Schachnovelle auf Armenisch

Schachnovelle auf Armenisch von Alexander Rupflin

Schach in Armenien ist wie Fußball in Brasilien – eine Obsession. Auf Geldscheinen, in Schulen, im Fernsehen, überall Schach. Warum die Armenier dem Spiel der Könige so verfallen sind wie keine andere Nation

(Veröffentlicht in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

Mein größter Fehler war Springer g4. Jedenfalls behauptete der Junge mit den großen Augen, er habe keine Sekunde an seinem Sieg gezweifelt. Alberto machte den Eindruck, als würde er die Stunde, in der wir uns gegenüber saßen, bald vergessen. Die anderen drei Jungs beachteten uns nicht. Der Ausgang der Partie musste ihnen klar gewesen sein. Alberto gab mir die Hand und schaute an mir vorbei.

Der einzige Sport, den ich jemals mit Ehrgeiz betrieben habe, war Schach. Naturgemäß zeige ich als Deutscher kein großes Talent. Die Deutschen haben im Schach nie viel gerissen, was daran liegen mag, dass wir für dieses Spiel zu pragmatisch sind. Schach ist schließlich die größte Vergeudung von Zeit und Intellekt, die man sich vorstellen kann. Für so etwas haben wir keinen Nerv.

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