen, weil die Kinder dabei so körpernah geborgen sind wie im Beutel eines Kängurus. Eine Stunde am Tag, in der auch die Zwillinge einander wieder nahe sind. Für Wolfram Kaiser die schönste Zeit des Tages, wenn sie seine Liebe spüren, Sauerstoff durch zwei Röhrchen bekommen, Antibiotika über die Vene – und Muttermilch über einen Schlauch durch die Nase in den Magen. Muttermilch, weil es für ein Frühgeborenes nichts Besseres gibt, sagen Ärzte, Pfleger und Hebammen. Nur in wenigen medizinischen Fragen gibt es solche Einigkeit. […] Link: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/frauenmilchbanken-gespendete-muttermilch-hilft-fruehgeborenen-16338601.html Veröffentlich in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/ein-milliliter-mehr-leben/">Ein Milliliter mehr Leben</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Fridolin und Jonathan sind viel zu früh geboren. Auf der Intensivstation kämpfen sie sich in diese Welt – gespendete Muttermilch gibt ihnen die Chance, zu überleben. Eine Wissenschaftsreportage.</p>



<p class="quelle"><span style="font-size:14px!important;"><em>(Veröffentlicht in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)</em></span></p>



<p><strong>Ausschnitt: </strong>Wolfram Kaiser ist wieder im Perinatalzentrum der Universitätsklinik Freiburg angekommen. Er kennt sich dort aus, verbringt jeden Tag mehrere Stunden auf der Station. Er kennt die Kabel und Computer, die Inkubatoren mit der Aufschrift „Geminus I“ und „Geminus II“, darin seine Zwillinge: Fridolin, der kleinere, links und Jonathan, der größere, rechts. In drei Monaten sollten sie auf die Welt kommen, seit drei Wochen sind sie da. Die beiden haben die Augen geschlossen: Im Mutterleib schwimmt man mit blindem Vertrauen. </p>



<p>Mutter Petra Kaiser ist nach der Geburt erkrankt und kann
ihre beiden Söhne nur selten sehen. Vater Wolfram ist deshalb oft bei ihnen,
hält durch die Öffnungen des Inkubators ihre winzigen Hände, bürstet ihre
Haare, salbt die Lippen, umhegt sie. Eine Stunde am Tag darf er sie auf seine
Brust legen. „Känguruhen“ nennen das die Pflegerinnen, weil die Kinder dabei
so körpernah geborgen sind wie im Beutel eines Kängurus. Eine Stunde am Tag,
in der auch die Zwillinge einander wieder nahe sind. Für Wolfram Kaiser die schönste
Zeit des Tages, wenn sie seine Liebe spüren, Sauerstoff durch zwei Röhrchen
bekommen, Antibiotika über die Vene – und Muttermilch über einen Schlauch durch
die Nase in den Magen. </p>



<p>Muttermilch, weil es für ein Frühgeborenes nichts Besseres
gibt, sagen Ärzte, Pfleger und Hebammen. Nur in wenigen medizinischen Fragen
gibt es solche Einigkeit. </p>



<p>[…]</p>



<p>Link: <a href="https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/frauenmilchbanken-gespendete-muttermilch-hilft-fruehgeborenen-16338601.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label=" (öffnet in neuem Tab)">https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/frauenmilchbanken-gespendete-muttermilch-hilft-fruehgeborenen-16338601.html</a></p>



<p>Veröffentlich in: Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung</p>


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		<item>
		<title>Über Hermes Baby</title>
		<link>https://hermes-baby.de/ueber-hermes-baby/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Maria Pham]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Nov 2019 23:46:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Über uns]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hermes-baby.de/?p=107</guid>

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