Für Hartzer gibt es keinen Handke

Für Hartzer gibt es keinen Handke

Manfred Bartl ist arbeitslos, für seine monatliche Freizeitgestaltung bleiben ihm 40 Euro. Für eine „Peter Handke Bibliothek“ reicht das nicht. Von unserem Autor fühlte er sich deshalb provoziert. Also trafen sie sich auf der Buchmesse.

(Veröffentlicht in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

Ausschnitt: Das mit Manfred Bartl und mir ging los mit Handke und dem Nobelpreis, und erst mal war mir Bartl recht unsympathisch. Nach der Nachricht, Peter Handke und Olga Tokarczuk hätten den Literaturnobelpreis gewonnen, hatte ich auf Twitter gutgelaunt verkündet: „Wer nicht spätestens seit heute diesen formschönen Handke-Schuber in seinem Wohnzimmer stehen hat, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Darunter ein Foto der „Peter Handke Bibliothek“ – eine vom Suhrkamp Verlag veröffentlichte Gesamtausgabe. Ich fand’s witzig. Bartl nicht so. Er kommentierte: „Offenbar ein Offenbarungseid zur aus allem – auch aus der Literatur – ausschließenden Natur von Hartz IV.“ Er forderte, ich solle ihm den Schuber kaufen. Wir kannten uns nicht einmal.

Bartl ließ nicht locker. Er schrieb mir eine Mail, wiederholte seine Forderung. Seltsamer Typ, dachte ich, aber ich war neugierig geworden. Weil in Frankfurt gerade Buchmesse-Zeit war, fragte ich ihn, ob er mich nicht begleiten wolle. Auf Kosten dieser Zeitung. Bartl willigte ein.

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