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		<title>Ausschreibung: Anthologie &#8222;Erzähljournalismus der Gegenwart&#8220;</title>
		<link>https://hermes-baby.de/ausschreibung-anthologie-erzaehljournalimus-der-gegenwart/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Jul 2025 09:21:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Events]]></category>
		<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>AUSSCHREIBUNG: ANTHOLOGIE „Erzähljournalismus der Gegenwart“ CALL FOR REPORTAGEN (2020 – 2025) HERMES BABY gibt gemeinsam mit den Verlagen MÄRZ und KORBINIAN im Herbst eine Anthologie der aufregendsten Reportagen in den Jahren 2020 – 2025 heraus. Dafür suchen wir richtig gute Texte! Welche Reportage hat dich in den letzten Jahren besonders beeindruckt, berührt, zum Lachen gebracht? Das können eigene Reportagen sein, von Freunden oder Fremden, schick sie uns in einer formlosen Email, als pdf, Link oder Screenshot bis 8.3. an info@hermes-baby.de Aus allen Einsendungen wählen wir eine möglichst große Bandbreite aus. Doch es wird keine Gewinner geben, keine Pokale, keine Siegerfotos – das hier ist nicht der hundertste Journalistenpreis. Kultur ist kein Wettbewerb. Wir wollen die Form feiern, die Vielfältigkeit des Erzähljournalismus. Sollte der Text nicht von dir stammen, werden wir natürlich mit den Autoren und Autorinnen in Kontakt treten, falls wir uns für eine Veröffentlichung entscheiden.   Und warum das alles? Einst galt die Reportage als Königsdisziplin des Journalismus, dann wurde sie dank SPIEGEL-Skandal geschmäht und schließlich in ein redaktionelles Korsett aus formalen Vorgaben und inhaltlichen Einschränkungen gezwängt. Doch wir finden: Die Reportage könnte nach wie vor der Brückenschlag zwischen Journalismus und Literatur sein – so wie in anderen Sprachen üblich. Eine Form, in der Wirklichkeit und Fakten durch literarische Mittel destilliert werden – bis daraus echte Leseerfahrung entsteht. Wozu braucht es sonst noch lange Erzähltexte, wenn es Podcasts, Doku-Serien und YouTube gibt? Nur eine Reportage, die die Möglichkeiten des geschriebenen Wortes ausschöpft, hat bei der Medienkonkurrenz der Gegenwart eine Daseinsberechtigung. Zum Glück erscheinen nach wie vor Texte von Reportern und Reporterinnen, die sich zu engen Vorgaben widersetzen. Reportagen, die eigen klingen, individuell, genauso wie die wahren Geschichten, die sie erzählen. Die eine Form wagen, die der beschriebenen Wirklichkeit gerecht wird – statt in den immergleichen, abgeklärten Reportersound zu verfallen. Hin und wieder tauchen sie dann doch noch in den Printmedien auf. Und genau solche Texte suchen wir! Zur Veröffentlichung der gemeinsam entstandenen Anthologie organisieren wir stattdessen eine kleine Feier, zu der alle herzlich eingeladen sein werden. Konkreter heißt das, wir suchen ab jetzt alles außer: Reportagen, die nach szenischem Einstieg im dritten Absatz ein Portal stehen haben. Reportagen, die echte Menschen auf zwei bis drei Äußerlichkeiten reduzieren, statt in Lebenswirklichkeiten einzutauchen.Reportagen, die in starren Dramaturgien verharren. Reportagen, die klingen, als hätte man ChatGPT gebeten, eine Reportage zu schreiben. Reportagen, die sich in immergleichen Erzählmustern verfangen. Helft dabei, eine möglichst große Sammlung an grandiosen Reportagen der letzten Jahre zusammenzustellen. Wir freuen uns über jede Einsendung. DeineHermes Babies &#60;3</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/ausschreibung-anthologie-erzaehljournalimus-der-gegenwart/">Ausschreibung: Anthologie &#8222;Erzähljournalismus der Gegenwart&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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					<h1 class="elementor-heading-title elementor-size-default">AUSSCHREIBUNG: ANTHOLOGIE „Erzähljournalismus der Gegenwart“ </h1>				</div>
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									<p style="font-weight: 400;">CALL FOR REPORTAGEN (2020 – 2025)</p><p style="font-weight: 400;">HERMES BABY gibt gemeinsam mit den Verlagen MÄRZ und KORBINIAN im Herbst eine Anthologie der aufregendsten Reportagen in den Jahren 2020 – 2025 heraus. Dafür suchen wir richtig gute Texte!</p><p style="font-weight: 400;">Welche Reportage hat dich in den letzten Jahren besonders beeindruckt, berührt, zum Lachen gebracht? Das können eigene Reportagen sein, von Freunden oder Fremden, schick sie uns in einer formlosen Email, als pdf, Link oder Screenshot bis 8.3. an <a href="mailto:info@hermes-baby.de">info@hermes-baby.de</a></p><p style="font-weight: 400;">Aus allen Einsendungen wählen wir eine möglichst große Bandbreite aus. Doch es wird keine Gewinner geben, keine Pokale, keine Siegerfotos – das hier ist nicht der hundertste Journalistenpreis. Kultur ist kein Wettbewerb. Wir wollen die Form feiern, die Vielfältigkeit des Erzähljournalismus. Sollte der Text nicht von dir stammen, werden wir natürlich mit den Autoren und Autorinnen in Kontakt treten, falls wir uns für eine Veröffentlichung entscheiden.</p><p> </p><p style="font-weight: 400;"><strong>Und warum das alles?</strong></p><p style="font-weight: 400;">Einst galt die Reportage als Königsdisziplin des Journalismus, dann wurde sie dank SPIEGEL-Skandal geschmäht und schließlich in ein redaktionelles Korsett aus formalen Vorgaben und inhaltlichen Einschränkungen gezwängt. Doch wir finden: Die Reportage könnte nach wie vor der Brückenschlag zwischen Journalismus und Literatur sein – so wie in anderen Sprachen üblich.</p><p style="font-weight: 400;">Eine Form, in der Wirklichkeit und Fakten durch literarische Mittel destilliert werden – bis daraus echte Leseerfahrung entsteht. Wozu braucht es sonst noch lange Erzähltexte, wenn es Podcasts, Doku-Serien und YouTube gibt? Nur eine Reportage, die die Möglichkeiten des geschriebenen Wortes ausschöpft, hat bei der Medienkonkurrenz der Gegenwart eine Daseinsberechtigung.</p><p style="font-weight: 400;">Zum Glück erscheinen nach wie vor Texte von Reportern und Reporterinnen, die sich zu engen Vorgaben widersetzen. Reportagen, die eigen klingen, individuell, genauso wie die wahren Geschichten, die sie erzählen. Die eine Form wagen, die der beschriebenen Wirklichkeit gerecht wird – statt in den immergleichen, abgeklärten Reportersound zu verfallen. Hin und wieder tauchen sie dann doch noch in den Printmedien auf.</p><p style="font-weight: 400;"><strong>Und genau solche Texte suchen wir!</strong></p><p style="font-weight: 400;">Zur Veröffentlichung der gemeinsam entstandenen Anthologie organisieren wir stattdessen eine kleine Feier, zu der alle herzlich eingeladen sein werden.</p><p><strong>Konkreter heißt das, wir suchen ab jetzt alles außer:</strong></p><ul><li>Reportagen, die nach szenischem Einstieg im dritten Absatz ein Portal stehen haben.</li><li>Reportagen, die echte Menschen auf zwei bis drei Äußerlichkeiten reduzieren, statt in Lebenswirklichkeiten einzutauchen.<br />Reportagen, die in starren Dramaturgien verharren.</li><li>Reportagen, die klingen, als hätte man ChatGPT gebeten, eine Reportage zu schreiben.</li><li>Reportagen, die sich in immergleichen Erzählmustern verfangen.</li></ul><p style="font-weight: 400;">Helft dabei, eine möglichst große Sammlung an grandiosen Reportagen der letzten Jahre zusammenzustellen. Wir freuen uns über jede Einsendung.</p><p style="font-weight: 400;">Deine<br />Hermes Babies &lt;3</p>								</div>
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		<title>Eine verlorene Ewigkeit</title>
		<link>https://hermes-baby.de/eine-verlorene-ewigkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jul 2024 07:55:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit 15 Jahren suchen Mandys Eltern nach ihrer verschwundenen Tochter. Doch als sie der Wahrheit endlich näherkommen, fallen Schüsse vor ihrer Haustür. Der Kampf um Gewissheit eskaliert Erschienen in ZEIT Verbrechen, Juli 2024 / Fotos: Mario Wezel Sie hat die Satinvorhänge vor die Fenster gezogen. Die Außenwelt soll ihr fernbleiben, sie ist ihr längst zur Bedrohung geworden. Sabine sitzt am Esstisch, hat die vom Rheuma schmerzende Hand in den Schoß gelegt. Die andere führt die Zigarette an ihre Lippen für den nächsten gedankenlosen Zug. Von Dutzenden Fotos an den Wänden blicken die Vorfahren auf sie herab. Einst war Sabine eine stolze Sinteza, zog mit ihren Eltern im Wohnwagen von Ort zu Ort. Schriller Jahrmarkttrubel und die klebrigen Massen der Menschen. Doch seit 15 Jahren ist sie nur mehr die Mutter eines abhandengekommenen Kindes. Nichts zermartert einen so sehr wie die Ungewissheit. Es war das Jahr 1988, Sabine 23 Jahre alt, als sie den zwei Jahre jüngeren Richard heiratete. Ein stiller, freundlicher Mann, der beim Sprechen manchmal verlegen lächelt. Im Jahr darauf, am ersten Weihnachtstag, brachte sie ihre Tochter Mandy zur Welt. Sechs Jahre später ihren Sohn. Sabine und Richard wurden sesshaft, zogen aus dem Wohnwagen schließlich in ein Haus in Niedersachsen. Mandy trat in der Mini Playback Show auf. Sie sang Destiny von Jennifer Rush; sie hatte Sommersprossen im Gesicht und trug lange, lockige schwarze Haare. Im Fernsehstudio sagte ein kleiner Elvis Presley zu ihr, sie sei die schönste Frau der Welt. Als Mandy älter wurde, bemerkte sie, dass sie bei den Jungs gut ankam. Sie schrieb mit manchen von ihnen E-Mails, sinti- prinzessin@hotmail.com, traf sie heimlich. Nachdem Mandy ihren Realschulabschluss bestanden hatte, begann sie eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau im Mercedes- Autohaus. Dann lernte sie diesen Jungen kennen. Sein Name kommt Sabine heute nicht mehr über die Lippen. [&#8230;] Der ganze Text in ZEIT Verbrechen, Ausgabe 27</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/eine-verlorene-ewigkeit/">Eine verlorene Ewigkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
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<p>Seit 15 Jahren suchen Mandys Eltern nach ihrer verschwundenen Tochter. Doch als sie der Wahrheit endlich näherkommen, fallen Schüsse vor ihrer Haustür. Der Kampf um Gewissheit eskaliert</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/zeit-verbrechen/2023/22/armut-entkommen-lebensgeschichte-missbrauch-drogen-psychiatrie">ZEIT Verbrechen</a>, Juli 2024 /  Fotos: Mario Wezel</p>



<p>Sie hat die Satinvorhänge vor die Fenster gezogen. Die Außenwelt soll ihr fernbleiben, sie ist ihr längst zur Bedrohung geworden.</p>



<p>Sabine sitzt am Esstisch, hat die vom Rheuma schmerzende Hand in den Schoß gelegt. Die andere führt die Zigarette an ihre Lippen für den nächsten gedankenlosen Zug. Von Dutzenden Fotos an den Wänden blicken die Vorfahren auf sie herab.</p>



<p>Einst war Sabine eine stolze Sinteza, zog mit ihren Eltern im Wohnwagen von Ort zu Ort. Schriller Jahrmarkttrubel und die klebrigen Massen der Menschen. Doch seit 15 Jahren ist sie nur mehr die Mutter eines abhandengekommenen Kindes.</p>



<p>Nichts zermartert einen so sehr wie die Ungewissheit.</p>



<p>Es war das Jahr 1988, Sabine 23 Jahre alt, als sie den zwei Jahre jüngeren Richard heiratete. Ein stiller, freundlicher Mann, der beim Sprechen manchmal verlegen lächelt. Im Jahr darauf, am ersten Weihnachtstag, brachte sie ihre Tochter Mandy zur Welt. Sechs Jahre später ihren Sohn. Sabine und Richard wurden sesshaft, zogen aus dem Wohnwagen schließlich in ein Haus in Niedersachsen. Mandy trat in der Mini Playback Show auf. Sie sang <em>Destiny</em> von Jennifer Rush; sie hatte Sommersprossen im Gesicht und trug lange, lockige schwarze Haare. Im Fernsehstudio sagte ein kleiner Elvis Presley zu ihr, sie sei die schönste Frau der Welt.</p>



<p>Als Mandy älter wurde, bemerkte sie, dass sie bei den Jungs gut ankam. Sie schrieb mit manchen von ihnen E-Mails, sinti- prinzessin@hotmail.com, traf sie heimlich. Nachdem Mandy ihren Realschulabschluss bestanden hatte, begann sie eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau im Mercedes- Autohaus. Dann lernte sie diesen Jungen kennen.</p>



<p>Sein Name kommt Sabine heute nicht mehr über die Lippen.</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text in ZEIT Verbrechen, Ausgabe 27</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/eine-verlorene-ewigkeit/">Eine verlorene Ewigkeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<title>Hoffnung in Berlin</title>
		<link>https://hermes-baby.de/hoffnung-in-berlin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Aug 2023 16:31:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Rupflin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Christian möchte einfach nur der Armut entkommen. Chronik eines Lebens zwischen Missbrauch, Drogen, illegalen Kryptomillionen – und dem Kampf um den eigenen Sohn Erschienen in ZEIT Verbrechen, Oktober 2023 / Fotos: Nikita Teryoshin Christians Problem, immer schon: Er ist auf der Suche und weiß nicht, wonach.  Der 27. November 2003 – morgen wird Christian 14.&#160; Er sitzt im silbernen Renault Twingo vom schwulen Hans. Das perverse Schwein wollte ihn nach Hause fahren, dabei liegt das Café Chaplin, das ihm gehört, nur ein paar Straßen entfernt, schräg gegenüber der Feuerwehr. Vorbei an der Polizei. Vorbei am Friedhof, links vorbei an den vielen kleinen Spitzgiebelhäuschen, bis dann, ziemlich unvermittelt, drei wuchtige Wohnblocks auftauchen. Ganz gierige Glupschaugen hat der schwule Hans. Sie könnten ihm aus den Höhlen flutschen, wenn er sich nur vorbeugt. Christian und die anderen Jungs sitzen oft im Café Chaplin, immer in derselben Nische, abseits der übrigen Gäste. Der schwule Hans, so nennen ihn alle hier, spendiert ihnen dann Pizza und Fanta. Ständig läuft&#160;Heal the Worldvon Michael Jackson. Er wohnt in einer Kellerwohnung unterm Café, zusammen mit Mausi, der Katze, und einer stadtbekannten&#160;Playboy-Sammlung. Originale aus Amerika.&#160; Zur Feier von Christians großem Tag morgen hatte der schwule Hans gefragt, welchen Cocktail er trinken wolle. Der süß-cremige Geschmack der Piña Colada überraschte Christian, als käme das Glas in seiner Hand geradewegs von einer entlegenen Tropeninsel. Ein paar Schlucke später spürte er eine wohlige Wärme. [&#8230;] Der ganze Text hier oder in ZEIT Verbrechen, Ausgabe 22</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/hoffnung-in-berlin/">Hoffnung in Berlin</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Christian möchte einfach nur der Armut entkommen. Chronik eines Lebens zwischen Missbrauch, Drogen, illegalen Kryptomillionen – und dem Kampf um den eigenen Sohn</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/zeit-verbrechen/2023/22/armut-entkommen-lebensgeschichte-missbrauch-drogen-psychiatrie">ZEIT Verbrechen</a>, Oktober 2023 /  Fotos: Nikita Teryoshin</p>



<p>Christians Problem, immer schon: Er ist auf der Suche und weiß nicht, wonach. </p>



<p>Der 27. November 2003 – morgen wird Christian 14.&nbsp;</p>



<p>Er sitzt im silbernen Renault Twingo vom schwulen Hans. Das perverse Schwein wollte ihn nach Hause fahren, dabei liegt das Café Chaplin, das ihm gehört, nur ein paar Straßen entfernt, schräg gegenüber der Feuerwehr. Vorbei an der Polizei. Vorbei am Friedhof, links vorbei an den vielen kleinen Spitzgiebelhäuschen, bis dann, ziemlich unvermittelt, drei wuchtige Wohnblocks auftauchen.</p>



<p>Ganz gierige Glupschaugen hat der schwule Hans. Sie könnten ihm aus den Höhlen flutschen, wenn er sich nur vorbeugt.</p>



