Gabriel Proedl

Gabriel Proedl

»Genau hinschauen ist unfassbar schwierig«

Gabriel Proedl wurde 1998 in Graz geboren. Mit 19 Jahren wurde er an der Reportageschule aufgenommen und zum Reporter ausgebildet. Jetzt schreibt er unter anderem für die ZEIT, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und den stern. Für den SPIEGEL dreht er Videos und ist an der Umsetzung multimedialer Projekte beteiligt.

Der fiktive Kurzfilm „Taste of Love“, für den er das Drehbuch schrieb, wurde auf Festivals auf der ganzen Welt gezeigt und mehrfach international ausgezeichnet. 

Geschichten

Interview

Bist du mit 21 nicht etwas jung, um uns von der Welt zu erzählen? 

Zum Erzählen ist niemand zu jung. Die Unerfahrenheit kann sogar ein großer Vorteil sein: Ich bin noch naiv genug, Dinge zu sehen, die euch vielleicht entgehen. Die unvoreingenommene Frage ist ohnehin die wirksamste, denn sie überrascht. Vielleicht ist das, was ich am besten kann: überraschen. Protagonisten, Redakteure, Leser. Aber ich stecke viel Zeit in diese scheinbar spontanen Momente der Verblüffung.  

Du verbringst auch viel Zeit in Cafés und Bars. Was liebst du daran? 

Dort kann ich alleine sein – und bin dennoch in Gesellschaft. Ich sitze an einem Tisch mit gutem Überblick und lerne, zu beobachten. Es ist das Wichtigste an unserem Beruf: genau hinschauen. Aber genau hinzuschauen ist unfassbar schwierig. 

Und was du beobachtest, schreibst du in deine Notizbücher? 

Ich schreibe alles auf, damit es mir nicht abhandenkommt. Im Jahr brauche ich etwa fünfzig Stück dieser Büchlein, jede Woche eines. Ich schreibe, was ich sehe, was ich höre, was ich fühle, was ich schmecke. Wie in einer guten Reportage. Ich notiere Ideen und Dialoge, und spannende Erzählungen. Ich interessiere mich für alles, was mir Menschen mit Begeisterung erzählen. Und für noch ein bisschen mehr. 

Du schreibst nicht nur Reportagen, sondern machst auch Filme. 

Jede Geschichte bedarf ihrer eigenen Form der Vermittlung. Als Text, als Film, als Fotografie, als Theaterstück. Darin sehe ich auch die Stärke von Hermes Baby. Gutes Geschichtenerzählen – in der jeweils adäquaten Form. 

Was ist dein Wunsch für deine Zukunft als Geschichtenerzähler? 

Dass mir die Leichtigkeit nicht abhandenkommt. 

Autor jetzt anschreiben!

E-Mail schreiben