»Schlimm war zu merken, dass ich als schwangere Frau nichts mehr zu melden hatte«

Fast überall auf der Welt werden Abtreibungen juristisch eingeschränkt und moralisch verurteilt. Frauen aus 17 Ländern schildern, was sie erlebten, nachdem sie sich trotzdem für einen Abbruch entschieden hatten.

Erschienen in SZ-Magazin, 10.10.2022

USA, Elizabeth Weller, 27

»Es war der 10. Mai 2022. Oben im Kinderzimmer hatte ich schon ein paar Babysachen verstaut. Unten in der Küche klebten Bilder von Ultraschallunter­suchungen am Kühlschrank. Ich war in der 18. Woche schwanger mit einem Mädchen und aß ein gesundes Frühstück. Da platzte meine Fruchtblase. 

Mein Mann James fuhr mich zum nahe gelegenen Woodlands Hospital, das Teil des Houston Methodist Hospital-Systems ist. Ein Ultraschall bestätigte: Mit 18 Wochen war das schützende Kissen aus Fruchtwasser verschwunden. Es gab noch einen fötalen Herzschlag, aber der konnte jeden Moment aufhören. 

Meine Gynäkologin nannte zwei Optio­nen: die Schwangerschaft beenden, ein ›Abbruch aus medizinischen Gründen‹, also einem lebensbedrohlichem Notfall. Oder versuchen, bis zur 24. Woche schwanger zu bleiben, was als Beginn der Lebensfähigkeit außerhalb der Gebärmutter gilt. Doch die Überlebenschancen ohne Fruchtwasser lagen unter einem Prozent. Zudem hätten wir ein viermal so hohes Risiko für eine Gebärmutterinfektion, was zu einer Sepsis, einer Hysterektomie oder zum Tod führen könnte. Unsere Tochter würde so oder so sterben. Mein Mann und ich entschieden, dass wir die Schwangerschaft ­beenden wollten. Die Risiken für meine ­Gesundheit waren einfach zu hoch.

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