<p>Christian und die anderen Jungs sitzen oft im Café Chaplin, immer in derselben Nische, abseits der übrigen Gäste. Der schwule Hans, so nennen ihn alle hier, spendiert ihnen dann Pizza und Fanta. Ständig läuft&nbsp;<em>Heal the World</em>von Michael Jackson. Er wohnt in einer Kellerwohnung unterm Café, zusammen mit Mausi, der Katze, und einer stadtbekannten&nbsp;<em>Playboy-</em>Sammlung. Originale aus Amerika.&nbsp;</p>



<p>Zur Feier von Christians großem Tag morgen hatte der schwule Hans gefragt, welchen Cocktail er trinken wolle. Der süß-cremige Geschmack der Piña Colada überraschte Christian, als käme das Glas in seiner Hand geradewegs von einer entlegenen Tropeninsel. Ein paar Schlucke später spürte er eine wohlige Wärme.</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text <a href="https://www.zeit.de/zeit-verbrechen/2023/22/armut-entkommen-lebensgeschichte-missbrauch-drogen-psychiatrie">hier</a> oder in ZEIT Verbrechen, Ausgabe 22</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/hoffnung-in-berlin/">Hoffnung in Berlin</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<title>Atme, Bruder!</title>
		<link>https://hermes-baby.de/atme-bruder/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Oct 2022 09:49:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Rupflin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach einer illegalen Silikoninjektion liegt Martin im Sterben. Seine Schwester nimmt den Kampf auf – gegen Tod und Täter Erschienen in ZEIT Verbrechen, Oktober 2022 / Fotos: Neven Allgeier Seit Stunden fließt der Atem schwerer.Der Körper ist sein Käfig.Noch 213 Tage Leben. Auf dem Ledersessel im Wohnzimmer des elterlichen Bauernhäuschens hockt Martin, tippt auf dem Handy rum und klagt der Familie, dass er sich krank fühle. Der Kreislauf. Daniela, die 25-jährige Schwester, wundert sich über sein so anfälliges Immunsystem. Sie wünscht ihm gute Besserung und fährt ins Büro, der Vater zu seiner Sparkasse, die Mutter macht sich an den Haushalt. Es ist Freitagmorgen, der 26. Juli 2019. Seit Tagen trocknet das Land unter dem stickigen Sommer aus. Martin bleibt auf dem Ledersessel zurück. Noch drei Wochen, dann fängt er seine neue Stelle als Busfahrer an. Er kann es kaum erwarten. Vor einiger Zeit hatte Martin mal ein ausrangiertes Feuerwehrauto, ein Löschfahrzeug, Iveco-Magirus 120-25, 256 PS auf 12,7 Liter Hubraum, Unterhalts- und Benzinkosten unbezahlbar. Davor fuhr er einen olivgrünen riesigen Mercedes Vario, den er mit Hunderten Aufklebern beklebt hatte: »Klar bist du schneller, aber ich bin vor dir«. Die Bärentatze der Bear-Community, Regenbogenflaggen. Seine Eltern erzählen gerne jedem, wie sich am Tag, an dem er den Wagen das erste Mal vor dem Bauernhaus parkte, das Wohnzimmer verdunkelt habe. Bei seinem alten Job, Buslinie 60 ist er gefahren, hatten die Schulkinder ihm am letzten Tag Geschenke und Süßigkeiten mitgebracht. Martin war immer gut mit ihnen klargekommen. Er kündigte nur, weil der Chef nicht mehr richtig zahlte. Gerade in diesem Moment geht die innere Zerstörung längst vor sich. Mit jedem Schlag, den Martins Herz tut, fließen durch den Blutstrom seiner Venen unbemerkt kleinste Silikontröpfchen. Ungestört passieren sie das Herz und bewegen sich weiter zur Lunge, doch dort ist der Fremdstoff allmählich zu groß für die immer feiner werdenden Blutgefäße. Die Tröpfchen ver- stopfen sie und lagern sich dort ein. Mit jeder Stunde nimmt Martins Lunge weniger Sauerstoff in den Körper auf. Atemnot. Am Abend fährt er ins örtliche Krankenhaus. Computertomografie des Thorax: Bei Verdacht auf atypische Pneumonie zeigt sich ein ungewöhnlicher Befall der Lungen. Weiß wie eine Qualle im Ozean leuchtet [&#8230;] Der ganze Text in ZEIT Verbrechen, Ausgabe 17</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/atme-bruder/">Atme, Bruder!</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Nach einer illegalen Silikoninjektion liegt Martin im Sterben. Seine Schwester nimmt den Kampf auf – gegen Tod und Täter</p>



<p class="quelle">Erschienen in ZEIT Verbrechen, Oktober 2022 /  Fotos: Neven Allgeier</p>



<p>Seit Stunden fließt der Atem schwerer.<br>Der Körper ist sein Käfig.<br>Noch 213 Tage Leben.</p>



<p>Auf dem Ledersessel im Wohnzimmer des elterlichen Bauernhäuschens hockt Martin, tippt auf dem Handy rum und klagt der Familie, dass er sich krank fühle. Der Kreislauf. Daniela, die 25-jährige Schwester, wundert sich über sein so anfälliges Immunsystem. Sie wünscht ihm gute Besserung und fährt ins Büro, der Vater zu seiner Sparkasse, die Mutter macht sich an den Haushalt. Es ist Freitagmorgen, der 26. Juli 2019. Seit Tagen trocknet das Land unter dem stickigen Sommer aus.</p>



<p>Martin bleibt auf dem Ledersessel zurück. Noch drei Wochen, dann fängt er seine neue Stelle als Busfahrer an. Er kann es kaum erwarten.</p>



<p>Vor einiger Zeit hatte Martin mal ein ausrangiertes Feuerwehrauto, ein Löschfahrzeug, Iveco-Magirus 120-25, 256 PS auf 12,7 Liter Hubraum, Unterhalts- und Benzinkosten unbezahlbar. Davor fuhr er einen olivgrünen riesigen Mercedes Vario, den er mit Hunderten Aufklebern beklebt hatte: »Klar bist du schneller, aber ich bin vor dir«. Die Bärentatze der Bear-Community, Regenbogenflaggen. Seine Eltern erzählen gerne jedem, wie sich am Tag, an dem er den Wagen das erste Mal vor dem Bauernhaus parkte, das Wohnzimmer verdunkelt habe. Bei seinem alten Job, Buslinie 60 ist er gefahren, hatten die Schulkinder ihm am letzten Tag Geschenke und Süßigkeiten mitgebracht. Martin war immer gut mit ihnen klargekommen. Er kündigte nur, weil der Chef nicht mehr richtig zahlte.</p>



<p>Gerade in diesem Moment geht die innere Zerstörung längst vor sich. Mit jedem Schlag, den Martins Herz tut, fließen durch den Blutstrom seiner Venen unbemerkt kleinste Silikontröpfchen. Ungestört passieren sie das Herz und bewegen sich weiter zur Lunge, doch dort ist der Fremdstoff allmählich zu groß für die immer feiner werdenden Blutgefäße. Die Tröpfchen ver- stopfen sie und lagern sich dort ein.</p>



<p>Mit jeder Stunde nimmt Martins Lunge weniger Sauerstoff in den Körper auf. Atemnot. Am Abend fährt er ins örtliche Krankenhaus. Computertomografie des Thorax: Bei Verdacht auf atypische Pneumonie zeigt sich ein ungewöhnlicher Befall der Lungen. Weiß wie eine Qualle im Ozean leuchtet</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text in ZEIT Verbrechen, Ausgabe 17</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/atme-bruder/">Atme, Bruder!</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<title>Wir übernehmen die Reporter-Akademie</title>
		<link>https://hermes-baby.de/wir-uebernehmen-die-reportage-akademie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Jul 2022 20:30:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor über zwei Jahren hat sich Hermes Baby mit der Mission gegründet, einen zeitgemäßen Erzähljournalismus in Deutschland zu fördern. Denn dass Geschichten in der Lage sind, Erkenntnisse zu vermitteln, die dem rein Faktischen verschlossen bleiben, ist unsere tiefe Überzeugung.Seitdem ist viel passiert &#8211; und eigentlich ist es ein Wunder, dass wir noch existieren, trotz Corona und trotz immer schlechteren Bedingungen für Freie Journalisten. Doch in den letzten Monaten haben wir neue Mitglieder dazugewonnen, Veranstaltungen und Lesungen organisiert und arbeiten inzwischen vertrauensvoll mit inspirierenden Journalisten und Journalistinnen in unterschiedlichsten Redaktionen zusammen, die unsere Version eines zeitgemäßen Erzählens schätzen gelernt haben. Dabei verging allerdings kaum ein Tag, an dem wir uns nicht auch gefragt haben, wie wir integrativer werden könnten. Denn zeitgemäßes Erzählen ist nichts, was wir exklusiv für uns beanspruchen wollen. Es handelt sich dabei vielmehr um eine Vision, die wir mit der gesamten Branche teilen möchten. Die Reporter-Akademie wird hierfür der ideale Ort sein. Warum aber übergibt Michael Obert die Reporter-Akademie überhaupt an Hermes Baby?Michael gilt bis heute als einer der renommiertesten Reporter des Landes. Inzwischen aber hat sich sein eigener beruflicher Schwerpunkt zunehmend in den Coaching-Bereich verschoben. Zu den Gründen, warum Michael sich bei der Suche nach einem Nachfolger unter mehreren Interessenten am Ende ausgerechnet für Hermes Baby entschieden hat, sagt er selbst: „Die meisten Autorinnen und Autoren bei Hermes Baby kenne ich persönlich von Workshops oder von unterschiedlichen Journalistenschulen. Die große Schnittmenge mit der Akademie im Bereich ‚Erzähljournalismus‘ ist offensichtlich. Außerdem braucht die Akademie, die ja einem sehr praktischen Ansatz folgt, ein Leitungsteam, das nah am journalistischen Tagesgeschäft dran ist. Da war es naheliegend, die Nachfolge auch gleich mit einem Generationenwechsel zu verbinden.&#8220; Als Schirmherr und Impulsgeber wird Michael der Akademie erhalten bleiben. Von Gründung an war es Michaels Wunsch, mit der Reporter-Akademie sowohl Qualitätsjournalismus als auch demokratische Werte zu stärken. Entsprechend glücklich sind wir, diese Idee fortführen zu dürfen. Zugleich geht mit der Übernahme der Reporter-Akademie eine große Verantwortung einher: Eine solche Fortbildungsstätte ist nur so gut, wie die Menschen, die ihr Leben einhauchen. Wir betrachten die Akademie deshalb auch als Ideenwerkstatt: Neben der Vermittlung geht es uns darum, gemeinsam an Geschichten zu drehen und Ideen des Erzählens weiterzuentwickeln. Hast Du Anregungen, Wünsche oder Kritik würden wir uns darum freuen, wenn Du Dich bei uns meldest. Denn in den kommenden Wochen sind wir es, die von Dir lernen wollen, um den Kosmos Reporter-Akademie noch besser zu verstehen. Was ändert sich nun konkret?Eine Neuerung gibt es bereits: Wir überführen die Akademie gerade in einen gemeinnützigen Verein. Damit wollen wir unserem Anspruch gerecht werden, einen Beitrag für das demokratische Gemeinwesen zu leisten, indem wir das Stipendienprogramm deutlich ausbauen werden. Ansonsten bleibt in diesem Jahr des Übergangs vieles beim Alten: Vom 13. bis 15. September wird Michael Obert noch einmal seine beliebte Masterclass Reportage anbieten (anmelden kannst Du Dich hier). Von 17. bis 18. September findet das Seminar “Gut leben als freie/r Journalist/in” zum ersten Mal mit Katharina Jakob statt (hier geht’s zur Anmeldung). Dank unseres Partners Amnesty International stehen uns zwei Stipendien zur Verfügung, die eine kostenlose Teilnahme an beiden Seminaren ermöglichen (bewerben kann man sich hier). Wir von Hermes Baby arbeiten währenddessen im Hintergrund: Wir kümmern uns um die Vorbereitung und Durchführung der Seminare und feilen bereits an neuen, spannenden Kurskonzepten für die kommenden Jahre. Die brandneue Website der Reporter-Akademie gibt es unter: www.reporter-akademie.de</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/wir-uebernehmen-die-reportage-akademie/">Wir übernehmen die Reporter-Akademie</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Vor über zwei Jahren hat sich Hermes Baby mit der Mission gegründet, einen zeitgemäßen Erzähljournalismus in Deutschland zu fördern. Denn dass Geschichten in der Lage sind, Erkenntnisse zu vermitteln, die dem rein Faktischen verschlossen bleiben, ist unsere tiefe Überzeugung.<br>Seitdem ist viel passiert &#8211; und eigentlich ist es ein Wunder, dass wir noch existieren, trotz Corona und trotz immer schlechteren Bedingungen für Freie Journalisten. Doch in den letzten Monaten haben wir neue Mitglieder dazugewonnen, Veranstaltungen und Lesungen organisiert und arbeiten inzwischen vertrauensvoll mit inspirierenden Journalisten und Journalistinnen in unterschiedlichsten Redaktionen zusammen, die unsere Version eines zeitgemäßen Erzählens schätzen gelernt haben.</p>



<p>Dabei verging allerdings kaum ein Tag, an dem wir uns nicht auch gefragt haben, wie wir integrativer werden könnten. Denn zeitgemäßes Erzählen ist nichts, was wir exklusiv für uns beanspruchen wollen. Es handelt sich dabei vielmehr um eine Vision, die wir mit der gesamten Branche teilen möchten. Die <a href="http://www.reporter-akademie.de">Reporter-Akademie</a> wird hierfür der ideale Ort sein.</p>



<p><strong>Warum aber übergibt Michael Obert die Reporter-Akademie überhaupt an Hermes Baby?</strong><br>Michael gilt bis heute als einer der renommiertesten Reporter des Landes. Inzwischen aber hat sich sein eigener beruflicher Schwerpunkt zunehmend in den Coaching-Bereich verschoben.</p>



<p>Zu den Gründen, warum Michael sich bei der Suche nach einem Nachfolger unter mehreren Interessenten am Ende ausgerechnet für Hermes Baby entschieden hat, sagt er selbst:</p>



<p><em>„Die meisten Autorinnen und Autoren bei Hermes Baby kenne ich persönlich von Workshops oder von unterschiedlichen Journalistenschulen. Die große Schnittmenge mit der Akademie im Bereich ‚Erzähljournalismus‘ ist offensichtlich. Außerdem braucht die Akademie, die ja einem sehr praktischen Ansatz folgt, ein Leitungsteam, das nah am journalistischen Tagesgeschäft dran ist. Da war es naheliegend, die Nachfolge auch gleich mit einem Generationenwechsel zu verbinden.&#8220;</em></p>



<p>Als Schirmherr und Impulsgeber wird Michael der Akademie erhalten bleiben.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-style-default"><img decoding="async" src="https://hermes-baby.de/wp-content/uploads/2022/07/Hermes-Baby-Wochenende-Bayern-1024x682.jpg" alt="" class="wp-image-4302"/><figcaption>Vor zwei Wochen trafen wir uns und sprachen gemeinsam über die Zukunft der Reporter-Akademie.</figcaption></figure>



<p>Von Gründung an war es Michaels Wunsch, mit der Reporter-Akademie sowohl Qualitätsjournalismus als auch demokratische Werte zu stärken. Entsprechend glücklich sind wir, diese Idee fortführen zu dürfen. Zugleich geht mit der Übernahme der Reporter-Akademie eine große Verantwortung einher: Eine solche Fortbildungsstätte ist nur so gut, wie die Menschen, die ihr Leben einhauchen. Wir betrachten die Akademie deshalb auch als Ideenwerkstatt: Neben der Vermittlung geht es uns darum, gemeinsam an Geschichten zu drehen und Ideen des Erzählens weiterzuentwickeln. Hast Du Anregungen, Wünsche oder Kritik würden wir uns darum freuen, wenn Du Dich bei uns meldest. Denn in den kommenden Wochen sind wir es, die von Dir lernen wollen, um den Kosmos Reporter-Akademie noch besser zu verstehen.</p>



<p><strong>Was ändert sich nun konkret?<br></strong>Eine Neuerung gibt es bereits: Wir überführen die Akademie gerade in einen gemeinnützigen Verein. Damit wollen wir unserem Anspruch gerecht werden, einen Beitrag für das demokratische Gemeinwesen zu leisten, indem wir das Stipendienprogramm deutlich ausbauen werden. Ansonsten bleibt in diesem Jahr des Übergangs vieles beim Alten: Vom 13. bis 15. September wird Michael Obert noch einmal seine beliebte Masterclass Reportage anbieten (anmelden kannst Du Dich <a href="https://reporter-akademie.de/masterclass-reportage/">hier</a>). Von 17. bis 18. September findet das Seminar “Gut leben als freie/r Journalist/in” zum ersten Mal mit Katharina Jakob statt (hier geht’s zur <a href="https://reporter-akademie.de/gut-leben-als-freie-journalistin/">Anmeldung</a>). Dank unseres Partners Amnesty International stehen uns zwei Stipendien zur Verfügung, die eine kostenlose Teilnahme an beiden Seminaren ermöglichen (bewerben kann man sich <a href="https://reporter-akademie.de/stipendien/">hier</a>).</p>



