Das zweite Leben des Lukas Müller

Er galt als großes Talent im österreichischen Skispringen. Doch 2016 stürzte Lukas Müller so schwer, dass er seitdem im Rollstuhl sitzt. Es war der Ausgangspunkt einer neuen Karriere.

Erschienen bei SPIEGEL Plus, 23.09.2020

Als Skispringer, sagt Lukas Müller, lerne man, das Schicksal zu akzeptieren. Da trainiert man, Sommer und Winter, ordnet Jugend und Freizeit dem Sport unter. Und wenn es darauf ankommt, dann sitzt man oben auf dem Balken und der Wind bläst von der falschen Seite.

Eine normale Skispringerkarriere ist wie das endlose Warten auf den einen Moment des Ruhms, an dem Anlass, Form und Wetter eine symbiotische Beziehung eingehen. Es ist der Moment, der höchstwahrscheinlich nie eintritt.

„Das Schicksal fragt nicht“, sagt Lukas Müller. So sei das auch damals gewesen, an jenem 13. Januar 2016. Der Tag, an dem Müller so unglücklich stürzte, dass er seitdem auf den Rollstuhl angewiesen ist. Der ihm den Traum vom Durchbruch für immer zunichte machen sollte.

Mehr als vier Jahre später sitzt Müller in der Skylounge des Cool Mama, einem Hotel am Autobahngürtel Salzburgs. Wenn er in der Stadt sei, komme er zum Essen an liebsten hierher, weil es sich „ein bissl wie auf der Schanze“ anfühle, sagt er. Dann erzählt Müller, wie toll es gewesen sei, als er diesen Januar im österreichischen Bischofshofen auf dem Trainerturm stehen durfte. Es war das Finale der renommierten Vierschanzentournee – und Müller, der Österreicher bei seinem Heimspringen, war für die Sicherheit der Vorspringer verantwortlich: Wenn der Wind es zulässt, winkte er sie ab und schickt sie los.

Lukas Müller auf dem Trainerturm: Es ist ein Anblick, der in Zukunft häufiger werden soll. Denn Müller hat im September vergangenen Jahres den ersten Teil seiner Trainerausbildung abgeschlossen. Es wäre seine zweite Karriere.

Die erste Karriere schien sich damals …

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