Ruth Fulterer

Ruth Fulterer

»Alles außer Wirtschaft«

Ruth Fulterer wurde 1992 in Südtirol geboren, ist lesend aufgewachsen und wenn man sie gefragt hat, was sie von Beruf werden will, hat sie Astronautin gesagt, oder Architektin oder Schriftstellerin. Studieren wollte sie „alles außer Wirtschaft“. Dann kam die Weltwirtschaftskrise. In Italien verloren viele Menschen die Arbeit. Im Fernsehen waren Expertenmeinungen gefragt, die kamen meistens von Männern. Sie erklärten, wie weiter vorzugehen sei. Und Ruth wollte mitreden.

Sie hat in Wien und New Orleans Philosophie und Volkswirtschaft mit Schwerpunkt Umwelt- und Sozialpolitik studiert und beide Fächer mit Auszeichnung abgeschlossen. Nach Praktika bei der ZEIT und der SZ arbeitete sie als freie Journalistin. An der Reportageschule Reutlingen vertiefte sie Recherche- und Erzähltechniken. Im Moment schreibt sie als Volontärin für das Auslandsressort der NZZ.

Geschichten

Interview

Du hast Wirtschaft studiert, um mitreden zu können. Hat das was gebracht?

Ich habe vor allem gelernt, dass auch die Expertinnen und Experten nicht wissen, wann die nächste Krise kommt. Und dass in der Wirtschaft – wie in der Philosophie – immer Ideologie mitspielt. Es sind keine präzisen Wissenschaften, gerade weil es um die spannendste Sache der Welt geht: Menschliches Handeln. Das zu verstehen, treibt mich auch als Journalistin um.

Du schreibst aber auch über Umwelt und Technik.

Mich beschäftigt die Frage, wie eine Gesellschaft aussehen könnte, die weder den Planeten noch andere Menschen ausbeutet. Deshalb will ich wissen, welche Baustoffe den klimaschädlichen Beton ersetzen könnten. Deshalb will ich aber auch wissen, wie Menschen leben, wenn sie ein Grundeinkommen bekommen.

Wie passen diese harten Themen zum Erzähljournalismus?

Manchmal findet man genau die einzelne Person, die einzelne Stadt, an der sich ein großer Konflikt erzählen lässt. Meistens nicht. Dann muss man kreativ werden. Aber genau diese Herausforderung macht Spaß. Wenn ich es schaffe, Leserinnen und Leser mit auf eine Entdeckungsreise zu nehmen, und in Themengebiete zu locken, zu denen sie keinen trockenen Erklärtext zu Ende gelesen hätten, dann habe ich gewonnen.

Manchmal erzählst du auch literarisch.

Es gibt Themen, die zu mehr inspirieren, als der Journalismus darstellen kann. Zum Beispiel der Cum-Ex Skandal. Über die Parallelwelt der Steueranwälte mit ihren ganz eigenen Moralvorstellungen habe ich zusammen mit Alexander Rupflin das Stück „Ich hatte nichts und wollte viel“ geschrieben, es wurde für den Osnabrücker Dramatikerpreis 2019 nominiert. 

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