<p>Wir von Hermes Baby arbeiten währenddessen im Hintergrund: Wir kümmern uns um die Vorbereitung und Durchführung der Seminare und feilen bereits an neuen, spannenden Kurskonzepten für die kommenden Jahre.</p>



<p>Die brandneue Website der Reporter-Akademie gibt es unter: <a href="http://www.reporter-akademie.de">www.reporter-akademie.de</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/wir-uebernehmen-die-reportage-akademie/">Wir übernehmen die Reporter-Akademie</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<title>Obsession</title>
		<link>https://hermes-baby.de/obsession/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Mar 2022 15:45:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Rupflin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Er sieht in ihr die Frau des Lebens. Sie will überhaupt nichts mit ihm zu tun haben. Eine wahnhafte Tragödie nimmt ihren Lauf. Erschienen in DIE ZEIT, März 2021 / Illustration: Thomke Meyer Der Junge traf das Mädchen in einer Gegend, in der vor allem die Hoffnung wohnt, eines Tages von hier wegziehen zu können. Er traf sie auf einer kargen Betonfläche im Hamburger Süden, die Bewohner ihren &#8222;Dorfplatz&#8220; nennen. Oft lungert hier endlos lange eine Gruppe jugendlicher Kiffer an den Sitzbänken herum. Einer von ihnen ist Mustafa D. Gerade läuft er auf ein Mädchen zu, das ihn noch gar nicht wahrgenommen hat. Schon eine Zeit lang hat er beobachtet, wie sie neuerdings täglich über den Dorfplatz spaziert. Er hat keine Ahnung, wo sie plötzlich hergekommen ist. Ihr Gesicht, das sie mit einem straff gebundenen Kopftuch umrahmt, macht einen hellen, freundlichen Eindruck, und außerdem ist es gerade Frühling geworden, März. Er holt sie ein, passt sie ab, sagt mutig zu ihr so was wie: Hey, hey! Wie heißt du? Ich find dich voll hübsch. Kann ich deine Nummer haben? Aysun (Name geändert) bleibt stehen. Der Kerl kommt ihr seltsam vor. Er ist groß, ziemlich schlaksig. Sein Gesicht unrasiert. Er hat etwas Ungepflegtes an sich, ohne dass sie genau festmachen könnte, woran es liegt. Seine Art vielleicht? Ganz allgemein wirkt er jedenfalls sonderbar unterwürfig und hat dabei einen verschlagenen Blick. Gleichwohl will Aysun freundlich bleiben. Sie nutzt die Ausrede, die man von einer streng erzogenen Muslimin erwarten könnte: Ich kann dir meine Nummer nicht geben, du musst erst mal mit meinen Eltern sprechen. Aber Mustafa lässt nicht locker, verwickelt sie ungelenk in ein Gespräch, so erinnern das beide später. Aysun kommt gerade von ihrem Praktikum bei einer Ärztin. Sie ist 17. Nach dem Abi will sie Medizin studieren. Sie fragt den Jungen, ob er auch aufs Gymnasium geht. Er behauptet, seinen Realschulabschluss längst in der Tasche zu haben, was glatt gelogen ist. Die Schule hat er in der Achten geschmissen. Inzwischen ist er 23. Er hatte einfach nicht begriffen, dass man ein Zeugnis braucht, um einen Job zu finden. Seine türkischen Eltern hatten vom deutschen Bildungssystem keine Ahnung. Und so lungert er auf dem Dorfplatz rum, treibt durch die Tage, Wochen, Monate seiner müden Existenz. Wo das enden soll? Bis gerade wusste er das auch nicht. Aber jetzt steht immerhin dieses wunderbare Mädchen vor ihm. Das soll was ändern! [&#8230;] Der ganze Text in DIE ZEIT oder hier.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/obsession/">Obsession</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Er sieht in ihr die Frau des Lebens. Sie will überhaupt nichts mit ihm zu tun haben. Eine wahnhafte Tragödie nimmt ihren Lauf.</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/2022/12/mustafa-d-hamburg-stalking-obsession-schusswaffe">DIE ZEIT</a>, März 2021 /  Illustration: Thomke Meyer</p>



<p>Der Junge traf das Mädchen in einer Gegend, in der vor allem die Hoffnung wohnt, eines Tages von hier wegziehen zu können. Er traf sie auf einer kargen Betonfläche im Hamburger Süden, die Bewohner ihren &#8222;Dorfplatz&#8220; nennen. Oft lungert hier endlos lange eine Gruppe jugendlicher Kiffer an den Sitzbänken herum. Einer von ihnen ist Mustafa D. Gerade läuft er auf ein Mädchen zu, das ihn noch gar nicht wahrgenommen hat. Schon eine Zeit lang hat er beobachtet, wie sie neuerdings täglich über den Dorfplatz spaziert. Er hat keine Ahnung, wo sie plötzlich hergekommen ist. Ihr Gesicht, das sie mit einem straff gebundenen Kopftuch umrahmt, macht einen hellen, freundlichen Eindruck, und außerdem ist es gerade Frühling geworden, März. Er holt sie ein, passt sie ab, sagt mutig zu ihr so was wie: Hey, hey! Wie heißt du? Ich find dich voll hübsch. Kann ich deine Nummer haben?</p>



<p>Aysun (Name geändert) bleibt stehen. Der Kerl kommt ihr seltsam vor. Er ist groß, ziemlich schlaksig. Sein Gesicht unrasiert. Er hat etwas Ungepflegtes an sich, ohne dass sie genau festmachen könnte, woran es liegt. Seine Art vielleicht? Ganz allgemein wirkt er jedenfalls sonderbar unterwürfig und hat dabei einen verschlagenen Blick.</p>



<p>Gleichwohl will Aysun freundlich bleiben. Sie nutzt die Ausrede, die man von einer streng erzogenen Muslimin erwarten könnte: Ich kann dir meine Nummer nicht geben, du musst erst mal mit meinen Eltern sprechen. Aber Mustafa lässt nicht locker, verwickelt sie ungelenk in ein Gespräch, so erinnern das beide später.</p>



<p>Aysun kommt gerade von ihrem Praktikum bei einer Ärztin. Sie ist 17. Nach dem Abi will sie Medizin studieren. Sie fragt den Jungen, ob er auch aufs Gymnasium geht. Er behauptet, seinen Realschulabschluss längst in der Tasche zu haben, was glatt gelogen ist. Die Schule hat er in der Achten geschmissen. Inzwischen ist er 23. Er hatte einfach nicht begriffen, dass man ein Zeugnis braucht, um einen Job zu finden. Seine türkischen Eltern hatten vom deutschen Bildungssystem keine Ahnung. Und so lungert er auf dem Dorfplatz rum, treibt durch die Tage, Wochen, Monate seiner müden Existenz. Wo das enden soll? Bis gerade wusste er das auch nicht. Aber jetzt steht immerhin dieses wunderbare Mädchen vor ihm. Das soll was ändern!</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text in DIE ZEIT oder <a href="https://www.zeit.de/2022/12/mustafa-d-hamburg-stalking-obsession-schusswaffe">hier</a>. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/obsession/">Obsession</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<title>Und zwischen ihnen steht ihr achtjähriges Kind</title>
		<link>https://hermes-baby.de/und-zwischen-ihnen-steht-ihr-achtjaehriges-kind/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Feb 2022 16:08:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Rupflin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Vater und eine Mutter streiten um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter. So wie jedes Jahr Zehntausende Eltern in Deutschland. Doch dann geht es plötzlich um Vergewaltigung, Mord und eine Entführung. Erschienen in DIE ZEIT, Februar 2021 / Illustration:  Eleanor Taylor Martin Koch* sitzt auf einer leeren Hotelterrasse in Rijeka, Kroatien. Vor ihm glitzert das Meer im Sonnenuntergang. Wellen platschen gegen die Klippen, ein Frachtschiff gleitet vorüber, in den dürren Ästen eines Busches klettert ein Kätzchen. Martin Koch hat dafür keinen Blick. Er zieht an einer Zigarette, wohl der dreißigsten heute. Er ist nach Kroatien gekommen, um endlich, nach vier Jahren des Vermissens, seine kleine Tochter in die Arme zu schließen.  Dann beginnt er, von der Frau zu erzählen, die ihm erst den Atem und dann das gemeinsame Kind raubte. Von der Frau, die ihm einen Mord anhängen wollte. Der Frau, die ihn einen Kindesvergewaltiger nannte.&#160; So sagt er das.&#160; Zur selben Zeit, nur ein paar Kilometer weiter, kauert Sandra Busch auf der Pritsche einer engen Gefängniszelle. Es stinkt nach Kot. Eine Mitinsassin hat einen künstlichen Darmausgang und bräuchte dringend einen Arzt, aber das scheint hier niemanden zu interessieren. Sandra Busch ist mit ihrer Tochter nach Kroatien gekommen, um sie vor ihrem Vater zu schützen. Dem Mann, der sein eigenes Kind vergewaltigt hat. Der dafür gesorgt hat, dass die Polizei ihr einfach die Kleine wegnahm. Und der ihre ältere Tochter umgebracht hat. So sagt sie das. [&#8230;] Der ganze Text in DIE ZEIT oder hier.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Ein Vater und eine Mutter streiten um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter. So wie jedes Jahr Zehntausende Eltern in Deutschland. Doch dann geht es plötzlich um Vergewaltigung, Mord und eine Entführung.</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/2022/07/sorgerrechtsstreit-partnerschaft-kriminalitaet-gewalt-justiz">DIE ZEIT</a>, Februar 2021 /  Illustration:  Eleanor Taylor</p>



<p>Martin Koch* sitzt auf einer leeren Hotelterrasse in Rijeka, Kroatien. Vor ihm glitzert das Meer im Sonnenuntergang. Wellen platschen gegen die Klippen, ein Frachtschiff gleitet vorüber, in den dürren Ästen eines Busches klettert ein Kätzchen. Martin Koch hat dafür keinen Blick. Er zieht an einer Zigarette, wohl der dreißigsten heute. Er ist nach Kroatien gekommen, um endlich, nach vier Jahren des Vermissens, seine kleine Tochter in die Arme zu schließen. </p>



<p>Dann beginnt er, von der Frau zu erzählen, die ihm erst den Atem und dann das gemeinsame Kind raubte. Von der Frau, die ihm einen Mord anhängen wollte. Der Frau, die ihn einen Kindesvergewaltiger nannte.&nbsp;</p>



<p>So sagt er das.&nbsp;</p>



<p>Zur selben Zeit, nur ein paar Kilometer weiter, kauert Sandra Busch auf der Pritsche einer engen Gefängniszelle. Es stinkt nach Kot. Eine Mitinsassin hat einen künstlichen Darmausgang und bräuchte dringend einen Arzt, aber das scheint hier niemanden zu interessieren. Sandra Busch ist mit ihrer Tochter nach Kroatien gekommen, um sie vor ihrem Vater zu schützen. Dem Mann, der sein eigenes Kind vergewaltigt hat. Der dafür gesorgt hat, dass die Polizei ihr einfach die Kleine wegnahm. Und der ihre ältere Tochter umgebracht hat.</p>



<p>So sagt sie das.</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text in DIE ZEIT oder <a href="https://www.zeit.de/2022/07/sorgerrechtsstreit-partnerschaft-kriminalitaet-gewalt-justiz">hier</a>. </p>
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		<title>Im Netz der Lügen</title>
		<link>https://hermes-baby.de/im-netz-der-luegen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Mar 2021 10:58:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Rupflin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der 36-jährige Ralf Witte wird eines Morgens von der Polizei aus dem Bett geholt und verhaftet. Er soll ein junges Mädchen mehrfach grausam vergewaltigt und schwer verletzt haben. Doch Witte ist sich keiner Schuld bewusst. Für ihn beginnt ein Albtraum. Erschienen in ZEIT Verbechen, März 2021 / Foto: Rafael Heygster Ein Mädchen öffnet sein Tagebuch. Es bekam das Buch von der Englischlehrerin geschenkt. Dort soll es alle Dinge hineinschreiben, die es bekümmern. Das Mädchen nimmt einen Filzstift und schreibt: Ich packe es nicht mehr. Manchmal wünsche ich mir, dass ich tot bin, einfach weg bin, meine Ruhe habe, vergessen und einfach frei zu sein. Aber auch ich werde sie später alle fertig machen, einen nach dem anderen. So schnell werden die mich nicht los, so schnell nicht. Es ist aber so schwer und es tut weh zu leben, so vieles, was alles schon passiert ist, wo soll das hinführen, ich will nicht mehr die Hure von Papa sein. Draußen läuft noch alles in geregelten Bahnen. Früh ist es, fünf Uhr, halb sechs. Der Schienenschleifwagen fährt über die sich durchs Straßennetz ziehenden Gleise. Im Inneren drückt der Kompressor mit Tonnengewicht die Schleifsteine gen Boden. Sie kratzen über Schienen, Wasser spritzt aus Düsen, nimmt dem Eisen die Hitze. Vorn, in der Fahrerkabine, sitzt Ralf Witte. Er ist 36 Jahre alt. Seine Schicht geht gerade zu Ende. Er lenkt den Schienenschleifwagen in die Thurnithistraße, fährt in den Betriebshof, stellt den Wagen ab. Er nimmt seine Thermoskanne und geht zu seinem Auto. Es ist der 16. Mai 2001. Daheim legt er sich neben Kerstin und schläft ein. Für eine Stunde liegt das Ehepaar so beisammen, bis Kerstin aus dem Schlafzimmer schleicht, um Simon, ihren kleinen Jungen, zu wecken. Sie macht Frühstück, fährt ihn in den Kindergarten, kehrt zurück. Um zehn Uhr klingelt es an der Tür des Reihenhauses. Zwei Männer, Polizei. Ob ihr Mann zu sprechen sei? Der schläft, Nachtschicht. Ob sie ihn bitte wecken könnte? &#8222;Ralf, komm mal, da sind zwei Männer von der Polizei, die wollen irgendwas von dir.&#8220; Ein neues Spielchen seiner Exfrau, denkt Witte verschlafen. Seitdem sie in eine Sekte geraten ist, macht sie Theater. Aber die Kriminalbeamten wollen was anderes: &#8222;Kennen Sie eine Jennifer?&#8220; Witte nickt. &#8222;Unser Kindermädchen.&#8220; Der Beamte sagt: &#8222;Die war gestern bei uns auf der Wache. Sie hat Sie angezeigt, wegen Vergewaltigung.&#8220; [&#8230;] Der ganze Text im Heft 9 von ZEIT Verbrechen oder hier.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/im-netz-der-luegen/">Im Netz der Lügen</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Der 36-jährige Ralf Witte wird eines Morgens von der Polizei aus dem  Bett geholt und verhaftet. Er soll ein junges Mädchen mehrfach grausam  vergewaltigt und schwer verletzt haben. Doch Witte ist sich keiner  Schuld bewusst. Für ihn beginnt ein Albtraum.</p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/zeit-verbrechen/2021/09/justizirrtum-ralf-witte-zu-unrecht-verurteilt-vergewaltigung">ZEIT Verbechen</a>, März 2021 /  Foto: <a href="https://www.rafael-heygster.com/">Rafael Heygster</a></p>



<p>Ein Mädchen öffnet sein Tagebuch. Es 
bekam das Buch von der Englischlehrerin geschenkt. Dort soll es alle 
Dinge hineinschreiben, die es bekümmern. Das Mädchen nimmt einen 
Filzstift und schreibt:
</p>



<p><em>Ich packe es 
nicht mehr. Manchmal wünsche ich mir, dass ich tot bin, einfach weg bin,
 meine Ruhe habe, vergessen und einfach frei zu sein. Aber auch ich 
werde sie später alle fertig machen, einen nach dem anderen. So schnell 
werden die mich nicht los, so schnell nicht. Es ist aber so schwer und 
es tut weh zu leben, so vieles, was alles schon passiert ist, wo soll 
das hinführen, ich will nicht mehr die Hure von Papa sein.</em>
</p>



<p>Draußen läuft noch alles  in geregelten Bahnen. Früh ist es, fünf Uhr, halb sechs. Der  Schienenschleifwagen fährt über die sich durchs Straßennetz ziehenden  Gleise. Im Inneren drückt der Kompressor mit Tonnengewicht die  Schleifsteine gen Boden. Sie kratzen über Schienen, Wasser spritzt aus  Düsen, nimmt dem Eisen die Hitze. Vorn, in der Fahrerkabine, sitzt Ralf  Witte. Er ist 36 Jahre alt. Seine Schicht geht gerade zu Ende. Er lenkt  den Schienenschleifwagen in die Thurnithistraße, fährt in den  Betriebshof, stellt den Wagen ab. Er nimmt seine Thermoskanne und geht  zu seinem Auto. Es ist der 16. Mai 2001. </p>



