Ein Vater und eine Mutter streiten um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter. So wie jedes Jahr Zehntausende Eltern in Deutschland. Doch dann geht es plötzlich um Vergewaltigung, Mord und eine Entführung.
Erschienen in DIE ZEIT, Februar 2021 / Illustration: Eleanor Taylor
Martin Koch* sitzt auf einer leeren Hotelterrasse in Rijeka, Kroatien. Vor ihm glitzert das Meer im Sonnenuntergang. Wellen platschen gegen die Klippen, ein Frachtschiff gleitet vorüber, in den dürren Ästen eines Busches klettert ein Kätzchen. Martin Koch hat dafür keinen Blick. Er zieht an einer Zigarette, wohl der dreißigsten heute. Er ist nach Kroatien gekommen, um endlich, nach vier Jahren des Vermissens, seine kleine Tochter in die Arme zu schließen.
Dann beginnt er, von der Frau zu erzählen, die ihm erst den Atem und dann das gemeinsame Kind raubte. Von der Frau, die ihm einen Mord anhängen wollte. Der Frau, die ihn einen Kindesvergewaltiger nannte.
So sagt er das.
Zur selben Zeit, nur ein paar Kilometer weiter, kauert Sandra Busch auf der Pritsche einer engen Gefängniszelle. Es stinkt nach Kot. Eine Mitinsassin hat einen künstlichen Darmausgang und bräuchte dringend einen Arzt, aber das scheint hier niemanden zu interessieren. Sandra Busch ist mit ihrer Tochter nach Kroatien gekommen, um sie vor ihrem Vater zu schützen. Dem Mann, der sein eigenes Kind vergewaltigt hat. Der dafür gesorgt hat, dass die Polizei ihr einfach die Kleine wegnahm. Und der ihre ältere Tochter umgebracht hat.
So sagt sie das.
[…]
Der ganze Text in DIE ZEIT oder hier.