Lisbeth Schröder

Lisbeth Schroeder

»Wir müssen anfangen, Fakten erzählerisch zu vermitteln.«

Lisbeth Schröder lernte beim Biologie-Studium, dass Wissenschaft faszinierend ist, aber sie nicht ihr ganzes Leben lang Pilze unter dem Mikroskop anschauen möchte. Weil sie lieber von der Forschung erzählt, begann sie ihre Ausbildung 2017 an der Deutschen Journalistenschule.

Dort entdeckte sie bei ihrer Masterarbeit ihre Leidenschaft für psychologische Themen und alles, was mit der Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Krankheiten zusammenhängt. Als freie Journalistin schreibt sie vor allem über Medizin, Umwelt, Psychologie und Gesellschaft.

Ihre Texte reichen von einfachen Erklärstücken wie „Was tun gegen Ohrenschmalz?“ im Spiegel bis zu Features wie „Eine schwabbelige Invasion“ für die Zeit, in der es unter anderem um ein Unternehmen geht, das Quallen als Dünger auf die Felder bringen will. Seit Kurzem ist sie auch im Bereich Bewegtbild unterwegs. Bei Hermes Baby kümmert sie sich vor allem um den Instagram-Kanal.

Geschichten

Interview

Wie kamst du zum Wissenschaftsjournalismus?

Es begann mit einem winzigen Stück des Lebens auf einer Nadelspitze. Meine Bio-Lehrerin machte mit unserer Klasse einen Versuch. Wir zermatschten eine Tomate und mischten sie etwa mit Zitronensäure und Spülmittel. So extrahiert man DNA aus Gemüse. Als ich dann den dünnen Faden auf einer Nadel ansah, dachte ich mir nur: „Das ist verdammt cool!“ Meine Lehrerin brachte mich damit zu meinem späteren Biologie-Studium. Aber vor allem brachte sie mich zum staunen. Und so will ich auch mit jeder meiner Geschichten Leute berühren. Sie sollen bei jedem Versuch, bei jedem Protagonisten die Begeisterung spüren, als hätten sie es selbst erlebt.

Welche Rolle spielt Storytelling dabei?

Wir haben es 2018 und 2019 gesehen: Während Forscher seit Jahrzehnten versucht haben vor den Folgen des Klimawandels zu warmen, hält ein Mädchen eine emotionale Rede und bringt Menschen auf der ganzen Welt dazu sich für die Umwelt einzusetzen.

Das heißt, du willst Menschen zu einer gewissen Meinung bringen?

Nein, ich will sie inspirieren. Dass jeder sich seine eigene Meinung bildet, welche auch immer. Meine Geschichten geben den Anstoß sich weiter zu informieren, statt resigniert vor Netflix zu sitzen. Einerseits schaffe ich das durch Erklärstücke, die überraschen. Anderseits durch Nähe und Emotion – Ein wichtiger Bestandteil von Storytelling.

Kannst du Beispiele geben?

Ich nenne etwa nicht nur Fakten zum Thema Superfood, sondern erzähle die Geschichte durch eine junge Frau, die das Zeug auf Instagram vermarktet. Oder bei einem eher trockenen Thema, der Entsorgung von Bauresten, wechsele ich die Perspektive – Und erzähle den Abriss eines Gebäudes aus Sicht eines Steins, der mit aller Kraft aus der Wand gerissen wird.

Was ist dir dabei besonders wichtig?

Es einfach zu erklären. Ich will, dass meine Geschichten von möglichst vielen Leuten verstanden werden. Und dass sie vielleicht auch merken: Wissenschaft ist ja gar nicht so trocken und kompliziert, sondern kann auch cool und spannend sein. Wie die DNA der Tomate eben.

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