<p>Daheim legt er sich neben Kerstin und
 schläft ein. Für eine Stunde liegt das Ehepaar so beisammen, bis 
Kerstin aus dem Schlafzimmer schleicht, um Simon, ihren kleinen Jungen, 
zu wecken. Sie macht Frühstück, fährt ihn in den Kindergarten, kehrt 
zurück. Um zehn Uhr klingelt es an der Tür des Reihenhauses. Zwei 
Männer, Polizei. Ob ihr Mann zu sprechen sei? Der schläft, Nachtschicht.
 Ob sie ihn bitte wecken könnte? &#8222;Ralf, komm mal, da sind zwei Männer 
von der Polizei, die wollen irgendwas von dir.&#8220;
</p>



<p>Ein neues Spielchen  seiner Exfrau, denkt Witte verschlafen. Seitdem sie in eine Sekte  geraten ist, macht sie Theater. Aber die Kriminalbeamten wollen was  anderes: &#8222;Kennen Sie eine Jennifer?&#8220; Witte nickt. &#8222;Unser Kindermädchen.&#8220;  Der Beamte sagt: &#8222;Die war gestern bei uns auf der Wache. Sie hat Sie  angezeigt, wegen Vergewaltigung.&#8220; </p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text im Heft 9 von ZEIT Verbrechen oder <a href="https://www.zeit.de/zeit-verbrechen/2021/09/justizirrtum-ralf-witte-zu-unrecht-verurteilt-vergewaltigung">hier</a>. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/im-netz-der-luegen/">Im Netz der Lügen</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<item>
		<title>Kann euch doch egal sein</title>
		<link>https://hermes-baby.de/kann-euch-doch-egal-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Dec 2020 13:15:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Rupflin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein 16-Jähriger sticht die Freundin nieder und kommt in die Psychiatrie. Nach zehn Jahren kommt er raus und bleibt alleine mit seinen Dämonen. Erschienen in DIE ZEIT, Dezember 2020 / Illustration: Karlotta Freier Celina will Markus ein Kuscheltier kaufen, seit zwei Wochen ist sie wieder seine Freundin. Er hat ihr geschworen, sie nicht mehr zu boxen. Sie ist seine große Liebe. Darum war er schon mal mit ihr verlobt, aber dann hat sie den Ring weggeworfen, und jetzt darf Markus sie eigentlich gar nicht mehr sehen. Celinas Eltern haben es verboten und das Gericht auch. Einstweilige Verfügung. Er schlendert mit ihr durchs Oder-Center, am New Yorker vorbei, an der schwarzen Spitzenunterwäsche von Hunkemöller. Die Kaufhausmusik säuselt schön ins Ohr. Lauter kleine Weihnachtsbäume stehen herum. 2. Dezember 2009. Markus trägt seine neue Jacke mit dem Fellkragen offen. Celina nölt ein bisschen wegen seiner großen Pupillen. Vorhin hat sie ihm einen Klaps auf den Hinterkopf verpasst. Aber das ist egal. Die Amphetamine wärmen von innen und machen schön ruhig, sie wirken genau andersrum als bei anderen Menschen, das liegt wohl an seinem ADHS. Irgendwann stehen sie im Nanu-Nana, wo er sich das Kuscheltier aussuchen soll. Er hat keinen Bock darauf. Er ist sechzehn. Sie hält ihm Teddybären vor die Nase. Irgendwas beginnt in ihm zu kribbeln. Er will hier weg. Er boxt Celina gegen die Schulter. Gleich fängt sie wieder an rumzuheulen. Die Verkäuferin erklärt, dass Männer keine Kuscheltiere mögen. Da hat sie recht. Die Verkäuferin sagt, Celina solle ihm lieber was anderes kaufen, und das findet er auch. Vor der Ladentür umarmt sie ihn plötzlich, will ihn offenbar beruhigen. Aber sie schreckt gleich wieder zurück. &#8222;Was ist denn ditte&#8220;, fragt sie und zeigt auf seine rechte Jackentasche. Sie weiß genau, was das ist. Es ist das Küchenmesser, er trägt es immer bei sich. Das muss so sein. Er ist jetzt Schuldeneintreiber der Halbwelt. Für eine Ohrfeige bekommt er 100 Euro oder 150. In Schwedt wissen die anderen Jungs längst, wer sich mit dem Markus anlegt, hat ein Problem. Du musst kränker sein als die anderen, dann haben sie Respekt. Darum das Messer. Aber Celina macht Aufstand. [&#8230;] Der ganze Text in der gedruckten Ausgabe der ZEIT vom 23. Dezmeber oder hier.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Ein 16-Jähriger sticht die Freundin nieder und kommt in die Psychiatrie.  Nach zehn Jahren kommt er raus und bleibt alleine mit seinen Dämonen. </p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/2020/54/messerattacke-schwedt-oder-center-haftstrafe-massregelvollzug-brandenburg">DIE ZEIT</a>, Dezember 2020 /  Illustration: Karlotta Freier </p>



<p>Celina will Markus ein Kuscheltier 
kaufen, seit zwei Wochen ist sie wieder seine Freundin. Er hat ihr 
geschworen, sie nicht mehr zu boxen. Sie ist seine große Liebe. Darum 
war er schon mal mit ihr verlobt, aber dann hat sie den Ring 
weggeworfen, und jetzt darf Markus sie eigentlich gar nicht mehr sehen. 
Celinas Eltern haben es verboten und das Gericht auch. Einstweilige 
Verfügung. Er schlendert mit ihr durchs Oder-Center, am New Yorker 
vorbei, an der schwarzen Spitzenunterwäsche von Hunkemöller. Die 
Kaufhausmusik säuselt schön ins Ohr. Lauter kleine Weihnachtsbäume 
stehen herum. 2. Dezember 2009. Markus trägt seine neue Jacke mit dem 
Fellkragen offen. Celina nölt ein bisschen wegen seiner großen Pupillen.
 Vorhin hat sie ihm einen Klaps auf den Hinterkopf verpasst. Aber das 
ist egal. Die Amphetamine wärmen von innen und machen schön ruhig, sie 
wirken genau andersrum als bei anderen Menschen, das liegt wohl an 
seinem ADHS. Irgendwann stehen sie im Nanu-Nana, wo er sich das 
Kuscheltier aussuchen soll. Er hat keinen Bock darauf. Er ist sechzehn.
</p>



<p>Sie hält ihm Teddybären  vor die Nase. Irgendwas beginnt in ihm zu kribbeln. Er will hier weg. Er  boxt Celina gegen die Schulter. Gleich fängt sie wieder an rumzuheulen.  Die Verkäuferin erklärt, dass Männer keine Kuscheltiere mögen. Da hat  sie recht. Die Verkäuferin sagt, Celina solle ihm lieber was anderes  kaufen, und das findet er auch. Vor der Ladentür umarmt sie ihn  plötzlich, will ihn offenbar beruhigen. Aber sie schreckt gleich wieder  zurück. &#8222;Was ist denn ditte&#8220;, fragt sie und zeigt auf seine rechte  Jackentasche. Sie weiß genau, was das ist. Es ist das Küchenmesser, er  trägt es immer bei sich. Das muss so sein. Er ist jetzt  Schuldeneintreiber der Halbwelt. Für eine Ohrfeige bekommt er 100 Euro  oder 150. In Schwedt wissen die anderen Jungs längst, wer sich mit dem  Markus anlegt, hat ein Problem. Du musst kränker sein als die anderen,  dann haben sie Respekt. Darum das Messer. Aber Celina macht Aufstand. </p>



<p>
[&#8230;]</p>



<p>Der ganze Text in der gedruckten Ausgabe der ZEIT vom 23. Dezmeber oder <a href="https://www.falter.at/zeitung/20200826/das-gehen-und-das-von--uns-gehen/_687c8dfd87?ref=related&amp;ver=b">hier</a>. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/kann-euch-doch-egal-sein/">Kann euch doch egal sein</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Corona Roadtrip</title>
		<link>https://hermes-baby.de/corona-roadtrip/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 May 2020 13:50:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten von Rupflin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Alexander und Lotta kommen zusammen – dann kommt Corona. Die beiden beschließen abzuhauen und reisen mit einem VW-Bus quer durch Deutschland. Dabei lernen sie ein Land im Ausnahmezustand kennen. Erschienen in stern.de, 27.4.2020 / Foto: Enno Kapitza Ein Donnerstag Mitte März 2020 und wir sitzen im Eldorado. Zweiter Wodka-Soda. Zweites Astra. Die Gespräche der Gäste kreisen um die Corona-Pandemie. Wir können das Wort „Ausgangssperre“ nicht überhören. Bislang nur eine Empfehlung, klar, kommt uns aber schon jetzt ziemlich ungelegen. Wir wollten „es“ nämlich „versuchen“. Das hatten sie und ich vor drei Tagen beschlossen. Im Saal II, einer anderen Bar. Mit „Es“ ist eine echte Beziehung gemeint und mit „versuchen“ eine solche zu führen. Sie heißt Lotta. Sie hat rotes Haar. Ich steh total auf ihre Haare! Ich mag auch, wie sie lacht. Bis ich Lotta kennenlernte, war ich überzeugt, wer zu oft laut lacht, meint es mit seiner Freude nicht ernst. Aber Lotta lacht viel und laut und es klingt immer ehrlich. Dass wir „es“ früher oder später „versuchen“ wollen, wussten wir eigentlich seit unserer ersten Begegnung vor drei Wochen – auch im Eldorado. Nachdem wir uns eine halbe Stunde unterhalten hatten, bat sie mich, einmal aufzustehen. Sie müsse wissen, wie groß ich sei. Sie musterte mich. „Nein, das passt gut“, sagte sie. Ich glaube, sie schätzte damals ab, ob sie mich bequem küssen könne, wenn sie sich auf Zehenspitzen stellt. Ich nehme einen Schluck vom Wodka-Soda, ich sage, eigentlich sollten wir uns nicht länger treffen. Wäre besser für uns. Nicht in der Öffentlichkeit. Laut Internet sind zu diesem Zeitpunkt in Deutschland knapp 8000 Menschen an Covid-19 erkrankt und 12 gestorben. Lotta nickt. Ich glaube, sie nickt vor allem das Wort „eigentlich“ ab. Wie soll das funktionieren, eine Drei-Tage-Beziehung ohne Sicht-und-sonst-wie-Kontakt? Ich sage: „Oder wir hauen ab! Raus aus der Großstadt. Auf dem Land da wäre man sicherer. Da muss man im Radius von hundert Metern niemanden sehen.“ Lotta führt die Astra-Flasche an den Mund. Sie sieht an mir vorbei. Vielleicht versteht sie nicht, was ich sagen will. „Lass uns weg von hier. So schnell wie möglich. Einfach davon.“ Sie lacht auf. Jaja, großartig. Und wo wollen wir schlafen? „Im Bus! Wir mieten uns einen Bus, einen Camper, oder wie die Dinger heißen, und den stellen wir auf Wiesen und Felder.“ Lotta schaut immer noch etwas skeptisch. Auch für meinen Job sei das super, sage ich. Ich schreibe ein Porträt über Deutschland in Zeiten der Corona-Krise. Keine Corona-Pressekonferenzen mehr, keine Live-Ticker, sondern echtes Leben, das muss schließlich auch irgendwie weitergehen. Was machen die Menschen aus Angst vor der unsichtbaren Bedrohung? Was nicht? Da strahlt Lotta endlich und nimmt meine Hand. „Ja!“, ruft sie und lacht. „Ja, das machen wir!“ Dann küsst sie mich. [&#8230;] Gesamter Text online auf stern.de</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/corona-roadtrip/">Corona Roadtrip</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="intro">Alexander und Lotta kommen zusammen – dann kommt Corona. Die beiden beschließen abzuhauen und reisen mit einem VW-Bus quer durch Deutschland. Dabei lernen sie ein Land im Ausnahmezustand kennen.                  </p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.stern.de/p/plus/gesundheit-wissenschaft/sie-verlieben-sich-in-zeiten-der-kontaktsperre--da-kommt-ihnen-die-irre-idee-mit-dem-bus-9234872.html">stern.de</a>, 27.4.2020 / Foto: <a href="https://ennokapitza.de/de/">Enno Kapitza</a></p>



<p>Ein Donnerstag Mitte März 2020 und wir sitzen im Eldorado. Zweiter
Wodka-Soda. Zweites Astra. Die Gespräche der Gäste kreisen um die
Corona-Pandemie. Wir können das Wort „Ausgangssperre“ nicht überhören. Bislang
nur eine Empfehlung, klar,
kommt uns aber schon jetzt ziemlich ungelegen. Wir wollten „es“ nämlich
„versuchen“. Das hatten sie und ich vor drei Tagen beschlossen. Im Saal II,
einer anderen Bar. </p>



<p>Mit „Es“ ist eine echte Beziehung gemeint und mit
„versuchen“ eine solche zu führen. Sie heißt Lotta. Sie hat rotes Haar. Ich
steh total auf ihre Haare! Ich mag auch, wie sie lacht. Bis ich Lotta
kennenlernte, war ich überzeugt, wer zu oft laut lacht, meint es mit seiner
Freude nicht ernst. Aber Lotta lacht viel und laut und es klingt immer ehrlich.</p>



<p>Dass wir „es“ früher oder später „versuchen“ wollen, wussten wir eigentlich seit unserer ersten Begegnung vor drei Wochen – auch im Eldorado. Nachdem wir uns eine halbe Stunde unterhalten hatten, bat sie mich, einmal aufzustehen. Sie müsse wissen, wie groß ich sei. Sie musterte mich. „Nein, das passt gut“, sagte sie. Ich glaube, sie schätzte damals ab, ob sie mich bequem küssen könne, wenn sie sich auf Zehenspitzen stellt.</p>



<p>Ich nehme einen Schluck vom Wodka-Soda, ich sage,
eigentlich sollten wir uns nicht länger treffen. Wäre besser für uns. Nicht in
der Öffentlichkeit. Laut Internet sind zu diesem Zeitpunkt in Deutschland knapp
8000 Menschen an Covid-19 erkrankt und 12 gestorben. Lotta nickt. Ich glaube,
sie nickt vor allem das Wort „eigentlich“ ab. Wie soll das funktionieren, eine
Drei-Tage-Beziehung ohne Sicht-und-sonst-wie-Kontakt?</p>



<p>Ich sage: „Oder wir hauen ab! Raus aus der Großstadt. Auf
dem Land da wäre man sicherer. Da muss man im Radius von hundert Metern
niemanden sehen.“ Lotta führt die Astra-Flasche an den Mund. Sie sieht an mir
vorbei. Vielleicht versteht sie nicht, was ich sagen will.</p>



<p>„Lass uns weg von hier. So schnell wie möglich. Einfach
davon.“</p>



<p>Sie
lacht auf. Jaja, großartig. Und wo wollen wir schlafen?</p>



<p>„Im Bus! Wir mieten uns einen Bus, einen Camper, oder wie
die Dinger heißen, und den stellen wir auf Wiesen und Felder.“</p>



<p>Lotta schaut immer noch etwas skeptisch. Auch für meinen Job sei das super, sage ich. Ich schreibe ein Porträt über Deutschland in Zeiten der Corona-Krise. Keine Corona-Pressekonferenzen mehr, keine Live-Ticker, sondern echtes Leben, das muss schließlich auch irgendwie weitergehen. Was machen die Menschen aus Angst vor der unsichtbaren Bedrohung? Was nicht?</p>



<p>Da
strahlt Lotta endlich und nimmt meine Hand. „Ja!“, ruft sie und lacht.
„Ja, das machen wir!“ Dann küsst sie mich.</p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Gesamter Text online auf <a href="https://www.stern.de/p/plus/gesundheit-wissenschaft/sie-verlieben-sich-in-zeiten-der-kontaktsperre--da-kommt-ihnen-die-irre-idee-mit-dem-bus-9234872.html">stern.de</a></p>
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		<title>Der Schwachsinn der Metaebene</title>
		<link>https://hermes-baby.de/der-schwachsinn-der-metaebene/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2020 06:12:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
		<category><![CDATA[handwerk]]></category>
		<category><![CDATA[kitsch]]></category>
		<category><![CDATA[kritik]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[meta]]></category>
		<category><![CDATA[meta-ebene]]></category>
		<category><![CDATA[Reportage]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Journalisten behaupten, eine gute Reportage brauche eine Metaebene. Unser Autor Alexander Rupflin aber glaubt, eine Geschichte muss vor allem destilliert werden, um eine menschliche Wahrheit auszudrücken. Und Georg Büchner schrieb: „Geht einmal euern Phrasen nach, bis zu dem Punkt, wo sie verkörpert werden.“ &#8211; Vorletztes Weihnachten sagten sie mir, die Reportage sei eine Erfindung. Das war hart. Das war die Zeit des großen „Fall Relotius“, da geriet die ganze Gattung in Verdacht, ein paar Journalisten erklärten, aus so einem Art Apocalypse-Now-Gefühl heraus, die Reportage sei ja nichts anders als eine Kurzgeschichte mit Wirklichkeitsbehauptung. Und dabei fanden sie für ihre Anklage auch noch ziemlich gute Belege. Umso länger ich darüber nachdachte, umso richtiger fand ich den Eindruck der Dramaturgie-Nihilisten, Reportagen sind häufig Kitsch – aber das liegt nicht an der Gattung, sondern an der Forderung nach „Metaebenen“. Vorab will ich kurz deutlich machen: Die Reportage zeigt nur einen Ausschnitt, einen Schnappschuss. Es ist nicht ihre Aufgabe, ein Ganzes zu präsentieren. Es geht nicht darum, vollständig zu berichten oder den totalen Blick auf etwas zu gewähren. Es geht – wie es Gotthold Ephraim Lessing so schön zur Sprache bringt – um den „Fruchtbaren Augenblick“. Dieser Fruchtbare Augenblick ist der Moment des Besonderen, der das Allgemeine darstellt. Ähnlich wie ein Foto, ein Gemälde, die griechische Plastik. Es zeigt einen Ausschnitt, der über sich als Moment hinaus geht und zugleich zurückverweist. Dadurch wird dem Leser der Reportage ein Phänomen symbolisch schaubar und im Idealfall sogar begreifbar. Die Redaktionen wissen um die Macht der Metaebene Was ich damit meine: Reportagen können komplexe Zusammenhänge weder erläutern noch erklären, aber sie können als Schlaglicht einen Moment der Vergangenheit erhellen. Das geschieht durch „vollkommene Unmittelbarkeit“ wie Siegfried Kracauer über die (Reportage-)Fotografie schrieb. Dadurch erweckt die Reportage einen bereits verklungenen Moment der Wirklichkeit im Inneren des Lesers noch einmal zum Leben – und lässt den Leser damit, zumindest mittelbar erleben. Wiederum das führt zur Selbstwahrnehmung und wir als Leser werden bewusst in Bezug zur Welt und dessen Geschehen gesetzt. Mit der Fantasie des Lesers, seines individuellen Wissens und seiner Interpretationsfähigkeit, erweitert sich durch die Reportage dessen Kosmos. Die Redaktionen wissen um diese Macht und versuchen deren Kraft einzusetzen, indem sie für die Reportage von uns Autoren eine „Metaebene“ fordern. Eine Metaebene im Journalismus bedeutet in etwa, eine allgemeingültige Aussage, die über der konkreten Geschichte, dem beschriebenen Einzelfall steht, und dem Leser implizit mitgegeben wird. Wenn ich früher Journalisten nach einer exakten Definition der Metaebene gefragt habe, bekam ich nie eine klare Antwort. Der Grund ist vermutlich, weil es keine natürliche Metaebene gibt. Bei Metaebenen klingt der Mythos der Reportage an Ich will es für diesen Text einmal selbst versuchen: Die Metaebene meint die Reflexionsebene, sie ist nicht die Ebene des Themas. Mittelbar nimmt der Text auf dieser Ebene auf sich selbst Bezug. (Zu offensichtlich geschieht das manchmal mit Phrasen wie „Das ist eine Geschichte über …“) Auf der Metaebene klingt etwas an, das ich als „Mythos“ bezeichne: Das Grundlegende, die innerste Bedeutung des Erzählten, einer Wahrheit die tiefer liegt, als das rein Faktische. Etwas, das nicht durch Studien belegt wird. Hier betreibt der Autor Weltdeutung und wird unter Umständen allegorisch. Es ist der Mythos, der durchs Denken einer Metaebene der Reportage eingehaucht werden soll. Ich fürchte aber, dass genau diese Denkweise ihr Ziel verfehlt und statt die Wahrheit eines menschlichen Mythos zu formulieren, Klischees produziert. Klar, reine Erlebnisse haben zuerst keine Metaebene, weil natürlich nichts geschieht als ein Symbol für etwas Allgemeingültiges. Also wird die Metaebene in aller Regel künstlich am Schreibtisch oder in der Redaktionskonferenz entworfen – auch, bevor die Recherche begonnen hat. Es sind Ideen, Interpretationen, Vorurteile. Klassische Stereotypen, Denkmuster und Erwartungen – sie müssen im Anschluss der Wirklichkeitsprüfung von uns Reportern standhalten. Im übelsten Fall kommen dadurch die Reportagen zustande, deren Verlauf ich schon kenne, sobald ich den Teaser gelesen habe. Das klingt zunächst nach einer allgemeinen Kritik an mangelnder Textqualität, die wiederum vom genauen Ausloten der Zu- und Umstände abhängt. Aber mir fallen diese vorhersehbaren Geschichten ausgerechnet bei den ganz großen Magazinen auf. Und natürlich, Erfolg gibt deren Redaktion recht. Die Denkweise in sogenannten Metaebenen, die in Wahrheit weniger Ebenen, als vielmehr Schubladen sind (warum genau, dazu später), entspricht unseren plakativen Lesererwartungen. Als Leser wollen wir keine allzu großen Überraschungen, es darf ein paar Wendungen und Drehungen geben, um Spannung zu erzeugen, ob wir mit unseren Erwartungen auch wirklich richtig liegen, aber am Ende muss die Geschichte doch so gebaut sein, dass sie uns als Leser befriedigt. Zumindest, wenn man als Macher dieser Geschichten kommerziellen Erfolg haben möchte – und Redaktionen brauchen kommerziellen Erfolg. Die gute Reportage ist immer auch Selbstbetrug Der Grund für das Gelingen dieser Masche ist unsere Hoffnung als Rezipienten eines Mediums, durch dieses uns die Welt begreifbarer zu machen, rational und beurteilbar. Darum braucht eine Geschichte, die wir als positiv empfinden, eine innere Kausalität – ganz anders als die Wirklichkeit da draußen, die für uns meist unkontrollierbar und chaotisch scheint. Eine gute Geschichte spendet Trost, selbst wenn ihr Stoff grausam oder tragisch ist. Denn wir verstehen wenigstens, warum etwas so passieren musste – oder wir glauben zumindest, zu verstehen. Wir betrügen uns selbst und das müssen wir, um Erkenntnis zu erlangen. Durch diesen Widerspruch zwischen Anspruch der Reportage, der Wirklichkeit nahezukommen und unseren Erwartungen an die gute Geschichte, entstehen diese ungewollten Fälschungen (was mit dem vorsätzlichen Betrug von Claas Relotius nichts zu tun hat!). Natürlich kann die Reportage die Wirklichkeit nie abbilden, diesen Anspruch wird ein Text egal welcher Gattung nicht erfüllen und sollte er auch nicht, ihn würde niemand lesen. Das Abbilden der Wirklichkeit im Text funktioniert schon allein deswegen nicht, weil der Autor seine erlebte Wirklichkeit in Zeichen abstrahiert, die erst im Kopf eines dem Autor meist fremden Lesers, mit völlig anderem Erfahrungsschatz und Denkweise, wieder eine konkrete Bedeutung bekommt. Eine Reportage ist immer eine Transformation der subjektiv erlebten Wirklichkeit des Autors in eine subjektiv gedachte Wirklichkeit des Lesers. Dabei findet eine Verständigung und ein Verstehen statt, gleichzeitig verlaufen die beiden Wirklichkeitsebenen von Autor und Leser niemals deckungsgleich.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/der-schwachsinn-der-metaebene/">Der Schwachsinn der Metaebene</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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<p></p>



<p class="intro">Journalisten behaupten, eine gute Reportage brauche eine Metaebene. Unser Autor <a href="https://hermes-baby.de/autorinnen-autoren/alexander-rupflin/">Alexander Rupflin</a> aber glaubt, eine Geschichte muss vor allem destilliert werden, um eine menschliche Wahrheit auszudrücken.</p>



<p>Und Georg Büchner schrieb: „Geht einmal euern Phrasen nach, bis zu dem Punkt, wo sie verkörpert<em><strong> </strong></em>werden.“ &#8211; Vorletztes Weihnachten sagten sie mir, die Reportage sei eine Erfindung. Das war hart. Das war die Zeit des großen „Fall Relotius“, da geriet die ganze Gattung in Verdacht, ein paar Journalisten erklärten, aus so einem Art Apocalypse-Now-Gefühl heraus, die Reportage sei ja nichts anders als eine Kurzgeschichte mit Wirklichkeitsbehauptung. Und dabei fanden sie für ihre Anklage auch noch ziemlich gute Belege. Umso länger ich darüber nachdachte, umso richtiger fand ich den Eindruck der Dramaturgie-Nihilisten, Reportagen sind häufig Kitsch – aber das liegt nicht an der Gattung, sondern an der Forderung nach „Metaebenen“. </p>



<p>Vorab will ich kurz deutlich machen: Die Reportage zeigt nur
einen Ausschnitt, einen Schnappschuss. Es ist nicht ihre Aufgabe, ein Ganzes zu
präsentieren. Es geht nicht darum, vollständig zu berichten oder den totalen Blick
auf etwas zu gewähren. Es geht – wie es Gotthold Ephraim Lessing so schön zur
Sprache bringt – um den „Fruchtbaren Augenblick“. Dieser Fruchtbare Augenblick
ist der Moment des Besonderen, der das Allgemeine darstellt. Ähnlich wie ein
Foto, ein Gemälde, die griechische Plastik. Es zeigt einen Ausschnitt, der über
sich als Moment hinaus geht und zugleich zurückverweist. Dadurch wird dem Leser
der Reportage ein Phänomen symbolisch schaubar und im Idealfall sogar
begreifbar.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Redaktionen wissen um die Macht der Metaebene</h3>



<p>Was ich damit meine: Reportagen können komplexe Zusammenhänge weder erläutern noch erklären, aber sie können als Schlaglicht einen Moment der Vergangenheit erhellen. Das geschieht durch „vollkommene Unmittelbarkeit“ wie Siegfried Kracauer über die (Reportage-)Fotografie schrieb. Dadurch erweckt die Reportage einen bereits verklungenen Moment der Wirklichkeit im Inneren des Lesers noch einmal zum Leben – und lässt den Leser damit, zumindest mittelbar <em>er</em>leben. Wiederum das führt zur Selbstwahrnehmung und wir als Leser werden bewusst in Bezug zur Welt und dessen Geschehen gesetzt. Mit der Fantasie des Lesers, seines individuellen Wissens und seiner Interpretationsfähigkeit, erweitert sich durch die Reportage dessen Kosmos.</p>



<p>Die Redaktionen wissen um diese Macht und versuchen deren Kraft einzusetzen, indem sie für die Reportage von uns Autoren eine „Metaebene“ fordern. Eine Metaebene im Journalismus bedeutet in etwa, eine allgemeingültige Aussage, die über der konkreten Geschichte, dem beschriebenen Einzelfall steht, und dem Leser implizit mitgegeben wird. </p>



<p>Wenn ich früher Journalisten nach einer exakten Definition
der Metaebene gefragt habe, bekam ich nie eine klare Antwort. Der Grund ist
vermutlich, weil es keine natürliche Metaebene gibt. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Bei Metaebenen klingt der Mythos der Reportage an</h3>



<p>Ich will es für diesen Text einmal selbst versuchen: Die
Metaebene meint die Reflexionsebene, sie ist nicht die Ebene des Themas.
Mittelbar nimmt der Text auf dieser Ebene auf sich selbst Bezug. (Zu
offensichtlich geschieht das manchmal mit Phrasen wie „<em>Das ist eine
Geschichte über …</em>“) Auf der Metaebene klingt etwas an, das ich als „Mythos“
bezeichne: Das Grundlegende, die innerste Bedeutung des Erzählten, einer
Wahrheit die tiefer liegt, als das rein Faktische. Etwas, das nicht durch
Studien belegt wird. Hier betreibt der Autor Weltdeutung und wird unter
Umständen allegorisch.</p>



<p>Es ist der Mythos, der durchs Denken einer Metaebene der
Reportage eingehaucht werden soll. Ich fürchte aber, dass genau diese Denkweise
ihr Ziel verfehlt und statt die Wahrheit eines menschlichen Mythos zu
formulieren, Klischees produziert.</p>



<p>Klar, reine Erlebnisse haben zuerst keine Metaebene, weil
natürlich nichts geschieht als ein Symbol für etwas Allgemeingültiges. Also
wird die Metaebene in aller Regel künstlich am Schreibtisch oder in der
Redaktionskonferenz entworfen – auch, bevor die Recherche begonnen hat. Es sind
Ideen, Interpretationen, Vorurteile. Klassische Stereotypen, Denkmuster und
Erwartungen – sie müssen im Anschluss der Wirklichkeitsprüfung von uns Reportern
standhalten. Im übelsten Fall kommen dadurch die Reportagen zustande, deren
Verlauf ich schon kenne, sobald ich den Teaser gelesen habe. Das klingt
zunächst nach einer allgemeinen Kritik an mangelnder Textqualität, die wiederum
vom genauen Ausloten der Zu- und Umstände abhängt. Aber mir fallen diese
vorhersehbaren Geschichten ausgerechnet bei den ganz großen Magazinen auf. </p>



<p>Und natürlich, Erfolg gibt deren Redaktion recht. Die
Denkweise in sogenannten Metaebenen, die in Wahrheit weniger Ebenen, als
vielmehr Schubladen sind (warum genau, dazu später), entspricht unseren
plakativen Lesererwartungen. Als Leser wollen wir keine allzu großen
Überraschungen, es darf ein paar Wendungen und Drehungen geben, um Spannung zu
erzeugen, ob wir mit unseren Erwartungen auch wirklich richtig liegen, aber am
Ende muss die Geschichte doch so gebaut sein, dass sie uns als Leser
befriedigt. Zumindest, wenn man als Macher dieser Geschichten kommerziellen
Erfolg haben möchte – und Redaktionen brauchen kommerziellen Erfolg. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Die gute Reportage ist immer auch Selbstbetrug</h3>



<p>Der Grund für das Gelingen dieser Masche ist unsere Hoffnung
als Rezipienten eines Mediums, durch dieses uns die Welt begreifbarer zu machen,
rational und beurteilbar. Darum braucht eine Geschichte, die wir als positiv empfinden,
eine innere Kausalität – ganz anders als die Wirklichkeit da draußen, die für
uns meist unkontrollierbar und chaotisch scheint. Eine gute Geschichte spendet
Trost, selbst wenn ihr Stoff grausam oder tragisch ist. Denn wir verstehen
wenigstens, warum etwas so passieren musste – oder wir glauben zumindest, zu
verstehen. Wir betrügen uns selbst und das müssen wir, um Erkenntnis zu
erlangen. Durch diesen Widerspruch zwischen Anspruch der Reportage, der
Wirklichkeit nahezukommen und unseren Erwartungen an die gute Geschichte,
entstehen diese ungewollten Fälschungen (was mit dem vorsätzlichen Betrug von
Claas Relotius nichts zu tun hat!).</p>



<p>Natürlich kann die Reportage die Wirklichkeit nie abbilden,
diesen Anspruch wird ein Text egal welcher Gattung nicht erfüllen und sollte er
auch nicht, ihn würde niemand lesen. Das Abbilden der Wirklichkeit im Text
funktioniert schon allein deswegen nicht, weil der Autor seine erlebte
Wirklichkeit in Zeichen abstrahiert, die erst im Kopf eines dem Autor meist
fremden Lesers, mit völlig anderem Erfahrungsschatz und Denkweise, wieder eine
konkrete Bedeutung bekommt. Eine Reportage ist immer eine Transformation der
subjektiv erlebten Wirklichkeit des Autors in eine subjektiv gedachte
Wirklichkeit des Lesers. Dabei findet eine Verständigung und ein Verstehen
statt, gleichzeitig verlaufen die beiden Wirklichkeitsebenen von Autor und
Leser niemals deckungsgleich. Dazu kommt noch, dass der Autor durch Auswahl und
Wortwahl die Möglichkeiten der zu denkenden Wirklichkeiten des Lesers allerdings
stark einschränkt. So lässt sich sagen, die Wahrheit eines Textes ist an das
Verstehen gekoppelt.</p>



<p>Diese Wahrheit der Reportage ist im Idealfall eine Wahrheit,
die andere journalistische Formen nicht transportieren können: die menschliche
Wahrheit (wie ich sage: „der Mythos“). Eine Wahrheit, die nicht innerhalb von
Zahlen, Fakten und Studien liegt, sondern im Empfinden des Menschen als Mensch
innerhalb seines Lebens, und zwar durch das Miterleben der Geschichte eines
anderen Menschen. Die Reportage ist die einzige journalistische Form, die uns
als empathische Wesen anspricht. Es sind gedankliche Testdurchläufe für das
eigene Leben: Indem der Leser das Wohl und Weh der Protagonisten in der
Reportage nachvollzieht, lernt er etwas über die menschliche Natur innerhalb
seines politischen, gesellschaftlichen, ökologischen, kulturellen Umfelds. Beim
Lesen der Reportage befasst sich der Leser also zugleich mit der eigenen
Innenwelt als auch mit der eigenen Außenwelt als auch mit der Welt der anderen
– und er fühlt mit. Allerdings nur solange die Geschichte von einer solchen
menschlichen Wahrheit handelt. Dann kann ein ästhetischer Moment entstehen.
Dann hat die Reportage literarische Qualität. – Andernfalls durchschaut der
Leser die Fälschung und legt die Reportage beiseite oder, schlimmer, er fällt
darauf hinein und gibt sich mit einem allzu simpel gezeichneten Weltbild
zufrieden. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Warum die gute Reportage keine Metaebene braucht</h3>



<p>Die Frage ist, wie kann das Problem der konstruierten Metaebene
umgangen werden, ohne dass der Autor zugleich die Frage nach der menschlichen
Wahrheit (dem Mythos) innerhalb der Geschichte ausblendet.</p>



<p>Die Metaebene ist ein Konstrukt, ein Bauwerk, das die
Reportage künstlich zusammenhalten soll. „Meta“ steht für höher stehend, ein
Überbau. Sie wird gemacht. Sie ist eine Erfindung, die aus gemachten
Erfahrungen unseres Lebens, aber auch derer aus kommerziellen Filmen, Märchen,
(schlechten) Romanen und Werbung stammen. Die wahrhaftige Reportage verträgt
keine Erfindung.</p>



<p>Mir fällt da eine Behauptung des Schriftstellers Raymond
Chandler ein: „Eine gute Geschichte, kann man sich nicht ausdenken, sie muss
destilliert werden.“ – Das gilt, denke ich, für die Literatur genauso wie für
die Reportage. Ein Destillat ist, anders als ein Überbau, ein Bestandteil des
Ganzen, es ist Elixier und Ergebnis einer Abtrennung vom gesamten,
ursprünglichen Stoff. Es ist das Gegenteil des Konstrukts. Es ist das Ergebnis
einer Auseinandersetzung mit dem Ursprünglichen. Man schöpft etwas ab, man baut
nicht dazu. Man offenbart, man überdeckt nicht. Ein Suchen, ohne zu Wissen, was
genau man sucht, bis man es gefunden hat, weil es klar, rein und flüssig vor
einem liegt. Es ist eine ganz andere Verfahrensweise, eine Geschichte zu
destillieren, als eine Metaebene zu entwerfen. Ich bin davon überzeugt, das
führt dann automatisch dazu, dass die Geschichte Wellen, Kanten, Brüche,
Untiefen aufweist. Zugleich bleibt sie kausal – wieso, dazu gleich noch.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Destillieren statt Metaebenen konstruieren</h3>



<p>Es geht mir hier nicht um eine reine Begrifflichkeit, sondern
um einen anderen Denkansatz. Der Werbetexter John Bevins beschreibt die
Methode, wie er zu seinen Ideen kommt nämlich so: „Du weißt nie, wonach du
suchst, bis du es gefunden hast, und du wirst es nie finden, wenn du weißt,
wonach du suchst.“ Man mag meinen, gerade ein Werbetexter sei die schlechteste
Quelle, wenn es darum geht, wie man etwas Wahrhaftiges zu Papier bekommt. Aber
es ist doch so: Wirklich gute Werbung funktioniert, wenn sie eine Wahrheit
formuliert, eine Sehnsucht, die uns soweit empfänglich macht für das Produkt,
dessen Nutzen wir dann nicht mehr anzweifeln.</p>



<p>Wie gelingt es uns, im gesammelten und recherchierten Stoff
die menschliche Wahrheit zu destillieren? Mein Werkzeug ist die Frage nach dem
„Warum?“. Das Fragewort „Warum“ führt in der Antwort zum Grund oder dem Motiv
einer Sache oder einer menschlichen Handlung. Die Antwort trägt darum
automatisch eine Kausalität in sich. Diese Kausalität wird in meinem
Schreibprozess zu den Gliedern der (im Sinne der Logik) Wahrheit der
Geschichte. Die Frage nach dem „Warum?“ stelle ich meinem Material solange, wie
ich sie als Kind meinen Eltern gestellt habe: bis keine Antwort mehr kommt. </p>



<p>Wenn ich es ganz genau nehme, muss ich dann meinen Stoff mit
der Frage „Wieso?“ noch ein zweites Mal destillieren, um die reinen Ursachen
des Geschehens abzusondern. Dann muss ich bloß noch schreiben &#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/der-schwachsinn-der-metaebene/">Der Schwachsinn der Metaebene</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<item>
		<title>Liebesgeschichte eines Vergewaltigers</title>
		<link>https://hermes-baby.de/liebesgeschichte-eines-vergewaltigers/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Feb 2020 12:05:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Er wollte sie in ihrer Ehe vor allem immer dominieren. Als sie ihn betrog und dann verließ, drehte er durch – und vergewaltigte sie. Protokoll eines Männlichkeitswahns. Erschienen in DIE ZEIT, 21.02.2020 Damals, als er die Tat plante, an einem Frühlingstag, habe er zuerst weiße Kabelbinder und schwarzes Klebeband auf den Couchtisch gelegt. Sei danach ins Schlafzimmer gegangen und habe eine Webcam an seinen Laptop gesteckt und sie so ausgerichtet, dass das Bett im Bild war. Dann habe er noch eine Digitalkamera bereitgelegt, um sie, wehrlos daliegend, zu fotografieren. Nur eines habe er da im Sinn gehabt – ihr wehzutun. In seinem Kopf immer wieder derselbe Gedanke: &#8222;Was kann ich ihr antun, um meinen Schmerz loszuwerden und sie diesen Schmerz fühlen zu lassen? Ich kann keine Frau schlagen. Klar. Konnte ich nie. Aber demütigen. Das muss sein. Sie muss spüren, was ich gespürt habe&#160;&#8230;&#8220; Er habe sein Handy genommen und getippt: &#8222;Wir müssen reden. Kannst du morgen Abend kommen? Unser Sohn hat mir da was erzählt.&#8220; Ihre Antwort habe bald aufgeblinkt. Sie wolle vorbeischauen. Es war der 4.&#160;März 2010. Neun Jahre nach der Tat sitzt Paul (Name geändert) auf einer hellgrauen Stoffcouch in seinem Wohnzimmer in einem kleinen Ort in Schleswig-Holstein – und erzählt seine Geschichte. Ich bin aus einem bestimmten Grund hier, um dem Wahn dieses gewalttätigen Mannes zuzuhören. In Deutschland versucht durchschnittlich jeden Tag ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten. Laut Zahlen des Bundeskriminalamtes starben dabei im Jahr 2018 122 Frauen, dazu kommen Tausende Fälle von Vergewaltigung, Körperverletzung, Stalking und sexueller Nötigung. Angezeigt wurden 2018 fast 140.000 Fälle von Gewalt in der Partnerschaft. Der Mann, dem ich gegenüber sitze, ist kein Einzelfall. Rückblick, Juli 1999 auf Sylt: Es gibt sie, die Liebe auf den ersten Blick! Paul begegnete ihr in jenem Sommer. Miriam (Name geändert) kam mit ihrem Lover, ein paar Freunden und Pauls Bruder auf die Insel. Paul wohnte in Westerland. [&#8230;] Gesamter Text auf zeit.de Die Illustration stammt von Alexandra Rügler</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/liebesgeschichte-eines-vergewaltigers/">Liebesgeschichte eines Vergewaltigers</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
]]></description>
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<p class="intro">Er wollte sie in ihrer Ehe vor allem immer dominieren. Als sie ihn  betrog und dann verließ, drehte er durch – und vergewaltigte sie.  Protokoll eines Männlichkeitswahns.   </p>



<p class="quelle">Erschienen in <a href="https://www.zeit.de/2020/09/gewalt-ehe-fremdgehen-rache-kontrolle-ehemann">DIE ZEIT</a>, 21.02.2020      </p>



<p>Damals, als er die Tat plante, an  einem Frühlingstag, habe er zuerst weiße Kabelbinder und schwarzes  Klebeband auf den Couchtisch gelegt. Sei danach ins Schlafzimmer  gegangen und habe eine Webcam an seinen Laptop gesteckt und sie so  ausgerichtet, dass das Bett im Bild war. Dann habe er noch eine  Digitalkamera bereitgelegt, um sie, wehrlos daliegend, zu fotografieren. </p>



<p>Nur eines habe er da im 
Sinn gehabt – ihr wehzutun. In seinem Kopf immer wieder derselbe 
Gedanke: &#8222;Was kann ich ihr antun, um meinen Schmerz loszuwerden und sie 
diesen Schmerz fühlen zu lassen? Ich kann keine Frau schlagen. Klar. 
Konnte ich nie. Aber demütigen. Das muss sein. Sie muss spüren, was ich 
gespürt habe&nbsp;&#8230;&#8220;
</p>



<p>Er habe sein Handy genommen und getippt: &#8222;Wir müssen reden. Kannst du morgen Abend kommen? Unser Sohn hat mir da was erzählt.&#8220;
</p>



<p>Ihre Antwort habe bald aufgeblinkt. Sie wolle vorbeischauen. Es war der 4.&nbsp;März 2010. 
</p>



<p>Neun Jahre nach der 
Tat sitzt Paul (Name geändert) auf einer hellgrauen Stoffcouch in seinem
 Wohnzimmer in einem kleinen Ort in Schleswig-Holstein – und erzählt 
seine Geschichte. Ich bin aus einem bestimmten Grund hier, um dem Wahn 
dieses gewalttätigen Mannes zuzuhören. In Deutschland versucht 
durchschnittlich jeden Tag ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu
 töten. Laut Zahlen des Bundeskriminalamtes <a class="" href="https://www.zeit.de/2019/51/frauenmorde-gewalt-partnerschaft-bundeskriminalamt" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> starben dabei im Jahr 2018 122 Frauen</a>, dazu kommen Tausende Fälle von <a href="https://www.zeit.de/thema/vergewaltigung">Vergewaltigung</a>,
 Körperverletzung, Stalking und sexueller Nötigung. Angezeigt wurden 
2018 fast 140.000 Fälle von Gewalt in der Partnerschaft. Der Mann, dem 
ich gegenüber sitze, ist kein Einzelfall. 
</p>



<p>Rückblick, Juli 1999 auf <a href="https://www.zeit.de/thema/sylt">Sylt</a>:  Es gibt sie, die Liebe auf den ersten Blick! Paul begegnete ihr in  jenem Sommer. Miriam (Name geändert) kam mit ihrem Lover, ein paar  Freunden und Pauls Bruder auf die Insel. Paul wohnte in Westerland. </p>



<p>[&#8230;]</p>



<p>Gesamter Text auf<a href="https://www.zeit.de/2020/09/gewalt-ehe-fremdgehen-rache-kontrolle-ehemann"> zeit.de</a></p>



<p>Die Illustration stammt von <a href="https://www.alexandraruegler.de/">Alexandra Rügler</a></p>


<p>Der Beitrag <a href="https://hermes-baby.de/liebesgeschichte-eines-vergewaltigers/">Liebesgeschichte eines Vergewaltigers</a> erschien zuerst auf <a href="https://hermes-baby.de"></a>.</p>
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		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">2802</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Lost &#038; Found in Tötensen</title>
		<link>https://hermes-baby.de/lost-found-in-toetensen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Alexander Rupflin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Dec 2019 13:50:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Werkstatt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist einer der größten Medienskandale der deutschen Geschichte: Der &#8222;Spiegel“-Reporter Claas Relotius hat Dutzende Reportagen erfunden. Wie lebt einer weiter, dessen Leben in Trümmern liegt? Und was geht mich das an? Reportage: Alexander Rupflin Illustationen: Thomas Kuhlenbeck Der Ort heißt Tötensen. In den Gärten wehen an Fahnenmasten Deutschland- und Werder-Bremen-Flaggen; selten blaue HSV-Fähnchen. Und der Einzige, den man an einem üblichen Nachmittag hier auf den Straßen trifft, ist der Wind. I. Claas Relotius ist hier aufgewachsen und hier wohnt er wieder in seinem Elternhaus und er spielt gerne Fußball auf dem Fußballplatz, der fast direkt gegenüber des Elternhauses grünt. Er spielt Fußball eher im Stile von Bastian Schweinsteiger als Cristiano Ronaldo. Gelassen, trabend, die Übersicht bewahrend. Nicht der Typ, der sich in der Vordergrund drängt und ständig den Ball fordert. Keiner, der sich für jede gelungene Aktion feiert. Aber umgehen kann er mit dem Ball. Kann er wirklich. Um Claas Relotius und mir für ein gemeinsames Treffen ein paar Tage Zeit zu geben — man muss sich ja erst einmal annähern — mietete ich mich für eine Woche im Wox-Hotel ein, erleichtert, dass ein Ort, der keine Kirche hat, kein Rathaus, keinen Bäcker, keinen Metzger, keine Kneipe, immerhin ein Hotel bietet. Ich fühlte mich wohl, auch wenn ich nicht zur Erholung gekommen war. Dabei hätte ich ein wenig Entspannung vertragen können, nach den unzähligen Telefonaten, die ich in den Tagen vor meiner Ankunft geführt hatte, und die früher oder später immer damit geendet hatten, dass der andere in den Hörer rief: „Mit sowas will ich nichts zu tun haben. Nein, dazu sage ich gar nichts. Das geht Sie doch überhaupt nichts an!!“ Das erste Mal bin ich Claas Relotius im Winter 2018 in Berlin begegnet, bei der Verleihung des Deutschen Reporterpreises, in dem Festzelt gleich neben dem Kanzleramt. So hatte ich mir immer die Gala des „Immobilienmanager-Awards“ vorgestellt. Roter Teppich, buntes Licht, Häppchen, Sekt, Abendgarderobe, im Magen kitzelnde Bässe. Glamour, Baby! Aber irgendwie auch: O&#8217;zapft is! Im Zelt roch es nach der sanften Melange edler Eaux de Toilette und Schweiß und neben mir an der Bar stand Sascha Lobo. Als sein roter Hahnenkamm in einem Einspieler auf der überdimensionierten Leinwand erschien, blickte das Original starr auf den Boden und ertrug nicht, sich in Übergröße zu erleben. Hätte ich nicht gedacht. Drei Stunden verliehen die Veranstalter Preise in verschiedenen Kategorien. Bestes Interview, bester Datenjournalismus, bester Essay, beste Kulturkritik, beste Sportreportage, beste Wissenschaftsreportage, beste Lokalreportage und so weiter. Der Höhepunkt: die „Beste Reportage“. Sozusagen der Oskar unter den Journalistenpreisen. Der Gewinner: Claas Relotius. Applaus, pumpende Bässe, Laudatio, pumpende Bässe, Applaus. Relotius im Scheinwerferlicht. Über einem schwarzen Pullover trug er den schwarzen Slim-Fit-Anzug. Dazu braune Stiefel, die sagten: Sorry, muss gleich wieder von Gala zu Abenteuer und Blazer gegen Lederjacke tauschen. Der Moderator: „Jetzt sind Sie ja schon hin und wieder auf einer Preisverleihungsbühne als Preisträger gewesen. Wie verhindern Sie, dass Sie einer dieser Dicke-Hose-Journalisten werden?“ Relotius lächelte dünn und sanftmütig. Griff sich das Mikro. „Ich würde lieber über den Text sprechen, weil das wirklich ein ernstes Thema ist, und da so flapsig drüber reden, würde dem nicht gerecht werden.“ Anerkennendes Nicken im Publikum. „Ein Kinderspiel“ hieß die Reportage, die die Jury an diesem Abend zur Besten des Jahres gekürt hatte, darin ging es um einen 20-jähigen Jungen, der angeblich für den syrischen Bürgerkrieg mitverantwortlich ist. Ich kannte den Text nicht und ich hatte noch nie von Claas Relotius gehört, was ich zum Glück niemanden erzählte, denn auf der After-Show-Party sprachen alle über ihn wie über einen alten Schulfreund. Ich erfuhr, dass Claas Relotius der Shooting-Star der Branche sei, für den „Spiegel“ arbeite, gerade mal Mitte Dreißig sei und so ziemlich jeden Journalistenpreis abgeräumt hatte, den man abräumen kann. Er habe aus USA, Syrien, Guantanamo, Mexiko und Kiribati berichtet, eigentlich von überall, und sei dennoch ungemein freundlich und bescheiden. Und ich so: WOW! Ich begriff, wer Reporter sein wollte, sollte werden wie Claas Relotius. Integer, wissbegierig und die Wirklichkeit aufsaugend mit all seinem zur Verfügung stehenden Lungenvolumen, um dann wahre Worte über die Welt niederzuschreiben. Den Rest des Abends trank ich meine Gratis-Aftershow-Gin-Tonics auf diesen Superstar der deutschen Presselandschaft, und der Barkeeper zeigte mir den Milchzahn seines Sohnes, der an einer Goldkette hing. An alles danach erinnere ich mich nicht mehr. Sechzehn Tage nach der Preisverleihung in Berlin verkündete der „Spiegel“ auf seiner Internetseite: „SPIEGEL legt Betrugsfall im eigenen Haus offen“. Die Enthüllung: Claas Relotius habe einen Großteil seiner Reportagen gefälscht. In manchen Texten Details, andere Reportage seien fast komplett erfunden, die Menschen, die Geschehnisse, so ziemlich alles. Preisgekrönte Reportagen, ausgebreitet vor einem Millionenpublikum, nichts als Märchen und Kitsch. Relotius, der Vorzeige-Reporter, war über Nacht zum Hochstapler jener Branche geworden, die für sich die Wahrheit gepachtet hat, und schnell einigten sich die Journalisten: Der „Fall Relotius“ sei der größte Medienskandal seit den „Hitlertagebüchern“ im „Stern“. Im darauf folgenden halben Jahr prüfte eine Aufklärungskommission des „Spiegel“ alle 60 Reportagen und Artikel, die Relotius für das Magazin geschrieben hatte, und veröffentlichte einen mehrseitigen Abschlussbericht. Zugleich schrieb Juan Moreno, der Mann der Stunde, der Mann, der Relotius überführt hatte und ebenfalls für den „Spiegel“ arbeitet, an einem Buch mit dem Titel „Tausend Zeilen Lüge — Das System Relotius und der deutsche Journalismus“. Sogar die Filmrechte an seiner Enthüllungsstory hat Moreno verkauft. Die Medienbranche reagierte also entsprechend ihrem Naturell. Die feinen Antennen erkannten das Außergewöhnliche, das Geschehnis, das vom definierten Soll- und Normzustand abwich, das Geschehnis wurde auf seine Relevanz hin geprüft (sehr hoch!) und dann wurde das Geschehnis in den brancheneigenen Code transferiert: die Nachricht. Die Nachricht macht ein Geschehnis zu Text, Bild und Ton — und damit die Wirklichkeit fassbar. Denn das Geschehnis selbst, in seinem komplexen Jetzt-Zustand, überfordert den menschlichen Verstand. Dem Geschehnis fehlt erst einmal die Kausalität, weswegen sie für den Menschen nicht fassbar ist. Wie ein Wasserstrahl, nach dem er greifen will. Der Mensch braucht das Medium, damit er sie, die Wirklichkeit und ihre Geschehnisse, bedenken und beurteilen kann. Damit er fragen kann „Wie?“ und „Warum?“. Der Fall Relotius war</p>
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<p class="has-regular-font-size intro ticss-3c6c74cf">Es ist einer der größten Medienskandale der deutschen Geschichte: Der &#8222;Spiegel“-Reporter Claas Relotius hat  Dutzende Reportagen erfunden. Wie lebt einer weiter, dessen Leben in Trümmern liegt? Und was geht mich das an?  <br><em>Reportage: <a href="https://hermes-baby.de/autorinnen-autoren/alexander-rupflin/">Alexander Rupflin</a> Illustationen: <a href="http://www.thomas-kuhlenbeck.com/">Thomas Kuhlenbeck</a> </em></p>



<p>Der Ort heißt Tötensen. In den Gärten wehen an Fahnenmasten Deutschland- und Werder-Bremen-Flaggen; selten blaue HSV-Fähnchen. Und der Einzige, den man an einem üblichen Nachmittag hier auf den Straßen trifft, ist der Wind.</p>



<h2 class="wp-block-heading">I.</h2>



<p>Claas Relotius ist hier aufgewachsen und hier wohnt er wieder in seinem Elternhaus und er spielt gerne Fußball auf dem Fußballplatz, der fast direkt gegenüber des Elternhauses grünt. Er spielt Fußball eher im Stile von Bastian Schweinsteiger als Cristiano Ronaldo. Gelassen, trabend, die Übersicht bewahrend. Nicht der Typ, der sich in der Vordergrund drängt und ständig den Ball fordert. Keiner, der sich für jede gelungene Aktion feiert. Aber umgehen kann er mit dem Ball. Kann er wirklich.</p>



<p>Um Claas Relotius und mir für ein gemeinsames Treffen ein
paar Tage Zeit zu geben — man muss sich ja erst einmal annähern — mietete ich
mich für eine Woche im Wox-Hotel ein, erleichtert, dass ein Ort, der keine
Kirche hat, kein Rathaus, keinen Bäcker, keinen Metzger, keine Kneipe, immerhin
ein Hotel bietet. Ich fühlte mich wohl, auch wenn ich nicht zur Erholung
gekommen war. Dabei hätte ich ein wenig Entspannung vertragen können, nach den unzähligen
Telefonaten, die ich in den Tagen vor meiner Ankunft geführt hatte, und die
früher oder später immer damit geendet hatten, dass der andere in den Hörer
rief: „Mit sowas will ich nichts zu tun haben. Nein, dazu sage ich gar nichts.
Das geht Sie doch überhaupt nichts an!!“</p>



<p>Das erste Mal bin ich Claas Relotius im Winter 2018 in Berlin
begegnet, bei der Verleihung des Deutschen Reporterpreises, in dem Festzelt
gleich neben dem Kanzleramt. So hatte ich mir immer die Gala des
„Immobilienmanager-Awards“ vorgestellt. Roter Teppich, buntes Licht, Häppchen,
Sekt, Abendgarderobe, im Magen kitzelnde Bässe. Glamour, Baby! Aber irgendwie
auch: O&#8217;zapft is!</p>



<p>Im Zelt roch es nach der sanften Melange edler Eaux de
Toilette und Schweiß und neben mir an der Bar stand Sascha Lobo. Als sein roter
Hahnenkamm in einem Einspieler auf der überdimensionierten Leinwand erschien,
blickte das Original starr auf den Boden und ertrug nicht, sich in Übergröße zu
erleben. Hätte ich nicht gedacht.</p>



<p>Drei Stunden verliehen die Veranstalter Preise in
verschiedenen Kategorien. Bestes Interview, bester Datenjournalismus, bester
Essay, beste Kulturkritik, beste Sportreportage, beste Wissenschaftsreportage,
beste Lokalreportage und so weiter. Der Höhepunkt: die „Beste Reportage“.
Sozusagen der Oskar unter den Journalistenpreisen.</p>



<p>Der Gewinner: Claas Relotius.</p>



<p>Applaus, pumpende Bässe, Laudatio, pumpende Bässe, Applaus.</p>



<p>Relotius im Scheinwerferlicht. Über einem schwarzen Pullover
trug er den schwarzen Slim-Fit-Anzug. Dazu braune Stiefel, die sagten: Sorry,
muss gleich wieder von Gala zu Abenteuer und Blazer gegen Lederjacke tauschen.
Der Moderator: „Jetzt sind Sie ja schon hin und wieder auf einer
Preisverleihungsbühne als Preisträger gewesen. Wie verhindern Sie, dass Sie
einer dieser Dicke-Hose-Journalisten werden?“</p>



<p>Relotius lächelte dünn und sanftmütig. Griff sich das Mikro.</p>



<p>„Ich würde lieber über den Text sprechen, weil das wirklich
ein ernstes Thema ist, und da so flapsig drüber reden, würde dem nicht gerecht
werden.“</p>



<p>Anerkennendes Nicken im Publikum.</p>



<p>„Ein Kinderspiel“ hieß die Reportage, die die Jury an diesem
Abend zur Besten des Jahres gekürt hatte, darin ging es um einen 20-jähigen
Jungen, der angeblich für den syrischen Bürgerkrieg mitverantwortlich ist.</p>



<p>Ich kannte den Text nicht und ich hatte noch nie von Claas
Relotius gehört, was ich zum Glück niemanden erzählte, denn auf der
After-Show-Party sprachen alle über ihn wie über einen alten Schulfreund. Ich
erfuhr, dass Claas Relotius der Shooting-Star der Branche sei, für den
„Spiegel“ arbeite, gerade mal Mitte Dreißig sei und so ziemlich jeden
Journalistenpreis abgeräumt hatte, den man abräumen kann. Er habe aus USA,
Syrien, Guantanamo, Mexiko und Kiribati berichtet, eigentlich von überall, und
sei dennoch ungemein freundlich und bescheiden.</p>



<p>Und ich so: WOW!</p>



<p>Ich begriff, wer Reporter sein wollte, sollte werden wie
Claas Relotius. Integer, wissbegierig und die Wirklichkeit aufsaugend mit all
seinem zur Verfügung stehenden Lungenvolumen, um dann wahre Worte über die Welt
niederzuschreiben. Den Rest des Abends trank ich meine
Gratis-Aftershow-Gin-Tonics auf diesen Superstar der deutschen
Presselandschaft, und der Barkeeper zeigte mir den Milchzahn seines Sohnes, der
an einer Goldkette hing. An alles danach erinnere ich mich nicht mehr.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://hermes-baby.de/wp-content/uploads/2019/12/3-1024x661_web-1024x661.jpg" alt="" class="wp-image-2558"/></figure>



<p>Sechzehn Tage nach der Preisverleihung in Berlin verkündete
der „Spiegel“ auf seiner Internetseite: „SPIEGEL legt Betrugsfall im eigenen
Haus offen“. Die Enthüllung: Claas Relotius habe einen Großteil seiner
Reportagen gefälscht. In manchen Texten Details, andere Reportage seien fast
komplett erfunden, die Menschen, die Geschehnisse, so ziemlich alles.
Preisgekrönte Reportagen, ausgebreitet vor einem Millionenpublikum, nichts als
Märchen und Kitsch. Relotius, der Vorzeige-Reporter, war über Nacht zum
Hochstapler jener Branche geworden, die für sich die Wahrheit gepachtet hat,
und schnell einigten sich die Journalisten: Der „Fall Relotius“ sei der größte
Medienskandal seit den „Hitlertagebüchern“ im „Stern“.</p>



<p>Im darauf folgenden halben Jahr prüfte eine
Aufklärungskommission des „Spiegel“ alle 60 Reportagen und Artikel, die
Relotius für das Magazin geschrieben hatte, und veröffentlichte einen
mehrseitigen Abschlussbericht. Zugleich schrieb Juan Moreno, der Mann der
Stunde, der Mann, der Relotius überführt hatte und ebenfalls für den „Spiegel“
arbeitet, an einem Buch mit dem Titel „Tausend Zeilen Lüge — Das System
Relotius und der deutsche Journalismus“. Sogar die Filmrechte an seiner
Enthüllungsstory hat Moreno verkauft.</p>



<p>Die Medienbranche reagierte also entsprechend ihrem
Naturell. Die feinen Antennen erkannten das Außergewöhnliche, das Geschehnis,
das vom definierten Soll- und Normzustand abwich, das Geschehnis wurde auf
seine Relevanz hin geprüft (sehr hoch!) und dann wurde das Geschehnis in den
brancheneigenen Code transferiert: die Nachricht.</p>



<p>Die Nachricht macht ein Geschehnis zu Text, Bild und Ton —
und damit die Wirklichkeit fassbar. Denn das Geschehnis selbst, in seinem
komplexen Jetzt-Zustand, überfordert den menschlichen Verstand. Dem Geschehnis
fehlt erst einmal die Kausalität, weswegen sie für den Menschen nicht fassbar
ist. Wie ein Wasserstrahl, nach dem er greifen will. Der Mensch braucht das
Medium, damit er sie, die Wirklichkeit und ihre Geschehnisse, bedenken und
beurteilen kann. Damit er fragen kann „Wie?“ und „Warum?“. Der Fall Relotius
war ein solches Geschehnis, und er war noch dazu eins, das die Medienbranche
selbst betraf. Die Medien mussten mit sich selbst umgehen.</p>



<p>Ich denke, im schlimmsten Fall kann es der Presse in einer
solchen Situation gehen, wie der Ascidiae, auch Seescheide genannt. In der
Jugend schwimmt sie munter durch den Ozean und frisst haufenweise Plankton.
Aber dann, wenn sie älter und träge geworden ist, unzählige Male Plankton
gefressen und wieder ausgeschieden hat, dann lässt sie sich als unbewegliches
Etwas auf dem Meeresboden nieder und frisst ihr eigenes Gehirn. </p>



<p>Umgekehrt, also im Idealfall, betreibt der Journalismus in
einem solchen Moment natürlich nicht weniger als echte Aufklärung und
Selbstreflexion.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://hermes-baby.de/wp-content/uploads/2019/12/7-1024x672_web-1024x672.jpg" alt="" class="wp-image-2559"/></figure>



<p>Ich glaube, das ist ein guter Zeitpunkt, um einmal auf die unzähligen
Telefonate (und mindestens eben so viele E-Mails) zu sprechen zu kommen, die
ich in den Tagen vor meiner Ankunft in Tötensen geführt hatte. Ich hatte mich
gefragt, wie jemand wie Claas Relotius sein Leben weiterlebt, nachdem dieses
komplett implodiert ist. Relotius ist ein Journalist, der sich nie wieder in
einer Redaktion blicken lassen kann. Was macht so einer, dessen gesamtes Leben
und Wirken auf Lügen fußt, nachdem er entlarvt und damit zum Produkt der
Maschinerie wurde, die er früher so scheinheilig gefüttert hatte? Wo findet ein
Mensch Orientierung, dessen Leben eine Lüge, ein Märchen, eine Phantasiewelt
war?</p>



<p>Über Tage kontaktierte ich alte Schulfreunde, Kommilitonen
und Professoren von Relotius und stellte ihnen diese Fragen. Außerdem
telefonierte ich alle im Telefonbuch durch, die dort mit dem Namen Relotius
standen. Jedes Mal erhielt ich die gleiche Antwort: „Mit sowas will ich nichts
zu tun haben. Nein, dazu sage ich gar nichts. Das geht Sie doch überhaupt
nichts an!!“ Ihre harsche Ablehnung machte mich neugierig. Warum hielten alle
zu diesem Mann, der sie so gründlich belogen hatte? Müde von den vielen
Telefonaten beschloss ich, in das Dorf zu reisen, in dem Relotius aufgewachsen
war.</p>



<h2 class="wp-block-heading">II.</h2>



<p>Der einzige Ort in Tötensen, an dem man Menschen außerhalb
ihrer Häuser trifft, ist das Sportheim. Dort befinden sich zwei Tennisplätze
und ein Fußballfeld sowie eine kleine Vereinshütte mit Umkleide. Nachdem ich an
meinem ersten Tag in Tötensen relativ orientierungslos durch die wenigen
Straßen geirrt und niemandem begegnet war, den ich auf Claas Relotius hätte
ansprechen können, hörte ich jetzt am Abend das dumpfe Plop-Plop geschlagener
Tennisbälle, das der Wind durch die Gassen wehte.</p>



<p>Auf dem Tennisplatz stand Hinnerk W. auf der weißen
Grundlinie und trainierte mit seinem Trainer Aufschläge. Ich rief ihm durch den
Maschendrahtzaun zu, ob er zufälligerweise Claas Relotius kenne. Er kam zu mir
und sagte, etwas außer Atem, er sei sogar mit ihm befreundet. W. hatte ein
markantes Kinn und riesige Hände. Nach seinem Training setzten wir uns auf die
Plastikstühle vor dem Vereinsheim und tranken Bier. W. erzählte, dass er
Relotius erst vor ein paar Tagen getroffen hätte. Der arme Kerl werde ja seit
seiner Kündigung beim SPIEGEL psychiatrisch betreut, denn er habe eingesehen,
dass er krank sei. Um welche Krankheit es sich dabei handle, konnte W. mir
nicht sagen, aber er kenne Relotius seit der Kindheit.</p>



<p>„Wir haben zusammen Sport gemacht. Waren zusammen in der
Schule und der Dorfjugend.“</p>



<p>Hier in Tötensen, dass versicherte er mir, erfahre Relotius
großen Rückhalt, habe viele Freunde, die zu ihm stünden und persönlich finde er
es schwierig, wie die Presse da vorschnell geurteilt habe, ohne die genauen
Beweggründe zu kennen.</p>



<p>„Vielleicht war es Vorsatz, das zeichnet sich für mich aber
nicht ab. Eher Veranlagung oder eben ein Krankheitsbild.“</p>



<p>W. wägte sehr gründlich ab, was er mir sagte, machte viele
Pausen, sah mich fast nie an.</p>



<p>„Sie haben hier mit Herrn Relotius ab und an Tennis
gespielt?“, fragte ich.</p>



<p>„Nee, was
anders.“</p>



<p>„Ach so?“</p>



<p>„Ich bin da jetzt bisschen … also das … Ich find das ja
schon interessant, dass man das rausfindet, wo man gucken muss, wenn man Herrn
Relotius sucht.“</p>



<p>„Steht im Telefonbuch.“</p>



<p>„Ah ja.“ Pause, dann: „Ich möchte ihn schützen, verstehen
Sie. Ich weiß nicht, was ich Ihnen sagen darf. Wissen Sie, ich habe Herrn
Relotius immer vertraut und ich denke, dass er vom Typ her genauso ist, wie ihn
viele kennengelernt haben. Ein offener freundlicher Mensch, mit einer sehr angenehmen
Art.“</p>



<p>W. versprach, meine Telefonnummer an Relotius weiterzugeben.
Dann redete er eigentlich nur noch über den ständig gesperrten Elbtunnel und
Dieter Bohlen, der auch in Tötensen lebt. Ich trank mein Bier aus und
verabschiedete mich.</p>



<p>Auf dem Weg vom Sportplatz zurück zum Wox-Hotel kam ich am Haus der Familie Relotius vorbei. Tagsüber hatte ich mich nicht einmal getraut, in das Grundstück zu spähen, und jetzt war es bereits zu dunkel, um noch etwas zu erkennen. Aber in der langgezogenen Einfahrt erahnte ich ein geparktes Auto. Jemand war zu Hause.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://hermes-baby.de/wp-content/uploads/2019/12/6-1008x1024_web-1008x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2560"/></figure>



<p>Am nächsten Morgen wachte ich mit Kopfschmerzen und schweren
Zweifeln auf. Was, wenn Claas Relotius wirklich psychisch krank ist? Sollte man
ihn nicht in Frieden lassen? Andererseits: Was, wenn Claas Relotius kein
Journalist gewesen wäre, sondern Manager, der Gelder veruntreut hätte? Oder
Dieter Bohlen, in dessen Tötensener Villa mal wieder eingebrochen worden war?
Relotius hatte, ungewollt und unrühmlich, deutsche Mediengeschichte geschrieben
und sich damit selbst zum Objekt gemacht, das öffentlich verhandelt gehört. Ist
man da als Reporter nicht förmlich gezwungen nachzurecherchieren? Ich entschied
mich zu folgenden Kompromiss: Vorerst wollte ich einen Bogen um das Haus der
Familie machen und nur im erweiterten Umfeld nachfragen.</p>



<p>Zuerst besuchte ich ein Autohaus, das am Rand des Dorfes an
der Bundesstraße liegt. Im Werkstattradio lief blechern „Giant“ von Calvin
Harriy &amp; Rag’n‘Bone Man. Der Mechaniker sprach im tiefen Plattdeutsch.
Natürlich kenne er die Familie, aber sagen wollte er nichts. „Wir halten hier
zusammen“. Sein Kollege stand schweigend neben ihm, in der Hand ein Stück
Auspuff. </p>



<p>Schräg gegenüber, auf der anderen Seite der Bundesstraße,
lag der Friseursalon von Christiane Bredehöft. Der Laden war nicht viel größer
als mein Zimmer im Wox-Hotel. Die Friseurin grüßte erst freundlich, hielt dann
aber von meinem Interesse an der Familie Relotius allzu wenig. „Nein, gerade
mit Ihnen werde ich darüber bestimmt nicht sprechen.“</p>



<p>Ich spazierte ins Dorfinnere, die Straßen waren leer, nicht
einmal Kinder spielten. Ich klingelte bei der Ortsbürgermeisterin. Es öffnete
die Tochter. Nein, ihre Mutter sei nicht zu Hause, und sie selbst wolle über
die Familie Relotius nichts sagen.</p>



<p>Ich ging in die Straße, in der das Haus der Familie Relotius
steht und läutete bei den Nachbarn. Die Reaktionen fielen wie folgt aus: </p>



<p>Nachbar rechts, milde lächelnd: „Das ist eine private Sache
und solche Dinge sollten so behandelt werden. Tut mir leid, Ihnen nicht weiterhelfen
zu können.“</p>



<p>Nachbar links, mit kläffenden Hund an der Leine: „Ich will
dazu nichts sagen. Das geht Sie nichts an! Und, nein, dass Sie mich beim
Gassigehen begleiten, möchte ich auch nicht. Lassen Sie uns in Ruhe.“</p>



<p>Zwischen Nachbar links und dem Grundstück der Familie
Relotius entdeckte ich auf dem gepflasterten Boden ein totes, ungefiedertes
Küken. Es lag da, wie von der Welt verlassen. Ich notierte mir dieses Detail,
fragte mich zugleich, wann ein Symbol noch ein Symbol ist und wann daraus vor allem
Kitsch wird. Für was sollte das tote, nackte Küken, über das sich die ersten
Fliegen hermachten, denn stehen? Für Claas Relotius, der vorschnell hoch hinaus
wollte, und dann aus seinem SPIEGEL-Nest fiel? Oder für meine Story, die am
zweiten Tag ziemlich todgeweiht schien? Ich steckte Stift und Block wieder ein
und ging zurück ins Wox-Hotel. Ein vergeudeter Tag. In der Einfahrt der Familie
Relotius stand noch immer das geparkte Auto.</p>



<p>Tag drei. So konnte es nicht weitergehen. Ich schrieb der
Familie Relotius einen Brief, und erläuterte in aller Ausführlichkeit meine
Beweggründe. War natürlich alles aus den Fingern gesogen, aber zu schreiben:
Hey, bin einfach verdammt neugierig, wie es dir geht, nachdem du deinen
früheren Arbeitgeber in einen neurogenen Schockzustand versetzt hast, weswegen
dein bisheriges Leben jetzt leider kopfsteht — das würde gewiss nicht zum
Erfolg führen.</p>



<p>Ich ging zum Haus der Familie Relotius, sie haben einen schönen Rosengarten. Das Auto stand nach wie vor in der Einfahrt, darin ein CD-Cover „Punk Rock BRD Volumen 3“ und eine Lederjacke. Ich warf den Brief ein und ging zurück auf die Straße, um zu tun, was ich zu meiner Angewohnheit gemacht hatte: Ich lief erfolglos umher, in der Hoffnung, jemanden zu treffen, der mir etwas über Claas Relotius erzählen wollte und ich schwor mir, nie wieder die Zeugen Jehovas unwirsch abzuweisen, schließlich machen die auch nur, was sie glauben, machen zu müssen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://hermes-baby.de/wp-content/uploads/2019/12/2-1024x722_web-1024x722.jpg" alt="" class="wp-image-2561"/></figure>



<p>Am Nachmittag besuchte ich im Nachbarort Nenndorf ein
Schützenfest. Würstchenstand, Kinderkarussell, Autoscooter, gebrannte Mandeln,
Bier, Blaskapelle. Sehr heimelig. Schön.</p>



<p>Entgegen meiner Hoffnung war aus Tötensen niemand zum
Nenndorfer Schützenfest gekommen. Die Nenndorfer erzählten mir, die Tötensener,
würden sich in Nenndorf selten blicken lassen, höchstens zum Einkaufen beim
Aldi und dm, sonst blieben die Tötensener lieber unter sich. Warum das so ist,
wüssten die Nenndorfer selbst nicht. Ich betrank mich mit den Nenndorfern und
ging erst zurück nach Tötensen, als es bereits dämmerte.</p>



<p>Um 23.39 Uhr bekam ich folgende E-Mail:</p>



<p>„Lieber Alexander, es besteht kein Interesse an einem
Gespräch. Ich bitte Dich, von weiteren persönlichen Versuchen der
Kontaktaufnahme in Tötensen, Hamburg oder wo auch immer abzusehen. Danke und
Gruß C“.</p>



<p>Am Morgen rief ich Cordt Schnibben an und beschrieb ihm
meine missliche Lage. Cordt Schnibben ist sowas wie die graue Eminenz unter den
Reportern. Er arbeitete jahrzehntelang beim SPIEGEL und hat den Reporterpreis
und das Reporterforum mit ins Leben gerufen.</p>



<p>„Eigentlich sind Sie doch genau in der Relotius-Situation.
Sie wollen eine Reportage schreiben und das, was sie suchen, ist nicht da“,
sagte er.</p>



<p>„Ja, das bringt es wohl auf den Punkt.“</p>



<p>„Wissen Sie, in den letzten Jahren bin ich oft mit dem Ziel
losgefahren, eine Reportage zu schreiben und kam mit was ganz anderem zurück.
Das Material reichte nicht für eine Reportage, es kam etwas Spannenderes dabei
raus. Gehen Sie in Ihren Kopf, schauen Sie sich das Recherchierte an und klären
Sie, für welche Art Text das reicht. Es kann auch ein Essay sein über das Lob
des Scheiterns.“</p>



<p>So redete er, und gab mir noch den Rat: „Genießen Sie Ihre
Freiheit und befreien Sie sich aus dem narrativen Gefängnis.“</p>



<p>Ich legte mich in mein Hotelbett und versuchte, nachzudenken:
</p>



<p>Ich dachte, es ist oft nicht sehr populär, die Dinge zu
zeigen, wie sie sind. Relotius wollte die Dinge vermutlich nicht zeigen, wie
sie sind, er wollte zeigen, was wir sehen wollen, die Bestätigung unserer
Klischees, Vorurteile aber auch Hoffnungen. Darum suchte er, was da draußen
nicht zu finden war und erfand es, um uns alle zufriedenzustellen. Das war ihm
eigentlich ziemlich gut gelungen. Und dann kommt natürlich noch das Ego ins
Spiel, das in jedem von uns dahinwuchert. Jeder möchte in seinem Leben ab und
an grandios sein. Relotius wollte auf jeden Fall grandios sein. Relotius,
dachte ich, ist einer, der nach Beendigung des Wachstums unbedingt über sich
hinauswachsen wollte.</p>



<p>Um mit dem, was ich in meinem Kopf so fand, nicht ganz
alleine zu sein, rief ich die Lügenforscherin Anett Kollmann an. Ich hatte von
ihr vor ein paar Wochen ein Interview gelesen. Sie hatte ein Buch über
Hochstapelei geschrieben, der Titel: „Mit fremden Federn“. Sie erklärte mir,
dass Relotius kein typischer Hochstapler sei, sondern eher ein Fälscher, denn
er fälsche Dinge und nicht sich als Mensch.</p>



<p>„Und wieso sucht ein Fälscher sich ausgerechnet den
Journalismus aus und macht nicht Literatur?“, wollte ich wissen.</p>



<p>„Naja, die Grenzen sind durchaus fließend. Als Journalist hat
man zwar die Basis der Tatsachen. Aber dann geht es doch darum, aus diesen
Tatsachen etwas zu interpretieren, einen Kontext zu erstellen. Dafür braucht es
kreatives Talent.“</p>



<p>„Wäre Relotius mal besser Schriftsteller geworden …“</p>



<p>„Dann hätte er vermutlich viel weniger Erfolg gehabt als mit
seinen Reportage. Im Journalismus geht das ja viel schneller mit der
Anerkennung. Außerdem spielt der soziale Status eine Rolle.“</p>



<p>„Klingt nach Minderwertigkeitskomplex.“</p>



<p>„Ich bin keine Psychologin, aber einfach schon Aufmerksamkeit haben, Erfolg, sich von anderen zu unterscheiden, darum geht’s doch oft. Aus dieser Reporterschar herausragen. Es geht um Geltung und vielleicht Narzissmus. Ein bisschen narzisstisch sind wir ja alle, und es ist natürlich die Frage, ab wann das pathologisch ist.“ </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://hermes-baby.de/wp-content/uploads/2019/12/1-1024x718_web-1-1024x718.jpg" alt="" class="wp-image-2563"/></figure>



<p>Inzwischen war es Abend. Meine Zeit war um, am nächsten
Morgen wollte ich abreisen. Ich beschloss, zum Abschied ein letztes Mal durch
Tötensen zu spazieren. Der Wind trieb Männerrufe herüber, sie kamen vom
örtlichen Fußballplatz. Ich ging den Rufen entgegen, um ein bisschen
zuzuschauen. Die eine Hälfte der Männer, die dort spielten, trug pinke Leibchen
über ihren Trikots, die andere Hälfte nicht. Ein Trainingsspiel. Die Jungs
lachten, schlugen mit den Händen ab, wenn einer das Tor traf. Ich stand hinter
dem Maschendrahtzaun, der den Fußballplatz einzäunte.</p>



<p>Ein Spieler im pinkfarbenen Trikot fiel mir besonders auf.
Groß, schlank, blond. Eindeutig nordischer Typ. Er trabte über den Platz, den
Kopf gestreckt, ab und zu fielen ihm die blonden Haare ins Gesicht, er trug
eine weiße Hose, weiße Schuhe, die Schultern hingen ein bisschen zu tief, nicht
gedrückt, eher entspannt. Er spielte locker, forderte den Ball nicht, war
konzentriert, beobachtet das Spielgeschehen. Während andere über den Platz
Kommandos riefen, blieb er still, trabte über den Rasen, setzte selten zum
Sprint an. Es schien ihm nicht um Tore, nicht ums Gewinnen zu gehen. Einfach
mit ein paar alten Kumpels kicken. Irgendwann wechselte er mit dem Torwart
seiner Mannschaft die Position. Kurz darauf flog ein gut getroffener Schuss an
ihm vorbei, es sah nicht so aus, als würde es ihn stören. Ungerührt fischte er
den Ball aus dem Netz. Ich ging etwas näher, setzte mich am Spielfeldrand auf
eine Bank. Er hatte mich bemerkt. Sah bewusst nicht in meine Richtung. Der Wind
ging an diesem Abend, wie an jedem Abend, eisig, die Wolkendecke, tiefgrau,
hing dicht über dem dunklen Grün des Felds. Über mir raschelten die
herzförmigen Blätter einer Linde. </p>



<p>Das Spiel hatte sich gerade auf die andere Seite des Platzes verlagert, da blickte der große Blonde doch plötzlich in meine Richtung, kam ein paar Schritte auf mich zu, und ich bekam das Gefühl, jetzt aufstehen zu müssen, jetzt was sagen zu müssen, da bleibt er gut zehn Meter vor mir stehen, hebt die Hand, streckt den Zeigefinger in Richtung Wolkendecke und lässt ihn hin und her pendeln, hin und her, und er signalisiert mir, in bester Fußballermanier, wie einem Linienrichter, mit ernstem Blick, mit festem Stand, dass das hier eine Fehlentscheidung sei. Ich sollte gehen. Oder besser: Sofort verschwinden. Die anderen Spieler beobachten uns. Dann drehte sich Claas Relotius um und trabte zurück zu den anderen aufs Feld und das Spiel ging weiter, als sei nichts geschehen. So war‘s ja auch.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://hermes-baby.de/wp-content/uploads/2019/12/4-794x1024_web-794x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2564"/></figure>



<h2 class="wp-block-heading">III.</h2>



<p>Ein paar Tage später meldete sich tatsächlich doch noch
jemand auf meine vielen Telefonate und E-Mails. Eine ehemalige Kommilitonin von
Claas Relotius. Sie hatte gemeinsam mit Relotius an der Hamburg Media School
studiert.</p>



<p>Sie erzählte mir, dass Relotius während seines Studiums
nicht gerade zu den beliebtesten Studenten gehört hatte. Seine Texte seien
schon damals die Besten gewesen. Aus Gruppenarbeiten habe er sich lieber
rausgehalten. In Vorlesungen sei er gern zu spät oder gar nicht gekommen. Für
seine Reportagen aber habe er viel Lob von den Professoren bekommen, zum Neid
der anderen. „Ich kann mir vorstellen, dass sich manche darüber gefreut haben,
als das rauskam, mit den gefälschten Reportagen“, sagte die Kommilitonin mir am
Telefon. Sie selbst habe ihn immer als freundlich und zurückhaltend erlebt.
Dass er ein Betrüger, Hochstapler, Fälscher sei, das hätte sie sich niemals
vorstellen können. Das habe niemand geahnt. Und sie hoffe, dass es ihm jetzt
gut gehe, dass er zurück ins Leben finde, in ein neues Leben. Ich erzählte der
Kommilitonin am Telefon nicht, dass ich Relotius erst vor kurzem gesehen hatte,
wie er in Tötensen mit seinen Freunden Fußball gespielt hatte, und zwar eher im
Stile von Sebastian Schweinsteiger als Christiano Ronaldo. Stattdessen ätzte
ich noch ein paar Minuten mit ihr über die Journalisten-Branche im Allgemeinen,
dann legte ich auf.</p>



<p>Ich dachte nach. Eine Existenz, zu der man sich voll und ganz bekennt, das ist so eine Lebensaufgabe. Man selbst sein können, gegenüber sich selbst, gegenüber der Außenwelt. Selbstvertrauen, sich selbst vertrauen. In den Spiegel blicken, Menschen entgegensehen, solchen, die man liebt, und solchen, die einem fremd sind, sagen können: „Das bin ich, und besser wird’s nicht“ — das ist ein Leben innerhalb der eigenen Lebensrealität. Alles andere ist Theater. Wir spielen es andauernd. Dieses Spiel macht unsere Persönlichkeit aus. Wir können wählen, wer wir sein wollen -in jeder Situation aufs Neue. Relotius hatte sich entschieden, so wenig wie möglich er selbst sein zu wollen, bis er sich ganz verloren hatte. Ein Fall ins Nichts. Und der Reportage-Journalismus? Welche Rolle will er in Zukunft spielen?</p>



<p><span style="color: #a9a9a9;" class="ugb-highlight">Die Illustrationen stammen von <a href="http://www.thomas-kuhlenbeck.com/">Thomas Kuhlenbeck</a>. Er arbeitet unter anderem für Der Spiegel, Der Stern, Forbes, Time Magazine, Die Zeit, Die Welt.</span></p>


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